Monica e.V.
Stoerer
Start » - Forum - Top » Kardinal Raymond Burke: „Es braucht kompromißlose Katholiken“

Kardinal Raymond Burke: „Es braucht kompromißlose Katholiken“

Burke(Rom) Der Kardinal Raymond Leo Burke, Präfekt der Apostolischen Signatur redete unmißverständlich Klartext: „Es braucht kompromißlose Katholiken“, um der Tötung ungeborener Kinder, der künstlichen Befruchtung und der Gender-Ideologie entgegenzutreten. In einem außergewöhnlichen und sehr langen Interview für die Monatszeitschrift Radici Cristiane von Roberto de Mattei behandelt der Kardinal auf katholische Weise die brennenden und umstrittenen Themen der aktuelle Debatte, über die, kirchenferne Kreise immer radikaler eine kulturelle Hegemonie ausüben und das Denken der Europäer durch eine regelrechte Gehirnwäsche bestimmen wollen, die bereits im Kindergarten beginnen soll. Es ist nicht mehr Zeit zuzuschauen oder sich auf Kompromisse hinauszureden. Ebensowenig sei es legitim, zu resignieren. Auch die stillschweigende Resignation angesichts einer psychologischen, moralischen und geistlichen Zerstörung stelle daher einer Form des Kompromisses mit dem Bösen dar, so der Kardinal.

Der traditionsverbundene Kardinal aus den USA fordert die Eltern und Lehrer auf, entschieden dagegen aufzutreten, daß in die Schulprogramme und Lehrpläne etwas aufgenommen werde, was die „Unschuld der Kinder verletzt“. Dazu gehören Programme, die bereits vier- oder fünfjährigen Kindern beibringen wollen, daß Ehe „verschiedene Formen“ haben könne.

Katholiken sollen gegen Perversionen des Relativismus aufstehen

Schluß mit dem Schweigen, Schluß mit der Ängstlichkeit, Schluß mit dem Feigesein. Es ist notwendig die Wahrheit Christi zu bezeugen, das Naturrecht zu bekräftigen, die gesunde katholische Lehre in Erinnerung zu rufen und die ungezügelten Perversionen des Relativismus und des Laizismus gegen die Kirche, gegen das Leben und gegen die Familie aufzustehen, so der Kardinal.

Eine bestimmte Lauheit in den vergangenen Jahrzehnten haben das Auftreten und die Durchsetzung von wahrheitswidrigen Ideen gefördert. Der Kampf gegen das Wahre, Schöne und Gute sei in der heutigen Härte nicht denkbar, wenn nicht Lauheit in die Kirche eingezogen wäre, so der Kardinal. „Ein wirklicher Katholik erkennt die gesamte von der Kirche gelehrte Wahrheit kompromißlos an. Der Begriff von einer ‚Teilkatholizität‘ und ‚Teilkatholiken‘ ist ein Widerspruch in sich“, so Kardinal Burke.

„Überzeugtes Nein“ zu Abtreibung notwendiger denn je

Heute sei mehr denn je ein „überzeugtes Nein zur Abtreibung und der Verhütungsmentalität zu sagen“. In diesem Sinn sei ebenso ein „klares Nein zur Kommunion für Politiker zu sagen, die gegen das Moralgesetz handeln, um durch ein konsequentes Handeln Sakrilege zu verhindern und die Gläubigen vor einem öffentlichen Skandal zu schützen.“

Die Schulen und die Familien müßten ohne Zögern „gegen die Diktatur der zersetzenden Gender-Theorie kämpfen. Die Eltern müssen über die Ausbildung ihrer Kinder wachen, damit sie bezüglich der menschlichen Sexualität zur Wahrheit erzogen werden und vor falschen Botschaften geschützt werden, die durch Schulen und Medien umgesetzte werden sollen“, so Burke. Die Eltern sollen vermeiden, daß ihre Kinder an Unterrichtsstunden und schulischen Aktivitäten teilnehmen, die die Wahrheit über die Natur des Menschen als Mann und Frau verraten.“

Widerstand gegen „zersetzende Gender-Theorie“ leisten

Der Kardinal behandelte im Interview auch das Problem der genetischen Manipulation: „Es ist wichtig, zu betonen, daß sich der Widerstand der Kirche gegen In-Vitro-Techniken zur Zeugung auf das Naturrecht stützt und nicht auf eine katholische Sonderlehre. Die rechte Vernunft schützt die Unverletzlichkeit der Menschenwürde und der Zeugung des Menschen.“

Gegen Abtreibung und „Homo-Ehe“ forderte der Kardinal dazu auf, die „Stimme zum lauten Protest“ zu erheben und auf die Straße zu gehen gegen jene Regierungen, die das Naturrecht verletzten. Der Marsch für das Leben in den verschiedenen Ländern sei ein sehr geeignetes Instrument dafür.

