„Um ‚aggiornamento‘ zu verstehen, muß man tief graben“ – Alle Tagebücher Johannes XXIII. veröffentlicht

Neo-Kardinal Capovilla und Papst Johannes XXIII.: "Um 'aggiornamento' zu verstehen, muß man tief in seinem Leben graben"(Rom) Papst Johannes XXIII. (1958-1963) erlebt nach Jahren der Stille eine neue Aufmerksamkeit. Dazu führte das Zusammentreffen von zwei Ereignissen: 50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil und die Wahl von Papst Franziskus, den manche mit viel Einsatz in die Nähe des Konzilspapstes rücken. Dazu gehört der ehemalige Sekretär von Papst Roncalli, Msgr. Loris Capovilla, den Papst Franziskus in den Kardinalsrang erhob. Kardinal Capovilla behauptete erst vor kurzem, Papst Franziskus hätte sich ursprünglich sogar Johannes XXIV. nennen wollen. Eine Version, die in Rom bezweifelt wird, aber gut in ein bestimmtes Bild paßt.

 

Die Erhebung des 93jährigen Capovilla zum Kardinal wie auch die wunderlose Heiligsprechung von Johannes XXIII. am kommenden 27. April gelten als kirchenpolitische Maßnahmen, um jene „progressive“ Seite der Kirche zufriedenzustellen, die die Pontifikate von Johannes Paul II. und besonders Benedikt XVI. als „Restaurationsversuch“ kritisierten. Msgr. Capovilla widmete sein schriftstellerisches Schaffen vor allem dem Leben und Wirken von Papst Roncalli und in diesem Zusammenhang dem Zweiten Vatikanischen Konzil.

Kirchenpolitische Rehabilitierung des Konzilsgeistes gegen „Restauration“

Die gemeinsame Heiligsprechung von Johannes Paul II. und dem Konzilspapst stellen weniger einen „goldenen Mittelweg“ dar, sondern das Konterkarieren der Heiligsprechung des polnischen Papstes, dessen Verfahren mit der Anerkennung eines Wunders bereits so weit fortgeschritten war, daß eine Verzögerung zu große Irritationen ausgelöst hätte.

Mit Blick auf die unerwartete Heiligsprechung von Johannes XXIII. wurde nun die neue und vollständige Ausgabe aller Tagebücher von Papst Roncalli herausgegeben. Exemplare der kommentierten und edierten Ausgabe erhalten eine Auswahl bedeutender Bibliotheken und alle Apostolische Nuntiaturen der Welt.

Um „Geheimnis“ des „aggiornamento“ zu verstehen, müsse man „sehr tief“ in seinem Leben graben

Johannes XXIII. hinterließ zahlreiche persönliche Aufzeichnungen, darunter besonders seine Terminkalender, Tagebücher und Notizen. Kardinal Giacomo Lercaro, damals Erzbischof von Bologna, und einer der progressiven Wortführer des Konzils sagte, daß man, um das „Geheimnis“ Johannes XXIII., das heißt sein Programm des „aggiornamento“ der Kirche, zu verstehen, „sehr tief“ in dessen Leben bevor er Papst wurde „graben“ müsse.

Am vergangenen Samstag wurde in dem nach dem Konzilspapst benannten Saal an der Kurie von Bergamo ein zehnbändiges neues Werk vorgestellt, das Tagebücher und Terminkalender Roncallis seit seiner Jugend sammelt. Die Veröffentlichung wurde in einer Auflage von 300 Exemplaren gedruckt und wird gezielt an ausgewählte Bibliotheken verteilt, darunter an alle Nuntiaturen, die renommiertesten Bibliotheken und bestimmte Bibliotheken an symbolischen Orten wie Tübingen und Löwen, Hiroshima und Nagasaki.

„Schule von Bologna“ zeichnet verantwortlich

Die Herausgabe erfolgte durch die Stiftung Giovanni XXIII von Bergamo, die Diözese Bergamo und dem Institut für Religionswissenschaften von Bologna, die mit der progressiven Schule von Bologna der Konzilsinterpretation zusammenhängt. Der Leiter der Schule von Bologna, der Kirchenhistoriker Alberto Melloni gehörte dann auch zu den Rednern der Präsentation. Die Republik Italien förderte die Veröffentlichung als Beitrag zum „nationalen Erbe“.

