„Mafiosi sind exkommuniziert“ – Das päpstliche Anathema und der Applaus der „Zivilgesellschaft“

Verhaftung durch Anti-Mafia-EInheit
Verhaftung durch Anti-Mafia-EInheit

(Cassano dell’Jonio) „Die Mafiosi sind exkommuniziert“. Papst Franziskus schleuderte den Clans des organisierten Verbrechens ein starkes Anathema entgegen. Eine wichtige Aussage. Für eine Kampfansage gegen die Mafia ist ein allgemeiner zivilgesellschaftlicher Konsens sicher. Der Applaus von Bevölkerung, Behörden, Medien und Regierung in Italien ist enorm für die päpstliche Kampfansage. Dennoch haftet ihr der Geschmack einer kalkulierten Einseitigkeit an.

Die Mafia fordert Tote. Die Abtreibung fordert hundert Mal mehr Tote. Kein vergleichbares Anathema war bisher vom Papst gegen die Tötungsindustrie zu hören, die ungeborene Kinder und damit die Zukunft der Völker verschlingt. Weil es dafür keinen Applaus gibt? In der Tat wäre dieselbe „Zivilgesellschaft“, die dem katholischen Kirchenoberhaupt derzeit für seine klaren Worte gegen die Mafia applaudiert, über eine wirkliche Kampfansage gegen den „größten Zerstörer von Frieden und Liebe“ (Mutter Teresa), gegen das „größte Übel der Menschheit“ (Bischof Kurt Krenn), „not amused“.

„Mafiosi nicht in der Gemeinschaft mit Gott“

Papst Franziskus bei Ankunft in Kalabrien
Papst Franziskus bei Ankunft in Kalabrien

„Die Mafiosi stehen nicht in der Gemeinschaft mit Gott, sie sind exkommuniziert““, sagte Papst Franziskus am vergangenen Samstag in Cassano dell’Jonio. Das organisierte Verbrechen Kalabriens ist nicht die Mafia, sondern die `ndrangheta. Mit dem Begriff „Mafia“ verdeutlichte der Papst daher, daß nicht nur die eigentliche Mafia im engeren Sinn, das organisierte Verbrechen auf der Insel Sizilien gemeint ist, sondern alle mafiösen Organisationen. Namentlich nannte er jedoch auch die `ndrangheta, um zu sagen, was dieses Verbrecherkartell „ist: Anbetung des Bösen und Verachtung des Allgemeinwohls. Dieses Böse ist zu bekämpfen, zu entfernen, man muß ihm Nein sagen“. Er forderte die Menschen Kalabriens auf, sich nicht die „Hoffnung rauben“ zu lassen, sondern „Satan und seinen Versuchungen abzusagen: verzichten wir auf die Götzen des Geldes, der Eitelkeit, des Stolzes und der Macht“, so der Papst. Starke Worte in einem Land, das inzwischen seit Jahrhunderten von mafiösen Clans bestimmt wird und in dem hohe Arbeitslosigkeit und noch eine höhere Jugendarbeitslosigkeit herrschen.

Es war nicht das erste Mal, daß Papst Franziskus die Mafia als exkommuniziert erklärt. Bereits im Herbst des Vorjahres sagte er Vergleichbares zur Mafia in Italien und wiederholte es Anfang Juni gegenüber dem mexikanischen Staatspräsidenten Enrique Pena Nieto, den er in Privataudienz empfing. Mexiko leidet unter einem schrankenlosen Krieg der Drogenkartelle gegen den Staat und untereinander um die Vorherrschaft. Die mexikanischen Drogenkartelle beliefern unter anderem den US-Markt. Allein in der mexikanischen Provinz Chihuahua nahe der US-Grenze wurden 2010 2.250 Mordopfer im Zusammenhang mit der organisierten Kriminalität gezählt. In Italien gibt es jedes Jahr zwar noch eine Reihe von Mafia-Morden, in der Regel handelt es sich um interne Abrechnungen oder Clan-Kriege. Die Zahl ist gegenüber den 70er Jahren jedoch stark zurückgegangen. 2009 wurden in Italien 90 Morde der Mafia zugeschrieben. Seither sind es noch weniger. Das organisierte Verbrechen bemüht sich längst, sich stiller und unauffälliger zu bewegen. „Wir haben unsere Kinder studieren geschickt. Die neue Generation der `ndrangheta ist ehrenhafter denn je“, zitiert ein Untersuchungsbericht des italienischen Parlaments einen kalabrischen Mafioso.

