Der Schlüssel zum Verständnis der Glaubenskrise – Fatima und die Pflicht der Hirten (3. Teil)

o-l-fatima-bust2-e1305212573542von MMag. Wolfram Schrems

„Weh euch Gesetzeslehrern! Ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die, die hineingehen wollten, habt ihr daran gehindert“ (Lk 11, 52).

Im Anschluß an meine Beiträge vom 21. und vom 26. März hier der dritte und letzte Teil.

Bevor wir uns dem eigentlichen Thema zuwenden, drei Vorbemerkungen:

  1. Ich danke allen Kommentatoren, die Lob oder Kritik geäußert haben. Vielleicht ist es nicht überflüssig zu sagen, daß es im gegebenen Rahmen nicht möglich ist, viel mehr Details im Zusammenhang mit Fatima wiederzugeben. Ich beschränke mich auf eine rigorose Auswahl von Punkten, die für meine Aussageabsicht relevant sind, nämlich daß die Unterdrückung von Fatima durch die kirchlichen Autoritäten die derzeitige Glaubenskrise nach sich gezogen hat.
  2. Ich möchte auch ein gelegentlich auftretendes Mißverständnis aufklären:Ich spreche in dieser Artikelserie für keine Gruppe. Ich bin weder – über die Konsultation der betreffenden Publikationen hinaus – mit der Piusbruderschaft in regelmäßigem Kontakt noch mit dem Apostolat von Hochwürden Nicholas Gruner (The Fatima Center) noch mit sonst irgendeiner Vereinigung. Ich appelliere daher an den geschätzten Leser, ausschließlich die von mir dargestellten Fakten und beigebrachten Argumente zu würdigen – und keine Spekulationen zu betreiben, wessen Agent ich wohl sein könnte.Im vergangenen Jahr hielt mich anläßlich eines Podiumsgesprächs, bei dem ich eine für ein bestimmtes „konservatives“ Segment kontroverse Stellungnahme abgegeben hatte, ein erboster Pfarrer sogar für einen Agenten der österreichischen Bischofskonferenz.So leicht kann man sich täuschen.Ich spreche hier nur als jemand, der vor knapp drei Jahren durch einen Zufall in Form eines Buches 1)Mark Fellows, Fatima in Twilight, danke noch einmal sehr herzlich an den Ausleihenden! angeregt worden ist, sich intensiver mit Fatima zu beschäftigen und im Sinne der Ansprüche von Glauben und Vernunft die Ergebnisse meiner Überlegungen einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Dabei nehme ich nicht in Anspruch, ein „Fatima-Experte“ im technischen Sinn des Wortes zu sein.
  3. Schließlich muß ich bezüglich der Auswahl meiner Gewährsleute und Quellen vorausschicken, daß es zur Logik der Offenbarung Gottes gehört, daß diejenigen, die ihr folgen, tendenziell zu Verfemten, Verleumdeten, outcasts und underdogs werden. Das beginnt bei den alttestamentarischen Propheten, reicht über die Apostel und geht zu vielen anderen Gläubigen, besonders in kritischen Zeiten wie der unsrigen.

Dieses Phänomen gibt es zunehmend innerhalb der Kirche:

Es gilt besonders für die Träger spezieller Offenbarungen und Warnungen in unserer Zeit. Denken wir nur daran, wie die kirchliche Hierarchie mit Sr. Lucia oder Pater Pio verfahren ist. Alle Priestergelehrten, die im Zuge ihrer Arbeit zu „positiv“ zu Fatima gestanden sind, bekamen Probleme: Der mexikanische Priester Augustin Fuentes, Vize-Postulator für den Seligsprechungsprozeß von Jacinta und Francisco Marto, wurde nach dem Interview mit Sr. Lucia vom 26. Dezember 1957 2)ihr letztes „öffentliches Interview“, wie ich lese vom Ordinariat von Coimbra verleumdet und seines Postens enthoben. P. Joaqin Maria Alonso CMF, der kirchenoffizielle Historiker für Fatima, durfte seine vierundzwanzigbändige Studie über Fatima nicht veröffentlichen und erhielt nach seinem Tod 1981 keinen Nachfolger. Der Jesuit Luis Gonzaga da Fonseca, gestorben 1963, wurde mit seiner Studie Nossa Senhora de Fatima 3)dritte Auflage, Heiligtum von Fatima, 1978 nicht von der Hierarchie der Kirche rezipiert, stattdessen berief sich die Glaubenskongregation für ihre Erklärung vom Jahr 2000 auf einen Fatima gegenüber negativ eingestellten und theologisch modernistischen Jesuiten namens P. Edouard Dhanis – der sich übrigens geweigert hatte, mit Sr. Lucia überhaupt nur zu sprechen.