Die zehn Bände beruhen in erster Linie auf den Archivbeständen der Schule von Bologna, des Heiligen Stuhls, der Postulation für das Heiligsprechungsverfahren und dem nunmehrigen Kardinal Capovilla. Bei der Vorstellung wurden kleinere Auszüge vorgetragen, darunter auch ein Tagebucheintrag während seiner Zeit als Nuntius in der Türkei (1935-1944) über das türkische Volk:

„Ich liebe sie im gekreuzigten Jesus und leide darunter, daß die Christen so schlecht darüber sprechen und damit beweisen, wie wenig das Evangelium in ihre Seelen eingedrungen ist. Ich liebe sie, weil das Teil meines Amtes ist, als Vater, als Hirte und als Apostolischer Delegat: ich liebe sie, weil ich glaube, daß sie zur Erlösung gerufen sind. Ich weiß, daß der Geist zahlreicher unter meinen westlichen katholischen Kindern gegen mich ist. Aber weder beunruhigt mich das noch entmutigt es mich“ (Eintrag vom 27. Juli 1936).

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Wikicommons

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19 Comments

  1. Der Autor dieses Beitrages begrüßt die Heiligsprechung Johannes Paul II. Wieso er dann diejenige von Johannes XXIII. kritisiert, bleibt unverständlich.
    Richtig: Johannes XXIII. hat als Papst den Anfang gemacht, den Häresien Tür und Tor geöffnet, das ist überhaupt nicht zu bestreiten. Ein Konzil einzuberufen, dass weder Glaubenslehren definiert noch Irrtümer benennt, verurteilt, und die Protagonisten nicht bestraft ist atypisch, anormal für die katholische Kirche. Zwischen Lehre und Pastoral scharf zu trennen, ein „Pastoralkonzil“ einzuberufen, ist unverantwortlich.
    Doch macht das die Heiligsprechung Johannes Paul II. um einen Deut richtiger?
    Die Seligsprechung Johannes Paul II. erfolgte nach den Gesetzen der Kirche viel zu früh. Schon der Zeitpunkt war verkehrt.
    Und dann seine Lehren und Taten. Er liebte nicht nur die Moslems, er hat des öfteren offiziell vor Muslimen das christliche, das katholische Gottesbild verdunkelt. Ich erinnere mich spontan an eine Rede vor 15000 jungen Muslimen, vor denen er dreist behauptete, dass wir denselben Gott haben. „Und noch Jesus…“ Den Heiligen Geist erwähnte Seine Heiligkeit nicht. So weit ist Johannes XXIII. nie gegangen.
    Ich erinnere an Assisi. Allein seine Rede vorher hätte ihm die Exkommunikation aller vorkonziliaren Päpste eingetragen. Sie ist nicht zu unterscheiden von der Allerlösungstheologie, die behauptet, die Menschwerdung, der Kreuzestod Jesu Christi und seine Auferstehung hätten alle Menschen in dem Sinne erlöst, dass sie ausdrücklich gar nicht mehr an den Erlöser, den Retter der Welt, Jesus Christus, glauben müssen. Damit ist jede Missionstätigkeit der Kirche überflüssig. Sozialarbeit genügt. Die katholische Kirche ist dann eine Glaubensgemeinschaft unter anderen.
    Ich erinnere an die Hollywood-Messen dieses Papstes. Tanzende Frauen in kurzen Röckchen zierten diese Messen. Natürlich nicht immer, aber viel zu oft. Doch davon abgesehen, der Papst beging einen Fehler gegen das Grundprinzip der Liturgie: Seine persönliche Frömmigkeit, die ich nicht abstreite, die er als Medienpapst rüber bringen konnte, war ihm wichtiger als die Rubriken, als die Liturgie an sich. Das ist ein grundsätzlicher Verstoß gegen das katholische Liturgieverständnis.
    Die progressistischen Kardinäle, Bischöfe, die häretischen Theologen, die den Glauben zerstören, alle sind sie von ihm ernannt worden bzw. durften sie an Universitäten den katholischen Glauben leugnen . Dann seine „Buße“ für die Sünden der Vergangenheit der Kirche, die den Eindruck hinterließen, unsere Kirche sei in der Vergangenheit eine korrupte Verbrecherorganisation gewesen. So sagte er es nicht, aber so wurde es weltweit aufgenommen.
    Ich kann nur immer wieder darauf hinweisen: Die Konzils- und Nachkonzilspäpste miteinander zu vergleichen in dem Sinne, dass einer von ihnen ein Maßstab sein kann, führt in die Irre.
    Es gibt nur einen Vergleich, mit dem letzten heiligen Papst: Papst Pius X.! Oder mit allen heiligen Päpsten.
    Fortsetzung:

