„In jeder Diktatur wird die Vergangenheit zensuriert“ – Aus dem Leben eines Diözesanpriesters, der die Alte Messe entdeckte

Don Alberto Secci: Ein Diözesanpriester, der zum Alten Ritus zurückkehrte(Mailand) Don Alberto Secci, geboren 1963, zum Priester geweiht 1988, ist Priester der Diözese Novara an der Grenze zur Schweiz. Bekannt wurde Don Secci, als er mit zwei weiteren Diözesanpriestern bekanntgab, gemäß Motu proprio Summorum Pontificum von Papst Benedikt XVI. zur überlieferten Form des Römischen Ritus zurückzukehren. Die Folge waren großer Widerstand in der Diözesanführung und dem übrigen Klerus und öffentliche Anfeindungen. Heute darf er im Alten Ritus zelebrieren und den unverkürzten Glauben verkünden – in einem winzigen Bergdorf mit wenigen Hundert Einwohnern. In einem Interview spricht er über die Krise der Kirche und die Bedeutung der Tradtion.

Als die drei Priester nach Summorum Pontificum ihre Entscheidung bekanntgaben, regte sich umgehend massiver Widerstand in der Diözesanleitung und im übrigen Klerus der Diözese bis hin zur Aufwiegelung der Pfarrangehörigen gegen ihre Pfarrer. Die Priester wurden zu einem nationalen Fall. Die gesamte Presse Italiens berichtete über sie. Sie wurden als „starrsinnig“ dargestellt und als „Provokateure“ beschimpft.  „Wir waren über Nacht zum ‚Skandal‘ für die Welt und die Diözese geworden“, so Don Secci. Der Papst gewährte großzügig das Motu proprio, „und dafür kann ihm die Kirche nicht genug danken“, so der Priester. Rom war allerdings nicht imstande, sich gegen die Selbstbezogenheit mancher Bischöfe durchzusetzen, die ihre Diözese als privaten Feudalbesitz betrachten. Zwei Priester wirken heute in den Südalpen bei Domodossola und Verbania nahe der Schweizer Grenze als Pfarrer. Um ihren Wirkungskreis zu erweitern, betreiben sie das Internetapostolat Radicati nella Fede (Verwurzelt im Glauben) und bemühen sich um die Unterweisung der Gläubigen in der kirchlichen Lehre aller Zeiten über ihre Pfarrgrenzen hinaus. Im Januar findet zum vierten Mal der „Tag der Tradition“ statt, den Don Secci einmal jährlich organisiert. Das Thema für 2014 lautet: „Der Winter in der Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil“. Das Thema ist dem gleichnamigen Buch von Cristina Siccardi (siehe eigenen Beitrag Der Winter der Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil – Das neue Buch zu einer offenen Frage) entlehnt, die als Referentin anwesend sein wird. Das Interview mit Don Alberto Secci führte Riscossa Cristiana.

Don Alberto Secci 21.) Es ist immer offensichtlicher, auch in Bezug auf die Zelebration der Heiligen Messe (Alter Ritus und Neuer Ritus), daß es zwei verschiedene Formen gibt, die katholische Religion zu leben: Priester und Gläubige, die sich an Lehren ausrichten, die der modernen Revolution unterliegen, und andere Priester und Gläubige, die an den Lehren und Grundsätzen der kirchlichen Tradition festhalten. Wie wird es Ihrer Meinung nach möglich sein, eines Tages diese Dichotomie wieder aufzulösen?