Angesichts dieser Fakten erscheint es gleichsam als Qualitätskriterium, daß Father Nicolas Gruner als Spinner, Sektierer oder Sedisvakantist gebrandmarkt wird. Sein Apostolat (auf www.fatima.org) macht aber nicht den Eindruck, daß hier ein Verrückter oder Häretiker spricht.

Daß ein Priester eines westlichen Landes heute in Konflikt mit der Hierarchie gerät, was hier offensichtlich der Fall ist, spricht erfahrungsgemäß noch nicht a priori gegen dessen Rechtgläubigkeit oder Zurechnungsfähigkeit, eher im Gegenteil.

Im übrigen beziehe ich mich auch auf das brisante Buch des bekannten italienischen Journalisten Antonio Socci, Il quarto segreto di Fatima (2006), dessen englische Übersetzung ich konsultiert habe 4)The Fourth Secret of Fatima, Loreto Publications 2009. Dieser wiederum greift neben eigener Recherche auf Vittorio Messori und Solideo Paolini zurück. Sehr aussagekräftig ist auch der entsprechende Film The Secret Still Silenced 5)http://www.youtube.com/watch?v=agr9s3uGn1Q.

Am meisten beziehe ich mich aber auf die kirchliche und weltliche Realität, die von der grassierenden Apostasie deutlich Zeugnis gibt. Jeder kann das sehen.

Damit zum Thema:

Zum Problem des „Dritten Geheimnisses“

Etwa siebenundzwanzig Jahre nach der Erscheinung vom 13.07.1917 schrieb Sr. Lucia den dritten Teil des Fatima-Geheimnisses (das ein unteilbares Ganzes ist) auf, nämlich Anfang Jänner 1944. Aufgrund des schrecklichen Inhaltes erlebte sie, trotz eines bischöflichen Befehls zur Niederschrift, eine monatelange innere Blockade, den Text zu Papier zu bringen. Erst eine Intervention der Muttergottes ermöglichte die Niederschrift der betreffenden etwa zwanzig Zeilen.

Schon zuvor, nämlich in ihrer 3. Lebenserinnerung vom 31. August 1941, hatte sie folgendes geschrieben:

„J.M.J.

Der dritte Teil des Geheimnisses, das am 13. Juli 1917 in der Cova da Iria, Fatima, offenbart wurde.

Ich schreibe aus Gehorsam gegenüber Euch, meinem Gott, der es mir aufträgt, durch seine Exzellenz, den Hochwürdigsten Herrn Bischof von Leiria, und durch Eure und meine allerheiligste Mutter.

