Kirche stöhnt nicht unter zuviel, sondern zuwenig Autorität – Ariel Levi di Gualdo über den Fall Martha Heizer

Das Kirchenrecht(Innsbruck) Vergangene Woche wurde bekannt, daß die Vorsitzende der kirchenrebellischen Vereins „Wir sind Kirche“ exkommuniziert wurde. Exkommunikationen sind proportional umgekehrt zur zunehmenden Verbreitung heterodoxer Lehren und zur Disziplinlosigkeit in der Kirche eine Seltenheit geworden. Der streitbare Priester Ariel Levi di Gualdo, ein jüdischer Konvertit, befaßt sich in seinem jüngsten Aufsatz mit dem Fall Martha Heizer. Mehr noch geht es ihm darum, daß die kirchliche Autorität das Instrument der Exkommunikation kaum nutzt und die Kirche unter dieser Abwesenheit der kirchlichen Autorität stöhnt.

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Die „Priesterin“ von „Wir sind Kirche“ hat sich exkommuniziert

von Ariel Levi di Gualdo

Die Fakten: Martha Heizer inszenierte zusammen mit ihrem Ehemann Gert Heizer seit drei Jahren in ihrem Haus in Absam unter Anwesenheit von Gläubigen eine regelrechte eucharistische Parodie. Nach einer gründlichen Untersuchung durch die Glaubenskongregation stellte der Bischof von Innsbruck, Msgr. Manfred Scheuer persönlich das Exkommunikationsdekret zu, das von den beiden Betroffenen zurückgewiesen wurde. Martha und Gert Heizer erklärten in den Medien, empört zu sein über das Vorgehen der „Amtskirche“ und vor allem, daß sie ihren Weg weitergehen werden.

Jeder Bischof kann exkommunizieren und sollte es im Notfall auch tun

Jenen, die mich um Aufklärung über die Exkommunizierung gebeten haben und darüber, was genau eine Exkommunikation bedeutet und wer sie verhängen kann, muß ich zunächst vorausschicken, daß es sich dabei nicht um ein päpstliches Vorrecht handelt, wie viele zu meinen scheinen. Alle residierenden Diözesanbischöfe, die über die Vollmacht zur Leitung ihrer Ortskirche verfügen, besitzen das Recht, die Exkommunikation über ihnen unterstehende Gläubige zu verhängen, und manchmal hätten sie geradezu die Pflicht, davon Gebrauch zu machen, wenn sie dies in diesen Zeiten auch nur sehr selten tun. Das Recht erstreckt sich unterschiedslos auf alle ihnen in ihrer jeweiligen Jurisdiktion anvertrauten Gläubigen ob Priester, Diakone, Ordensleute oder gläubige Laien gemäß den im Kirchenrecht festgelegten Bestimmungen.

Der Großteil der Exkommunikationen erfolgt latae sententiae wegen Tatstrafen, das heißt automatisch, weil die Betroffenen durch ihr Verhalten oder ihre verbrecherischen Handlungen, gleichgültig ob es sich dabei um einen Kleriker in sacris oder um einen Laien handelt, ipso facto exkommuniziert sind.
Versuchen wir die Sache anhand eines konkreten Beispiels zu erklären: Wenn ich als Priester beim Beichtdienst das sakramentale Siegel der Geheimhaltungspflicht breche und den Inhalt der Beichte eines Pönitenten, nämlich die von ihm gebeichteten Sünden öffentlich machen würde, wäre ich automatisch latae sententiae, im Sinne einer Tatstrafe exkommuniziert. Konkret wäre meine Exkommunikation mit einem der delicta graviora verbunden, dessen Nachlaß einzig dem Apostolischen Stuhl vorbehalten ist, während mir mein Diözesanbischof dafür keine Absolution erteilen und mir den Nachlaß gewähren könnte. Diese Form betrifft einige im Kirchenrecht festgelegte schwerwiegende Verbrechen. Den Nachlaß dafür kann mir nur die Apostolische Signatur erteilen, nachdem sie eine angemessene Buße auferlegt hat.