Regierung Obama beschleunigte Verbreitung perverser Theorien

Die Regierung Obama habe, so Kardinal Burke, „eine Beschleunigung der perversen Theorien gebracht“. Die Politik des „US-Präsidenten sind schrittweise immer feindseliger gegen die christliche Zivilisation geworden. Viele gläubige Katholiken reagieren auf die immer stärker zunehmende Verfolgung. Leider hat man dennoch den Eindruck, daß ein beachtlicher Teil der Bevölkerung sich noch nicht wirklich dessen bewußt ist, was derzeit geschieht.“

In Frankreich reagiere die Bevölkerung am deutlichsten: „Das Logo von Manif pour tous ist sehr stark. Es zielt auf die Wahrheit ab. Was die Franzosen umsetzen, ist ein Modell für andere Länder. Die Bürger müssen bereit sein, zu handeln“, so Kardinal Burke.

Das vollständige, acht Seiten umfassende Interview kann über die Zeitschrift Radici Cristiane bezogen werden.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Radici Cristiane

  

  1. Sumsum sagt:

    „Es braucht kompromißlose Katholiken“ – Dem stimme ich vorbehaltlos zu. Allerdings stinkt der Fisch immer vom Kopf her deshalb sollte man mit einem kompromißlosen Katholiken auf dem Stuhle Petri anfangen, der dort zur Zeit, und eigentlich schon seit Vatikan II leider abhanden gekommen ist.

  2. Martina sagt:

    Es wäre schön, wenn die Priester in der der Kompromißlosigkeit den Laien beispielhaft vorangingen und diese nicht immer vorschicken und selber schweigen, obwohl sie doch dauernd mit Politikern zu tun haben oder gar wie der Papst sagen „Who am I to judge?“ und der zusätzlich schweigt, wenn Ban Ki-moon, den er freudestrahlend im Vatikan empfangen hat, LGTB-Rechte via UN der ganzen Welt aufzwängt.

    Video vom LGTB-Kampf Ban Ki-moons vom youtube-Kanal der UN:
    Ban Ki-moon: Struggle for LGBT right one of the great, neglected human rights challenges of our time
    https://www.youtube.com/watch?v=7uaHZWCgGss

  3. Frank Bell sagt:

    Was für ein Glück, dass der jetzige Papst so kompromisslos auftritt und ganz klar und eindeutig die Abtreibung, die Euthanasie, den Gender-Wahn etc. verurteilt.

    Da fällt einem dieses tapfere Auftreten für die Wahrheit doch gleich viel leichter.

  4. Ralph sagt:

    Um das durchzusetzen, bedürfte es eines anderen Papstes. Der Papst wird den Kardinal ausbremsen. Das ist leider völlig sicher. Bagoglio läßt sich nicht festlegen und legt sich nicht fest. er ist ein Produkt des medialen Reagenzglases.

  5. Armin sagt:

    Vor allen bräuchten wir den Rückhalt starker kompromissloser katholischer Hirten, die der Herde vorangehen, und nicht Feige Hirten die die Herde in Stich lassen und alle Hirten die wahrlich noch im Sinne Gottes unseres Herrn und der Kirche wirken, verjagen (was ja seine Eminenz Raymond Kardinal Burke am eigenen Leib verspürt hat, den er wurde ja vom Neuen aus 2 Kongregationen verjagt). Wir Brauchen Hirten die Vorbilder sind, aber nicht nur mit Wörtern sondern mit TATEN, und überhaupt nicht brauchen wir Wölfe im Schafspelz die mit Wörtern und Früchten Gott den Herrn und seine Kirche verspotten und verhöhnen.
    PS.: Weis jemand von euch wie viele der 217 heute lebenden Kardinäle, als Kardinäle an einen Lebensschutzmarsch, Für die Familie, gegen die aktive Homosexualität usw. teilgenommen haben? Ich weis es wohl nicht, aber schätze das diese Zahl unter 12 liegen wird.

