Katholische Morallehre? Der deutsche Konfrontationskurs von Bischöfen und Professoren

Erzbischof Robert Zollitsch bei Papst Franziskus in Rom(Bonn) Deutsche Moral- und Pastoraltheologen springen Zollitsch und Marx in derem Kampf gegen die katholische Morallehre zur Seite. Im Konfrontationskurs deutscher Bischöfe mit Rom mußten die Bischöfe eine Niederlage einstecken. Trotz des „Wunsches“ einer Gruppe von Bischöfen an Papst Franziskus, Glaubenpräfekt Gerhard Ludwig Müller nicht zum Kardinal zu erheben, wird der deutsche Glaubenshüter am 22. Februar das Kardinalsbirett erhalten.

„Die Kirche muß ihre Haltung zur Sexualmoral ändern. Wir schreiben das Jahr 2014 nach Christus. Seit Jahren sind wir in das dritte Jahrtausend eingetreten. Es ist doch unmöglich, daß Rom noch immer an Zölibat und Ehe denkt als Alternativen, die dem Leben einen Sinn geben.“ Kurzum, alte Zöpfe seien endlich abzuschneiden, man müsse sich dem Neuen, dem Modernen zuwenden, dem, was die Menschen wollen und ohnehin tun. So und ähnlich klingt schwarz auf weiß die Stellungnahme führender Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Moraltheologen und der Konferenz der deutschsprachigen Pastoraltheologen und Pastoraltheologinnen e.V.

Bei Ersteren handelt es sich laut Eigendefinition um einen Zusammenschluß der an deutschen Universitäten und Hochschulen lehrenden und forschenden bzw. emeritierten Professoren der Moraltheologie. Bei Zweiteren um dieselbe Gruppe im Fachbereich Pastoraltheologie aus dem ganzen deutschen Sprachraum einschließlich den Niederlanden.

„Gemeinsame Antwort“ deutscher Moral- und Pastoraltheologen linienkonform mit Zollitsch & Marx

„20 Moral- und PastoraltheologInnen“ antworteten gemeinsam auf den römischen Fragebogen zum Vorbereitungsdokument der Bischofssynode zum Thema Familie. Beteiligt sind Moral- und Pastoraltheologen verschiedener Universitäten. Emeritierte Professoren von Münster, Mainz, Graz, Benediktbeuern, Tilburg, Dortmund, ebenso der Promotor der Schulsexualerziehung Johannes Gründel (München) und Hans Kramer (Bochum). Unter den Aktiven finden sich der Wiener Moraltheologe Gunter Prüller-Jagenteufel, der mit der Leiterin des Pastoralamtes der Erzdiözese Wien, Veronika Prüller-Jagenteufel verheiratet ist,  ebenso Eberhard Schockenhoff von Freiburg im Breisgau, der Jesuit Josef Schuster von St. Georgen. Mehr erstaunt in diesem Kreis der Pastoraltheologe und Zisterzienser Norbert Stigler von der Hochschule Heiligenkreuz bei Wien.

Gefordert wird eine Überwindung der Glaubenslehre, die ein moralisches Urteil über das Sexualverhalten der Individuen ausspricht. Die Sexualität sei Privatsache und gehe niemanden etwas an, weder die Kirche und auch nicht Gott. Es sei an der Zeit zu einem Paradigmenwechsel, der auf der Zerbrechlichkeit der Ehe und den persönlichen Erfahrungen im Sexualbereich gründet. Die Sexualmoral müsse auf der „Verletzlichkeit“ gründen, diese anerkennen und begleiten.

Rom müsse endlich einsehen, daß die Stunde gekommen ist, die Ehe neu zu definieren: „Die Ehe muß sich als eine die Verletzlichkeit bergende, nicht nötigende Institution profilieren.“ Ehe neu definiert durch „palliale“, „emanzipative“ und „ reflexive Dimension“ der „Vulnerabilität“ der menschlichen Sexualität.