Die Exkommunikation latae sententiae bedeutet also, daß man sie sich selbst durch das eigene Handeln zuzieht. Die kirchliche Autorität beschränkt sich lediglich darauf, die Tat zur Kenntnis zu nehmen und dem Betroffenen, der exkommuniziert ist, diese Feststellung offiziell zuzustellen und die je notwendigen Sanktionen und Strafen zu verhängen. Im Falle eines Klerikers könnte das vom Interdikt, dem Verbot die Sakramente zu zelebrieren und zu spenden, bis zur Rückversetzung in den Laienstand in besonders schwerwiegenden Fällen reichen.

Vergleicht man das Strafrecht mit dem Kirchenrecht könnte man sagen, daß die Exkommunikation latae sententiae, der man ipso facto verfällt und der Exkommunikation, die hingegen wegen einer verbrecherischen Tat von der kirchlichen Autorität nach einer formalen Anzeige verhängt wird, der strafrechtlichen Verfolgung von Amtswegen und jener nach einer Anzeige Dritter entspricht.

Problematisches Nichthandeln der Bischöfe

Es gibt zudem eine Reihe weniger eklatanter, aber deshalb nicht weniger schwerwiegender Fälle, in denen es die Pflicht des Diözesanbischofs wäre, strenge kanonische Sanktionen zu verhängen, zum Beispiel, indem er gegen Kleriker einschreitet, die öffentliches Ärgernis geben, weil sie im Konkubinat leben, oder Unordnung und Verwirrung im Volk Gottes stiften durch ihre Schriften oder öffentlichen Aussagen voller Groll oder getränkt von unübersehbaren Schnitzern und Falschdarstellungen der Glaubenslehre, denn richtige Häresien setzen bereits ein bestimmtes Maß an Kultur und theologischer Intelligenz voraus, die bestimmten „sozialen Priestern“ wie dem berühmten Don Luigi Ciotti [bei dem sich Papst Franziskus einhängte und der seither mit höheren päpstlichen Weihen versehen gilt] selten eigen ist. Oder etwa der Genueser Priester Paolo Farinella, der so gerne in der linksradikalen und antikatholischen Zeitschrift Micromega publiziert. Das einzige Problem ist, daß sein Diözesanbischof Angelo Kardinal Bagnasco ist, jener gute Bischof, der im Mai 2013 beim Requiem für den verstorbenen Don Luigi Gallo, einen anderen „sozialen Priester“, vor politischen und polemischen Diskussionen zurückschreckte und deshalb nicht davor zurückschreckte, die Allerheiligste Eucharistie einem als Frau verkleideten Mann zu spenden, der als rabiater Verfechter des Homosexualismus bekannt ist, der sich ihm in Stöckelschuhen präsentierte und dem post communionem sogar erlaubt wurde, wahrscheinlich als eucharistische Danksagung, vom Ambo des Presbyteriums zu palavern, von dem den Christi fideles das Wort Gottes verkündet wird. Das alles während der Eucharistiefeier, der der Vorsitzende der italienischen Bischöfe als Ortsordinarius vorstand.

Pelikan nährt seine JungenIst der Hirte heute Pelikan oder Vogelstrauß?

Wenn in der alten Ikonographie des Aquinaten der gute Vater und Hirte durch den sich selbstlos aufopfernden, hingebungsvollen Pelikan dargestellt wurde, der sich mit dem Schnabel das Herz aufreißt, um seine Kinder zu nähren, müßten heute viele Väter und Hirten durch eine moderne Ikonographie als Vogelstrauß dargestellt werden, der mitnichten hingebungsvoll, sogar vor dem eigenen Schatten dermaßen erschrickt, daß der instinktiv den Kopf in den Sand steckt, dabei aber bestens sichtbar die delikateste und verletzlichste Seite seines Körpers exponiert läßt.