    Und ich bewundere Kardinal Raymond Burke sehr, siehe seine Kritik wegen der Aussagen von Franziskus, der ja daraufhin sorgte das der Kardinal aus 2 Kongregationen folg.

    Gottes und Mariens Segen auf allen Wegen

    Gottes und Mariens Segen auf allen Wegen

  6. Marienzweig sagt:

    Unabhängig des Eindruckes, dass Papst Franziskus mehr tun sollte als er tatsächlich tut, liegt es aber auch wirklich an jedem einzelnen von uns.
    Zeigen wir immer, aus welchem (nicht abwertend gemeint) „Stall“ wir kommen?
    Sich in einem Forum eindeutig zu positionieren ist noch einmal etwas anderes, als sich in der Realität einer Gruppe gegenüberzusehen, die es nicht gerade gut mit der katholischen Kirche meint.
    Ich weiß noch, wie feige ich oft war, allerdings mehr zu Beginn meines
    Glaubensweges. Mittlerweile bin ich ein bisschen mutiger geworden, wenn es darum geht, den Mund aufzutun. Aber es muss noch mehr werden.
    Beobachtbar jedoch für alle ist unser Handeln und unsere Ausstrahlung auf andere.

    Kardinal Burke sagt klar, was er denkt und macht anderen dadurch Mut!
    Schön wäre, es würden sich ihm mehr anschließen – ob Bischöfe, Priester oder wir als Laien!

    • Frank Bell sagt:

      Es geht darum, dass du vor Ungläubigen nicht vernünftig argumentieren kannst, wenn du die Lehre verkündest, wie sie immer bestanden hat und der Papst auf einmal sagt, dass man alles nicht so ernst nehmen sollte.

      Wer hat in den Augen der Ungläubigen mehr Autorität, du mit deiner (korrekten) Meinung oder der Papst?

    • Teresa sagt:

      Sie haben recht! Es besteht die Gefahr sich hinter den Oberen zu verstecken und auf sie zu verweisen. aber jeder ist für sich selbst verantwortlich und jeder muss sich für sein eigenes Handeln verantworten, einmal…. Als Beispiel kann der gerade verstorbene M. Palmero gelten. Er hatte viel zu verlieren (Arbeit, Ansehen, Freunde), er hatte eine Familie zu ernähren und hätte viele Vorwände für ein ruhiges Leben gehabt.
      Ich bin mit Ihnen einig, auch zu wenig gewagt zu haben und nehme mir auch mehr für die Zukunft vor.

  7. zeitschnur sagt:

    Natürlich – nun werden die „Katholiken aufgefordert, nein zu sagen…“, und dann fallen ihen die Eminezne aus Rom inklusive dem Wolf im Papstmantel in den Rücken und entfernen sie womöglich noch aus der Kirche!

    Verehrter Kardinal Burke, sagen Sie:

    „Ich, Burke, bin bereit, hier und jetzt meinen Kopf hinzuhalten, mich vor euch zu stellen und gemeinsam mit euch nach Rom zu ziehen und vor den Hl. Vater zu treten und ihn aufzufordern, aufzustehen und für das geschändete Leben im Mutterleib, in den Krankenbetten, für eine Kultur der Keuschheit und der Hingabe einzutreten! Ich Burke, bin bereit, dafür zu sterben und mich von F. abstrafen zu lassen. Aber mein Herr, der Gekreuzigte, will es so, ich kann nicht anders! Und jetzt starte ich meinen ersten Versuch. Wer mitkommen will, der ist herzlich eingeladen!“

    So würde ein Schuh draus.
    So aber setzt der Hirte einen Appell an die Schafe, sich selbst zu weiden und vor den Hirten in Acht zu nehmen, die anschließend mit den Wölfen über sie herfallen.