Nach den zwei Teilen, die ich schon dargestellt habe, haben wir links von Unserer Lieben Frau etwas oberhalb einen Engel gesehen, der ein Feuerschwert in der linken Hand hielt; es sprühte Funken, und Flammen gingen von ihm aus, als sollten sie die Welt anzünden; doch die Flammen verlöschten, als sie mit dem Glanz in Berührung kamen, den Unsere Liebe Frau von ihrer rechten Hand auf ihn ausströmte: den Engel, der mit der rechten Hand auf die Erde zeigte und mit lauter Stimme rief: Buße, Buße, Buße! Und wir sahen in einem ungeheuren Licht, das Gott ist: „etwas, das aussieht wie Personen in einem Spiegel, wenn sie davor vorübergehen“ einen in Weiß gekleideten Bischof „wir hatten die Ahnung, daß es der Heilige Vater war“. Verschiedene andere Bischöfe, Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen einen steilen Berg hinaufsteigen, auf dessen Gipfel sich ein großes Kreuz befand aus rohen Stämmen wie aus Korkeiche mit Rinde. Bevor er dort ankam, ging der Heilige Vater durch eine große Stadt, die halb zerstört war und halb zitternd mit wankendem Schritt, von Schmerz und Sorge gedrückt, betete er für die Seelen der Leichen, denen er auf seinem Weg begegnete. Am Berg angekommen, kniete er zu Füßen des großen Kreuzes nieder. Da wurde er von einer Gruppe von Soldaten getötet, die mit Feuerwaffen und Pfeilen auf ihn schossen. Genauso starben nach und nach die Bischöfe, Priester, Ordensleute und verschiedene weltliche Personen, Männer und Frauen unterschiedlicher Klassen und Positionen. Unter den beiden Armen des Kreuzes waren zwei Engel, ein jeder hatte eine Gießkanne aus Kristall in der Hand. Darin sammelten sie das Blut der Märtyrer auf und tränkten damit die Seelen, die sich Gott näherten.

Tuy-3-1-1944″. 6)Zitiert nach der offiziellen vatikanischen Publikation: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20000626_message-fatima_ge.html

Es ist bemerkenswert, daß diese römische Erklärung die 3., aber nicht die 4. Lebenserinnerung von Sr. Lucia heranzieht, anstatt dessen aber erklärt:

„Im Hinblick auf die Beschreibung der beiden ersten Teile des ‚Geheimnisses‘, das übrigens schon veröffentlicht und daher bekannt ist, wurde der Text gewählt, den Schwester Lucia in der dritten Erinnerung am 31. August 1941 niedergeschrieben hat; in der vierten Erinnerung vom 8. Dezember 1941 werden dann einige Bemerkungen angefügt.

Der dritte Teil des ‚Geheimnisses‘ wurde ‚auf Anweisung Seiner Exzellenz, des Hochwürdigsten Herrn Bischofs von Leiria, und der Allerheiligsten Mutter …‘ am 3. Januar 1944 niedergeschrieben“ (ebd.).

In der 4. Lebenserinnerung steht auch der schwerwiegende Satz: „In Portugal wird das Dogma des Glaubens immer bewahrt werden etc.“

Warum hat sich die Glaubenskongregation keine Deutung dieses Satzes geboten? Was hat es mit dem „etc.“ auf sich?

Die auffällige Lücke

Auf http://www.fatima.org/essentials/message/tspart3.asp liest man 7)eigene Übersetzung:

In ihrer 4. Lebenserinnerung (vom 8. Dezember 1941) schrieb Sr. Lucia die ersten zwei Teile des Fatima-Geheimnisses Wort für Wort auf – einschließlich dessen, was als Konklusion des gesamten Geheimnisses erscheint:

„Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der hl. Vater wird mir Rußland weihen und es wird sich bekehren, und eine Periode des Friedens wird der Welt geschenkt werden.“

Dann fügte Sr. Lucia sofort den folgenden Text ihrer 4. Lebenserinnerung an:

„In Portugal wird das Dogma des Glaubens immer bewahrt werden etc.“

Was kann man daraus ableiten? Daß das Dogma des Glaubens anderswo verschwinden wird (vgl. Lk 18, 8)? Hat das eventuell mit der Hierarchie und den Gottgeweihten zu tun (vgl. Lk 12,45ff)? Steht hier eventuell eine Warnung an die Hierarchie (vgl. Jes 56, 10ff) – oder Schlimmeres?

Ohne hier jetzt die gesamte Diskussion nachzeichnen zu können –  hier ist etwas faul. Es ist offenkundig, daß uns hier etwas vorenthalten wird.

Sagen wir es offen: Wir kennen das Dritte Geheimnis nicht.