    • Sie missachten einen wesentlichen Aspekt: JP II hat das V2 nicht in den Gang gesetzt, sondern hat mit ganzem Herzen versucht, es umzusetzen. Man kann durchaus von der Treue zum V2 sprechen, ohne die Substanz des Glaubens und der Sitten preisgeben zu wollen. Ob dies gelungen ist, ist eine andere Frage. Und ob es eigentlich möglich ist, das V2 und die Substanz des Glaubens und der Sitten unter einen Hut zu bringen, ist wiederum eine andere Frage. Den guten Willen kann man JP II kaum absprechen, auch wenn man manche Gesten zu Recht kritisieren und ablehnen kann und muss. Man muss jedoch bedenken, dass B XVI doch wesentlich weiter gegangen ist, indem er in Instanbul gemeinsam mit dem Mulla betete. Und vor allem war unter JP II die Disziplin wesentlich besser, wenn auch ebenfalls zum Nachteil der traditionellen Katholiken. Insgesamt war JP II in seinem Denken und Tun deutlich konsequenter, treuer und ehrlicher im Vergleich sowohl zu J XXIII als auch zu B XVI.

      • In der Tat befremdliche Bilder und ein Makel für den einen und den anderen Papst. Allerdings würde ich das nicht überbewerten. An der Glaubenssubstanz hat diese Geste nichts geändert, auch nicht an meinem Glaubensleben.
        JPII hat großartige Dokumente unerschütterlicher Treue vorgelegt. Er steht für ein anderes Kirchenverständnis als Johannes XXIII. oder Franziskus. Mag sein, daß man sowohl das eine (JXXIII, PVI und FI als auch das andere JPII und BXVI) verwerfen mag, aber daß es sich um zwei antagonistische Großpositionen handelt, sollte man anerkennen, um die kirchliche Entwicklung der vergangenen Jahre zu verstehen.
        Wenn man versucht FI in die Nähe von JXXIII zu stellen oder sogar zu einem JXXIV zu machen, dann hat das natürlich einen Hintergedanken. Der lautet nicht etwa, ein Drittes Vatikanischen Konzil einzuberufen. Davon träumen natürlich manche. Nein, die Sache ist konkreter: FI erfüllt seinen Part bereits mit der Einberufung der Bischofssynode zur Familie. Die Erwartungen werden hochgeschraubt. Er hat bereits angedeutet, daß es eine ständige Synode werden könnte und damit eine Art protestantisches Kirchenparlament. Das bangt mir und ein konkreter Angriff auf die Glaubenslehre, als Fortsetzung jener Linie, die beim VII begonnen hat: Durch Änderung der Praxis die Lehre ändern, ohne sie dem Buchstaben nach zu ändern.

      • Auch die Treue zum V2 ist Treue, selbst wenn sie problematisch ist. Außerdem kann man nicht im Ernst behaupten, dass JP II die Substanz der katholischen Glaubens- und Sittenlehre verlassen wollte oder von sich aus tatsächlich verlassen habe. All die Punkte, die bei ihm kritisierbar sind und gegebenenfalls abgelehnt werden müssen, gehen letztlich auf das V2 zurück. JP II hat da nichts Eigenes betrieben. Im Gegensatz zu Professor Ratzinger in der Konzilszeit…

  2. Der Vergleich ergibt: Es gibt einen nicht zu kittenden Bruch der Päpste, die am 27. April heiliggesprochen werden und allen ihren vorkonziliaren Vorgängern. Für uns ist das jetzt schlimm, für mich wenigstens, wenn ich an den 27. April denke. Ein Schreckenstag!
    Doch spätere Generationen feiern diesen Tag wahrscheinlich als Wende. Der Bruch mit der Vergangenheit ist so offensichtlich, dass Bergoglio als Häretiker verurteilt werden kann. Und das II. Vatikanische Konzil unweigerlich auf den Prüfstand gestellt wird. Als reines Pastoralkonzil ist es von einem nachfolgenden, dogmatischen Konzil zu verurteilen, ohne dass die kirchliche Unfehlbarkeit zerstört wird.
    Dann sind die Katholiken auch die „Schule von Bologna“ los. Glücklich die treuen Katholiken, die diesen Tag erleben werden!