Mafia in öffentlicher Wahrnehmung verpönt

Die Mafia, das organisierte Verbrechen gilt im allgemeinen gesellschaftlichen Konsens als verpönt, sowohl in den direkt betroffenen Staaten als auch in den anderen. Die Kampfansage an die Mafia findet daher breiten gesellschaftlichen Zuspruch in Italien, wo das päpstliche Anathema ausgesprochen wurde, aber ebenso in allen anderen Ländern mit vergleichbaren mafiösen Strukturen. Die Mafia ist bisher die einzige Organisation oder Kategorie gegenüber der Papst Franziskus eine kategorische Exkommunikation, wenn auch mehr als grundsätzliche Feststellung und nicht im engeren rechtlichen Sinn, ausgesprochen hat.

Kein vergleichbares Anathema gegen Abtreibung?

Gotteslästerlicher Femen Angriff
Gotteslästerlicher Femen Angriff

Noch kein vergleichbares Wort der Exkommunikation sagte Papst Franziskus bisher gegen die Abtreibungsindustrie, der jährlich weltweit 50 Millionen Menschen zum Opfer fallen, davon immerhin mehre Millionen auch in den christlich geprägten Staaten. Allein in Italien wurden 2005 129.000 ungeborene Kinder legal getötet, in Deutschland wurden 2013 102.800 ungeborene Kinder straffrei umgebracht. Soweit die offiziellen Zahlen. Die Liste des Schreckens ließe sich lange fortsetzen. Wird es auch ein päpstliches Anathema wie gegen die Mafiosi auch gegen die Kindermörder geben? Im Gegensatz zur Mafia ist die Abtreibung von einem Cordon sanitaire derselben „Zivilgesellschaft“ umgeben, die sich zurecht über das organisierte Verbrechen empört

Papst Franziskus hat dem Anti-Mafia-Kampf unüberhörbar den Rücken gestärkt. Wird er auch den Lebensschützern den Rücken stärken? Bisher deutet nichts darauf hin, obwohl die Lebensschützer vielschichtigen Angriffen ausgesetzt sind, wie jüngst, als am 14. Juni in Wien der Marsch für die Familie von Linksextremisten und Homo-Aktivisten angegriffen wurden mit Sprechchören wie: „Hätte Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben“. Oder Politsöldner, wie die Gruppe Femen, Kirchen schänden, Gotteslästerung zum Programm erheben und Kirchenvertreter tätlich angreifen. Eine Femen-Parole lautet „Die Abtreibung ist heilig“. Die Mafia erhebt keinen gotteslästerlichen Anspruch. Sie würde sich davor hüten.

Papst Franziskus weiß natürlich, daß die Wirklichkeit nicht nur aus dem besteht, was gesagt und getan wird, sondern auch aus dem, was nicht gesagt und nicht getan wird (siehe Franziskus und die Diplomatie des Unmöglichen?)

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Diocesi Cassano dell‘Jonio/No Mafia/Christianophobie

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21 Comments

    • Gestern hat sich das auf Radio Vatican unter der gleichen Überschrift aber noch ganz anders angehört!
      Nämlich so, als habe der Papst sozusagen eine unformale Spruchstrafe verhängt!
      Jedoch schön, dass man in Rom wieder angefangen hat zu denken!

      • Die Exkommunikation wäre sowieso unwirksam…wer ist denn „die Mafia“?
        Vor allen Dingen wird Papst Franziskus genau den Priestern einen Bärendienst erwiesen haben, die wirklich an vorderster Front gegen das organisierte Verbrechen kämpfen!
        Vielleicht sollte er sich das mit der Abschaffung des Panzerglases aus dem Papamobil nochmal überlegen…falls die „Exkommunizierten“ mal einen Betriebsausflug nach Rom machen!

    • Die Interpretation bei Radio Vatikan ist absurd formuliert. Ich möchte das mal zitieren:

      „Diejenigen, die in ihrem Leben, wie die Mafiosi, diesen Weg des Bösen beschreiten, sind nicht in Gemeinschaft mit Gott: Sie sind exkommuniziert!“ Deutliche Worte des Papstes, die aber für Verwirrung gesorgt haben. Sind nun alle Mafiosi am Samstag exkommuniziert worden? Die Antwort lautet Nein!

