Zwischen Hammer und Amboß: Das schwierige Leben der Christen im Heiligen Land

Papst-Transparent am Jaffator in Jerusalem: Israelische Polizei forderte Entfernung(Bethlehem) Das Leben der Christen im Heiligen Land ist sehr schwierig. Durch Jahrhunderte waren sie Mehrheit, zuletzt während der Hochblüte der Kreuzfahrerstaaten. Seither bildeten sie eine fest verankerte, starke Minderheit, die bis zum israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948 30 Prozent der Bevölkerung ausmachte. Doch 65 Jahre Nahost-Konflikt scheinen sie zwischen Juden und Moslems fast völlig aufgerieben zu haben. Von der heutigen Bevölkerung im Heiligen Land bekennen sich keine drei Prozent mehr zu Christus.
Der bevorstehende Besuch von Papst Franziskus in Bethlehem und Jerusalem lenkt die Aufmerksamkeit etwas auf das Schicksal der Christen zwischen Totem Meer und Mittelmeer. Zwei Ereignisse machen die Daumenschraube sichtbar, in der die Christen des Landes eingespannt sind.

Ereignis Eins: Moslems gegen Christen

Am 6. Mai begaben sich die Christen von Beit Jala, einem kleinen Ort bei Bethlehem, keine zehn Kilometer von Jerusalem entfernt, wie jedes Jahr in die griechisch-orthodoxe Kirche, um den Heiligen Georg, den Kirchenpatron zu feiern. Plötzlich kam eine starke Gruppe Moslems mit Autos angefahren. Sie versuchten in die Kirche einzudringen. Der Christ, der wie im Nahen Osten seit alters her üblich die Tür bewachte und wegen der stattfindenden Heiligen Liturgie den Zutritt verweigerte, wurde niedergestochen. Die Moslems nahmen die Kirche mit einem Steinhagel unter Beschuß. Teile der Kirche wurden dabei beschädigt, sieben weitere Christen verletzt. Die palästinensische Polizei traf erst eine Stunde nach dem Angriff ein.
Bekannt wurde der Vorfall, weil die Schriftstellerin Lela Gilbert an der Zeremonie teilnahm. Ihr Bericht wurde in diesen Tagen von einigen französischen Medien veröffentlicht.

Bethlehem: Zahl der Christen von 85 auf 12 Prozent gesunken

Man hört selten von Konflikten zwischen Christen und Moslems im Westjordanland. Selten sind sie allerdings nicht. Bethlehem war bis in die 70er Jahre noch eine christliche Stadt. 85 Prozent der Bewohner bekannten sich 1948 zu Christus. Heute beträgt der Christenanteil nur mehr 12 Prozent. Grund für diesen Rückgang ist die Abwanderung der Christen wegen der schwierigen politischen Situation, den israelischen Beschränkungen und der dadurch verursachten wirtschaftlichen Depression. Grund ist aber auch ein starkes demographisches Wachstum der Moslems, die im Gegensatz zu den Christen nicht abnehmen, sondern stark zunehmen. War das Stadtbild des Geburtsortes Jesu in den 30er Jahren nur von Kirchtürmen geprägt, erheben sich heute hohe, neu erbaute Minarette direkt neben den Kirchtürmen.

Islamisierung der Palästinensergebiete: „Landmafia“ und Vergewaltigungen

In den Palästinensergebieten findet eine unübersehbare Islamisierung statt. Die arabischen Christen befürchten, daß es sie in 20 Jahren nicht mehr geben wird. Nicht nur wegen der demographischen Entwicklung, sondern auch wegen der moslemischen Willkür und Übergriffe gegen die Christen. Willkür, die unter dem stillschweigenden Wohlwollen der Palästinenserbehörde geschieht und die niemand verhindert. Die Übergriffe gehen vor allem auf das Konto der moslemischen „Landmafia“, ein kriminelles Netzwerk mit guten Kontakt zu den Behörden, das gewaltsam den Christen ihr Land raubt. Zahlreich sind sexueller Mißbrauch und Vergewaltigungen von christlichen Mädchen. Die Islamisierung der palästinensischen Gesellschaft zeigt sich auch daran, daß moslemische Arbeitgeber die Anstellung von Christen verweigern. Wer in manchen Palästinenserorten öffentlich ein Kreuz trägt, riskiert verprügelt zu werden.