„Mehr Barmherzigkeit, weniger Strafe“ – veränderte Praxis, unveränderte Lehre

Die 20 Unterzeichner des Appells geben sich dabei nur als Sprachrohr aus. Nicht sie würden das verlangen, nein, die Gläubigen seien es. Ein Blick auf die professoralen Antworten zeigt, an welche revolutionäre „Wende“ sie denken. Natürlich wird alles im Namen von „mehr Barmherzigkeit“ gefordert.

„Mehr Barmherzigkeit, und weniger Strafe, das entspricht in etwa dem, was ohnehin seit einiger Zeit die Mehrzahl der deutschen Bischöfe auf ihre Fahne geschrieben haben“, so Matteo Matzuzzi, der Vatikanist von Il Foglio. Die kirchliche Lehre finde in der Theorie nur zum Teil „Akzeptanz“ bei den meisten Gläubigen, in der Praxis kaum. Es sei offenkundig, „daß eine christliche Moralverkündigung, die Sexualität nur im Kontext der Ehe ansprechen will, nicht genau genug hinsehen kann, wenn es um die vielen Erscheinungsformen des Sexuellen außerhalb der Ehe geht“, wissen die Moral- und Pastoraltheologen zu sagen.

Lob für „Handreichung“ des Erzbistums Freiburg

Das Professorendokument rezipiert auf verblüffende und wohlabgewogene Weise, was in den vergangenen Monaten von Vertretern des deutschen Episkopats geäußert wurde, besonders des inzwischen emeritierten Erzbischofs von Freiburg, aber noch Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Msgr. Robert Zollitsch. Entsprechend lobend wird die umstrittene „Handreichung“ des Amtes für Familienpastoral von Zollitschs Erzbistum Freiburg hervorgehoben: „Als derzeit wichtigsten ‚Pastoralplan‘ könnte man die »Handreichung zur Begleitung von Menschen in Trennung, Scheidung und nach ziviler Wiederverheiratung« aus dem Erzbistum Freiburg bezeichnen, welche die menschenfreundliche und respektvolle Grundhaltung Jesu konsequent zum Maßstab der kirchlichen Sorge um wiederverheiratet Geschiedene machen will. Sie nahm zahlreiche Impulse aus dem moraltheologischen Diskurs der letzten beiden Jahrzehnte produktiv auf.“

Ende Januar wird sich der Ständige Rat der Bischofskonferenz in Vorbereitung der Frühjahrsvollversammlung mit der „Handreichung“ befassen. Mit Ungeduld drängen mehrere deutsche Bischöfe darauf, die wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten zuzulassen. Ihnen geht es darum eine Kluft zu retuschieren und das Wegbrechen einer großen Gruppe zu verhindern. Die Freiburger „Handreichung“ soll offiziell für die Seelsorge anerkannt werden, ohne offiziell die kirchliche Lehre, sehr wohl aber ihre Praxis zu ändern.

Müllers Kritik, deutscher Starrsinn

Die „Handreichung“ wurde vom Glaubenspräfekt und bereits ernannten Kardinal Gerhard Ludwig Müller als im Widerspruch zur katholischen Lehre verurteilt. Müller forderte von Rom aus, das Dokument zurückzuziehen. Doch die deutschen Bischöfe wollen nicht lockerlassen. Mit Reinhard Kardinal Marx, dem Erzbischof von München-Freising sprang Zollitsch die derzeit gewichtigste Stimme der europäischen Kirche zur Seite. Marx ist Vorsitzender der Europäischen Bischofskonferenzen COMECE und Vertreter Europas im C8-Rat von Papst Franziskus.