      Um zu verstehen, was der Papst meint, muss der erste Teil des Satzes in den Blick genommen werden: Wer so handelt, ist nicht in Gemeinschaft mit Gott! Es geht also vor allem um den moralischen Charakter der Sünde, und – zumindest zuerst einmal – nicht um die Rechtsfolgen. Der Papst wollte also sagen: Mafiosi stellen sich außerhalb der Gemeinschaft der Kirche, die die Familie Gottes ist.

      Dieser Text stammt von der Webseite http://de.radiovaticana.va/news/2014/06/22/hat_der_papst_die_mafia_exkommuniziert/ted-808650
      des Internetauftritts von Radio Vatikan

      Die Aussage des papstes suggeriert sehr wohl, dass jeder, der sich den Mafiosi zurechnet, exkommuniziert sei. Die künstliche Unterscheidung zwischen „exkommunikation“ und „nicht in der Gemeinschaft mit Gott stehen“ ist abwegig – was soll das heißen? Auch wenn man sagt: Jeder, der sich der Mafia zurechnet, ist nicht in der Gemeinschaft mit Gott (also auch nicht mehr in der vollen Gemeinschaft der Kirche), aber exkommuniziert ist er nicht, dann ist das ein klassischer Widerspruch. was soll das?
      Das ist doch Wortklauberei.

      Tatsache ist, dass F. wieder mal einen seiner populistischen Schnellschüsse abgegeben hat. Und natürlich ist nicht jeder, der sich der Mafia zurechnet, automatisch „exkommuniziert“! Das ist doch Blödsinn! Nur der, der eine schwere Sünde begeht und nicht bereut, die ja mit vollem Bewusstsein getan sein muss, um eine schwere Sünde zu sein, ist „exkommuniziert“. Da aber die Mafiasturktur ganze Familien und Clans verstrickt, in denen die einzelnen sich teilweise erst einmal darüber klar werden müssen, wo sie warum stehen, ist ein solcher Satz tatsächlich unbarmherzig und plump.
      Dass die Struktur an sich selbst widerchristlich ist, ist andererseits klar. Man kann aber keine Abstraktion „exkommunizieren“. Die Exkommunikation bzw. die Rede von der „Gemeinschaft mit Gott“ ergibt nur bzgl. der Einzelperson Sinn.

      Zu Recht weisen hier viele drauf hin, dass in unserer Mitte schwerste Sünden mit vollem Bewusstsein und ohne Reue begangen werden, F. darauf aber nur zu sagen weiß, darüber solle man nicht ständig reden…

  1. Bischof Nunzio Galantino, Diözesanbischof von Cassano dell‘Jonio und Generalsekretär der Italienischen Bischofskonferenz forderte dies müsse Konsequenzen im Leben der Kirche haben und Priester sollten bekannten Mafiosi die Hl. Kommunion verweigern und als Taufpaten ausschließen.

    Haben die anderen, die in schwerer Sünde leben nicht auch diese Fürsorge ihrer Hirten verdient?

  2. Die Mafia ist in der Tat eine Geisel der Menschheit. So entsorgt diese kriminelle Organisation vor der Küste Kalabriens illegal radioaktive Abfälle aus der Medizintechnik. Auch werden Medikamente gestreckt und so mit erheblichen Gewinnspannen über dunkle Kanäle in Nordeuropa auf den Markt geschleust. Das sind nur einige Beispiele für die abscheulichen Verbrechen dieser Organisationen, die der Papst nun so deutlich brandmarkt. Ob sich diese Verbrecher von der Exkommunikation wirklich beeindrucken lassen, das ist ein ganz andere Frage.

    Der Papst setzt häufig Akzente, die von den Medien gierig aufgegriffen werden, die aber dann auf merkwürdige Weise wieder verpuffen, so wie es bei der jüngsten Nah-Ost Friedensinitiative zu sehen ist. Statt einer Hinwendung zum Frieden wieder nur Tote und Elend.

    Als wenn einem das Evangelium zwischen den Fingern zerrinnen würde und man irgendwie mit leeren Händen dasteht, so fühle ich mich leider häufig, wenn ich die Predigten des Papstes lese. Im ersten Moment erscheint das Gesagte wunderbar, doch dann greift man ins Leere, steht auf schwankendem Boden und findet keinen Halt. In einer wirklich sehr schwer zu beschreibenden Art, bleibt alles was der Papst sagt, unbestimmt, ja auf eigentümliche Weise vage. Für mich eine bedrückender Zustand.