Und die beiden ersten Teile kennen Katholiken und Nicht-Katholiken auch meist nur zufällig und in den wenigsten Fällen durch offizielle kirchliche Kanäle.

Die Botschaft von Fatima und das Schweigen der Hirten

Anhand der weiteren Weichenstellungen der kirchlichen Lehrverkündigung nach dem Tod von Papst Pius XII. können wir die Reaktion der Kirche auf die drei Teile der Fatima-Botschaft so zusammenfassen:

  1. Entgegen der Aussageabsicht der Höllenvision ist die Lehre von der Hölle aus der Lehrverkündigung und der akademischen Theologie verschwunden, Papst Johannes Paul II. zeigte sogar eine starke Tendenz zur Allerlösungslehre. Die Andacht zum Unbefleckten Herzen Mariens, „um die Seelen zu retten“, wurde nicht verbreitet. Das Fest des Unbefleckten Herzens Mariens (am 22. August) ist in der „reformierten“ Liturgie nach 1970 sogar zum optionalen Gedenktag (g) hinuntergestuft worden (!).
  2. Die Weihe Rußlands wurde nicht durchgeführt. Die Sühnesamstage wurden nicht bekanntgemacht – geschweige denn forciert.
  3. Das „Dritte Geheimnis“ wurde 1960 nicht veröffentlicht und danach auch nicht, die Erklärung der Glaubenskongregation vom 26. Juni 2000 ist unglaubwürdig. Sie versetzt die Bedeutung der zitierten Vision in die Vergangenheit (Attentat auf Johannes Paul II.) und beraubt sie so jeder Wirkung.

Wenn das Attentat von 1981 in der Vision gemeint wäre, warum ist man dann nicht zeitnahe damit an die Öffentlichkeit gegangen?

Daß in der Erklärung von 2000 etwas fehlt, geht auch daraus hervor, daß die Seherkinder zu der Schauung (Vision) immer erklärende Worte (Audition) der Muttergottes erhielten, außer Francisco, der keine Audition erhielt (deswegen auch die berichtete Anweisung, ihm die Botschaft verbal mitzuteilen).

Anstatt der Warnung von oben: der „Aufbruch“ in die „Moderne“

Anstatt der Warnungen der Muttergottes legte die Hierarchie die zweideutigen, surrealen, antinomischen und desaströsen Texte des II. Vaticanums vor, einschließlich des gehässigen Kommentars durch Rahner und Vorgrimler, sie gab uns eine neue Messe, die die Kirchen leerte und die den verbliebenen Kirchenbesuchern zum Ärgernis wurde, und – im deutschen Sprachraum – die tendenziöse „Einheitsübersetzung“ der hl. Schrift, die Zweifel an der Zuverlässigkeit der Evangelien förderte. Man wollte nicht mehr obskurantistisch sein, sondern „nach zwei Jahrhunderten Verzögerung“ endlich in der wundervollen „Moderne“ ankommen.

Dabei wurde die Volksfrömmigkeit weitgehend ausgerottet, aber auch nicht durch eine sinnvolle, intellektuell anspruchsvolle akademische Theologie ersetzt. Es ist wie immer: Die ratio verschwindet mit der fides verschwunden, die scientia mit der pietas.

Das offizielle Welt-Apostolat von Fatima (WAF), das am 7. Oktober 2005 (!) kirchlich anerkannt wurde (Dringlichkeit gibt es ja keine), spielt im deutschen Sprachraum 8)http://www.fatima-weltapostolat.de/ 9) http://fatima.ch/ so gut wie keine Rolle, der Rosenkranzsühnekreuzzug, der vom Ehrwürdigen Diener Gottes P. Petrus Pavlicek OFM im Geist von Fatima 1947 in Wien gegründet worden ist, ist nach verdienstvollem und erfolgreichen Wirken (Abzug der Roten Armee 1955 aus Österreich) innerkirchlich praktisch irrelevant, von einem Fortschritt im Seligsprechungsprozeß für P. Petrus habe ich noch nie etwas gehört.

