Bequeme Verweltlichung und die Eiszeit mancher Orden

Bequemer Kreuzgang in Karmelitenkloster(Madrid) Im spanischen Toledo fand ein geistlicher Einkehrtag für unbeschuhte Karmeliten statt. Der Orden veröffentlichte dazu ein Video. „Eine Versammlung der Karmeliten. Sie behaupten zumindest, es zu sein. Ein peinliches Schauspiel. Eine Hommage an die Weltlichkeit“, so der spanische Kirchenhistoriker und katholische Blogger Francisco de la Cigoña. „Mir scheint, daß ich irgendwo sogar einen Karmeliten im Ordenskleid gesehen habe, aber ganz isoliert irgendwo in einer Ecke.“

„Weltlich getarnte Ordensleute haben mich immer abgestoßen und es ist mein Recht, mich davon abgestoßen zu fühlen“, so de la Cigoña. „Man könnte mich anderes lehren, wenn die Noviziate überfüllt und die Zahl der Ordensleute steigend wäre, wenn junge Menschen in ihre Klöster strömen würden und die Früchte der Heiligkeit und Frömmigkeit dieser Priester sichtbar wären. Aber nichts dergleichen. Die Noviziate sind leer, die Heiligkeit ist unauffindbar, die Zahl der Ordensleute sinkt stetig und die Klöster überaltern und werden aufgelassen.“

Das Video zeigt eine Versammlung von unbeschuhten Karmeliten aus ganz Spanien, die in Toledo stattfand. „Der Anblick, der bereits eine ziemliche Überalterung zeigt, sollte nicht täuschen. Das Durchschnittsalter ist wesentlich höher, da die älteren Ordensangehörigen nicht mehr zu solchen Versammlungen gehen. Altersheime sind tragischerweise die einzigen Ordenshäuser, in denen noch ausreichend Ordensleute vorhanden sind.

Viele Orden erleben einen eisigen Winter, besser gesagt eine Eiszeit, nach der es möglicherweise keine Überlebenden geben wird. Aber sie scheinen so glücklich über die Bequemlichkeiten, die sich in den Klöstern breitgemacht haben, daß sie lieber bequem untergehen, als etwas zu ändern. Wenn das, was auf dem Video zu sehen ist, der Orden der unbeschuhten Karmeliten ist, dann sind seine Tage gezählt. Was für ein trauriges Ende zur 500 Jahrfeier der heiligen Teresa von Avila. Was sie wohl sagen würden, wenn sie ihre Brüder heute treffen könnte.“

Text/Übersetzung: La cigueña de la torre/Giuseppe Nardi
Bild: Reunion Tersiana en Toledo 2014

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13 Comments

  1. die sehen mir aber reichlich beschuht aus. Von den Klamotten her könnte das auch ein Kaninchenzüchterverein sein…

  2. Gott sei Dank sind die wichtigen Bücher von Teresa von Avila auch in Deutsch im Buchhandel zu erwerben. Sie zu lesen ist „Balsam für die Seele“, die konzilsüberdrüssig in der Tradition überleben muss (die Seele). Die Anmerkungen der Herausgeber/Übersetzer sind kritisch zu lesen, weil diese, mit der Konzilsbrille vor den Augen, die Heilige immer wieder konziliar missverstehen.
    Doch die Lektüre ist von unschätzbarem Wert.
    Eine große Heilige der katholischen Kirche. Von ihr werden noch Katholiken lesen, lernen, sich belehren lassen, sich begeistern lassen, wenn der letzte Unbeschuhte Karmelit unserer Zeit das Licht endgültig löscht.
    Schade nur, dass wir nicht wissen, mit welchen Worten sie sich über ihre „Konzilskirchen-Brüder“ äußern würde. Teresa von Avilas Sprache ist stellenweise unnachahmlich originell.

    • Bin gerade dabei – „Das Buch meines Lebens“ von Teresa von Avila, Herder Verlag, vollständige Neuübertragung, Originalausgabe 2009 – zu lesen und schon fast am Ende. Ein wunderbares Buch! Leider eine Taschenbuchausgabe. Hätte das lieber gebunden, gibt es das?

      • Mir ist auch nur die Taschenbuchausgabe bekannt.
        Z. Zt. lese ich intensiv „Der Herr“, von Romano Guardini. So unterschiedlich die beiden Autoren, die große hl. Teresa von Avila und Guardini auch sind, auch wenn ca. 4 Jahrhunderte zwischen ihnen liegen, diese Bücher nähren den Glauben. Die heilige Menschheit Jesu Christi, untrennbar verbunden mit seiner Gottheit, steht im Mittelpunkt der Spiritualität bei beiden. Sie wird, natürlich in literarisch unterschiedlicher Weise, fruchtbar gemacht für den Glauben.

        Schmerzlich wird mir der Mangel bewusst, in dem wir leben müssen: In der nachkonziliaren Kirche wird der Glaube relativiert bis zum offenen Glaubensabfall. Dann müssen sich die Klöster leeren, es gibt keinen anderen Weg.
        Doch in der „übrig gebliebenen Tradition“ ist auch ein Mangel zu spüren: Über die hl. Menschheit Jesu wird leider relativ selten gepredigt. Ich meine, wie seine Gestalt in den Evangelien geschildert wird.