Der Applaus zu Hause bewegt sie mehr, als die Ermahnungen und Warnungen Roms. Die Bischöfe betreiben ein hochriskantes Vabanquespiel in der Hoffnung, daß Rom, abgeschreckt von einem möglichen Schisma und dem Verlust der deutschen Brieftasche, nachgibt oder zumindest so tut, als sei nichts geschehen. Der Idealfall, den die deutsche Kirche seit Jahrzehnten erfolgreich betreibt. Selten fiel ein so grelles Licht auf die „deutsche Arroganz“ wie zu dem Augenblick, als Zollitsch und Marx öffentlich erklärten, nicht sie, sondern der Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, der von Benedikt XVI. eingesetzte und von Papst Franziskus bestätigte oberste Hüter der Orthodoxie habe seine Meinung zu ändern.

Deutsche Bischöfe wollten nicht, daß Müller Kardinal wird

Der im Untergrund schwelende Konflikt einer latent schismatisierenden deutschen Kirche wurde dadurch zum offenen und heftigen Zusammenprall. Die Passauer Tageszeitung Neue Presse berichtete vor wenigen Tagen, daß eine Gruppe deutscher Bischöfe Papst Franzikus nahegelegt haben, Präfekt Müller doch von der Liste der neuen Kardinäle zu streichen.

Eine ebenso außergewöhnliche wie unerhörte Aktion in den Beziehung zwischen der deutschen Kirche und dem Vatikan. Die Wochenzeitung Die Zeit versuchte auf ihre Weise das bischöfliche Anliegen zu unterstützen, indem sie schrieb, daß Präfekt Müller der „hartnäckigste Gegner“ des Papstes sei und ein Urteil von Hans(Dampf) Küng veröffentlichte, der Müller, natürlich mit negativer Konnotation, als „neuen Ottaviani“ bezeichnete.

Papst Franziskus läßt sich bei Personalentscheidungen nicht dreinreden

Doch Papst Franziskus ließ sich von den Begehrlichkeiten einiger deutscher Bischöfe nicht beeindrucken. Insgesamt läßt sich das katholische Kirchenoberhaupt bei Personalentscheidungen nicht dreinreden. Schon gar nicht ändert er bereits getroffene Entscheidungen, wie ganz unterschiedlich gelagerte Fälle belegen, etwa die heftig kritisierte Ernennung von Msgr. Ricca als Hausprälat der Vatikanbank oder der am Montag erfolgte Kahlschlag in der Kardinalskommission der Vatikanbank. Lediglich der dem neuen Papst treu ergebene Kardinal Tauran wurde bestätigt.

Im Tornielli-Interview ging Papst Franziskus vor Weihnachten auch auf die Zollitsch „Handreichung“ ein und widersprach einer deutschen Auslegung, er habe in irgendeiner Weise zum Thema wiederverheiratet Geschiedene Stellung bezogen. Inhaltlich ging der Papst jedoch nicht auf die Frage ein.

Seit vergangenem Sonntag, als der Papst unter den neuernannten Kardinälen auch Kurienerzbischof Müller nannte, ist den deutschen Bischöfe allerdings klar, daß ihr Forderungsschreiben, mit dem sie die Kardinalserhebung Müllers hintertreiben wollten, ungeöffnet an den Absender zurückgeschickt wurde, wie Hans Küngs Zwischenrufe ungehört blieben. Ende Januar werden die Bischöfe darüber zu sprechen haben. Ob sie das päpstliche Signal von ihrem offenen Konfrontationskurs abbringen wird?

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Il Foglio

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23 Comments

  1. „Es ist doch unmöglich, daß Rom noch immer an Zölibat und Ehe denkt als Alternativen, die dem Leben einen Sinn geben.“