Um ehrlich zu sein, wundert mich noch heute, daß nicht ich bestraft wurde, wie man es mir übrigens mehrfach angedroht hat, obwohl ich keine kanonische Bestimmung verletzt hatte. „Schuldig“ gemacht hatte ich mich hingegen, in den Augen mancher, der Majestätsbeleidigung, dem obersten „Dogma“ bestimmter Prälaten, das heute weit höher steht als das Mysterium des fleischgewordenen Wortes Gottes, weil ich gestern sagte und heute bekräftige, daß der Vorsitzende der Bischofskonferenz falsch gehandelt hat und weiterhin falsch handelt, weil er einigen seiner Priester freien Lauf läßt, ideologischen Haß zu schüren und offenkundige Heterodoxien zu verbreiten.

Heizer hat sich selbst exkommuniziert

Was nun die „Priesterin“ von Wir sind Kirche betrifft, ist es letztlich nicht ganz richtig, zu sagen, der Papst habe sie und ihren ebenso progressiven Ehemann exkommuniziert. Komma 2 von Canon 1378 des Codex Iuris Canonici besagt nämlich: „Die Tatstrafe des Interdikts oder, falls es sich um einen Kleriker handelt, der Suspension, zieht sich zu, wer ohne Priesterweihe das eucharistische Opfer zu feiern versucht.“ Wer sich die entsprechenden Bestimmungen des Kirchenrechts genauer anschauen will, wird im Internet fündig.

Indem Frau Martha Heizer vorsätzlich und mit Beharrlichkeit wiederholt eine Straftat beging, hat sie sich selbst exkommuniziert. Der Bischof von Innsbruck hat lediglich dafür gesorgt, ihr mitzuteilen, daß sie sich aufgrund ihres Vergehens gegen den katholischen Glaubens ipso facto aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgeschlossen hat. Das heißt: Wir teilen dir mit, daß du dich selbst exkommuniziert hast und damit aus der Gemeinschaft der Kirche ausgeschieden bist und daß die Kirche deshalb gegen dich kanonische Maßnahmen ergreift.

Falsches Verständnis von Liebe und Barmherzigkeit – Bischöfe schweigen

Der Gute Hirte läßt die Schafe nicht in die Irre gehenAnders liegt die Sache beim genannten Genueser Priester Paolo Farinella, der alles getan hat, um für mehrere Monate von seinem Bischof das Recht entzogen zu bekommen, zu predigen, öffentlich die Heilige Messe zu zelebrieren und die Beichte zu hören, jedenfalls solange, bis nicht geklärt ist, wie er sich künftig öffentlich zu verhalten gedenkt, da sein bisheriges Verhalten der sakramentalen Würde des Priestertums großen Schaden zugefügt hat. Eine solche überfällige Maßnahme wird jedoch gegen Farinella nicht ergriffen wegen der derzeit vorherrschenden Auffassung von Liebe und Barmherzigkeit. Zumindest solange es sich nicht um die Franziskaner der Immakulata und ihren Gründer, jenen „Schwerverbrecher“ und „notorischen Häretiker“ handelt, denn dann geht das Schlachtbeil unerbittlich nieder, obwohl viele Bischöfe und Kardinäle in ihren privaten Wohnzimmern diese kommissarische Zerstörung mißbilligen. Öffentlich aber schweigen alle aus Angst, irgendein Privileg, eine Präbende oder eine Beförderung auf einen besseren Stuhl zu verlieren?

Aus diesem Grund wäre ein klares und einheitliches Verständnis des Kirchenrechts und des internen Lebens der Kirche wichtig sowie ein korrektes Verständnis der Barmherzigkeit, indem zu letzterer einzig auf einer theologischen Ebene vorgegangen wird. Denn wenn die apostolische Autorität und die christliche Gerechtigkeit fehlen, die auf der zentralen göttlichen Tugend der Liebe erbaut sind, wenn das Gute böse und das Böse gut wird, kann man weder von Barmherzigkeit noch von Vergebung sprechen, wennschon nur vom ewigen Verführer, der heute umso eifriger am Werk ist, den Affen Gottes zu spielen, wie ihn der Kirchenvater Hieronymus nannte: der Teufel, der seit jeher darauf abzielt, das Gute und Böse umzukehren, um eine andere, widergöttliche Wirklichkeit zu schaffen.