Ereignis Zwei: Juden gegen Christen

„Tod allen arabischen Christen und den Feinden Israels“. Eine Gruppe jüdischer Extremisten namens Price-tag (Preisschild) macht in diesen Monaten viel von sich reden in Israel. Nach Vandalenangriffen auf den Abendmahlssaal und das Trappistenkloster von Latrun tauchte in den vergangenen Tagen diese Schmierschrift an verschiedenen Stellen auf, darunter auch am Notre Dame Center in Jerusalem. Das Notre Dame Center ist die offizielle Anlaufstelle für die Heilig-Land-Pilger der Katholischen Kirche und gehört dem Vatikan. Betreut wird die Einrichtung von den Legionären Christi. Der katholische Bischof von Nazareth in Galiläa erhielt eine Morddrohung, die von einem gewissen „Messias, Sohn Davids“ unterzeichnet wurde. Die Christen werden darin als „Götzenanbeter“ und Anhänger „heidnischer Kulte“ beschimpft, die zu töten seien, sollten sie das Heilige Land nicht in Kürze verlassen. Dies alles wenige Tage vor dem Papstbesuch.

Antichristliche Straftaten: Polizei abwesend

Auf jüdischer Seite gibt es extremistische Gruppen, die nach Möglichkeit versuchen, den kurzen Besuch des Papstes zu torpedieren. Daß die Drohungen der Extremisten ernstzunehmen sind, zeigen die Äußerungen des Kustos der Franziskanerkustodie des Heiligen Landes. Die Franziskaner leben seit bald 800 Jahren im Heiligen Land. Sie sind ausgezeichnete Kenner auch der feinsten Besonderheiten zwischen den verschiedenen Volksgruppen, Konfessionen und Religionen des Nahen Ostens. Sie lassen sich deshalb nicht so schnell beeindrucken. Kustos Pater Pierbattista Pizzaballa, kein Mann der grundlos Alarm schlägt, versucht zu beruhigen. Es handle sich um eine Gruppe von „Idioten“, die „zwar lästig“ sei, aber „nur einen kleinen Teil der jüdischen Gesellschaft“ ausmache. Die Mehrheit würde im Papst einen „großen Freund und bevorzugten Gesprächspartner“ sehen. Allein die Tatsache, daß der Kustos zu den antichristlichen Dorhungen Stellung nahm, wirft Schatten auf die „Pilgerfahrt des Friedens“, die der Papst in ein vielfach zerrissenes Land unternimmt.

Polizei fordert großes Papst-Transparent zu entfernen

Regierung und Parlament geben sich in jüngster Zeit ziemlich kühl gegenüber der Katholischen Kirche. Das Parlament scheint nicht gewillt, gegen die zunehmende antichristliche Gewalt von Juden aktiv zu werden. Justizministerin Tzipi Livni und Sicherheitsminister Yitzhak Aharonowitsch sind derzeit die einzigen, die glaubwürdig die Verbrechen und Zwischenfälle anprangern. Livni sprach im Zusammenhang mit der Gruppe Price-tag von „Terrorismus“. Auf ihrer Facebook-Seite schrieb die Ministerin zu den jüngsten antichristlichen Morddrohungen: „Wer so etwas tut, kann nicht meinem Volk angehören.“ Die israelische Polizei glänzt bei der Aufklärung dieser Taten mit so demonstrativer Abwesenheit, daß sich der Versacht der Parteinahme aufdrängt. Beim Jaffator in Jerusalem befindet sich das Christian Information Center, das von den Franziskanern der Kustodie eingerichtet, teilweise vom Orden Das Werk betreut wird. An der Fassade des Gebäudes wurde mit Blick auf den Papstbesuch ein riesiges Transparent mit dem Bild des Papstes und der Aufschrift „Willkommen Papst Franziskus“ angebracht. In den vergangenen Tagen verlangte die israelische Polizei ohne Grundangabe, das Transparent zu entfernen.