        Gläubig gebliebene Priester in der „Konzilskirche“ predigen oft über „Jesus“. Mit innerer Anteilnahme. Doch sie sparen seine Gottheit aus. Alle, oder fast alle Predigtvorlagen, leiten dazu an. Kein Wunder, dass die Klöster zu großen Altenheimen werden. Ohne Zentrum können Gemeinschaften nicht überleben.
        Wenn der Gottmensch Jesus Christus nicht im Zentrum steht, werden weder das Priestertum noch die Orden eine Zukunft haben.
        Bekehrung tut not. Doch das gilt nicht nur für die nachkonziliare Kirche, sondern auch für die Tradition. (Und natürlich für jeden einzelnen Gläubigen).

  3. die ganze schmerzhafte Situation dieser Ordensleute gemahnt mich an die Zeit während des Vat II.Der Trappistenorden geriet damals -besonders in Frankreich-in einen solchen Sog der Orientierungslosigkeit und Anarchie-, die Konventmesse wurde in Bluejeans mit blosser Stola über dem Räuberzivil am Boden hockend gefeiert-es wurde geschwätzt und konspiriert gegen die gelobten Prinzipien.Einen hauptsächlichen Grund sehe ich in der lockeren Handhabung des Silentiums.Das gegenwärtige katastrophale Pontfikat mit schwersten Mängeln im Herzstück des Glaubens, der Liturgie schaffen katalytisch erneut dieses Klima des Niedergangs.Unser inständiges Gebet gilt denen,die trotz aller gelebten Untreue ringsum treu bleiben wollen.Habe heute in den Threnoi gelesen:bonum est cum silentio praestolari salutare die-gut ist es, im Schweigen zu hoffen auf Gottes Heil.

  4. Es schmerzt zu sehen, wie in diesen altehrwürdigen Gemäuern Dr. Zeitgeist einzug gehalten hat. Aber es gibt trotzdem Orden die wachsen, wie z.B. die Benediktiner in Bellaigue (Frankreich). Auch in Reichenstein (Deutschland) wird ein ehemaliges Kloster wieder zum Leben erweckt.

    Der Schlüssel für erfolgreiche Berufungen sind:

    1. täglicher Gottesdienst mit lateinischer Messe als Tageshöhepunkt
    2. strenges Leben nach der Ordensregel des Gründers

  5. Es gibt ja auch einen Karmeliten-Orden für Menschen, die nicht im Kloster leben wollen. Besonders bekannt durch das Braune Skapulier unserer lieben Frau vom Berge Karmel, dem die Verheißung inne wohnt, von den Feuern der Hölle verschont zu bleiben, wenn man die damit verknüpften Bedingungen erfüllt.

    Leider wurden diese Bedingungen nachträglich immer wieder aufgeweicht, aus einem UND wurde ein ODER gemacht und damit diese Säkularisierung gefördert.
    Ich glaube mich erinnern zu können, auf katholisches.info gelesen zu haben, dass beim letzten Weltkongress der Karmeliten der Appell an die Ordensvertreter gemacht wurde, nicht so sehr auf die Quantität der Neuberufungen zu achten, sondern mehr auf die Qualität.

    Es besteht aufgrund der großen Verheißungen die mit dem Braunen Skapulier in Verbindung stehen, die Versuchung, es als Freifahrtschein in den Himmel zu betrachten.

    • Ich möchte hinzufügen, dass ich, weil ich selber dieses Skapulier trage und mich mit den Bedingungen befasst habe die damit verbunden sind, weiß wovon ich rede.

  6. „Aber sie scheinen so glücklich über die Bequemlichkeiten, die sich … breitgemacht haben, daß sie lieber bequem untergehen, als etwas zu ändern.“

    Dieser Satz paßt auf die Klöster genausogut wie auf jeden von uns hier im Wohlstands-Westen.
    Wer von uns würde auch nur auf ein paar Bequemlichkeiten verzichten zB. auf das eigene Auto und mit Bus oder Bahn zu fahren, da wo es möglich ist. Ich kenne viele, die es könnten, aber – ich doch nicht. Es ist zu umständlich, zu unbequem. Dies ist nur ein Beispiel von vielen Möglichkeiten, die jeder hätte.
    Leider sieht man die eigenen Fehler und Versäumnisse besser an den anderen als an sich selbst.

    • Wenn diese Bequemlichkeit nur in den Orden weniger würde, wäre der Sache schon genug getan. Was die Welt tut spielt hier aus meiner Sicht keine Rolle.

      • Ein weiterer Wesensunterschied ist, dass man in einem Orden ein Gelübde abgelegt hat, ein solches hat der Autofahrer im Normalfall nicht, um bei dieser Sache zu bleiben. 🙂
        Also wollen wir hier mal nicht vom eigentlichen Problem auf Nichtigkeiten ablenken, die damit nichts zu tun haben.

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