Und heute scheint ihm das, leider, meisterhaft zu gelingen.

Einleitung/Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va/Pro Spe Salutis

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Armin
Der Teufelsfuss an der Tatstrafe „latae sententiae“ ist ja die Tatsache, das viele durch das Versagen der „Konzilskirche“ alias „Die Neue Kirche“, indem diese keine oder Großteils eine antikatholische Glaubenslehre betreibt, viele nicht einmal mehr über das nötige katholische Grundwissen verfügen und so diese selber als auch deren Umfeld nicht einmal erkennen wenn sie sich diese Tatstrafe zufügen. Und der Fall Heizers (oder besser gesagt allgemein der Verein WiSiKi) , ist einfach das Paradebeispiel für das Versagen der irdischen kirchlichen Obrigkeit, besonders die des Ö Episkopates, den die Heizers haben ja im Grunde nur das getan was „Wölfe im Schafspelz“… weiter lesen »
Kyrillus
Ich erlaube mir, hier einige Gedanken hinzusetzen, die mit dem Artikel und dessen treffenden Beobachtungen in keinerlei Beziehung stehen. Ich möchte vielmehr an den anregenden Diskurs anknüpfen, der sich im Anschluss an den Artikel über das „Treffen“ zwischen Papst Franziskus und Bischof Bernard Fellay vom 12. Mai entwickelt hat. (Eine Diskussion von Themen im übrigen, die auch dort in keinem direkten Verhältnis mit dem Artikel mehr standen.) Ich komme erst heute dazu, @Augustinus auf seinen Beitrag vom 20. Mai zu antworten, und hätte dies gerne an Ort und Stelle getan; dies ist aber, wie es scheint, nicht mehr möglich. An… weiter lesen »
Johann
Ich nehme hier die Gelegenheit wahr auf Augustinus, GW aus der früheren Diskussion zu antworten, falls dies noch ankommt: Also gut, GW sagt, die Quantentheorie ist frei von Antinomien. Die Quantennatur ist so, wie wir sie beobachten. Paradoxa entstehen, weil unser gesunder Menschenverstand die Andersartigkeit der Quantennatur nicht versteht. Das müssen wir annehmen, weil wir nun mal so beobachten. Befassen wir uns mal mit diesem Beobachter: Das beobachtende Subjekt beobachtet das Objekt, also den physikalischen Prozess ohne ihn zu stören. Das ist das Kriterium der Objektivität. Verlängert der Beobachter seine Sinneswahrnehmung in den Quantenbereich, dann wir der Beobachter selbst Teil… weiter lesen »
GW
Danke, werter Johann, daß Sie auch auf das, was ich da geschrieben hatte, noch eingegangen sind! Tja … ich kann jetzt gar nicht viel dazu sagen – oder es wäre eigentlich noch ganz viel dazu zu sagen, aber ich muß nachdenken … und noch einiges mehr dazu lesen. Auf jeden Fall kann ich Ihnen in so einigem nur zustimmen (in anderem weniger, zBsp würde ich die QM – oder die subatomare Wirklichkeit selbst – nicht als ‚Magie‘ bezeichnen; es ist ja Seine, Gottes, und nicht Satans, GUTE Schöpfung! und es MUSZ auch so sein, oder – wäre die Welt rein-Newton’sch,… weiter lesen »
GW
Nachtrag – ich lese gerade dieses Kant-Zitat: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit[?]. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines andern[?] zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht aus Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen[?]. ‚Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!‘ ist also der Wahlspruch der Aufklärung“ – na, so dermaßen neu hört sich das nicht an!? Diesen Anspruch – wohl nicht ohne eine gewisse Spitze besonders gegen die katholische Kirche (oder vielmehr… weiter lesen »
Kyrillus