    Man steht nur noch fassungslos vor solchen Perfidien. Es sind die eiterbeulenartig aufplatzenden Auswürfe eines jahrzehntelangen moralthologischen Abdriftens, die offenkundig machen, dass der Glaube an Gott bei diesen Zuhältern des Zeitgeistes restlos verdunstet ist. Eine völlige Umkehrung aller Werte hat Einzug in diese Köpfe gehalten. Der Mensch, nicht Gott, ist es, der Gebote und Sitten definiert und sie sich nach seinem Gusto zurechtschustert. Gott ist tot. Die Kirche ist in deren Gehirnen von der mater et magistra zu einer Dirne verkommen, die sich den jeweiligen Bedürfnissen des autonomen Menschen weit zu öffnen hat. Sinn finden diese Pseudotheologen dann ganz konsequent offenbar nur mehr im uneingeschränkten Sanktionieren hedonistischer Begierden. Eine Theologie, die den Menschen seiner erbärmlichen menschlichen Schwäche ausliefert, anstatt ihn über seine niederen Instinkte zu erheben, ist eine perverse Aftertheologie, die in dekadenten Zeiten vielleicht vorübergehend Anklang findet, die aber letztlich niemand braucht und die über kurz oder lang verworfen wird.

  2. Mögen die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Moraltheologen etc. bitte auf den Mond auswandern, dort ihre eigene Kirche bzw. politisch-korrekte und zeitgemäße Labersekte gründen und alle Katholiken in Ruhe lassen. Niemand hat diese Schwätzer gewählt und niemand zeigt das geringste Interesse an ihrerm ewigen, wichtigtuerischen Genöhle. Und wer nicht mal zwischen Rom und der ewigen Wahrheit Gottes, unseres Herrn unterscheiden kann, der zeigt deutlich, daß er dem Katholizismus und dem Christentum an sich intellektuell einfach nicht gewachsen ist. Aber was kann man von Alt-68ern schon erwarten, als das ständige Rotieren um das eigene Ego, welches keinen anderen Gott neben sich duldet.

    • Sumsum
      Noch bevor ich Ihren „köstlichen“ Kommentar las, hatte ich auch die Vorstellung einer One-Way-Mondrakete voll mit modernen Moral- und Pastoraltheologen.

  3. Es sei offenkundig, „daß eine christliche Moralverkündigung, die Sexualität nur im Kontext der Ehe ansprechen will, nicht genau genug hinsehen kann, wenn es um die vielen Erscheinungsformen des Sexuellen außerhalb der Ehe geht“…

    Wie sich doch die Herren und Dämlichen „Moral- und Pastoraltheologen“ so vornehm und klug auszudrücken wissen, während sie heuchlerisch-durchtrieben um den heißen Brei schleichen.
    Es könnte einem schlecht werden von dieser scheinheiligen Bande.

  4. Wenn das Zölibat abgeschafft wird, haben wir in der katholischen Kirche nur noch Selbstdarsteller als Priester und keine Hirten mehr. Obwohl die Zahl der wahren Hirten immer weiter schwindet oder diese den Medien vorgeworfen werden – traurig.

  5. „Bitte den Überbringer der Nachricht nicht zu enthaupten!“

    Wer das Papier liest, sieht sofort, dass die unterzeichneten Theologieprofessoren nicht ihre eigene Meinung wiedergeben, sondern das, was die Menschen hierzulande denken. Dazu gibt es seit über 40 Jahren regelmäßige Erhebungen (Wertestudien, Religionsstudien, …), die hier als Antworten auf den Fragebogen zusammengefasst sind. Und so unterscheidet sich das Papier der Professoren nicht von den Ergebnissen, die verschiedene Diözesen veröffentlicht haben. Käme irgendjemand auf den Gedanken, Kardinal Meisner deshalb als Häretiker auf den Mond zu schießen?

    Den Satz: „Es ist doch unmöglich, daß Rom noch immer an Zölibat und Ehe denkt als Alternativen, die dem Leben einen Sinn geben“, kann ich übrigens nirgends finden – auch nicht dem Sinn nach. Stünde er so in dem Dokument, hätten wohl keiner der genannten Professoren unterschrieben.

    Was wirklich dasteht: „Menschen, die im außerkirchlichen Bereich Pluralität positiv erfahren (beruflich, sozial und biographisch), empfinden es nicht als ausreichend, wenn ihnen die Kirche nur Zölibat und Ehe als legitime Lebensformen vorstellt. Im Licht des Evangeliums ist zu prüfen, ob nicht auch andere Lebensformen vom Verdikt der Sünde entlastet werden können.“ Dass das etwas ganz anderes meint, versteht man aber nur, wenn man den Unterschied zwischen Faktum und Norm, zwischen Ist und Soll begriffen hat.