Don Alberto Secci: Es ist notwendig, daß jene, die die Gnade haben, diese schreckliche Dichotomie zu erkennen, sich vor Gott dafür entscheiden, die Katholizität vollständig gemäß katholischer Tradition zu leben. Das ist der entscheidende Punkt. Im Christentum gibt es nichts Abstraktes. Sie haben gesagt: „auch in Bezug auf die Zelebration der Heiligen Messe im überlieferten Ritus“ halten Gläubige an den Lehren und Grundsätzen der kirchlichen Überlieferung fest; ich würde vielmehr sagen: sie bleiben einfach Katholiken. Die Gläubigen, die von der Revolution erfaßt sind, haben hingegen nur mehr eine vage christliche Inspiration und das nur in den besten Fällen. Um genau zu sein, haben Sie gesagt: „auch in Bezug auf die Messe”. Ich erlaube mir, dieses „auch“ zu streichen. Warum? Nicht in dem Sinn, als gäbe es nur die Messe, denn untrennbar mit der Messe sind auch die Glaubenslehre und das gesamte Apostolat verbunden. Vielmehr in dem Sinn, daß das katholische Leben die Weitergabe der Gnade ist, die vor allem durch die Sakramente erfolgt und damit Mittelpunkt der Heiligen Messe ist, und zwar einer Messe ohne zweideutigen Ritus. Darum: Wer die Gnade hatte, die dramatische Situation zu verstehen, der kann sein Gewissen nicht mit einer persönlichen Gelassenheit eintauschen. Man muß sich einen altrituellen Meßort suchen und diesen zum umfassenden Ort der Glaubenserziehung machen, im umfassenden Sinn des Wortes, nicht nur intellektuell. Kleine Zentren des normalen katholischen Lebens, ganz bescheiden und vielleicht sogar ganz ärmlich, aber groß wegen der Gnaden, die sie vermitteln. Das wird die Lösung sein, so Gott will. An uns liegt es, zu entscheiden, ob wir einen Weg der Gnade und daher der Tradition beschreiten wollen, indem wir die Kirche in ihrem Leiden lieben. Gott steht die Lösung dieses Leidensgeheimnisses zu. Aber in Gott ist bereits alles gelöst. Wir sollen uns liebevoll um die Kirche sorgen und nicht „politisch“.

2.) Der „Tag der Tradition“ von Verbania, findet am kommenden 19. Januar 2014 zum vierten Mal statt. Können Sie uns erklären, worum es sich dabei handelt und wie die Initiative entstanden ist?

Don Alberto Socci, vom Bischof in ein kleines Bergdorf versetztDon Alberto Secci: Es handelt sich einfach um einen Sonntagnachmittag, der ganz einem brennenden Glaubensthema gewidmet ist. Der Tag endet mit der Zelebration einer Singmesse. Seit Jahren bemühen sich Don Stefano und ich mit den Gläubigen unserer Kirchen, eine ernsthafte Beschäftigung mit der christlichen Glaubenslehre voranzubringen. Die Treffen finden vierzehntägig statt. Darauf legen wir großen Wert. Die Verwirrung, die heute unter den Katholiken herrscht, ist so groß, daß wir es uns einfach nicht vorstellen können, abseits zu stehen, gerade weil wir die Tradition lieben. Es ist notwendig das Christentum zu kennen, die Kirchengeschichte, die Kirchenlehrer und großen geistlichen Lehrmeister. Das Christentum ist so erhaben und so wunderschön, weil das gesamte Werk Gottes unübertrefflich und perfekt ist. Wie könnten wir nicht den Wunsch verspüren, es immer besser kennenlernen zu wollen? Ich fürchte jene Gläubige, die von einer Kirche zur anderen ziehen, um immer etwas „traditionalistischeres“ zu finden, aber nicht den Wunsch haben, sich in Lehre und Spiritualität führen zu lassen. Früher oder später werden sie wieder eine, vielleicht eine andere als früher, aber jedenfalls eine weltliche Mentalität annehmen. Ich habe schon einige Menschen getroffen, die zwar dem Alten Ritus verhaftet waren, doch in ihren Urteilen und ihren Handlungsweisen liberal waren. Die Wahrheit des Glaubens muß jedoch Maßstab unseres Urteils und unseres Handelns sein. Um auch anderen Menschen von weiter her die Möglichkeit zu geben, an unserem Apostolat teilzunehmen, das für uns das ganze Jahr hindurch stattfindet, haben wir den „Tag der Tradition“ ins Leben gerufen. Es ist ein Tag, der ganz der katholischen Glaubenslehre gewidmet ist, konkret einem bestimmten Thema. Zudem ist es eine Gelegenheit, sich wiederzusehen, Kontakt zu halten, neue Menschen kennenzulernen.