(Fortsetzung) (Dabei hatte ich stets die konstitutiven Leistungen, wie Kant sie sieht, im Blick, d.h., dass Raum und Zeit apriorische Anschauungsformen unseres Bewusstseins sind und unsere Verstandesbegriffe die Erscheinungswirklichkeit a priori bestimmen.) Der Unterschied meiner Idee, die, spontan geäußert, natürlich keinerlei Wahrheitswert beansprucht, zum Denken d’Espagnats liegt nun, wie ich glaube, in Folgendem: d’Espagnat sieht sehr wohl auch unser Bewusstsein in diesen Prozess, dieses verborgene Bezugsgeschehen, involviert; aber – und hier sehe ich dann wieder die Nähe zu meinem Gedanken – in einem anderen Sinn als Kant! Nicht in einem subjektivistischen, idealistischen Sinne. Im Internet habe ich eine sehr interessante… weiter lesen »
Kyrillus
(Fortsetzung) Wie es Walter Hoeres in der aktuellen Ausgabe (Mai/Juni) von „Theologisches“ plastisch auf den Punkt bringt: „Wenn die Erkenntnis immer nur bis zu der Welt der Erscheinungen vorstößt, die das denkende Ich selber aus dem Rohmaterial, das ihm die Sinne liefern, mit seinem eigenen Erkenntnis-Apparat konstruiert, dann sind es immer nur diese seine eigenen Konstrukte, denen es als „Welt“ begegnet, hinter denen sich die wahre Wirklichkeit wie hinter einem Wandschirm für immer verbirgt.“ Der auf Kant folgende Deutsche Idealismus hat dann auch noch Kants „Ding-an-sich“ für die Vernunft vereinnahmt und diese somit vermessen zum Seinsganzen aufgespreizt: Fichte, Schelling, Hegel… weiter lesen »
Kyrillus
(Fortsetzung) (Kennen Sie Goethes Wort über Kant, das uns Schopenhauer überliefert hat? „Wenn ich eine Seite von Kant lese, wird mir zumute, als träte ich in ein helles Zimmer.“ Diese Empfindung trifft es meines Erachtens genau auf den Punkt: Eine ungeheure Helligkeit – aber – es ist ein Zimmer!) Demgegenüber gälte für Bernard d’Espagnats Denken, unsere Erkenntnis betreffend, vielleicht das Bild eines tief verschleierten Spiegels: in manchen Intuitionen mag sich der Schleier um ein Weniges lüften, die Realität-an-sich ahnungshaft aufblitzen, nur hat gerade die Wissenschaft nicht das Monopol auf solche Erkenntnisse: d’Espagnat schafft, auf der Höhe präzisesten naturwissenschaftlichen Denkens, wieder… weiter lesen »
Augustinus
Da haben Sie ja wieder tiefschürfende Gedanken eingebracht, deren erschöpfende Entgegnung ganze Bücher füllen könnte. Ich will daher nur in geraffter Form einige Aspekte herausgreifen. Dass Raum und Zeit apriorische Anschauungsformen der Sinnlichkeit sind, hat gerade Schopenhauer, auf den Sie sich berufen, vehement verteidigt und dies herausgefunden zu haben, als das Hauptverdienst Kants bezeichnet. (Im übrigen halte ich Schopenhauers Philosophie keineswegs für Atheismus, sondern für negative Theologie, aber das ist eine andere Baustelle.) Wenn Raum und Zeit hingegen absolute Realität hätten, würde die Welt zu einer selbstständigen Grösse im Sinne eines dualistischen Gegenprinzips zu Gott. Um eine Eingriffsmöglichkeit in eine… weiter lesen »
GW
Eigentlich hätte ich dazu noch sehr viel mehr Fragen (aber ich kann ja nicht erwarten, daß Sie mir – und vielen anderen Lesern – „mal so eben“ in Form von Kommentaren „den Kant beibringen“); also stelle ich nur mal diese hier, denn den Punkt verstehe ich nicht; Sie schreiben: „Wenn Raum und Zeit hingegen absolute Realität hätten, würde die Welt zu einer selbstständigen Grösse im Sinne eines dualistischen Gegenprinzips zu Gott. Um eine Eingriffsmöglichkeit in eine solche, an sich seiende Welt zu haben, müsste Gott selbst in äusseren Verhältnissen existieren und etwa Räumlichkeit und Materialität als eigene Seinsformen annehmen […]“… weiter lesen »