    • @ zeitlos und @ soso und @ leo

      Antagonismen kann man hier nur im (nach-)konziliaren Spektrum sehen wollen. Aber selbst dann nicht wirklich. Was wollen Sie J23 vorwerfen, was nicht JP2 noch schlimmer getrieben hätte? J23 war ein äußerst sittenstrenger Mann, er wollte den Priestern sogar das Autofahren mit der eigenen Mutter verbieten etc. Also bis zur verkrampft und misstrauisch, vielleicht sogar – wie unter Freimaurern ja so üblich – auch gesalzen frauenfeindlich?! Jedenfalls mit einer unkatholischen Schlagseite in Sittenfragen… Der behauptete Antagonismus ist wohl nur „gefühlt“. Und was soll man mit der Nachricht anfangen, der Leichnam J23 sei nicht verwest, ebenso wie der des Pfarrers von Ars, Don Boscos oder Katharina Labourés u.a.?
      Ich kann da jedenfalls keine so große Differenz in der Sache sehen und gebe @ zeitlos recht.
      Diese beiden Männer sind nur sehr unterschiedliche Charaktere, dabei aber beide doppelzüngig und irgendwie schizophren in ihren Handlungen und Äußerungen. Dass sie beide in einer jeweils anderen Epoche auftraten, mag diese Gleichheit in den Absichten etwas verschleiern…
      JP2 hat die gravierenden Irrtümer des 2. Vaticanums vorangetrieben: das verkehrte und häretische Selbstverständnis der Kirche („Subsistit in“) und daraus folgend all seine unsäglichen Aktionen wie „Ut unum sint“, die Koranküsserei, Assisi, die Weltjugendtagspuscherei, etc. etc. Das passt doch zum Türkenfimmel J23 – vergessen, dass die Türken jahrhundertelang militärisch gegen Europa vorrückten?!
      Eines sollten sich die „Konservativen“ (d.h.: die, die eine konservative Sittenlehre vertreten) endlich klar machen: Katholisch ist nicht dasselbe wie das, was wir heute „konservative Sexualmoral“ nennen. Machen Sie sich alle, die so denken, klar, dass jeder halbwegs vernünftige Mensch – auch ohne Glauben – eine ähnliche Moral vertreten wird. Selbst im Kommunismus in China und anderswo wurde an dieser konservativen Sexualmoral festgehalten.
      Fazit: eine konservative Sexualmoral macht längst keinen Katholiken. Im übrigen ist die katholische Lehre in mancher Hinsicht erfrischend wenig „konservativ“. Das wäre einen eigenen Titel wert. Leider kapieren das gerade oft Leute, die sich unter den „Traditionalisten“ sammeln, nicht, eben weil sie Konservativismus mit Katholischsein verwechseln (Sie haben das neulich selbst sehr zutreffend formuliert, @zeitlos). Katholischsein heißt vielmehr: prinzipien- und lehrtreu sein UND in einem lebendigen Glauben stehen.
      JP2 und J23 sind sich tausendmal näher als viele es wahrhaben wollen.
      Zeitlos hat recht!

  3. „Ich weiß, daß der Geist zahlreicher unter meinen westlichen katholischen Kindern gegen mich ist. Aber weder beunruhigt mich das noch entmutigt es mich.“
    Da fehlt noch was. Der Ärger über die Niederlagen von Lepanto und Wien.
    Der heutige Geist zahlreicher westlicher katholischer Kinder hat sich schon längst arrangiert mit dem von den Medien gefeierten „guten“ heiligen Papst ohne Wunder. “ Advocatus Diabolo“ was sagts du dazu? Achso, denn haben sie rechtzeitig ins Exil geschickt damit er nicht stört.
    Per Mariam ad Christum.

  4. Das Zitat beweist eines, nämlich die Heuchelei. Als ob die Nächstenliebe im Widerspruch zur Wahrhaftigkeit stünde. Zwar sollte ein Christ sich hüten, Sünden und Fehler der Anderen unnötig zu verbreiten. Dennoch ist es auch ein Werk der Nächstenliebe, zurecht zu weisen und vor dem Bösen zu warnen.
    Und noch eins beweist das Zitat: Roncalli hielt sich schon damals für den besseren Christen. Und das wollte er offenbar sogar schriftlich für die Nachwelt festhalten…

  5. Diese „Heiligsprechungen“ – wahrlich ein Wahnsinn und eine Katastrophe! Man schafft sich „Heilige“ nach Belieben! Wie weit werden sie noch gehen? Stein für Stein wird abgetragen, Mauer um Mauer fällt ein und wir sitzen hier und schreiben Kommentare. Ich denke, obwohl der Mensch sieht was sich ereignet begreift er nicht wirklich!

