Macht Papst Franziskus den Täter zum Opfer? Und den Priester zum Caritas-Angestellten?

Papst Franziskus über Sünder und Verwundete(Vatikan) Sagt der Papst „Wunden“ und meint Sünden? Verwechselt er Sünder mit „Verwundete“? Oder sagt er Priester und Beichtvater, meint aber Sozialarbeiter und Caritas-Angestellter? Am 6. März hielt Papst Franziskus vor den Priestern seiner Diözese Rom eine längere Ansprache, die er zum Beginn der Fastenzeit in der Audienzhalle Pauls VI. zusammengerufen hatte. Das Thema der Ansprache war die Frage, wie ein Priester sein müsse, um ein „guter Hirt“ zu sein. Dazu einige zaghafte Überlegungen und noch viel mehr Fragen von einer einfachen Katholikin.

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Der Sünder als Verwundeter?

Versuch eines unfertigen Kommentars von Martha Weinzl

Die Ansprache war, für Papst Franziskus typisch, in drei Punkte gegliedert. „In der ganzen Kirche ist die Zeit der Barmherzigkeit.“ „Was bedeutet Barmherzigkeit für die Priester?“ Und: „Barmherzigkeit bedeutet weder zu weite Ärmel noch Starrheit.“

27 Mal Barmherzigkeit, kein Mal Schuld

Zunächst der Versuch einer empirischen Textanalyse. Im Text gebraucht Papst Franziskus 27 Mal das Wort Barmherzigkeit, zwölfmal das Wort Herz, zehnmal das Wort Wunden, sechsmal das Wort Fleisch, je fünfmal spricht er vom Sakrament der Versöhnung und vom Beichtvater, dreimal gebraucht er die Worte Mitleid, beichten und Beichte, nur einmal die Worte Sünde, Sünder, versöhnen und lossprechen. Die Worte Schuld, Buße und Beichtstuhl kommen nicht vor, ebenso wenig Erlösung, Erlöser, Retter, Heiland, Heil, Seelenheil oder Lossprechung.

Was sagt uns diese Aufstellung? Papst Franziskus ging es darum, über die Beichte zu sprechen und die Rolle des Priesters als Beichtvater. Voraussetzung für die Beichte, möchte man annehmen, sind die Sünde und der Sünder, der die Sünde begangen hat. Wir alle sind Sünder, sollen uns aber vor der Sünde hüten. Ein lebenslanges Ringen, für das uns die Kirche kostbare Hilfsmittel zur Verfügung stellt. Zunächst die Unterweisung, die entscheidend zur Gewissensbildung beiträgt. Dann aber vor allem die sakramentalen Gnadenmittel, insbesondere das von Jesus Christus gestiftete Beichtsakrament. Denn schließlich geht es um das ewige Seelenheil, darum, ob wir vor Gottes Gerechtigkeit und Barmherzigkeit bestehen werden können.

Sünde und Sünder kommen als Begriffe in der päpstlichen Ansprache allerdings jeweils nur ein einziges Mal vor. Die Sünde wird indirekt im Zusammenhang mit einer Kritik an zu laxen Priestern genannt, die die Sünde „minimieren“, also herunterspielen. Eine wichtige Aussage.
Der Sünder, um genau zu sein, „die Sünder“ werden in der einzigen Erwähnung ohne weitere Erklärung zusammen mit den „Kranken“ genannt, „um die sich niemand kümmert“. Sünder und Kranke werden vom Papst im selben Satz als „Ausgeschlossene“ bezeichnet. „Besonders“ für sie empfinde der Priester „Zärtlichkeit“.

Dimension der Sünde und Status des Sünders bleiben unbeachtet

Den päpstlichen Ausführungen kann bis hierher noch einigermaßen gefolgt werden, wenn man sich fehlende Teile einfach dazudenkt. Dennoch fällt auf, wie unterbelichtet die Dimension der Sünde und der Status des Sünders bleiben, obwohl sie angesichts des Themas eigentlich im Mittelpunkt stehen sollten.

Der Sünder wird zum Kranken, doch nicht im Sinne einer geistlichen Krankheit. Das läßt den Verdacht aufkommen, der Papst könnte den Priester – überspitzt formuliert – nicht als Beichtvater sehen, sondern als Krankenpfleger oder Caritas-Mitarbeiter.

Keine Täter (Sünder), nur Opfer?