Augustinus
Die Voraussetzung, von der Sie ausgehen enthält bereits einen Widerspruch. Sie behaupten die absolute Realität von Raum und Zeit, bezeichnen diese aber gleichzeitig als geschaffen.Wenn sie geschaffen sind, sind sie bedingt. Dem Bedingten kommt aber im Gegensatz zum Unbedingten, das keine Bedingungen hat, das Attribut des Absoluten nicht zu. Raum und Zeit sind nur empirisch real, nicht absolut real. Sie können in der Anschauung die Materie derselben, also die Gegenstände der Erfahrung, ohne weiteres wegdenken. Raum und Zeit können Sie aber nicht wegdenken. Sie können sich nicht vorstellen, dass kein Raum und keine Zeit ist. Daran können Sie erkennen, dass… weiter lesen »
GW
Geben Sie mir ganz viel extra-Zeit 😉 – wie Sie ja schon mal geschrieben hatten: man muß ja dann wirklich „ran“, und nicht einfach „so nebenher“ lesen, sondern wirklich konzentriert durcharbeiten – oder man läßt’s am Besten ganz; und das braucht eben Zeit, viel Zeit … Ich habe diese Seite (wie auch die vorherige, den ‚Beginn des Dialogs‘) abgespeichert, werde es nochmal in Ruhe lesen und nachdenken. – Ach ja, zu dem Begriff ‚absoluter Raum‘: ich meinte das in dem Sinne, als der Raum (und die Zeit) ja unabhängig von unserer Vorstellung sind, sie existieren also ’selbständig‘ – jedoch nicht… weiter lesen »
Augustinus
(Fortsetzung) Hinsichtlich d‘Espagant ist mir noch aufgefallen, dass Sie ihn einmal verkürzt zitiert haben. Sie zitieren aus seiner Rede wie folgt: „it meets with the views of outstanding contemporary neurologists specialized in cognition theory“, Im Zusammenhang hat er aber folgendes gesagt: „On the one hand it meets with the views of outstanding contemporary neurologists specialized in cognition theory. And on the other one it obviously bears quite a definite relationship with the main Kantian views, which were adhered to by a great many philosophers as well as by some physicists such as Henri Poincaré.“ Zu den „main Kantian views“ gehört… weiter lesen »
GW
„Wenn ich z. B. etwas als schön erkenne, dann ist das nur möglich, weil ich die Idee der Schönheit als Masstab a priori in mir habe, da Gleiches nur von Gleichem erkannt werden kann“ – ja, das leuchtet ein. Wir haben Verstand von Seinem Verstand – also, ich selbst halte die (recht verstandene und interpretierte!!!) Darwin’sche Evolutionstheorie für ‚im Wesentlichen zutreffend‘ (allerdings ist bis heute nicht wirklich geklärt a) die Entstehung des Lebens selbst / die präbiotische Entwicklung; und b) die Emergenz des Bewußtseins, eben die Menschwerdung selbst), ohne darin jedoch irgendeinen Widerspruch zu meinem Glauben zu sehen (kann ja… weiter lesen »
Kyrillus
Ich danke Ihnen, @GW, dass Sie an anderer Stelle nochmals auf dieses Thema aufmerksam gemacht und so die interessanten Beiträge von @Augustinus, @Johann und Ihnen selbst erst ermöglich haben. @ Augustinus: Durch eine längere Reise verhindert, komme ich erst heute dazu, nochmals auf Ihre fundierten Gedanken zu antworten, wobei auch ich nur Einzelnes kurz herausgreifen kann. Schopenhauer hat sich selbstverständlich immer als Schüler Kants gesehen und, wie Sie zurecht betonen, Raum und Zeit (anders als die Kategorien!) im Kantischen Sinne gedeutet (Schopenhauer sieht darin, einen scholastischen Begriff in subjektivistisch-transzendentalem Sinn gebrauchend, ja das principium individuationis). Aber das enthebt natürlich nicht… weiter lesen »
