Radikale Juden besetzten am Pfingstmontag Abendmahlsaal

Radikale Juden besetzen Abendmahlssaal(Jerusalem) Wenige Tage nach dem Besuch von Papst Franziskus in Jerusalem und fast gleichzeitig zum „Friedensgebet“ im Vatikan, zu dem Franziskus Israels Staatspräsident Simon Peres und Palästinenserpräsident Abu Mazen geladen hatte, besetzten jüdische Extremisten am Pfingstmontag den Abendmahlssaal, wie Asianews berichtete. Mehrere Dutzend „ultra-orthodoxe“ Juden und Anhänger der radikalen jüdischen Siedlerbewegung, darunter mit Moshe Feiglin auch ein Abgeordneter des regierenden Likud, nahmen an der Besetzung teil. Die Juden protestierten damit gegen die zahlreichen Christen, die zum Pfingstfest nach Jerusalem kommen, um den Abendmahlssaal aufzusuchen.

Der Abendmahlssaal hat unter anderem gerade für das Pfingstfest herausragende Bedeutung für die Christenheit. In diesem Saal im Obergeschoß des Zion-Viertels von Jerusalem, wo Jesus mit den Aposteln das Letzte Abendmahl feierte, ereignete sich 50 Tage nach seiner Auferstehung das Pfingstereignis. In diesem Saal kam unter Sturmesbrausen der Heilige Geist auf die hier versammelten Apostel und Jünger herab und wurde zum Gründungstag für die Kirche. Wegen seiner Bedeutung bemüht sich der Vatikan seit Jahren in stiller Diplomatie um die Rückgabe des Abendmahlssaals durch den Staat Israel an die Christen. Papst Franziskus feierte hier zum Abschluß seiner Heilig-Land-Reise die Heilige Messe. Am Pfingstmontag mußten die Christen, die sich im Saal versammelt hatten, durch den Überfall jüdischer Extremisten fluchtartig den Saal verlassen.

Protest gegen „zuviele“ christliche Pilger in Jerusalem

Im Erdgeschoß unter dem Abendmahlsaal wurde 1948 vom Staat Israel eine Synagoge eingerichtet. Die Juden verehren dort das Grab von König David. Eine These, die von keinem ernsthaften Historiker oder Archäologen gestützt wird. Die Rückgabe auch nur des darüber gelegenen Abendmahlssaals an die Christen kommt für radikale Juden daher nicht in Frage. Die überfallsartige Aktion jüdisch-extremistischer Aktivisten am Pfingstmontag scheint zu den angekündigten „Maßnahmen“ zu gehören, die von vier Knesset-Abgeordneten vor dem Papst-Besuch angekündigt wurden. Ein Abgeordneter (siehe Bericht Jüdische Abgeordnete kündigen Kampf gegen Übergabe des Abendmahlssaals an Vatikan an) sagte damals, man werde eine Abtretung der israelischen Souveränität über den Abendmahlssaal zu verhindern wissen. Der Abgeordnete Feiglin war einer der vier Abgeordneten.

Der Abendmahlsaal ist seit der Eroberung des Stadtteils durch Israel im Jahr 1948 ein Museum. Nur zwei Mal im Jahr dürfen die Christen den Abendmahlssaal für die Liturgie nützen, am Gründonnerstag und am Pfingstsonntag, jenen beiden Ereignissen im liturgischen Kalender, die direkt mit Ereignissen im Abendmahlssaal verbunden sind. Erst zwei Mal wurde die Zelebration einer Heiligen Messe außerhalb dieser beiden Termine erlaubt: beim Heilig-Land-Besuch von Papst Johannes Paul II. und nun beim Besuch von Papst Franziskus.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Secretum mihi (Screenshot)

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