In Fatima selbst baute man eine Kirche, die mehr an Stonehenge erinnert als an ein Gotteshaus 10)http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ingreja_Santissima_Trindade_01.JPG. und gestattete heidnische Rituale in der Capelinha 11)http://old.fatima.org/german/gmnpicdesec.htm.

Wie ich höre, sind die Sühnesamstage sogar im Karmelitinnenkloster von Sr. Lucia in Coimbra erst vor kurzem eingeführt worden.

Damit ist klar

Die kirchliche Hierarchie hat den Gläubigen und den Nicht-Gläubigen Fatima vorenthalten. Man konnte zwar als loyaler Laie ab und zu davon hören, von irgendeiner Dringlichkeit war aber keine Spur.

Und wenn etwas nicht dringlich ist, ist es wahrscheinlich auch nicht wichtig. Nachdem Päpste und Kardinäle sich immer um das „Dritte Geheimnis“ herumgedrückt haben und auf allerhand Ausreden gekommen sind, warum es den Gläubigen nicht vorgelegt werden soll, muß man annehmen, daß es eine nicht schmeichelhafte Aussage über die Hierarchie selbst ist. Genau das legen namhafte Fatima-Experten nahe – einschließlich der Seherin selbst.

Angesichts der Fakten kann man es sich auch selbst denken.

Eine autobiographische Anmerkung

Ich erinnere mich düster an die Erklärung von 2000. Mein Eindruck war, die Hierarchie wollte bezüglich Fatima vermitteln: Keine Panik, wir haben alles im Griff. O. ä. Ich war vermutlich nicht der einzige, der Erleichterung verspürte. Alles im grünen Bereich.

Diesen Eindruck vermittelte auch Ursula Bleyenberg mit ihrem Aufsatz „Fatima im Leben und Denken des Papstes“ in: Anton Ziegenaus (Hg.), Totus Tuus, Maria in Leben und Lehre Johannes Paul II., Pustet, Regensburg 2004, ein Buch, das ich im Jahr 2005 für die VISION 2000 rezensierte.

Ich erinnere mich auch schwach an 2010, als Papst Benedikt XVI. in Fatima sagte, daß sich täusche, wer sage, die prophetische Botschaft Fatimas sei abgeschlossen. Ich erinnere mich aber nicht, daß mich das irgendwie beunruhigt hätte, denn wenn es etwas Dringendes gegeben hätte, hätte der Papst das sicher deutlich ausgesprochen. Davon war aber nicht die Rede, irgendeinen Appell an die Gläubigen habe ich nicht in Erinnerung.

Genau das ist aber das Problem: Fatima ist dringlich!

Erst im Jahr 2011 bin ich durch die aussagekräftige Studie von Mark Fellows 12)vermutlich ein Pseudonym auf die Problematik adäquat aufmerksam gemacht worden. Eine derartige Materialfülle, die der Autor mit etwa 600 Fußnoten in den Text einarbeitet, und einen solchen analytischen Scharfsinn habe ich selten gefunden.

Fazit

Mark Fellows Arbeit zeigt überzeugend, daß wir in einer ablaufenden Frist leben. Papst und Gläubige müßten darauf reagieren. Die Uhr tickt.

Freilich kann man fragen: Woher sollen die Gläubigen über diese Dinge im Bilde sein, wenn die Hierarchie schweigt oder die Boten zum Schweigen bringt? Nun, man muß sich dann offensichtlich an die verfemten und diskreditierten underdogs halten.

Es liegt an der Kirche als ganzer, also auch an den Laien, durch ihre Umsetzung der Fatima-Botschaft, die kommenden Kalamitäten abzumildern. Es liegt nicht zuletzt an der Verbreitung und Umsetzung der Sühnesamstage, daß die Weihe Rußlands endlich vollzogen wird.

Das ist die Schlußfolgerung der ganzen Artikelserie: Es ist seit dem Konzil zweifellos „die Stunde der Laien“.