    Der einzige Abschnitt, der über eine Darstellung der Faktenlage hinausgeht, ist der letzte: „Weitere Herausforderungen und Vorschläge“. Hier findet sich nun aber keine einzige Ablehnung einer kirchlichen Lehre. Hier gibt es nur einen Vorschlag(!), wie man die katholische Sexual- und Familienmoral um weitere Perspektiven ergänzen(!) könnte, um aus Einseitigkeiten herauszukommen (z.B. jene leibfeindlichen Tendenzen, von denen Papst Benedikt sagt, dass es sie in der Kirche immer gegeben hat – vlg. Deus caritas est Nr.5). Der Vorschlag lautet, die Verletzbarkeit und Verletztheit des Menschen im Bereich von Liebe und Sexualität deutlicher in den Blick zu nehmen und von da her die Sexualmoral zu entwickeln.

    Das ist im Grunde eine Weiterführung der „Theologie des Leibes“ von Papst Johannes Paul II. Um das zu erkennen, muss man allerdings genau lesen und versuchen, zu verstehen. Prof. Stigler OCist aus Heiligenkreuz hat das offensichtlich erkannt. Das „Erstaunen“ darüber, dass er zu den Unterzeichnern gehört, hält sich also in Grenzen.

    Ich bitte also, bevor weitere Mondraketen gezündet werden, nicht nur die Meldung zu lesen, sondern das Dokument selbst – und zumindest versuchen zu verstehen, was damit gesagt werden will und was nicht. (Die kirchliche Tradition nennt das übrigens „salvare sententiam“; siehe Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 2478.)

    Und auch, wenn es manchen den Spaß verdirbt: Der Scheiterhaufen bleibt heute kalt.

    • Guter Mann, alle Mondraketen beiseite, der liebe Herrgott als Urheber der christlichen Moralvorstellungen hat in Sodom und Gomorrah ganz klar ausgedrückt, was er von Leuten hält, die meinen, an seinen ewigen Gesetzen herumdoktern zu müssen. Da können alle modernistischen Theologenheulsusen rumkriteln wie viel sie wollen, wir müssen uns dem Herrn anpassen und nicht umgekehrt. Da hilft alles Herumkneten und Neuinterpretierenwollen der Heiligen Schrift gar nichts!

      • Könnten Sie bitte, bevor Sie auf meinen Eintrag antworten, diesen wenigstens lesen? Ich kann beim besten Willen keinen inhaltlichen Zusammenhang erkennen.

      • Lieber Herr Prüller-Jagenteufel

        Die Pluralität, die es im Leben draußen gibt, gibt es halt in der Kirche nicht, auch wenn man es sich noch so wünschen wollte.

        Es gibt nur Himmel – Fegefeuer – Hölle.

      • „Menschen, die im außerkirchlichen Bereich Pluralität positiv erfahren (beruflich, sozial und biographisch), empfinden es nicht als ausreichend, wenn ihnen die Kirche nur Zölibat und Ehe als legitime Lebensformen vorstellt. Im Licht des Evangeliums ist zu prüfen, ob nicht auch andere Lebensformen vom Verdikt der Sünde entlastet werden können.“

        Ich frage mich, wie man auf so einen Satz kommen kann. Das geht doch nur, wenn ich die Kirche als einen Gemischtwarenladen ansehe, der für alle Bedürfnisse entsprechende Produkte bereithält. – Ja, diese Sehweise ist nachkonzilär und komplett veraltet.

        Papst Franziskus will eine arme Kirche haben und das heißt, das Warenangebot wird knapper, die Auswahl kleiner.

        Es läuft darauf hinaus, daß die Kirche wie schon vor dem Konzil nur Zölibat und Ehe als legitime Lebensformen vorstellt. Ganz einfach. Ganz arm.