3.) Erleichtert das Leben auf dem Land im Gegensatz zum Leben in der Stadt das Verständnis der Tradition?

Don Alberto Secci: Nein, heute ist das Desaster global. Es ist nicht der Berg oder das Land an sich, die uns helfen, sondern die Art, wie man die Welt betrachtet, das heißt, ob man sie wirklich mit katholischem Blick betrachtet. Wenn dem so ist, dann sind Berg oder Ebene, kleines Dorf oder Metropole dasselbe. Im Gegenteil, sollte ein Priester wirklich entschlossen sein, sein Leben in der von ihm empfangenen Gnade zu geben, dann bieten sich in der Stadt sogar mehr Möglichkeiten für sein Apostolat. Persönlich darf ich gestehen, daß ich die Einsamkeit des Berges, die immer gleichzeitig Schönheit und Schmerz in sich birgt, immer geliebt habe und ich habe sie immer mehr liebengelernt. Für mich ist jedenfalls der Ort, wo ich als Priester lebe, Gehorsam gegenüber Gott. An erster Stelle stehen die mir anvertrauten Gläubigen. Ich suche mir die Orte nicht aus, das habe ich nie getan.

4.) Warum werden ausgerechnet jene, die das Credo der Heiligen Katholischen Kirche wirklich ernsthaft leben wollen, und zwar als einzige, von der Diskussion und der öffentlichen Auseinandersetzung zu religiösen Themen ausgeschlossen oder ferngehalten, ansonsten aber alle zugelassen?

Don Alberto Secci: In jeder Diktatur muß die Vergangenheit zensuriert werden. Niemand darf wissen, wie es einmal vor der Diktatur war, die immer den Anspruch erhebt, der Welt neues Leben zu geben. Und die Diktaturen der „Liberalen“ sind die schlimmsten und waren schon immer die schlimmsten. Wenn das Schema einer Diktatur in die Kirche eindringt, wird die Zensur der Vergangenheit geradezu dogmatisiert: „Heute hat die Kirche ein neues Bewußtsein, ihr könnt nicht zu den Dingen von einst zurückkehren, auch wenn sie heilig waren, heute sind sie es nicht mehr, weil das Bewußtsein der Kirche die Wahrheit im Heute bestimmt“. So in etwa denken fast alle heute, und das ist schrecklich. Es ist der schnellste Weg, die Kirche zu zerstören, wie wir sehen. Die Vertreter dieses Denkens haben Zugang zu fast allen Kommunikationsmitteln, weil sie nützlich sind, um die Menschen zu „unterhalten“, sie streiten nicht mit dem Neu-Heidentum, sie rütteln nicht auf, fordern nicht heraus, wenn sie kritisieren, dann nur die Kirche, die meiste Zeit aber reden sie einfach nur, sie palavern und palavern und sagen dabei meist gar nichts.
Aber es genügt, daß ein Kind in seiner Unschuld ruft, seht der König ist nackt, und schon bricht der Zauber der Zensur, mit dem die Vergangenheit versteckt wird, in einem einzigen Augenblick in sich zusammen. Darum braucht es von traditionsverbundener Seite weniger „Jammern“ und mehr Arbeit, um am Aufbau des Reiches Gottes mitzuwirken, gemäß der Verantwortung, die Gott objektiv jedem von uns übertragen hat. Es ist keine Zeit zu verlieren: Tu alles, was in Deiner Möglichkeit steht, damit die Kirche katholischer und die Welt christlicher wird.