    • Besser als im letzten Absatz geschehen kann man die „Wirkung“ des Heiligen Vaters wohl nicht mehr beschreiben: Alles zerrinnt… nichts ist klar. Nichts bleibt, an dem man sich aufrichten könnte! Wer Orientierung sucht, der sucht sie beim prominentesten Bewohner des vatikanischen Gästehauses vergebens.

    • so ganz ähnlich wie Sie, Suarez, hab ich das mal auf kath.net geschrieben, leider kam der Beitrag nie online…

      bei den sogenannten Franziskus-Perlen ist es wie mit Sandburgen, man denkt, man hätte eine Burg entdeckt, aber beim Betreten oder Anfassen zerbröselt sie… hoffentlich kommt nicht noch irgendwann die Flut. Sind Lateinamerikaner von Haus aus eher unpräziser oder liegt’s daran, daß der Jesuiten-Orden seit den 60ern glaubt, daß Soziologie die Fortsetzung der Theologie fürs 20. Jh ist?

      • Unter einer Perle versteht man gemeinhin ja etwas kostbar Seltenes. Mittlerweile habe zumindest ich den Eindruck, einfach vor lauter „Perlen“ ganz schwindlig zu werden.

        So predigte Papst Franziskus heute sehr eindringlich über Mt 7,1-5. Ich erinnere mich aber noch recht genau an das Scalfari-Interview, in dem das subjektiv menschliche Gewissen vom Papst zur Entscheidungsinstanz über Gut und Böse erhoben wurde, Das hatte seinerzeit auch bei mir zu erheblichen Irritationen bezüglich der katholischen Lehre geführt. Lese ich nun die heutige Predigt, steht das dem früher Gesagten diametral entgegen. Auch weiß ich nicht, worauf der Papst genau hinaus will. Sollen wir uns nun in einen moralischen Relativismus einrichten und alles um uns herum in stoischer Gelassenheit akzeptieren?

        Mir scheint auch, dass der Papst, obwohl kein Befreiungstheologe im klassischen Sinn, vom Geist der Befreiungstheologie stark beeinflusst ist, zumindest was die von Ihnen angesprochene Soziologisierung des Glaubens anbetrifft. Wer hier auch nur wagt, seine innere Unruhe zu äußern, erfährt zum Teil schnell wütende Reaktionen, wie ich auch schon erleben durfte.

      • Es ist wohl schon so, dass da Mentalitätsunterschiede bestehen, aber bedenken wir, dass erstens Papst Franziskus gebürtiger Italiener ist und die haben z.B einen Thomas von Aquin hervorgebracht und auch Igantius von Loyola, nicht so unpräzise war.
        Ich halte das Ganze, dass Suarez so schön beschreibt für Papst Franziskus spezial! und finde es schlimm!

  3. Daß die Mafia, bzw. das organisierte Verbrechen ganz allgemein, nicht mit Katholizismus und Christentum zu vereinbaren sind, steht sicherlich außer Frage…aber einfach in Bausch und Bogen alle zu exkommunizieren wäre kirchenrechtlich sowieso nicht möglich!
    Wer wären dann die Nächsten?
    Könnte ja sein, daß der Heilige Vater mit dem Niveau eines Dorfpfarrers (höchstens!) morgen dann schon alle exkommuniziert, die bei Rot über die Ampel gehen.
    Wozu braucht man in einer barmherzigen Liebeskirche denn noch ein Kirchenrecht?

    Es wird von Tag zu Tag schlimmer…

    • es ging bei Ignatius darum, dass der der Gründer des Jesuitenordens, welchem unser aktueller Papst angehörte, war.
      Der Punkt war hier einfach, dass man die Widersprüchlichkeit der päpstlichen Äußerungen nicht aus seiner Ordenszugehörigkeit erklären kann.

  4. Von der geschliffenen Sprache Papst Benedikt emer. verwöhnt, ist die Ausdrucksweise und Bildersprache seines Nachfolgers, -Stichwort „Fledermaus-Christen“- äusserst gewöhnungsbedürftig.
    Vor allem aber redet Papst Franziskus zu viel.
    Tägliche Predigten -auch Perlen genannt-, irritierende Interviews, Spontan-Aussagen im Flugzeug oder sonstwo, Telefonanrufe – das kann auf Dauer nicht gutgehen.
    Nicht die Quantität ist entscheidend, sondern die Qualität!
    Perlen sind ihrer Natur nach rar, nicht in jeder Muschel sind sie zu finden.
    Papst Franziskus, auch als redefreudiger Südländer, sollte dem Rechnung tragen.