Tatsächlich spricht der Papst nicht von Sünden und Sündern, sondern von Wunden und Kranken. Wunden aber sind keine Sünden, sondern ein Perspektivenwechsel. Der Papst meint ohne jeden Zweifel Verwundete, Menschen, die verletzt sind. Die Sünde ist eine Wunde. Der Sünder ist aber durch die Sünde der Verursacher der Wunde und nicht der Verwundete. Daß der Sünder auch Verwundeter sein kann und der Verwundete auch Sünder, ist eine andere Frage, auf die der Papst allerdings nicht einging.

Papst Franziskus legt den Priestern in der Rolle des Beichtvaters in seiner Ansprache nur die Verwundeten ans Herz. Der Beichtvater aber hat sich um die Sünder zu kümmern. Er hat die Sünde zu verurteilen, ein Thema, das der Papst nicht einmal streift, und den Sünder zur Umkehr zu bewegen. Dem Bußfertigen, der bereut, hat er – darin ist Papst Franziskus in seiner Definition nur zuzustimmen – auf seinem mit Gott versöhnten Weg zu begleiten, allerdings damit er nicht mehr fällt, zudem unter Einschluß einer ihm aufzuerlegenden Buße. Aspekte, die nicht erwähnt werden.

Bei Papst Franziskus sind die Sünder nicht Verwunder, sondern offensichtlich ein Synonym für Verwundete. Das ist erklärungsbedürftig, wenn nicht angenommen werden soll, daß Grundlegendes auf den Kopf gestellt wird. Täter und Opfer als austauschbare Größen? Der Sünder ist ein Täter, der Verwundete ein Opfer. Die Priester haben sich, laut Papst Franziskus, um die Verwundeten zu kümmern, also um Opfer, die aber in Wirklichkeit – folgt man den päpstlichen Ausführungen – Täter sind, denn wozu sonst bedürfte es eines Beichtvaters. Der Sünder wird demnach in einer neuen Dialektik vom Täter zum verwundeten Opfer. Zum Opfer der eigenen Sünde? Zum Opfer des Bösen? Zum Opfer des Teufels, des ewigen Versuchers und Verführers? Das aber erklärt der Papst nicht.

Sünde? „Materielle Probleme, Skandale, Illusionen der Welt“

Er spricht von der Kirche als „Feldlazarett“ und vermittelt den Eindruck, als gebe es in ganz besonderer Weise in dieser heutigen Zeit eine „Notwendigkeit die Wunden zu heilen, viele Wunden! Viele Wunden!“ Das aber hieße, die Priester hätten sich vor allem um jene zu kümmern, die durch die Sünde verwundet wurden. Genau das geht aus den weiteren Ausführungen jedoch nicht hervor. Warum aber sollte unsere Zeit mehr „Wunden“ zu heilen haben, als frühere Zeiten, sodaß der Kirche eine neue Rolle als „Feldlazarett“ zuteil wird?

Tatsächlich dürfte der Papst recht haben. Es gab noch nie so viele Menschen wie heute, weshalb die Zahl der Sünden allein schon deshalb an Zahl größer sein dürfte als je zuvor. Da der Papst aber die Sünde nicht benennt und nie wirklich von Sündern spricht, bleibt seine Aussage vage und wirft zahlreiche Fragen auf, die unbeantwortet bleiben. Denn zu den Ursachen der Verwundungen, die Beichtväter brauchen, also zur Sünde, sagt Papst Franziskus lediglich: „Viele Menschen sind verwundet, durch materielle Probleme, durch Skandale, auch in der Kirche… Menschen, die durch die Illusionen der Welt verwundet sind…“.

Man reibt sich ungläubig die Augen: „materielle Probleme“, „Skandale“, „auch in der Kirche“, „Illusionen der Welt“? Was ist das? Ist das die Dimension der Sünde, vor der wir uns hüten sollen? Verwundungen durch soziale Ungerechtigkeit? Sollten die Marxisten am Ende vielleicht doch recht haben, daß Straftäter, nur deshalb in unseren Gefängnissen sitzen, weil sie Opfer struktureller sozialer Ungerechtigkeiten sind? Soziologische und psychologische Überlegungen? Dafür braucht es den Beichtvater, die Beichte, das Sakrament der Versöhnung? Das ist doch etwas ganz anderes: Die Umdeutung des Beichtvaters zum Lebensberater? Zum Psychotherapeuten? Zum Freund? Die Verwechslung der Sünde mit Sorgen und Problemen der Menschen? Die Frage wäre dann berechtigt, ob andere Berufe aufgrund ihrer professionellen Ausbildung nicht doch geeigneter sind, solche Probelme zu lösen, als die „berufenen“ Priester. Sollte Gott tatsächlich eine Art Oberberufsberater für Sozialberufe sein?