5.) Was vor allem wirft heute die Kirche in die Krise?

Don Alberto Secci: Das Priestertum. Im „modernisierten“ Christentum hat das Priestertum keinen Platz mehr, weil es für die neue Religion letztlich keinen Sinn hat. Das ist das schreckliche Konsumieren des Protestantismus in unserem Haus, das heißt in der Katholizität.

6.) Was kann die Tradition der Kirche in unserer Zeit lehren?

Don Alberto Secci: Ganz einfach das Christentum. Sie muß nichts anderes tun. Das Christentum nicht reduziert auf eine rein irdische Angelegenheit, wie es die vorherrschende Strömung tut, sondern das Christentum als Gnade Gottes. Das Christentum, das sich nicht des Kreuzes schämt und daher auf die Gnade baut und abzielt. Das Christentum, das weiß, daß die Gnade kein Konstrukt ist, sondern real und effizient wirkt, und imstande ist, wenn der Mensch sich ihr öffnet, eine Zivilisation und Hochkultur hervorzubringen, wie sie die Geschichte nie gesehen hat. Die Tradition lehrt die sichtbare Kirche, daß das Christentum, um viele Seelen zu retten, die Christenheit hervorbringt, das heißt, eine christliche Gesellschaft: darum, wenn die Kirche von heute das Heil der Seelen will, muß sie aufhören, sich der Christenheit zu schämen.

7.) Was kann die Tradition der pathologischen modernen Welt lehren, die aus vielen kaputten Familien, aus kranken politischen Entscheidungen, aus Kulturen und Ideologien besteht, die in offenem Widerspruch zum Naturrecht stehen und über keine klaren Ziele und Fixpunkte mehr verfügen?

Don Alberto Secci: Die Tradition erinnert alle daran, daß man nicht so tun kann, als gäbe es keine Erbsünde, wenn man über den Menschen und die Gesellschaft spricht. Der Mensch kann sich nicht selbst retten, deshalb kann er auch von sich aus keine gerechte Gesellschaft aufbauen. Er bedarf der Gnade Christi und zwar absolut, ausnahmslos. Ohne Gnade, die von Gott kommt, gibt es keinen gesunden Menschen.
Die Tradition erinnert zudem daran, daß die Gnade Gottes, die Gnade, die Christus uns durch das Kreuz geschenkt hat und uns durch die Sakramente vermittelt, alles vermag. Und wenn dem so ist, und dem ist so, dann gibt es nichts, was die Heiligkeit verhindern kann, wenn der Mensch sie nicht selbst zurückweist. Die Tradition ist der freundlichste, weil menschenfreundlichste, der aufnahmebereiteste Ort, den es gibt, weil er vom Primat des übernatürlichen Lebens lebt. Denn wo Gott lebt, fügt sich alles in der wahren Ordnung neu.

8.) Warum sollte ein traditionsverbundener Mensch besser leben als ein „moderner“ Mensch?

Don Alberto Secci: Weil er sein Leben nicht auf sich selbst stützt, sondern auf Gott. Man muß so leben, daß man immer die Gnade Gottes sucht und dies mit der Freude, alles zu seiner größeren Ehre zu tun. Die Tradition ist ein Weg der Einfachheit, sie sucht keinen Luxus und auch keine falsche Bequemlichkeit: Gott ist alles, und daher lebe ich für Ihn. Es ist ein Leben, jeder in seinem Stand, wie ein Heiliger Benedikt, weil der Mönch einfach Christ ist. Im Mittelalter war es ganz normal, daß auch Fürsten und Fürstinnen im Alter ins Kloster gingen. Das war nicht eine frühe Form des Altersheims für Reiche und Mächtige, die es sich schon damals leisten konnten. Nein, das war wegen ihres Seelenheils, weil sie wußten, daß das die angemessenste Form war um das zu tun, was sie zu tun wußten, nämlich die Gnade Gottes zu suchen, nachdem sie zuvor ihrer Verantwortung in der Welt durch ihren Rang und ihre Stellung nachgekommen waren.