  5. Und wer noch so alles ( alsm“humaner Gutmensch“ ) exkommuniziert ist, hat von der Pfarrei Sankt Martin Hw. André Wingen klargestellt; die gesamte Seilschaft der mörderischen Abtreibung. Dies in einem Artikel des dortigen Pfarrblattes von Neukirchen an der Wild, Natürlich wurde er sogleich vom „humanen“ Sumpf attackiert. Immerhin erhielt er Rückendeckung durch den Bischof ( Heute keine Selbstverständlichkeit mehr!)
    Hier sein Artikel:
    -
    „Welche Politiker wollen Sie in Zukunft wählen?
    Eine seelsorgliche Aufklärung im Hinblick auf zukünftige EU- und Österreich-Wahlen
    Es ist unsere christliche Verantwortung in der Gesellschaft – besonders dann, wenn die Situation es erfordert –, für den Glauben und die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Das gilt auch für Wahlen. Andererseits dürfen wir als Christen uns nicht durch Untätigkeit oder Falsch-Wählen mitschuldig machen, wenn gottlose Gesetzesvorschläge Gesetze werden. Als Seelsorger bin ich verpflichtet, auf einige Dinge hinzuweisen.
    Abtreibung: Täglich werden weltweit tausende Schulklassen vernichtet, besonders in Europa. Vorsätzliche Abtreibung ist Mord. Es kann und darf keine Ausnahmen für Abtreibung geben, auch nicht im Falle von Vergewaltigung oder Lebensgefahr der Mutter. Das Leben des Kindes im Mutterschoß untersteht nicht dem freien Willen der Mutter oder des Vaters, der Politik oder der Willkür des Zeitgeistes. Es gibt kein Menschenrecht auf Abtreibung, es gibt aber sehr wohl das Menschenrecht des Kindes auf das Leben. Herr über das menschliche Leben ist allein GOTT, unser Herr und Schöpfer.
    Eine Partei, die die Abtreibung befürwortet oder auch nur zur Debatte zuläßt, ist nicht wählbar.
    Es muß aber jedem Katholiken bewußt sein, daß auf Abtreibung die automatische Exkommunikation steht (CIC Can. 1398), die nicht einmal ausgesprochen werden muß, weil sie mit dem Verbrechen der Abtreibung von selbst in Kraft tritt.
    Somit sind nicht nur die armen Mütter, falls sie vorsätzlich ihr Kind abgetrieben haben, exkommuniziert, aber auch ihre eventuell mitschuldigen Ehemänner oder Familienangehörigen (die oft Druck ausüben), die abtreibenden Ärzte genauso wie die Politiker, welche durch Gesetze die Abtreibung fördern, wie auch jeder andere Mitschuldige.
    Es gibt Bischöfe, die den Mut hatten, gewissen Politikern die hl. Kommunion öffentlich zu verweigern.
    Die Abtreibung ist die größte Vernichtungswelle des Menschen aller Zeiten und geschieht am wehrlosesten aller Menschen, dem noch Ungeborenen. Das Problem geht weiter mit der Forschung an Embryonen zu medizinischen Zwecke und deren Lagerung als Labormaterial mit anschließender Vernichtung.“
    -

  6. Mafia als Symbol
    Der moderne Staat strebt seit den Tagen der absolutistischen Könige danach, seine Bürger aus allen Gruppenbindungen zu befreien, die nicht seine eigenen sind, denn der moderne Staat liebt nur das von der Kraft (s)einer Gruppe befreite, geschwächte Individuum. Nicht nur die bösen Korporationen (Mafia) sind schlecht, auch Religion, Familie und andere „Korporationen“ sind schlimm, nur das Individuum ist gut. Kampf gegen den „Staat in Staate“ lautete der politische Slogan. Die beste Beschreibung dieser Entwicklung findet sich bei Alexis de Tocqueville (Der alte Staat und die Revolution), indem er die Kontinuität dieser Entwicklung durch alle politischen Wirren selbst einer französischen Revolution hindurch aufzeigt.