    • Werter @Gunter Prüller-Jagenteufel, niemand möchte wohl Scheiterhaufen lodern sehen, wie sie es den Kommentatoren so freundlich unterstellen. Auch ist es natürlich richtig und angemessen, wenn die Kirche und die Theologenschaft „das Ohr“ bei den Menschen hat und deren Lebenswirklichkeit kennt und in Betracht zieht. Aber weshalb geschieht es dann immer in der Weise, dass man die Norm dem Faktischen anpassen, das Soll dem Ist angleichen will? Wieso machen sich die unterzeichneten Theologieprofessoren zum Sprachrohr „der Menschen hierzulande“? Wäre es nicht die vornehmste Aufgabe der Kirche und der Theologenschaft, die „Meinungen hierzulande“ zu analysieren, das Faktische an den Normen zu messen und aus diesem Vergleich nicht nur den Grad der Abweichung, die Größe der Differenz zwischen Ist und Soll festzustellen und zu beklagen, sondern aus der Analyse des Faktischen neue Strategien zu entwickeln, um den „Menschen hierzulande“ die Sinnhaftigkeit der christlichen Norm neu zu erschließen? Die „Verletzbarkeit und Verletztheit des Menschen im Bereich Liebe und Sexualität“, könnte sie nicht eher ihre Ursache in der Missachtung bzw. weitgehenden Unkenntnis (der Sinnhaftigkeit) der Sexualmoral der Kirche haben? Leiden vielleicht unsere Moraltheologen selbst an diesem Sinnverlust? Wie können wir den Sinn katholischer Sexualmoral, ihre tiefe Wahrheit über den Menschen wieder neu fass- und erlebbar machen, in einer Welt, die an ihrem Egoismus und Hedonismus zugrundezugehen droht? Das wäre doch die moraltheologische Kardinalfrage, um die sich alles Denken und Verkünden drehen müsste! Hat die Kirche nichts anderes zu bieten, als dem Volk auf’s Maul zu schauen? Dienen wir dem Glück des Menschen – oder sagen wir es theologisch: seinem ewigen Heil – wirklich, indem wir die anderen Lebensformen, also das Faktische, einfach absegnen? Oder würden wir den Menschen nicht doch angemessener dienen, wenn wir heutige Lebensformen auf der Grundlage des christlichen Glaubens hinterfragen und versuchen, die katholische Sexualmoral, bspw. den Sinn von Ehe und Zölibat, wieder neu ins Bewusstsein zu rufen?

    • @Gunter Prüller-Jagenteufel
      Ich habe mir ihren Beitrag durchgelesen. Sie haben recht. Die Leute reagieren immer empfindlicher auf die „Leibfeindlichkeit“ der heiligen katholischen Kirche.
      „Menschen, die im außerkirchlichen Bereich Pluralität positiv erfahren (beruflich, sozial und biographisch), empfinden es nicht als ausreichend, wenn ihnen die Kirche nur Zölibat und Ehe als legitime Lebensformen vorstellt.“
      Was machen wir nun mit diesen Worten des Herrn.
      „Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.“
      Sollte wir diese Worte des Herrn in der heiligen Schrift nicht schwärzen oder gleich die ganze Seite rausreißen damit die Menschen zufrieden sind mit der katholischen Kirche? Es besteht natürlich die Gefahr wenn wir damit anfangen das am Ende von der Bibel nur der Einband übrigbleibt. Die Katholiken von heute sind ja so empfindlich wenn es um ihren Leib geht. Um ihre Seele machen sie sich weniger Sorgen.
      Per Mariam ad Christum.

    • Mit dem letzten Satz, dass der Scheiterhaufen kalt bleibt, hat sich der Verfasser geoutet, er steht außerhalb der Kirche und will nur Unruhe verbreiten.

    • @ Gunter Prüller-Jagenteufel

      Lassen wir einmal alle Seitenhiebe beiseite. Ich finde sie bei den Kommentatoren und bei Ihnen auch. Das bringt uns nicht weiter.