Der Priester als Caritas-Mitarbeiter?

Läßt sich die Botschaft des Papstes an die Priester seiner Diözese und damit an alle Priester folgendermaßen zusammenfassen: Geht hinaus, scheut und ziert euch nicht, euch schmutzig zu machen, um den Menschen bei ihren Lebenssorgen und Alltagsnöten zur Seite zu stehen. Eine Aufforderungen unter mehreren für jeden Christen. Auch eine perfekte Stellenbeschreibung für einen Caritas-Mitarbeiter. Ist das aber eine Definition für das Priestertum? Vor allem im Zusammenhang mit dem Beichtsakrament? Fragen über Fragen.

Bild: Avvenire

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28 Comments

  1. Die Theologie dieses Brückenbauers ist mir schon lange ein Rätsel. Ob er überhaupt eine hat ? Aber was will man von diesem Mann erwarten ?? Verstehen sie ein einziges in der Messe gesprochenes Gebet ?? Allenfalls kann man erahnen, was es heißen soll. Aber bei „Buon pranzo !“ da versteht man ihn sehr gut.

  2. In den Anfängen des Pontifikates dachte ich noch, Bischof Franz verfolgt einen Plan.
    Gefühlte 1000 belanglose Ansprachen weiter, merkt man, dass er nur ein katastrophal schlechter Theologe ist und Geschwätzigkeit den Inhalt ersetzt. Er verwendet ständig mehrdeutige und falsche Bilder, seine Reden wiedersprechen sich inhalauch noch Barmherzigkeit mit Gefühlsduselei…Es wird lästig.

    • Da kann ich Ihnen nur zustimmen: Allmählich wird das Geschwafel des Herrn Bergoglio unerträglich. Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass er eine theologische Nullnummer ist, die durch emotionale Schlagworte versucht, von der massiven inhaltlichen Schwäche abzulenken. Dies allerdings mit Erfolg, wie das ebenfalls nicht mehr ertragbare Jubelvolk beweist. Der oberste Demutsprediger sonnt sich voller Stolz in seiner Demut. Wahre Demut muss sich aber nicht ständig öffentlich brüsten- sie geschieht im Verborgenen. Mich beschleicht ein ungutes Gefühl, wenn ich den Herrn sehe und höre- eine unheimliche Aura geht von ihm aus. Damit ist aber nicht die Aura der Demut, wie bei unserem Papst Benedikt gemeint. Etwas anderes geht von ihm aus.

      • Ja, emotionale Schlagworte, damit macht man heute Politik und Geld: Dazu werden die Menschen erst programmiert durch „Bildung“ und „Massenmedien“, Hauptelemente dieses Massen-NLP. Und dann braucht man nur noch auf die richtigen „Knöpfchen“ zu drücken. Bestimmte Worte und Bilder wecken dann die eingepflanzten Assoziationen. Siehe auch Edward Bernays, Propaganda: Die Kunst der Public Relations http://www.booklooker.de/app/resultnew.php?id=1003133491

      • Vermutlich haben Ähnliches auch die Zeitgenossen Jesu gesagt – die Schriftgelehrten und Pharisäer.

      • Nein – die rieben sich auf an der Klarheit seiner Rede. Jesus war kein Schwätzer. Er war der Sohn Gottes, hielt sich auch dafür und das ärgerte die Schriftgelehrten und Pharisäer.
        Noch vor dem Hohenpriester wurde ihm unterstellt, er habe aufrührerische Bewegungen verursacht. Jesus verweist auf seine klaren und für jeden sichtbaren Lehren. Daraufhin ohrfeigt ihn der Diener (Grund: Es sei unschicklich, so mit dem Hohenpriester zu reden… merken Sie was?) Es lohnt, anstelle von papolatrischen Vorurteilen mal Bibel zu lesen.
        Jesus sagt: „Habe ich falsch geredet, beweise es! – Habe ich aber wahr geredet, warum schlägst du mich?“
        Von einer Duckmäuserei vor dem Hohenpriester (Parallele zum Papst) kann also keine Rede sein. Jesu Kriterium für das, was er sagte, war nicht, ob es dem Hohenpriester passt und ihn schützt, sondern allein, ob es wahr ist.
        Ihre Parallelisierung „(historischer) Jesus – Papst“ ist also falsch. Parallel ist F. zum damaligen Hohenpriester zu sehen. Die Rolle Jesu entspricht vielleicht am ehesten dem Ordensgründer der FI, wenn wir schon mit solchen Vergleichen hinken wollen…