    Was ist also wirklich neu?
    Zum einen ist neu, dass die katholische Kirche sich eindeutig und mit Freude auf die Seite des modernen Staates stellt. Einen anderen Staat gibt es ja auch nicht mehr und in EVANGELII GAUDIUM finden wir die Stichworte mit Kampf gegen Korruption oder Steuerhinterziehung und als das Grundübel unserer Zeit wird diagnostiziert, dass der Mensch nicht im Mittelpunkt stehe (zum Beispiel im Kapitel Wirtschaft) und dass das „Ende der Geschichte“ noch nicht erreicht sei. Staatsnahe Ethik oder eben Ethik einer selbstverliebten („ich bin der Staat“) Zivilgesellschaft.
    Zum anderen ist neu, dass der in der subjektiven Wahrnehmung als Emanzipation erlebte Prozess der Befreiung sich umkehrt in einen politischen Exhibitionismus (Pussy Riots), im Grunde das Bild einer (Gegen)-Madonna, indem dem „göttlichen“ Menschen nichts Sünde sein kann. Der Begriff der Emanzipation zeigt inzwischen sein hässliches Gesicht, indem sich Befreiung bis zur Entkernung der Persönlichkeit und der privaten Identität des Bürgers steigert. Was wir erleben, ist doch das Ende jener (protestantischen) Bürgerlichkeit, die sich in kritischer Distanz, aber gleichwohl in Bezug auf das Christentum noch zu einer selbstbestimmten Sittlichkeit bekannte. Nun ist aber der christliche Kulturkontext so weit geschwächt, dass diese Selbstbestimmung vom Wissen um die eigenen Wurzeln befreit ist.

    Pfingstgeist oder Kulturrevolution
    Pädagogisch gilt als Regel: die Schüler da abholen, wo sie stehen. Aus den Handlungen und symbolischen Gesten von Papst Franziskus können wir ablesen, wo Franziskus glaubt, den modernen Menschen abholen zu müssen und zu können. Die Frage aber, die hier immer wieder diskutiert wird, ist die, ob Franziskus abholen will. Solange er abholen will, können wir von Inkulturation und einer Art Pfingstgeist sprechen. Andernfalls sollten wir von der „Zärtlichkeit“ und „Barmherzigkeit“ einer neuen Kulturrevolution sprechen.

    • Für mich ist das etwas arg soziologisch, was Sie da schreiben.

      Mich erstaunt immer wieder, wie wenig Raum Gott heute unter Katholiken gegeben wird. Wenn in einem im Missio-Magazin erschienenen Interview mit Kardinal Müller zu lesen ist, dass der Präfekt der Glaubenskongregation sagt: „Aber wir sollen auch nicht ein System stabilisieren und aufs Jenseits vertrösten.“, dann stimmt mich das schon nachdenklich.

      Wird der Glaube an die Auferstehung nun zur Vertröstung?

      Liegt nicht in der Abwendung vom Weltlichen, dem Streben nach Macht, Reichtum und unbegrenzter Lusterfüllung, der Schlüssel, um die sowohl materielle als auch seelische Armut der Menschen unserer Zeit zu überwinden?

      Hat nicht Jesus, als er sagte, „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier.“(Joh 18,36) deutlich gemacht, worum es geht?

      Seit dem Pontifikat Franziskus haben sich die Akzente in der Glaubensverkündigung merklich ins Weltliche verschoben. Offenbar scheint im Vatikan der Glaube an ein Leben nach dem Tod nicht mehr tragend für den Glauben zu sein. Statt Spiritualität hört man immer häufiger soziologische Termini.

      Offenbar vollzieht man im Vatikan die Auseinandersetzung nach, die auf philosophischer Ebene in den 80er Jahren von der Frankfurter Schule ausgetragen wurde, wo es um das Verhältnis von Theorie und Praxis ging. Resultierend aus der Diskrepanz von Theorie und Praxis suchte der Marxismus nach Lösungen die Weltrevolution doch noch ins Werk zu setzen.

      Der Zustand der Welt ist seitdem nicht besser, sondern schlechter geworden. Die Befreiungstheologie, heute allseits in progressiven Kirchenkreisen geachtet, hat in Lateinamerika das Leid der Menschen nicht merklich mindern können, im Gegenteil, durch die Befreiungstheologie sind Elemente marxistischen Denkens in die katholische Theologie eingedrungen, die, wie zumindest mir scheint, vom Kern des Glaubens wegführen.

