Päpstliche Ehren für Kardinal Siri, aber nicht für dessen Schüler

Kardinal Siri, den Papst Franzsikus zitiert, dessen Schüler er aber aus der Kirchenleitung entfernt(Rom) Am 27. Februar leitete Papst Franziskus die Vollversammlung der Bischofskongregation. Eine „nie dagewesene Präsenz“, wie der Präfekt der Kongregation, der Frankokanadier Marc Kardinal Ouellet anmerkte. Tatsächlich kann sich niemand daran erinnern, daß ein Papst dergleichen getan hätte. Bei dieser Gelegenheit hielt Papst Franziskus den versammelten 33 Mitgliedern der Kongregation eine lange Rede über die Kriterien, die sie bei der Auswahl eines guten Bischofs zu beachten hätten, und erwähnte dabei Kardinal Giuseppe Siri.

Unter anderem sagte der Papst:

„Die Kirche braucht weder Apologeten in eigener Sache noch Kreuzritter der eigenen Kämpfe, sondern demütige Sämänner, die auf die Wahrheit vertrauen, die wissen, daß sie ihnen immer neu übergeben wird und auf ihre Kraft vertrauen. Bischöfe, die sich auch wenn es Nacht sein wird und sie müde von der Mühe des Tages sein werden, bewußt sind, daß die Aussaat auf dem Feld keimt. Geduldige Männer, weil sie wissen, daß das Unkraut nie soviel sein wird, um das ganze Feld zu füllen. Das menschliche Herz ist für den Weizen gemacht. Der Feind war es, der im Geheimen den schlechten Samen ausgeworfen hat. Die Zeit des Unkrauts ist jedoch bereits unabänderlich festgelegt.

Dann fügte er hinzu:

„Ich möchte das besonders unterstreichen: geduldige Männer! Es heißt, daß Kardinal Siri zu sagen pflegte: ‚Fünf sind die Tugenden eines Bischofs: Erstens die Geduld, zweitens die Geduld, drittens die Geduld, viertens die Geduld und letztens die Geduld mit jenen, die uns daran erinnern, Geduld zu haben.“

Die „Säuberung“ Roms von den Sirianern

Kardinal Giuseppe Siri (1906-1989) war der wortmächtige Erzbischof von Genua, den Papst Pius XII. als seinen Nachfolger gewünscht hätte, dem die Kardinäle im Konklave jedoch 1958 Johannes XXIII. und durch den von diesem eingeschlagenen Weg des Zweiten Vatikanischen Konzils dann 1963 Paul VI. vorzogen. Rückblickend handelte es sich dabei eindeutig um eine Richtungsentscheidung. Kardinal Siri ist der einzige Kirchenvertreter, den Papst Franziskus in seiner Rede vor der Bischofskongregation erwähnte. Eine Nennung, der ein paradoxer Beigeschmack anhaftet.

„Politik“ durch Gesten: paradoxe Nennung Siris nach „Säuberung“ Roms von den Sirianern

Die Nennung ad honorem erfolgte, nachdem Papst Franziskus aus der Bischofskongregation ausgerechnet jene zwei Kardinäle entfernt hatte, die von Kardinal Siri zu Priestern geweiht wurden, nämlich die Kardinäle Angelo Bagnasco und Mauro Piacenza. Und nachdem ein weiterer Mann der Kirche, dem Kardinal Siri die Hände zur Priesterweihe aufgelegt hatte, der Patriarch von Venedig, Francesco Moraglia, von der Liste der neuen Kardinäle gestrichen wurde, obwohl der Patriarchenstuhl hinter dem Erzbischofssitz von Mailand mit der Kardinalswürde verbunden ist und traditionell überhaupt zu den wichtigsten Bischofssitzen der Welt gehört. Aus Venedig kamen allein im vorigen Jahrhundert drei Päpste. Zu nennen wäre im Zuge dieser „Säuberungswelle“ auch die Entfernung des US-Amerikaners Raymond Leo Kardinal Burke. Er kommt zwar nicht direkt aus der Schule Siris, fühlt sich diesem jedoch verbunden und beruft sich gerne auf den Kandidaten des 1958 und 1963 im Konklave unterlegenen Kirchenverständnisses.