  6. Ex-Papst Roncalli wird also wirklich ohne ein für die Heiligsprechung nötiges zweites Wunder heiliggesprochen. Was denkt sich Bergoglio nur dabei? Glaubt er etwa, jeden nach belieben heiligsprechen zu können?
    Per Mariam ad Christum.

    • Mit Ihrer Bezeichnung „Ex-Papst Roncalli“ liegen Sie natürlich falsch, denn dieser ist als Papst verstorben, vorausgesetzt natürlich, dass er überhaupt Papst war.
      Was Bergoglio angeht, dann geht er wohl fest davon aus, auf die gleiche Art – d. h. ohne die übernatürliche Bestätigung durch ein Wunder – mal heiliggesprochen zu werden. Naja, eine Heiligsprechung ist eh schon überflüssig, denn solche Leute wie Kasper, Scalfari & Co. haben ihn ja schon längst „heilig“gesprochen…

      • Wie lautet die richtige Anrede für Roncalli denn? Sehen Sie einen Papstrücktritt als das einzige Kriterium an, damit ein Papst auf ewig als Ex-Papst gebrandmarkt ist, weil Sie Benedikt XVI ja immer leidenschaftlich als „Ex-Papst Ratzinger“ bezeichnen? Es sollte dafür noch andere Kriterien geben. Beispielsweise würde die Bezeichnung „Ex-Papst“ doch gut auf Johannes Paul II passen, der die interreligiösen Treffen in Assisi eingeführt und einen Koran geküsst hat. Oder Johannes XXIII und Paul VI, die mit ihrem Konzil so viel Chaos in der Kirche angerichtet haben? Oder Päpste wie Alexander VI, die einen sehr unsittlichen Lebensstil hatten. Kurzum könnte man alle schlechten und unvollkommenen Päpste unter der Bezeichnung „Ex-Papst“ zusammenfassen, sodass man sagen könnte, dass es keine schlechten Päpste gibt, weil diese ja nur noch Ex-Päpste seien. Auch haben Sie an anderer Stelle geschrieben, dass Benedikt XVI den Vatikan verlassen und in sein Haus in Pentling ziehen solle. Ebenso könnte man sagen, dass es die oben erwähnten Päpste nicht verdient hätten, im Petersdom begraben zu werden. Johannes Paul II liegt gegenüber dem heiligen Pius X begraben und ist diesem damit rein optisch und ab dem 27. April ganz offiziell gleichgestellt. Man hätte ihn ja in seiner Heimat Polen beerdigen können und ein Grab im Petersdom nur noch den besten und glaubenstreusten Päpsten vorbehalten. Sind für Sie etwa Benedikt XVI und Coelestin V die einzigen beiden Päpste, die unter die unwürdige Bezeichnung „Ex-Papst“ fallen, die Kirche also 264 Päpste und 2 Ex-Päpste besitzt? Johannes XXIII habe ich oben nur so genannt, um auf den Missstand der Anrede „Ex-Papst“ hinzuweisen. Roncalli ist für mich weiterhin Papst Johannes XXIII und Ratzinger weiterhin Papst Benedikt XVI, ich habe die Bezeichnung Ex-Papst nicht eingeführt. Tun Sie mir einen Gefallen leo und behandeln Sie Benedikt XVI nicht, als sei er der schlimmste Papst aller Zeiten, denn das ist er mit Sicherheit nicht. Ich möchte mich, und Sie hoffentlich auch nicht, jedenfalls nicht anmaßen, über die Päpste und ihre Taten zu urteilen. Ich vertraue darauf, dass beim Jüngsten Gericht die guten Päpste ihre wohlverdiente Belohnung und die schlechten Päpste ihre wohlverdiente Bestrafung erhalten. Ich bin aber überzeugt, dass beim Jüngsten Gericht über keinen so streng gerichtet wird, wie über einen Papst.
        Per Mariam ad Christum.