  8. hicesthodie sagt:

    Kardinal Burke in allen Ehren, aber man hat ja gesehen, was mit Bischöfen und Priestern geschieht, die ein wenig kompromissloser die Lehre der Kirche vertraten: Bischof Dyba, Bischof Krenn, Bischof Mixa, Bischof Tebartz, Bischof Huonder, Bischof Haas, Pfarrer Wagner und wie die Opfer alle heißen. Sie alle wurden im Ernstfall vom Vatikan fallen gelassen, wie eine heiße Kartoffel. Die Feigheit aber fällt auf den Vatikan selbst zurück, denn dieses Einknicken bewirkt nur, dass die Hunde es um so doller treiben, je mehr sie Blut lecken und die Kirche bald vom Mob regiert wird. Schon jetzt muss sich ja ein jeder Bischof oder Priester und wohl auch Laie jedes Wort überlegen, damit er nur kein Opfer der Tugendwächter und Fallensteller wird und am Ende sich noch genötigt sieht, aus dem Fenster zu springen.

    • Ralph sagt:

      Das kann nur unterstrichen werden. Auch beim Vorgänger des derzeitigen papstes war die Kirche längst nicht mehr in Ordnung.

      • Jean-Louis sagt:

        Der „Chef“ vertrat die Lehre aber überzeugend, und das ist ein gravierender Unterschied zu heute.

  9. defendor sagt:

    Kardinal Burke in den Fusspuren von Kardinal Rafael Merry del Val – unter dem hl. Papst Pius X. Kardinalstaatssekretär -,der über das wahre mutige Handeln eines Katholiken Folgendes schrieb:

    -
    „Handeln wir niemals, um der Welt zu gefallen.
    Haben wir den Mut,
    die Kritik, die Missbilligung der Welt zu ertragen;
    wenn Gott zufrieden ist, braucht uns nichts anderes zu kümmern.

    Wir müssen den Mut haben, die Wahrheit zu bezeugen und keiner Aufgabe auszuweichen.
    Wir müssen den Mut haben, dem Lächerlichen die Stirn zu bieten,
    denn oft besteht unsere Aufgabe im Spott der Welt.
    Tut das aus Liebe zu Unserem Herrn,
    und um Ihm nachzueifern.“
    -

    Bereits Hw Robert Mäder ( gestorben 1945) hat es kommen sehen; aus „Jeder Mann ein Held“ zum Patrozinium des hl. Josef:

    -
    „Wir sind konservativ. Wir haben die tiefsten Wurzeln unseres Wesens in der Überlieferung, nicht im Sand, den das Heute zusammengeweht und das Morgen wieder verwischt. Wir sind die Gleichen wie vor 1900 Jahren. Daher kommt es, daß die großen Persönlichkeiten der heiligen Geschichte uns so vertraut sind, als lebten sie vor unsern Augen. Wir sind, weil wir katholisch sind, in gewissem Sinne über Zeit und Raum erhaben, kennen keine Entfernungen und keine Vergangenheiten.
    [….]
    Briand hat im Jahre 1905 geschrieben: Die Kirche ist heute eine schlafende Festung. Die Wälle sind ohne Kanonen. Die Zeughäuser leer. Die Heere zerstreut. Die Führer eingeschlummert. Wir werden, wenn wir es richtig anstellen, diese schlafende Festung überfallen und sie ohne Schwertstreich einnehmen, wie einst die Soldaten Mohammeds II. Konstantinopel. Briand hat in mancher Hinsicht nur zu wahr gesprochen. Die streitende Kirche ist vielfach zu einer schlafenden Kirche geworden. Alles ist in Gefahr, und wir sehen und hören nichts, während der Feind vor den Toren steht. In dieser kritischen Stunde muß der hl. Josef wieder aufstehen als Schützer. Das Patrozinium des hl. Josef ist nicht ein bloßes Fest. Es soll rettende Tat werden. Wir wollen den mächtigen und liebenswürdigen Heiligen bitten, daß er uns gegen alle modernen Herodes beistehe. Wir aber wollen selber den Schlaf aus den Augen reiben und aufstehen. Jeder Mann werde ein Ritter! Ich sage: Amen, so muß es sein!“
    -

    Anmerkung:
    Aristide Briand (* 28. März 1862 in Nantes, Frankreich; † 7. März 1932 in Paris) war ein französischer Politiker und Freimaurer. Briand bekleidete zwischen 1909 und 1932 mit Unterbrechungen wechselnd die Ämter des französischen Ministerpräsidenten, des Unterrichts-, Justiz- und des Außenministers.