    • Ich kann Ihnen da auch nur zustimmen. Wie aber konnte ausgerechnet dieser Mann, dessen defizitäre Theologie offenkundig auf der Hand liegt, zum Papst gewählt werden? Mehr noch: Seine Wahl wurde bekanntlich schon seit 2005 forciert. Und mir kann keiner erzählen, dass unsere „Theologenkardinäle“ Kasper und Lehmann nicht gewusst haben, wen sie da auf die Agenda gesetzt haben. Es muss noch etwas ganz anderes dahinterstecken. Wir sehen mit Papst Franziskus lediglich die Spitze dieses Eisberges …

    • Ich hatte keine große Erwartungshaltung, zumal er zuvor nie theologisch hervorgetreten war. Das Urteil „katastrophal schlechter Theologe“ kann ich eigentlich nur unterstreichen. Dieses Pontfikat nutzt nur den Gegnern der Kirche.

    • Franziskus, Marx, Schonbörn, Wölki, Lehmann, Zollitsch, König, IBY, Hans Küng, Schüller, Zulehner usw. sind die Prototypen der „Konzilskirche“ alias „DIE NEUE KIRCHE“ und seiner satanischen Früchte, sie verkünden nicht mehr im Sinne Gottes unseres Herrn und seiner Kirche, sie verhalten sich wie antikatholische Wendehälse und sprechen und wirken nur mehr so wie es der weltliche Zeitgeist wünscht, der ja durch den „aggiornamento“ den Rauch Satans in die Kirche Gottes unseres Herrn blasen konnte, und bekämpfen alle die noch im Sinne Gottes unseres Herrn und seiner Kirche wirken oder besser gesagt wirken möchten , siehe seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI, seine Eminenz Kardinal Groer, die Exzellenzen Bischöfe Krenn, Mixa, die Hochwürdigen Pfarrer Gerhard Maria,Wagner, Sterninger, Andreas Skoblicki, usw. usw. ) . Es gibt kein eindeutiges Ja oder Nein der Mietlinge mehr, und im Zusammenhang mit den Heiligen Willen Gottes unseres Herrn;

      Matthäus: 5. 37
      Euer Jawort sei vielmehr ein Ja, euer Nein ein Nein. Was darüber ist, das ist vom Bösen.

      Daher sind auch deren Früchte vielfach so, nämlich BÖSE, und das wurde am besten erkennbar an der vatikanischen Umfrage zur Familie ,Maria Troster und Königsssteiner Erklärung, den Kirchenvolksbegehren, WiSiKi, ZdK, KFB usw.DIE NEUE KIRCHE hat sich des Götzen Mammons Willen vom Großen Auftrag Gottes unseres Herrn abgewandt und sich zur irdischen Zweigstelle der Hölle, alias „DIE KIRCHE VON UNTEN“ gemausert. Beweise die Gott den Herrn und seiner Kirche spottenden Diskussionen rund um die Homosexualität, Ehebruch, Zölibat, usw.

      Gottes und Mariens Segen auf allen Wegen

  3. Das sind alles berechtigte Fragen und im Zusammenhang damit stelle ich mir die zentrale Frage, ob die Kirche mit Papst Franziskus einen willfährigen Mitarbeiter an der neuen, global angestrebten Gesellschaftsordnung hat. Darauf deutet einiges an seinen Äußerungen und an seinem Verhalten hin. Ich frage mich, will er vereint mit der Linken „die Errichtung einer nicht repressiven Gesellschaftsordnung ohne Triebunterdrückung“ (man denke an Marcuse)? Dazu soll ja die „rechte“ Ordnung mit einer zum Triebverzicht( bzw. -aufschub) und opferbereiten Elite, gebildet zum Wohle aller, beseitigt werden. Angestrebt wird als linkes Ideal das Individuum mit ausgelebtem Triebleben, natürlich unter totalitärem Anspruch! Auf diese Weise soll die (vermeintliche) Gleichheit aller hergestellt werden. Zu diesem Programm gehört zentral die Ablehnung und Vernichtung alles Schönen und Erhabenen! (Man denke nur an die DDR mit ihrem aktiv zerstörerischen Umgang mit schöner Architektur und der Aberziehung des Schamempfindens in der zelebrierten Freikörperkultur).