Weil nämlich die Hierarchie in präzedenzloser Weise vom Glauben abgewichen ist. Weil die Hierarchie den Gläubigen nicht „zur rechten Zeit die Nahrung zuteilt“ (Lk 12, 42). Weil sich eine große Anzahl der Bischöfe und Kardinäle – Wladimir Solowjew hat es in seiner Kurzen Erzählung vom Antichrist 1900 vorausgesagt – lieber mit dem Geist der Welt und des Antichrist fraternisiert.

Das enthebt die Gläubigen aber nicht ihrer Verpflichtung. Auch sie stehen unter einem Anspruch Gottes, den sie vermittelt durch den überzeitlichen und unveränderlichen Glauben selbst im Gewissen hören – Hierarchie hin, Hierarchie her.

Sr. Lucia sagte zu P. Fuentes:

„Pater, wir sollten nicht auf einen Aufruf an die Welt von seiten Roms, seitens des hl. Vaters warten, um Buße zu tun. Noch sollten wir darauf warten, daß dieser Ruf zur Buße von den Bischöfen unserer Diözesen kommt oder von den Orden. Nein, Unser Herr hat diese Mittel oft benützt und die Welt hat nicht gehört. Deswegen muß jeder selbst anfangen, sich geistlich zu erneuern. Jeder hat die Aufgabe, nicht nur seine eigene Seele zu retten, sondern auch alle Seelen, die Gott ihm über den Weg geschickt hat“ 13)http://www.traditioninaction.org/HotTopics/g23ht_Interview.html.

Heute, am Herz Mariä-Sühnesamstag des April 2014, kann jeder damit wirksam anfangen.

Mehr ist dazu nicht zu sagen.

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Referenzen   [ + ]

1. Mark Fellows, Fatima in Twilight, danke noch einmal sehr herzlich an den Ausleihenden!
2. ihr letztes „öffentliches Interview“, wie ich lese
3. dritte Auflage, Heiligtum von Fatima, 1978
4. The Fourth Secret of Fatima, Loreto Publications 2009
5. http://www.youtube.com/watch?v=agr9s3uGn1Q
6. Zitiert nach der offiziellen vatikanischen Publikation: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20000626_message-fatima_ge.html
7. eigene Übersetzung
8. http://www.fatima-weltapostolat.de/
9. http://fatima.ch/
10. http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ingreja_Santissima_Trindade_01.JPG.
11. http://old.fatima.org/german/gmnpicdesec.htm
12. vermutlich ein Pseudonym
13. http://www.traditioninaction.org/HotTopics/g23ht_Interview.html

6 Kommentare

  1. Es ist verwirrend wenn ich mir das alles so durchlese. Ich glaube die „Königin des Himmels“ hat nichts dagegen wenn ich die Worte ihres Sohnes hier schreibe.
    „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich“.
    Per Mariam ad Christum.

    • Sicher hat sie nichts dagegen. Aber die Kirche lehrt auch, dass niemand zu Jesus kommt außer über die Kirche. Spricht etwas dagegen? Nimmt das Ihm etwas weg?

      • “ Aber die Kirche lehrt auch, dass niemand zu Jesus kommt außer über die Kirche.“
        Das ist richtig. Nun muß ich nur noch rauskriegen welche Kirche die richtige ist. Vor dem Konzil hatten wir nur die katholische Kirche, nach dem Konzil haben wir laut „Subsistit in Lehre“ die „Kirche Jesu Christi“ die sich so einfach in der katholischen Kirche verwirklicht hat und immer noch auf andere Kirchen wartet wo sie sich auch verwirklichen kann. Also schon zwei Kirchen. Wenn ich die Kirche des „Geistes des Konzils“ auch noch dazurechne sind es dann schon drei. Ich werde das Gefühl nicht los das die Mutter Gottes in ihrer Fatimabotschaft zu diesem Problem sich geäußert hat und deswegen das Chaos um diese Botschaft. Ob Rom die Mutter Gottes besser verstanden hat als ich oder wir alle werden wir so oder so zu spüren bekommen. Davon gehe ich aus.
        Per Mariam ad Christum.