    • zeitschnur sagt:

      Interessant, dass man die Kirche schon 1905 (!), also zur Zeit des verehrten Hl. Pius X. so wahrnehmen konnte, wie Briand das tut.

      Wie machen wir das, nun als zerstreute Herde, zerspalten in ein vielstimmiges Geschrei von lauter Einzelpersonen, die sich ihren eigenen reim machen müssen, lauter kleine Davide vor den Goliaten der neuen geistlichen Bewegungen, der Amtskirche und des Ökumenismus, also: wie machen wir das, solche Ritter und Heldinnen zu werden?

      Gesteh, dass ich ratlos bin, wenn es um das geht, was über mein ganz persönliches Tun hinausgeht…

      • IMEK sagt:

        Wie machen wir das? `lauter kleine Davide vor den Goliaten`
        David hatte eine Steinschleuder, die er gezielt einsetzten konnte um Goliath zu besiegen.

        Wir haben den Rosenkranz, mit dem wir den Teufel mit der Hilfe der Muttergottes lahm legen können. Den Rest wird ihr unbeflecktes Herz erledigen.

        Diesen geistigen Kampf zu bestehen heißt aber nicht nur beten.

        nächste Demo für Alle soll am 1. Samstag im April in Stgt. stattfinden

      • Mercator sagt:

        Ein christliches Leben – ein Leben in Christo führen: Gottes- und Nächstenliebe, Sakramente, Gebote, Heiligkeitsstreben, …
        Zeuge Jesu Christi sein, ihn auch mit dem Mund vor andern bekennen.
        (Der Sohn Gottes hat uns erlöst, nicht sein irdischer Stellvertreter.)
        Sich mit Gleichgesinnten am Wohnort verbinden.
        Vorsorgen für die Katakombenzeit durch Bildung von Refugien.

  10. Zeitlos sagt:

    @defendor
    Die Sätze von Kardinalstaatsekretär Merry del Val, die Sie zitieren, zeigen deutlich das Elend, in dem wir uns befinden:
    1) Ein größerer Gegensatz als der zwischen Pius X. und Bergoglio ist nicht vorstellbar.
    2) Ein Rafael Merry del Val, der viele Angriffe der Presse erdulden musste, weil man nicht wagte, den Papst immer direkt anzugreifen, hätte in der „Kirche von heute“ wahrscheinlich keine andere Chance, denn als Pfarrer in einem Dolomitendorf zu wirken. In dem er wahrscheinlich segensreicher wirken würde als es Kardinal Burke derzeit im Vatikan vergönnt ist, wage ich zu vermuten.
    Danke, dass Sie das Zitat gebracht haben. Es macht deutlich, wie der hl. Pius X. dachte und wirkte. Kardinal Merry del Val diente ihm in Liebe und mit unerschütterlicher Treue.
    „Alles in Christus erneuern.“ „Tag und Nacht erfüllt Uns die Sorge für die Herde des Herrn, und ohne Aufhören sinnen Wir nach dem, was ihr zum Heile und Segen dient.“ (Papst Pius X.)
    Hl. Pius X., bitte für uns, flehe ich erneut.