  7. Wenn ich nur heute lese, was über die Konzils- und Nachkonzilspäpste veröffentlicht wird und wenn ich dann noch einen Blick auf pius-info werfe, könnte mich Verzweiflung packen, wenn ich mich damit nicht grob versündigen würde. Denn Verzweiflung ist eine Sünde gegen die ÜBERNATÜRLICHE TUGEND DER HOFFNUNG. Dieser Tugend bedarf es, um noch bestehen zu können.
    Denn fast alle scheinen zu vergessen: Der katholische Glaube ist ein INTEGRALER GLAUBE. Das hat mit konservativ nichts zu tun, sondern es besagt: Wer auch nur eine Wahrheit des katholischen Glaubens, der katholischen Kirche leugnet, der leugnet den GESAMTEN GLAUBEN. Weil die katholische Kirche von Jesus Christus selbst gegründet wurde. Weil diese Kirche die Verwalterin des geoffenbarten Glaubens ist. Und weil kein Mensch, gerade auch kein Papst, das Recht hat, auch nur einen Bruchteil der von Gott, von unserem Herrn Jesus Christus geoffenbarten Wahrheit, zu leugnen, zu verschweigen. Und als Papst zuzusehen, dass Häretiker im Namen der Kirche diesen integralen Glauben zerstören.
    Auch Benedikt XVI. hat den integralen Glauben nicht verteidigt, bzw. mal hat er ihn verteidigt, und dann durch seinen übertriebenen Ökumenismus absolut geschwächt. Das hindert konservative Katholiken nicht, ihn wie eine Ikone des Glaubens zu verehren.
    Zu pius-info: Ich erwähne die Homepage der FSSPX deshalb, weil sie früher eine kleine, tapfere Bastion des integralen Glaubens WAR. Doch das ist Vergangenheit.
    Ich lese da den „letzten Klops“ von Martin Mosebach. Ich schätze ihn nach wie vor, doch in seinem letzten Interview über die Bischofskonferenz hat er sich vergaloppiert, ist über das Ziel hinaus gesprungen. Weil er für die Abschaffung der Bischofskonferenz plädiert ohne zu bedenken, dass er das Konzilsdekret „Christus Dominus“ korrigieren müsste. Bischofskonferenzen gab es bereits vor dem 2. Vatikanum. Aber in „Christus Dominus“ ist die Bischofskonferenz nicht mehr ein mehr oder weniger lockerer Zusammenschluss von nationalen Bischöfen, die zu gewissen Zwecken gemeinsam auftreten, um schlagkräftiger zu sein, sondern institutionalisiert als festes Gremium, dem sich Bischöfe um der Einheit willen unterzuordnen haben. Den Sekretär der Bischofskonferenz schreibt das Konzilsdekret vor: (…)“Jede Bischofskonferenz gebe sich Statuten, die vom Apostolischen Stuhl überprüft werden müssen. Darin sollen unter anderem Organe vorgesehen werden, die dem erstrebten Ziel wirksamer dienen, z.B. ein ständiger Bischofsrat, bischöfliche Kommissionen, ein Generalsekretariat. (38. 3) “

    Martin Mosebach ist sehr belesen, sehr gebildet. Dennoch ist er kein Theologe. Unkritisch übernimmt pius.info den Irrtum Mosebachs, der nie etwas auf die Konzils- und Nachkonzilspäpste und auf das 2. Vatikanische Konzil kommen lässt.
    Auf dem 2. Vatikanischen Konzil wurde der integrale katholische Glaube verletzt. Seitdem geben sich Päpste, Kardinäle, Bischöfe damit zufrieden, nur noch Teilwahrheiten des Glaubens zu lehren und zu verteidigen.

    • Sie haben Mosebachs „Häresie der Formlosigkeit“ nicht gelesen. Ich kann es Ihnen als Lektüre nur empfehlen. Danach werden Sie Ihren vorletzten Satz anders formulieren.

  8. Fortsetzung:
    Und so sind die Konzils- und Nachkonzilspäpste durchaus dem 2. Vatikanum treu. Doch dieses kennt die Treue zum INTEGRALEN katholischen Glauben nicht mehr.
    Langsam beschleicht mich eine Horror-Vision: Wenn jetzt die FSSPX ihre grundlegende Kritik am 2. Vatikanischen Konzil auch aufgibt, dann sind die Sedisvakantisten, diese wahnhaften Sektierer, die Einzigen, die dieses Konzil nicht anerkennen. Sie sind dann nicht nur die Einzigen, sie tun das in einer wahnhaften Weise, indem sie es als nicht existent betrachten.

    Ist jemand bereit, einen „Freundeskreis Pius X.“ zu gründen? Wenn es menschlich und geistlich irgendwie passt, schließe ich mich an…. Es dürfte eine Illusion sein….

  9. @zeitlos
    Würde mich evt. auch anschließen, Sie können mir mailen, wenn Sie wollen. (Adr. bei Admin.)

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