Politische Klasse taub gegenüber antichristlicher Gewalt jüdischer Extremisten

Die Forderung ist eines von mehreren Zeichen, daß an dem vordergründig zur Schau gestellten Klima der Herzlichkeit etwas nicht ganz stimmt. Der israelische Sicherheitsminister Yitzhak Aharonowitsch gab bekannt, daß gegen die Täter der antichristlichen Aktionen künftig die Verwaltungshaft angewendet werden soll. Sie ermöglicht durch Militärgerichte Festnahmen und Inhaftierungen bis zu sechs Monaten an der ordentlichen Gerichtsbarkeit vorbei. Sie wurde bisher nur gegen Palästinenser eingesetzt. Der Minister stellte in diesem Zusammenhang an die israelische Öffentlichkeit die Frage, warum diese Art von Straftaten bisher ungesühnt geblieben ist. Eine Frage, auf die die israelische Politik bisher keine Antwort gegeben hat. Der Großteil der politischen Klasse Israels scheint gegenüber antichristlichen Angriffen taub zu sein. Es fällt schwer zu glauben, daß das „sicherste“ Land der Welt, Schwierigkeiten hat, die Täter ausfindig zu machen.

Papst Franziskus gilt als judenfreundlich. Mit seinem persönlichen Freund, dem Rabbi Abraham Skorka veröffentlichte er noch in Argentinien ein Gesprächsbuch. Er hält sich genau an die israelischen Standardwünsche an alle Staatsgäste: er wird das Grab des „Vaters des Zionismus“ Theodor Herzl besuchen und dort Blumen niederlegen und er wird die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besuchen. Warum dann aber die Abkühlung der Beziehungen zwischen der israelischen Regierung und dem Vatikan? Eine genaue Antwort fällt schwer. Ein Grund ist der Druck radikaler Juden. Sie zwingen die Koalitionsregierung zu bestimmten Rücksichtnahmen gegenüber den Ultraorthodoxen Juden, aber auch gegenüber der radikalen zionistischen Siedlerbewegung.

Die „falsche“ Reiseroute

Wie es scheint, wird dem Papst auch übelgenommen, für seine kurze Reise eine „falsche“ Route gewählt zu haben. Statt in Tel Aviv zu landen und von dort aus seine Reise zu beginnen, wie es Israel wünschen würde, wird der Papst in der jordanischen Hauptstadt Amman landen und von dort zuerst die Palästinensergebiete besuchen und erst zuletzt Israel. Tel Aviv wird im Programm nicht berücksichtigt und auch der Besuch in der Altstadt Jerusalems läßt sich nicht unbedingt als Besuch Israels auslegen. Begegnungen mit Politikern sind beim Papst-Besuch auf ein Minimum reduziert. In Rom heißt es, der Papst wolle soviel Menschen als möglich treffen. Genau das wird ihm von Israel erschwert, nachdem für die Jerusalemer Altstadt, wo die Christen leben, just während der Anwesenheit des Papstes eine Ausgangssperre verhängt wurde. Überhaupt ist die Bewegungsfreiheit der Christen während des Papst-Aufenthaltes stark eingeschränkt, was auch die Begegnungen des Papstes mit den Christen in Bethlehem belastet.

Die Franziskaner haben das große Transparent am Jaffator trotz polizeilicher Aufforderung bisher nicht abgenommen. „Weil die lebendigen Steine, die Christen des Heiligen Landes auf den Papst warten“, heißt es in der Kustodie. Mehr wolle man dazu nicht sagen.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: NBQ

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2 Comments

  1. Ja und der Papst findet sich damit ab , dass die Christen und die anderen nichtjüdischen Bewohner eingesperrt werden wenn er kommt, Jaques Chirac hat sich das nicht gefallen lassen, da waren die Menschen auf den Straßen als er durch Ostjerusalem ging und als die Polizei gegen sie vorging drohte er dem Polizeichef Mickey Levy mit vorzeitiger Abreise nach Frankreich. Dass es den Christen dort so schlecht geht, liegt vor allem auch daran dass, sich die Päpste ab Johannes Paul II. nur noch für die Juden interessierten, einen derartigen Konflikt mit der Katholischen Kirche würde das Weltjudentum sich nicht getrauen! Ich frage mich warum, sympathisieren sie mit dieser nach wie vor unveränderten Kultur ? Aus subtiler Dankbarkeit für die Kreuzigung Christi ? Ich betone das ist eine Frage und keine Feststellung!

  2. Vielleicht wurde ja irgendwann die Kirche für 30 Silberlinge an den Fürsten dieser Welt verkauft. Auch dieser Moment musste kommen, wenn die Kirche ihrem Bräutigam bis zum Ende nachfolgt.

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