    Gewendet auf die Kirche bedeutet das Ablehnung und Zerstörung des Sakralen, das nicht mehr zur Heiligung des Profanen dienen soll. Hier ist auch die Wurzel des ständigen massiven Angriffs auf das Sakrament der Ehe und auf den Priester mit zölibatärer Lebensweise zu finden. Das will die Linke unbedingt schleifen! Wenn dann alles profaniert ist, ist die Sünde quasi abgeschafft und das ausgelebte Triebleben bringt nur noch Wunden hervor. Der ehemalige Priester ist dann eben Sozialarbeiter, der diese Lebenswege zärtlich begleitet. Man denke hierbei auch an den breit gestreuten und ständig wiederholten Slogan „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“, der nur den Zweck hat, die traditionelle Überlieferung zu diffamieren.
    In dieser sogenannten „neuen“ Welt wird die Masse der Individuen manipuliert und gesteuert über aufwühlende Emotionen, hierbei spielen die Medien eine wichtige Rolle. Vernünftiges Handeln und rationales Abwägen werden dann zu Störfaktoren. In dieser neuen Ordnung zählt nur noch das Individuum mit seiner subjektiven Wahrnehmung (die objektive Wahrheit wird negiert) und jeder ist letztendlich sein eigener Richter.
    Falls das der Weg sein sollte, der unter diesem Pontifikat beschritten werden wird, dann werden wir mehr denn je einen gnädigen Richter brauchen, der den Menschen wieder aufrichtet.

  4. Papst Pius XII. hat das schwindende Sündenbewusstsein seinerzeit – wie nachstehend zu lesen – noch als
    „mögliche“ grösste Zeitsünde gesehen…..
    und heute ?

    -
    „Vielleicht besteht die größte Sündeder heutigen Zeit darin,
    daß die Menschen angefangen haben, das Sündenbewußtsein zu verlieren.“

    • „Vielleicht besteht die größte Sünde der heutigen Zeit darin, daß die Menschen angefangen haben, das Sündenbewußtsein zu verlieren.“
      Nicht nur das. Sie halten die Hölle für einen Witz aus dem finsteren Mittelalter. Und das geht voll auf das Konzil und seinem Geist. Wer glaubt wir kommen alle, alle in den Himmel wird gegenüber der Sünde ein sehr lockeres und leichtes Verhalten an Tag legen. Man nimmt das Gericht des Herrn nicht mehr ernst.
      Per Mariam ad Christum.

      • „Sie halten die Hölle für einen Witz“.
        Sie haben recht! Der Religionslehrer einer Gymnasialklasse lachte sich halb tot, als das Gespräch auf die Hölle kam. Er meinte, das sei ein Märchen!

      • So ist es. Der Religionsunterricht schafft Tatsachen. Er formt gefestigte Antikatholiken.

      • Die neue und große Sünde unserer Zeit ist in der Tat das fehlende Sündenbewußtsein. Dazu kommt die Neigung des ‚modernen‘ Menschen sich die Sünde wegzuerklären, so dass es keine Sünde mehr gibt. Der Gesetzgeber setzt noch eins obendrauf indem Todsünden gesetzliche Rechtfertigung erhalten, wie Abtreibung, Euthanasie, Unzucht ….

      • Imek: Die größte Sünde unserer Zeit ist die Tatsache dass aus Gut = Böse und aus Böse = Gut gemacht wurde, es darf also einen nicht wundern das nun aus den Täter des Opfer und aus dem Opfer der Täter wird.
        Es gibt sehr wohl ein Sündenbewusstsein in der Welt aber die Werte wurden einfach so verdreht dass diese nicht mehr mit Gott den Herrn und der Heiligen Tradition seiner Einen, Heiligen, Katholischen und Apostolische übereinstimmen und so dieses von Gott den Herrn wegführt.

        Gottes und Mariens Segen auf allen Wegen

    • Angefangen ? Sie sind mitten drin, das Sündenbewußtsein zu verlieren. Der Papst hilft ihnen dabei mit seinen andauernden Irritationen von falscher Barmherzigkeit.