      Sie nehmen Bezug auf das, was die Menschen denken. Sie denken wohl, wenn ich Sie recht verstehe, dass die kirchlichen Normen sich damit ständig neu positionieren müssten.
      Ich möchte Ihnen zu bedenken geben, dass die sittlichen Normen der Kirche viel mehr als bloße Moralvorstellungen sind.
      Alles hat Zeichencharakter, sakramentalen Charakter. Die Ehe ist ein Zeichen für Gottes Treue zu uns. Der Zölibat ist Zeichen der totalen Hingabe an Gott, die dieses Zeichen der Ehe „überspringt“, um auf den Himmel und das ewige Leben zu verweisen.
      Die Sicht auf den Menschen, die die Lehre der Kirche immer vertreten hat, will den Menschen als Herrn seiner Triebe ansehen. Ich muss nicht „Sex haben“, nur weil sich mein Trieb in mir regt. Ich erkenne in jeder Hinsicht die Ordnungen Gottes an und wünsche mir, IHM zuliebe und zu meinem und meines Nächsten Heil, sie auch einzuhalten, um auf IHN zu verweisen.
      Es ist für die Normen der Kirche schlicht irrelevant, was die Menschen mehrheitlich zeitweise meinen! Was haben sie nicht schon alles gemeint?!
      Die Sexualität wird überbewertet und zugleich wird durch die Reduktion auf ihre angeblich notwendige Freiheit zum Lustgewinn (denn nur darum geht es denen, die die Normen der Kirche ändern wollen) das Menschenbild ver…tiert.
      Zum Glück hat die Kirche durch ihre hohen sittlichen Normen den Menschen aus der Sklaverei der Sünde und der Triebhaftigkeit erhoben. Ein Segen! Sexualität muss an die Fortpflanzung gebunden bleiben. Das ist natürlicherweise so und daran ändert auch nicht der Überschuss an Freude, den man daran haben kann, etwas. Jede Frau, die mit einem Mann schläft weiß, dass dabei ein Kind entstehen könnte. Es geht weder primär um Lust noch um Liebe, sondern um diesen natürlichen Zusammenhang. das ist ein Faktum, das viele nicht mehr wahrhaben wollen – bis sie ungewollt schwanger werden. Tja…
      Schauen Sie auf die vielen Mensche in unserer Mitte: sie verpulvern einen großen Teil wertvoller Energie und Schaffenskraft in sinnlose, ziellos ausgelebte Sexualität. Sie stolpern von einem Irrtum in den nächsten. Ein Problem ruft das nächste hervor, eine Sünde gebiert die nächste.
      Gott hat mit all denjenigen, die das tun, Erbarmen und wird ihnen verzeihen. Das ist klar.
      Aber eine Kirche, die solche Entgleisungen und Würdelosigkeiten auch noch unterstützt aus vorgeblicher Barmherzigkeit, vergeht sich an ihrem Auftrag.
      Denken Sie daran, dass für dieses Bild viele zu Märtyrern wurden, viele unserer großen Heiligen? Waren sie bedauernswerte Idioten?
      was die Homosexualität betrifft, wird sie für Christen verworfen. Sie wissen selbst ganz genau, dass die Hl. Schrift das eindeutig so lehrt. Schon die Thora, aber später auch Paulus. Hier gibt es nichts zu deuteln.
      Es wäre sinnvoll für die Kirche, eine Kultur der Freundschaft und Liebe ohne Sex-Zwang zu entwickeln.