  11. Zeitlos sagt:

    Zum Kommentar von @ Zeitschnur:
    Als Giuseppe Sarto Papst wurde, musste er an allen Fronten reformieren, er hat eine höchst reformbedürftige Kirche übernehmen müssen, die teilweise verschlampt war, verunstaltet durch einen katholischen Schlendrian:
    Das Bibelstudium war grob vernachlässigt, Pius X. errichtete die Bibelkommission. Gegen die weithin religiöse Unwissenheit verfasste er u.a. Katechismen, bevor er Papst wurde, entstand sein „Kompendium der christlichen Lehre“, er selbst approbierte den „Katechismus der katholischen Lehre“, der sein Kompendium zusammenfasst. Pius X. reformierte die Kirchenmusik, gab dem gregorianischen Choral wieder Heimatrecht in der Kirche. Unterhaltungsmusik gab es in Italien nicht selten während der hl. Messe. Der Papst selbst musste Maßnahmen ergreifen, dass es nur solche Kirchenmusik während der hl. Messe gab, die zum Gebet, zur inneren Anteilnahme führte und nicht ablenkte.
    Mit Kommuniondekreten fundierte er das kirchliche Leben. Er schritt ein gegen die Unsitte während der hl. Messe, dass die Gläubigen alles beteten, nur nicht wussten, wie sie dem Priester am Altar folgen konnten. Dass sie es tun sollten, wussten sie gar nicht. Das völlig missverstandene Wort von der „tätigen Teilnahme der Gläubigen“ an der Liturgie bedeutete nichts anderes, als dass sich die Gläubigen mit dem Priester am Altar im Gebet vereinigen sollten. Dann kämpfte er gegen die Modernisten mit Verlautbarungen und der Aufforderung, dass die Bischöfe gegen die Häretiker disziplinarisch vorgehen. Das gesamte Kirchenrecht hat er neu kodifiziert, er konnte es durch seinen Tod nicht mehr zum Abschluss bringen, es geht auf ihn zurück. Das alles in elf Jahren, länger dauerte sein Pontifikat nicht.
    Dass ein „Reform-Konzil“ notwendig war, ist evident. Dass es ein „Pastoralkonzil“ wurde, das das Werk des hl. Pius nicht aufgriff, sondern zerstörte, ebenfalls.
    Die Reformen des großen heiligen Papstes sind immer noch nicht erfüllt: „Die Tradition“ bleibt gern im alten Trott stehen. Die Missachtung der Bibel „ist Tradition der Tradition“, eine Spiritualität, gespeist aus dem Evangelium, ist ihr weitgehend fremd.
    Ehe der Vorwurf des „Protestantismus“ kommt: Großen heiligen Frauen wie Teresa von Avila und Therese von Lisieux war die Hl.Schrift, das Neue Testament, unverzichtbare geistliche Nahrung. Nicht nur ihnen, sie fallen mir gerade spontan ein. Sie mussten darum kämpfen, sich anstrengen, um überhaupt an die Bibel heran zu kommen.
    Das Problem haben wir bis heute, nur in einer anderen Form: Kritiklos- euphorisch hat sich die nachkonziliare katholische Exegese der liberalen protestantischen Exegese angeschlossen. Sie führt zur Häresie, vertritt abenteuerliche Hypothesen mit dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit.
    Tiefer einführende Werke in die hl. Messe fehlen auch.
    Doch es gibt sie noch, die treuen Beterinnen und Beter, die inständig bitten, dass unser Glaube erhalten bleibt. Es ist noch nicht alles verloren.

    • Mercator sagt:

      Zeitlos
      Danke für Ihren lehrreichen Kommentar.
      Es gibt eine liberal-protestantische Bibelkritik, die tief in die katholische Exegese eingedrungen ist und sie verdorben hat.
      Es gibt aber auch eine fundamentalistisch-evangelikale Bibelauslegung, von der man m.E. lernen kann und die viele Gemeinsamkeiten mit der traditionellen katholischen Auslegung hat, siehe z.B. den Artikel von Thomas Schirrmacher „Päpstliche Bibelkommission: Bibeltreue ist gefährlich!“ – http://gloria.tv/?media=569558.
      Die Hauptunterschiede zwischen (traditionell-) katholischer und (bibeltreu) protestantischer Exegese sind m.E. soteriologischer und ekklesiologischer und, von aktueller Bedeutung, eschatologischer Art.

      • hedi züger sagt:

        ich bin in den ausgehenden 60er Jahren mit dem Landesbischof E.Lohse in Kontakt gestanden-ein grossartiger evangelischer Bischof in Hanover.Im Gespräch über die Entwicklung der kath.Konzilskirche sagte er mir:“Sehen sie sich aber vor, dass sie nicht etwa die liberalprotestantischen Kinderwindeln punkto Exegese anziehen-die haben wir schon längst abgelegt“-was in seiner Kirche sicher nicht flächendeckend geschehen ist-aber leider in grossem Masse bei uns eingetroffen ist-radikalisiert bis auf den heutigen Tag.

    • zeitschnur sagt:

      Wie umstritten auch die Reformen Pius X. waren, sollte aber nicht verschwiegen werden – auch damals schon gab es eine „Tradition“, die mit guten Gründen vieles nicht aufgegeben wissen wollte.