        • Ja, Shuca, ich habe tatsächlich Grignion de Montfort im Anschluss an das Bild von der Frau in der Johannes-Offenbarung immer so verstanden, dass in dieser letzten Zeit der Satan auch die Kirche beherrschen wird bis in die Spitze und SIE, die als Braut des Hl. Geistes eigentlich auch immer der „adiutor“ (Helfer, Förderer-so nennt Gott Eva, so sprechen aber die Psalmisten auch Gott selbst an, was darauf hinweist, dass die Frau als „adiutor“ des Mannes dem Mann Gott als „adiutorium“ sichtbar machen soll) war und ist, dann – wenn das Papsttum vorübergehend vom Bösen usurpiert ist – alleine und stellvertretend für die Gläubigen aufscheint. Das würde auch IHR häufiges Erscheinen seit 200 Jahren sehr gut verständlich machen. SIE ist dann in dieser schlimmen Zeit Garant für das Lehramt als „sedes sapientiae“.
          Dieses Verständnis erschließt sich auch aus dem Text der Offenbarung.
          Es geht also bei Fatima vielleicht darum, dass Maria uns sagen wollte: Achtung, geliebte Kinder, jetzt geht es los… Es passt alles zusammen, auch die Tatsache, dass hinter aller Emanzipationsfassade die Frau noch nie so tief niedergedrückt war wie heute, weil nicht mehr nur irregeleitete Männer, sondern auch sie selbst diese Vollmacht des „adiutors“ nicht nur aufgegeben haben, sondern auch ablehnen mit Zähnen und Klauen. Eine Maria, die Gottes und des Papstes und unser aller „adiutor“ ist, können darum gerade auch viele Frauen nicht ertragen, auch viele „traditionellen“, weil sie sich niemals zum echten Frausein erlösen lassen wollten, niemals die hohe Würde, die Gott gerade der Frau schenken wollte (wovon Maria zeugt), annehmen wollten.
          Wer Maria abwertet, wertet automatisch auch die Rolle der Frau ab. Entweder er muss die Frau dann maskulinisieren, um sie „gleichzuberechtigen“, oder er muss sie niederwerfen.
          Letzteres ist ja auch das Ergebnis der Reformation. Zuvor spielten so viele Frauen eine große Rolle an ihrem Platz, v.a. in der Mystik und Philosophie (Gertrud, Katharina v. Siena, Mechthild, Hildegard etc.), fraglos erkannte das auch das Lehramt an. Auch später in der RKK z.B. ganz groß Teresa. Mit der protestantischen Abwertung Marias war es damit vorbei. Ein Kirchenzeitalter (in der ev. Kirche) ohne bedeutsamen Beitrag der Frauen begann. Also verknöcherten auch die Männer. Der Pietismus brach das dann etwas auf, wundersamerweise kam auch wieder Begeisterung für eine Art Ordensleben auf (Diakonissen) und damit gewannen Frauen wieder etwas Terrain. Das Vat. II aber hat im Grunde die protestantische Pose übernommen und seither werden alle guten, gottgewollten Gaben vonseiten der Frau bis auf Ausnahmen wieder abgeschmettert. Nur das emanzipatorische, marienfeindliche progressistische Gefasel einiger Professoren wird hochgejubelt. Dieser Geist dringt nun auch mehr und mehr in Tradi-Kreise ein. Sie sehen es ja.

        • Die Beiträge der Ordensfrauen in den tätigen Orden all die Jahrhunderte hindurch scheinen bei Ihnen wohl nicht zu zählen.

        • Hä? Habe ich für den katholischen Bereich das etwa bestritten? Ich redete vom Protestantismus.. Und Sie können mir ja nun die nachkonziliaren Heerscharen wunderbarer Ordensfrauen (und Ordensmänner!) zeigen, die zur Zeit sich selbst gegenseitig noch altenpflegerisch betreuen, bevor ihre Klöster dann endgültig schließen müssen… Das beweist doch gerade das von mir beschriebene Dilemma!

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