      • „Gott hat mit all denjenigen, die das tun, Erbarmen und wird ihnen verzeihen. Das ist klar.“
        Wenn dem so ist, dann muß man die Sache ja nicht so ernst nehmen, oder? Dann kann man ja den Leuten ihren Spaß gönnen. Leider ist es nur die eine Seite und eine Heils-Garantie gibt es auch nicht ohne Umkehr und Reue.
        Durch ein ungehemmtes Triebleben verändert sich der Mensch. Er verpulvert seine Kraft, wird anfällig für Krankheiten, körperlicher und seelischer Art. Und meist verliert er damit auch das Interesse an höheren Zielen, an Gott und an einer echten Nächstenliebe. Die Liebe wird für ihn einseitig körperlich. Die geistliche Liebe oder die Nächstenliebe/Caritas fallen weitgehend weg.

        Eine Gesellschaft, die unkontrollierten Sex praktiziert, ist nach 3 Generationen fertig. Abgewirtschaftet. Wem der sichtbare kulturelle Verfall, in dem wir uns befinden, nicht schon Beweis dafür ist, der lese dazu einmal die Forschungsergebnisse von Joseph Unwin „Sex and Culture“, Oxford 1934. Es ist immer das gleiche Muster. Hochkulturen fangen durch ein Übermaß und eine Unordnung im Sex an zu degenerieren, bis sie verblödet und verarmt von anderen Völkern erobert werden.

        Und dieser Prozeß geht erschreckend schnell: 3 Generationen. Man kann nicht sagen – was geht es mich an, nach mir die Sintflut. Jeder ist verantwortlich mit seinem Leben. Entsprechend braucht es andere Reformansätze, um diesen Verfall aufzuhalten als diejenigen, die bisher angestrebt werden von den sogenannten Reformern.

  6. Lieber Herr Prüller-Jagenteufel.Ich bin nur ein unbedeutender Mitleser,doch sehe ich durchaus einen inhaltlichen Zusammenhang im Kommentar von Sumsum zu ihrem Kommentar.Ich habe ihren Kommentar auch wirklich ganz durchgelesen. Vielleicht sollten sie den Kommentar von Sumsum noch einmal lesen und nocheinmal versuchen zu verstehen,was er damit ausdrücken möchte,ich wünsche ihnen Erkenntnis,Liebe und Demut.

  7. Kardinal Müllers Aussagen vermitteln in diesem Kontext die gültige Lehre der Kirche. Was sind denn Moraltheologen, dass sie meinen, sich hierüber hinwegsetzen zu können. Das sind doch Laien. Bei uns gilt der Glaube und nicht, was irgendwelche Gruppenbildungen von sich geben.

  8. @Gunter Prüller-Jagenteufel , setzen Sie Sich in ein Kämmerlein und Betrachen Sie alles im Lichte der Aussage unseres Herrn, der da sagte: “ Dein Ja soll ein ja sein, Dein Nein ein nein, alles andere ist vom Teufel.“ Merken Sie nicht was hier gespielt wird ?

  9. Ist schon interessant, was sich Bischöfe so über die Presse gegenseitig zurufen.

    Äußerungen des Koordinator des Kardinalsrates, Kardinal Oscar Rodriguez über Erzbischof Müller (aus BR online):

    Müller sei ein deutscher Theologieprofessor, „in seiner Mentalität gibt es nur richtig oder falsch, das war’s“, sagte Rodriguez im Interview des Kölner Stadtanzeiger am Montag (20.01.14). „Aber ich sage: Die Welt, mein Bruder, die Welt ist nicht so. Du solltest ein wenig flexibel sein, wenn du andere Stimmen hörst, damit du nicht nur zuhörst und sagst, nein, hier ist die Wand.“

    Als er Müllers Äußerungen über die Autorität der Kirche gelesen habe, habe er gedacht: „Okay, vielleicht hast du Recht, vielleicht aber auch nicht.“ Rodriguez glaube aber, Müller werde noch „dahin gelangen, andere Ansichten zu verstehen“. Derzeit sei er „halt noch am Anfang, hört bloß auf seinen Beraterstab“.

    Der Kardinal räumte ein, bislang noch nicht persönlich mit Müller gesprochen zu haben:
    „Aber wir werden reden, ganz bestimmt. Es ist immer gut, einen guten Dialog zu führen.“

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