  12. Zeitlos sagt:

    Nachtrag:
    Am 4. August 1903 wurde Guiseppe Sarto zum Papst gewählt: Papst Pius X.
    Dass er nicht in zwei Jahren, im Jahr 1905, eine liturgisch, biblisch, ziemlich heruntergekommene Kirche reformieren konnte, deren Gläubige oft nicht mal die einfachsten Glaubenswahrheiten kannten, dürften jedem einsichtigen Menschen klar sein. Um eine bessere Ausbildung der Priester in den Seminaren musste er sich übrigens auch noch kümmern…

  13. MisterX sagt:

    Es ist wieder eine katholische Subkultur notwendig, die in der Lage ist, die bis zur Existenzbedrohung gehenden Ungerechtigkeiten „aufklärerischer“ Willkür, Schikanen und Rechtsbeugung auszugleichen.

  14. zeitschnur sagt:

    @ zeitlos
    Es ist schon erstaunlich, wie ein einziger, lakonischer Satz aus meiner Feder hier einen ganzen apologetischen Wortschwall auslöst…
    Ich möchte erst mal wieder dran erinnern, dass Sätze auch einen Sachinhalt haben. Nach 50 Jahren Schulz-von-Thun scheinen das einige nicht mehr für möglich zu halten…
    Ist aber dennoch von meiner Seite aus so – bitte also einen anderen Pappkameraden suchen!

    auch @ mercator und @ hedi züger
    Ihre Euphorie hinsichtlich einer „biblischen reform“ kann in mir nur ein Kopfschütteln auslösen. Und dann auch noch die Empfehlung evangelikaler Exegese!
    Wissen Sie nicht, dass dieselbe samt und sonders dem lutherischen Sola-scriptura-Prinzip folgt, das im übrigen auf dem Konzil von Trient verworfen wurde?!
    Haben Sie schon mal einen Blick getan in die evangelikale Zersplitterung? Jeder ist dort Bibelexperte – und das Ergebnis ist zwar nicht das, das eine liberale Exegese aufweist, aber es ist auf andere Weise ein einziges Grauen! Jeder schwingt sich dort zum Kirchenlehrer auf und weiß noch besser als alle anderen, wie die Bibel „richtig“ ausgelegt gehört. Was einem nicht passt, wird einfach übersehen oder wegargumentiert, so zum Beispiel das „Tu es Petrus“ oder die berühmte Stelle in 2. Thess. 2, 15, die das Schrift UND Tradition-Prinzip von Anfang an auch „biblisch“ begründet hat etc. Natürlich wird so auch die Verehrung der Gottesmutter bestritten, alles – die Gottesmutterschaft, die Jungfräulichkeit auch noch der Geburt etc.. Maria war eine ganz normale Frau und hatte später viele andere Kinder…
    Die Verzweiflung im katholischen Lager ist zu Recht groß, aber dass man nun ausgerechnet bei denen, die u.a. auch noch unter Pius X. eindeutig als Häretiker verurteilt wurden (ein schlechter Baum trägt keine guten Früchte!!!), Hilfe sucht, ist doch nicht zu fassen. Mir ist das neulich schon aufgefallen, als einige plötzlich im orthodoxen Osten Heilsimpulse empfangen zu glauben…

    Wie wäre es, in der katholischen Tradition das zu finden, was Ihr alle sucht? haben wir nicht eine überreiche Auslegungstradition (4facher Wortsinn etc.)? Haben wir nicht alles selbst?

    Ja, Jesus sagte es: Werde ich noch Glauben finden?

    Dass unter denen, die im Evangelikalismus aufgewachsen sind und es nicht anders wissen, sicher aufrichtige Menschen sind, würde ich niemals bestreiten. Es ist aber auch eine Tatsache, dass viele von ihnen konvertieren und katholisch werden. das war auch schon vor Jahrzehnten so. Große prot. Theologen sind auf diese Weise zurückgekommen zum katholischen Glauben und habe sich bewusst abgesetzt vom evangelikalen Denken, zum Beispiel Heinrich Schlier, Erik Peterson (Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Erik_Peterson) und ganz berühmter Fall: John Henry Newman.
    Bitte überdenken Sie Ihre Meinung doch noch einmal anhand einer Beschäftigung damit, warum sich Newman zum Beispiel von genau dieser Exegese abgewandt hat und katholisch wurde. Er hat das in seiner Autobiografie („Apologia pro vita sua“) begründet.