Der ranghöchste verbleibende „Sirianer“ im Vatikan ist damit Msgr. Guido Marini, der Zeremonienmeister des Papstes. Guido Marini, von Papst Benedikt XVI. 2007 in das Amt berufen, um die Reform der liturgischen Reform einzuleiten, war als Seminarist der letzte Caudatarius Episcopi von Kardinal Siri. Zum Priester wurde er allerdings bereits von Siris Nachfolger, Giovanni Kardinal Canestri geweiht. Papst Franziskus scheint mit Kardinal Siri und dessen Kirchenverständnis wenig gemeinsam zu haben. Die Erwähnung Siris mit einem inhaltlich unverfänglichen Satz scheint daher mehr Teil jener „Politik“ durch Gesten zu sein. So sehen es jedenfalls jene Progressiven, die dem argentinischen Papst am lautesten zujubeln und ihn seit seiner Wahl mit Johannes XXIII. vergleichen. Auch das ein Versuch, eine neue Situation wie bei der Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils herbeirufen zu wollen.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Wikicommons

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2 Kommentare

  1. Wie soll Herr Schrems ein solches Werk vorstellen?
    Ich gebe mal einen Kurzauszug aus dem Inhaltsverzeichnis: (…) „Zum Thema Hermeneutik, Umfassende Neuinterpretation des Christentums, Absoluter existentieller Relativismus, Leugnung der Inkarnation.Fälschung der Realität Christi, Radikale Verfälschung der Offenbarung, Die pluralistische Auflösung…“
    Siri befasst sich besonders, aber nicht nur, mit zwei Theologen und einem Philosophen: Henri de Lubac. Karl Rahner, Jaques Maritain. Diese sind im Inhaltsverzeichnis namentlich angegeben, doch natürlich geht er darüber hinaus.
    Benedikt XVI. hat in seinem Buch „Aus meinem Leben“ als Kardinal Ratzinger Henri de Lubac ausdrücklich als sein Vorbild genannt. De Lubac und Ratzinger haben die nachkonziliare Entwicklung als Zerstörung der Kirche nicht gewollt. Aber nicht wahrhaben wollen, dass ihre Theologie mit dazu beigetragen hat. Wer dieses Buch gelesen hat, weiß, dass zwischen Sirianern und Ratzingerianern ein unüberbrückbarer theologischer Gegensatz besteht.
    An Kardinal Siri wird die Ausweglosigkeit sichtbar, in der sich glaubenstreue Bischöfe nach dem Konzil befinden: Er greift theologisch die Theologen an, die von Paul VI. schon während des Konzils gefördert wurden, die lehramtlich nie zur Rechenschaft gezogen wurden. Er bleibt absolut papsttreu, er zitiert Paul VI. mit Lehräußerungen, die sehr gut formuliert sind, den Glauben der Kirche korrekt wiedergeben. Doch die Mitschuld Paul VI. verschweigt er. Doch was blieb ihm übrig? Er hätte den Weg von Erzbischof Lefebvre gehen müssen. Niemand kann Kardinal Siri vorwerfen, dass er das nicht getan hat.
    Doch was bleibt? Sein herausragendes Buch „Gethsemani“, das vergriffen ist, das kaum jemand kennt und das dringend gebraucht würde, um die theologische Entwicklung zu verstehen, die zur Zerrüttung des Glaubens führt.
    Und dann weiß man: Bergoglio ist der „vorläufige Schlusspunkt.“ Ohne seine Vorgänger wäre er nie Papst geworden.

    • Vielen Dank, der Link von Herrn Schrems war sehr wertvoll und Ihre Ausführungen haben auch geholfen die heutige Situation und die Entwicklungsprozesse in der Kath Kirche besser zu verstehen. So kann doch „vergriffenes“ weitergegeben werden. Danke.

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