Kyrillus
(Fortsetzung) @GW hatte gefragt: „Was mich interessieren würde: was hätte Kant wohl zu den beiden „Revolutionen [unschönes Wort^^] der Physik“ Anfang des 2o. Jhds. wohl gesagt, zur (Allgemeinen) Relativitätstheorie und zur Quantenmechanik, diese mit ihrer ‚intrinsichen Akausalität‘ (so nenn ich das mal), jene mit der Erkenntnis, daß Raum und Zeit (besser: die Raumzeit), nicht nur (wie nannte er’s?) ‚Formen der Anschauung‘ sind (oder jedenfalls Raum und Zeit ein ‚a priori‘), nicht nur einen unbeweglichen Rahmen darstellen, sondern physikalische Realität besitzen, so daß die Raumzeit selber auf Massen ‚wirkt‘, und diese wieder auf die Raumzeit (bzw. auf die ‚Krümmung‘ derselben) …“… weiter lesen »
Kyrillus
(Fortsetzung) Wenn Sie im übrigen Schopenhauers Philosophie im Sinne einer negativen Theologie interpretieren wollen (bzw. in Richtung einer solchen, zumal sie als Philosophie ja ein anderes Feld bestellt, die Probleme der Theologie nur berührt), so hätten Sie – was ich Ihnen nicht zu sagen brauche – nicht sein Einverständnis. Aber ich gehe mit Ihnen einig, es besteht ein Interpretationspotential: Wenngleich Schopenhauers Lehre von der Verneinung des Willens sich bekanntlich stärker noch fernöstlichen als christlichen Inspirationsquellen verdankt – und mit der katholischen Wahrheit, dass die Gnade auf der Natur aufbaut (um es nur an einem Punkt festzumachen, der aber viel impliziert)… weiter lesen »
Kyrillus
(Fortsetzung) In diesem Zusammenhang muss ich Ihnen gestehen, dass ich Ihren Satz für höchst problematisch halte: „Aus dem Wort (Begriff) ist bekanntlich alles geworden.“ Die Klammer ist das Problem: Sie setzen den göttlichen Logos, das lebendige Wort, Gottes Sohn, durch den der Vater alles geschaffen hat – unendlich über uns und unsere beschränkten Erkenntnismittel erhaben – mit „Begriff“ gleich? Das aber wäre doch so etwas wie die rationalistische Ur-Gedankensünde des Deutschen Idealismus (Hegels im besonderen, der Schellings Ansätze bei aller dialektischen Kunstfertigkeit nivelliert hat) – und als solche auch nicht im Sinne Kants. Eine Stärke von Schopenhauer ist es, dass… weiter lesen »
Carlo

Der Innsbrucker Bischof hätte diese Maßnahme also von sich aus entscheiden und nicht bloß den Postboten spielen müssen?

Dies spräche dann nicht für seine Führungsstärke – allerdings auch nicht für den Papst, sich Kompetenzen und Pflichten eines Mitarbeiters quasi „zurückdelegieren“ zu lassen.

defendor
Ein zumArtikel passender Auszug aus einer Abhandlung von Hw Pater Engelbert Recktenwald von der Petrus-Bruderschaft: - [….] „Schließlich kann man auch sündigen durch Mitwirkung bei Sünden gegen den Glauben. Formen der Mitwirkung sind Anstiftung zur Sünde, Ermunterung, Gutheißung, Zulassung. Mitwirkung zur Sünde ist auch dann gegeben, wenn man schweigt und gewähren läßt, wo man aufgrund seines Amtes die Pflicht hätte, Einhalt zu gebieten. Prof. Dr. Georg May hat in einem mutigen Artikel auf diese Prinzipien hingewiesen und sie auf die heutige kirchliche Situation angewendet: „Bischöfe, die Irrlehrer wirken und das Volk vergiften lassen, machen sich mitschuldig an fremden Sünden durch… weiter lesen »
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