  5. Herzlichen Dank an Frau Weinzl, daß sie sich die Mühe gemacht hat, die Ansprache von P. Franz zu analysieren. Höchst interessant seine Wortwahl. Welche Einseitigkeit, die sicher nicht zufällig geschieht. 28x Barmherzigkeit. Das ist „Sleepteaching“ der „brave new World“. Konditionierung. Schlagwörter ohne genaue Definition. Mißbrauch von (einst) positiven Begriffen, die für eigene (neue) Zwecke eingesetzt werden.
    Kompentente Leute sollten künftig sehr genau die Ansprachen von P. Franz unter die Lupe nehmen und analysieren. Nur so läßt sich nachweisen, daß da aus katholischer Sicht etwas nicht (mehr) im Lot ist.

    • In der Lehre der katholischen Kirche ist schon lange nicht mehr alles im Lot. Da nützen auch keine „kompetenten Leute“, die dies untersuchen sollen, denn in der regel werden dann solche Leute zur Untersuchung eingesetzt, die mit der katholischen Lehre sowieso schon lange nichts mehr am Hut haben, die aber der breiten Masse das Verderben reden. Und die fragmenthaften Aussagen unseres neuen Pontifex leisten dazu einen passenden Beitrag. Kann sich doch jeder daraus aussuchen, was ihm gefällt und ins Lebenskonzept passt, ob das nun genuin katholische Lehre ist, und damit zum ewigen Heil führt, ist den meisten doch eh bereits total egal. Hauptsache es geht uns gut ….

      • Mit kompeteten Leuten meine ich Leute wie Frau Weinzl. Leute, die ein Gespür haben für die Verdrehungen, die da gemacht werden, Leute, die in der traditionellen Kath. Kirche zuhause sind und sich in ihr auskennen. Natürlich meine ich nicht jene, die oftmals Pseudo-Wissenschaftler sind, die man zu Untersuchungen in der Kirche einsetzt.

  6. Wie eingangs erwähnt wurde, richtete sich die Ansprache an Priester und nicht an Laien. Man sollte an dieser Stelle annehmen, dass Priester einen anderen Background haben, als Personen ohne diesen Hintergrund, wie. z.B. eine Martha Weinzl.
    Insofern erscheint es redundant den Priestern gewisse Begriffe erklären zu müssen. Oder hält Frau Weinzl die Priester der Diözese Roms für unterbelichtet?
    Interessant ist auch zu sehen, wie sich Frau Weinzl selber widerspricht. Einerseits kommt in der Ansprache der Begriff der Beichte dreimal vor, im nächsten Satz aber keinmal. Wie ist dies erklärbar?
    „… dreimal gebraucht er die Worte Mitleid, beichten und Beichte, nur einmal die Worte Sünde, Sünder, versöhnen und lossprechen. Die Worte Schuld, Beichte und Beichtstuhl kommen nicht vor“
    Zu dem Punkt Sünder = Ausgeschlossene
    Durch die Sünde schließen sich die Sünder tatsächlich aus. So muss man sich schließlich auch im Stand der Gnade befinden, damit man kommunizieren kann – Teilnahme am Altarssakrament. Der Stand wird entweder durch ein absolut sündenfreies Leben oder durch das Sakrament der Beichte erlangt.
    Zu Sünde als Wunde
    Frau Weinzl schreibt: “ Papst Franziskus legt den Priestern in der Rolle des Beichtvaters in seiner Ansprache nur die Verwundeten ans Herz. Der Beichtvater aber hat sich um die Sünder zu kümmern“.
    Wenn ich zur Beichte gehe, tue ich dies mit dem Gewissen, dass ich gesündigt habe und nicht aus Langeweile, o.Ä. Insofern sehe ich mich selbst als Sünder an. Ich denke, dass ich mit meiner Gefühlswelt nicht alleine dastehe. Dass mit dem Sakrament der Beichte eine Absolution einhergehen kann (man wird in der Tat nicht von allem losgesprochen, muss also gewissen Anforderungen schon Genüge leisten), eine Buße einhergeht und die Aufforderung „geh und sündige nicht mehr“, dürfte jedem katholischen und normalvernunftbegabten Menschen evident sein . einschließlich der Priester Roms.
    Zu den sozialen Berufen
    Die sozialen Berufe, wie wir sie heute und in Deutschland kennen, sind historisch gesehen neuere Entwicklungen. Das Priestertum der katholischen Kirche dagegen gibt es schon ein bisschen länger….
    Warum darf und kann mir ein Priester keine Handlungsalternativen aufzeigen oder Ratschläge erteilen? Und wie definiert Frau Weinzl eigentlich den Begriff „Seelsorger“?
    Fragen über Fragen, die DIESER Artikel aufwirft und nicht Papst Franziskus!