      Die Einzigartigkeit des Menschen darf keinem Kollektivismus geopfert werden, ebenso wenig wie einem schrankenlosen hedonistischen Individualismus, der die Würde des Menschen aus dem Blick verliert, weil er sie in die totale Befriedigung irdischer Genüsse auflöst.

      Das Grundübel moderner Zeit liegt doch darin, dass der Arme sowie der Reiche dasselbe Interesse verfolgen, nur eben dem Armen die Mittel der Umsetzung fehlen. Darum ist der mittlerweile häufig zu hörende Dualismus von Arm und Reich als moralische Kategorie nicht wirklich tragend. Christlicher Glaube setzt Entweltlichung voraus, sie ist das Wesensmerkmal der Botschaft Christi, was ja nicht heißt, dass uns die Welt = Schöpfung nicht zu interessieren habe. Ich denke häufig an die früheren Aufbrüche der Kirche, wie sich Heilige zurückzogen, wie Orden gegründet und Klöster gebaut wurden. Wenn man heute die Aussagen mitten aus der Kirche vernimmt, handelte es sich dabei nur um Irrtümer.

    • @ eiss

      Bis zu „Pfingstgeist und Kulturrevolution“ finde ich Ihre Analyse sehr gut – aber den Rest verstehe ich nicht. Da ist doch ein gedanklicher und argumentatorischer Bruch?!

      Aus dem oberen, in sich stimmigen Teil, folgt die Frage: Wenn diese Analyse stimmt – welche Zielrichtung müsste dann die Kirche, mit dem Papst an der Spitze, vorgeben?
      Anders: dass er die Menschen „abholen“ können sollte, mag man annehmen oder bezweifeln, vielleicht ist das nicht so wichtig, wie man uns das eingetrichtert hat. Frage ist doch eher: wohin müsste uns ein Papst abholen? Es wäre nicht schlecht, hier ganz intensiv und engstens IHN zu suchen und von IHM auch die Inspiration zu erwarten. Denn die Antwort kann kein Mensch machen.
      Wie immer man ansetzt: Es muss um eine Umkehr, einen förmlichen Auszug aus diesem „Ägyptenland“ geben, das Sie beschreiben. Mit „Abholen“ sollte man sich nicht mehr allzu viel beschäftigen, sonst bleibt man in dem Sumpf nämlich hängen. Es geht wieder ums „Herausrufen“ und Weggehen, Ausziehen.

      • IIH suchen, verehrter zeitschnur, heißt, da stimme ich mit Ihnen voll und ganz überein, eine Richtung einzuschlagen, die vom Weltlichen wegführt und nicht einen weiteren der unendlichen Versuche zu unternehmen, einen irgend gedachten schlechten Weltzustand durch eine politische Utopie überwinden zu wollen.

        Kurz gesagt: Entweltlichung, wie es Papst Benedikt nicht müde wurde hervorzuheben.

      • „Kurz gesagt: Entweltlichung, wie es Papst Benedikt nicht müde wurde hervorzuheben.“

        M.E. handelte er, leider, in einem gravierenden Punkt, nämlich seinem gesundheitlich begründeten Rückzug, selber sehr „weltlich“, werter Suarez.

  7. Der Jesuiten-Orden sieht sich doch seit General Aruppe eher als Entwicklungshelfer denn als religiöse, katholische Ordensgemeinschaft
    Und mein Hauptvorwurf an sie, ebenso an die Befreiungstheologie und an das ganze „vergiß die Armen nicht“-Gedöns à la Franziskus ist: Ihr tut nix, um die Armen da rauszuholen, ihr geht nur hin und haltet Händchen mit ihnen vor den TV-Kameras. Warum laufen denn so viele in Lateinamerika zu den evangelikalen Sekten? Weil man sich dort für wirtschaftlichen Erfolg nicht entschuldigen muß… womit ich nicht dem angelsächsischen Kapitalismus das Wort reden will. Aber wenn man Armut wirksam bekämpfen würde, wären ja die ganzen Soziologen und Befreiungstheologen plötzlich arbeitslos…
    Und was wird denn in Kalabrien wirklich besser nach der großen Franziskus-Show? Drogen-Dealer im Gefängnis besuchen, aber die Franziskaner der Immakulata unter Hausarrest stellen?
    Und gleichzeitig hat man in vielen Gegenden Schwierigkeiten, eine Messe zu finden, die noch eine Messe ist…

    so genug geschimpft, der Heilige Geist wird das schon wieder hinbiegen

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