    Ps.: Ich bin selber ausgebildete Dipl. Sozialpädagogin und kenne das Berufsfeld, kennt Frau Weinzl es auch?

    • Ihre Verteidigung des Papstes in Ehren, ich habe mir die Rede von Papst Franziskus vollinhaltlich angeschaut. Lieber das Original sehen, als nur kommentierte, interpretierte Ausschnitte, habe ich mir gedacht. Ich denke darüber nach und denke darüber nach, aber wie ich es auch drehe und wende, ich komme auf keinen grünen Zweig. Von welcher Seite ich es auch angehe, so wie Weinzl, so wie Sie, auch noch anders, ob von der Sünde her, ob vom Sünder, ob vom Sakrament der Beichte, ob von den Lebensproblemen der Menschen. Der Papst redet auf einer Ebene, vermengt aber die Begriffe verschiedener Ebenen. Welche Begriffe, welche Ebene meint er jedoch?
      Darum frage ich mich dauernd schon: Was sollen die Priester der Diözese Rom von dieser Ansprache mitgenommen haben? Mir persönlich fallen nur zwei Dinge ein (auf): sie sollen barmherzig sein (und da von mir aus, möchte man hoffen, wie Sie schreiben, dass Priester wissen, was das bedeuten soll); und sie sollen (ohne das Wort ausgesprochen zu haben) an die Ränder hinausgehen, zu den Menschen, ihren Nöten und ihren Sorgen nahe sein, zu den Armen gehen (sich eben nicht „zu schön“ sein). Was aber hat das mit der Beichte und der Sünde zu tun? Arme sind per se keine Sünder.
      Apropos, wenn die Priester einen so anderen „Background“ haben, warum sollte ihnen dann der Papst ständig erklären müssen (wollen), was Barmherzigkeit ist und dass sie barmherzig sein sollen. Der Bedarf bestünde nur, wenn der Begriff mehr oder weniger mit neuem Inhalt gefüllt werden soll.
      Zwischen Weinzl und Ihrem Kommentar muß ich Weinzl den Vorzug geben. Dieser Papst ist ein Rästel und ich habe es ehrlich satt (es geht ja nicht nur um diese Ansprache an den Klerus, sondern um ebensolche an uns Laien), mir immer alles mögliche Rechtgläubige dazudenken zu müssen. Die Politiker reden schon seid einer Weile so, und es nervt. Sie sagen nicht A und nicht B, sondern etwas vielfach Unedfinierbares zwischendrin. Kritik lassen sie an sie abprallen, indem der Zuhörer immer im Unrecht sei, er habe nur nicht genau hingehört, schließlich sei ja A genannt worden, irgendwie.
      Ich aber will von meiner Kirche, vom Papst unterwiesen werden, klare Begriffe, klare Inhalte, klare Angaben, wahrheitsgetreu, die gefallene Natur des Menschen ernst genommen, die Gefahr das ewige Leben zu verspielen, keine Kirche als Nur-Caritas, als Nur-Hilfsverein…

  7. Die Geistlichkeit verwechselt heutzutage Barmherzigkeit mit Diskont, das wollen sie nicht kapieren, dass in der Todesstunde die Barmherzigkeit Gottes endet und seiner Gerechtigkeit weicht! Sie orientieren sich an dem Gesang von Mike Krüger „Wir kommen alle, alle in den Himmel“. Nur komisch, dass die Muttergottes in Fatima von den vielen Menschen spricht, die auf die Hölle zueilen.

  8. Gerade habe ich mal auf der Radio Vaticana-Site nachgeschaut, was dort berichtet wird zu dieser Ansprache. Ein kleines Beispielchen:

    „„Priester, die – ich erlaube mir dieses Wort – „aseptisch“ sind, die wie frisch aus dem Labor kommen und ganz sauber und schön, die helfen der Kirche nicht!“
    Neuerlich griff der Papst auf sein Bild von der Kirche als Feldlazarett zurück. Da gebe es „so viele, so viele Wunden“ zu heilen.
    „Es gibt so viele verletzte Menschen, verletzt von materiellen Problemen, von den Skandalen, auch in der Kirche. Wir Priester müssen dort sein, nahe an diesen Leuten. Barmherzigkeit bedeutet vor allem anderen und zuerst, die Wunden zu heilen. Später dann können wir uns um die Analyse kümmern. Es gibt auch verdeckte Wunden, Leute, die weggehen, um ihre Wunden nicht zu zeigen; sie gehen weg vielleicht mit einem zornigen Gesicht und sind der Kirche böse: aber im Grund ist da drin eine Wunde. Sie wollen eine Geste der Zärtlichkeit. Ich frage euch, liebe Mitbrüder: kennt ihr die Wunden der Menschen in eurer Pfarre?“
    Bei der Beichte und der Lossprechung, so der Papst weiter, seien weder ganz strenge noch ganz laxe Priester eine große Hilfe. Beide würden sich „die Hände in Unschuld waschen“.
    „Echte Barmherzigkeit nimmt sich des Menschen an, hört ihm zu, bedenkt seine Lage mit Respekt und Wahrheit und begleitet ihn auf dem Weg der Versöhnung. Und das ist mühsam. Sicher!“

    (Dieser Text stammt von der Webseite http://de.radiovaticana.va/news/2014/03/06/papst_an_r%C3%B6mische_priester:_%E2%80%9Eweinst_du_k%C3%A4mpfst_du_streichelst_du/ted-779188 des Internetauftritts von Radio Vatikan)

    Frau Weinzls Analyse scheint also zutreffend zu sein – vielen Dank!
    Dass „Elisabeth“ das nicht nachvollzieht, kann nur daran liegen, dass sie entweder Weinzl Argumentation nicht verstanden oder – samt den Sätzen des Papstes – nicht genau gelesen hat.

    Es ist tatsächlich so, dass F. keinen klaren Unterschied zwischen „Täter“ und „Opfer“ macht.

    Alles in allem habe ich von dieser Ansprache folgenden Eindruck: F. will einerseits tatsächlich das Beichtsakrament wieder aktivieren. Aber er will es nicht im Rahmen der traditionellen Begrifflichkeit. Die traditionelle Begrifflichkeit orientiert sich sehr wohl daran, dass die Heilige Kirche ohne Flecken und Runzeln und rein ist. Der Priester sollte davon etwas darstellen. F. nennt das einen „aseptischen Priester aus dem Labor“.

    Man geht nicht zu weit, wenn man darin einen Seitenhieb gegen alle jene annehmen muss, die eben auf der Reinheit der Kirche beharren.
    Nur wenn wir im vollen Bewusstsein des Sündigens sündigen, ist es überhaupt eine (schwere) Sünde. Oder? das ist doch Lehre! Also ist man, wenn man etwas zu beichten hat, kein „Verwundeter“, sondern ein Selbstzerstörer, der umkehren darf! Nur wenn man sich nicht voll der Sünde bewusst war oder ein anderer an einem gesündigt hat, ist man ein „Verwundeter“. Dann aber ist der Beichtstuhl eher nicht der richtige Ort.

  9. das Papstum wurde nachkonziliar evalluiert und mir war das klar wie S.H. auf der Benedictions Loggia ohne liturgische Kleidung erschienen ist und guten abend sagte da war klar das wars die Operation überleben von der Mgr Lefebvre 1988 sprach fängt erst an

  10. Was mir völlig schleierhaft ist, ist, daß derselbe Papst, der solche schwer verständlichen und irreführenden Stellungnahmen abgibt, gleichzeitig Msgr. Robert Hugh Bensons „Lord of the World“ (1907) empfiehlt. Für mich paßt das in keiner Weise zusammen.

    Benson war als Konvertit (und Sohn des – damals schon verstorbenen – anglikanischen „Erzbischofs“ von Canterbury) naturgemäß sehr radikal. In seinen Romanen wird die priesterliche Identität sehr betont. Die Priester haben dort nichts von einem Sozialarbeiter an sich. Sie sind rein Verkünder und – vor allem – Spender des übernatürlichen Lebens durch die Sakramente.

    Übrigens sind auch die katholischen Laien bei Benson „sehr“ katholisch im traditionellen Sinn.

    Was kann man daraus schließen?
    Daß man Benson intensiv studieren soll.

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