9.) Angesichts der vielen Menschen, die unter den täglichen Lasten stöhnen, die ihre Tage voller Hektik und Arbeit für ein letztlich ihnen sinnlos erscheinendes Dasein verbrauchen, die Fragen haben, auf die sie keine Antwort finden, wie würden Sie ihnen die Schönheit des Lebens und auch die Schönheit des Todes beschreiben?

Das Leben und der Tod werden schön, wenn man die eigene Zugehörigkeit erkennt und auch lebt: du gehörst Gott und das ganze Leben hat seinen Sinn, und die Fragen erhalten plötzlich eine klare Antwort, wenn man diese Bindung erkennt. Und in Gott, in Unserem Herrn Jesus Christus erkennt der Mensch plötzlich mit Staunen, daß alles wohlgefügt ist. Man entdeckt die tiefe Einheit von allem. Das Leben wird einem in ganz neuer Tiefe und Einfachheit bewußt, es wird Weisheit. Das aber bekommt man nicht ohne die Kirche, die von Christus ja eigens mit einer klaren Aufgabe dafür eingesetzt wurde. Die Kirche aber ist nicht eine soziale, gesellschaftliche und damit horizontale Einrichtung, wie es viele andere auch sind. Die Kirche ist die Verbundenheit mit Christus, sie ist die Tradition. Sie ist die Tradition, weil diese Bindung mit dem Herrn durch die Apostel eine ununterbrochene von Christus gewollte Linie darstellt und daher die Gewißheit der Heilsvermittlung durch die Sakramente ist. Gibt es erschütternd Schöneres als das? Alles in dieser Gnadenbindung mit Christus, eine Bindung, die auch historisch zu betrachten ist, weil sie in der Geschichte wirkt, findet seinen Platz. Nichts ist umsonst. Wenn jemand außerhalb dieser Ordnung Gottes leben will, die allein der wahren Natur der Dinge und auch des Menschen entspricht, also seine wahre, einzigartige Entfaltung ermöglicht, wird er letztlich nur Leiden und Qual finden und schließlich den Tod, mit der realen Gefahr, daß dieser Tod endgültig, schrecklich und ewig ist. Gott aber will uns in seiner Ordnung, er will uns teilhaben lassen an der großartigen Schönheit, am Ewigen Leben, an Ihm selbst.

Einleitung/Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Messa in Latino

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15 Comments

  1. Das Priestertum ist jetzt schlicht säkularisiert. Die Regierung wird eben jetzt geführt durch die Hohepriester des Demos, deren ganz weltliche Schergen alles profanisieren und alles verspotten und verfolgen, was sich nicht profanisieren läßt. Deshalb machen auch so viele zum echten Priestertum Berufene inzwischen mit – bei Protest und Säkularisation.

  2. Gottes Gnade und Segen, diesen treuen Priestern. Der „Winter in der Kirche“ ist wahrlich angebrochen.

  3. Im Jahre 2008 hat Hw. Siegfried Lochner dem Vaduzer Diözesanblatt „vobiscum“ ein besonders beachtenswertes Interview gegeben, in dem er auch über den liturgischen Niedergang im Neuen Messritus sprach:
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    „Das Begleitschreiben zum Motu Proprio erklärt, daß der Novus Ordo schon deshalb die gewöhnliche Liturgieform bleiben wird, weil es an liturgischer Bildung fehlt.
    Hw. Lochner:
    Entgegen der von Papst Johannes XXIII. erlassenen Apostolischen Konstitution ‘Veterum Sapientia’, der Bestimmungen des Vatikanischen Pastoralkonzils über die Priesterausbildung, der einschlägigen Normen des Kirchenrechts sowie der römischen Rahmenordnung über die Priesterausbildung ist ein Großteil der heutigen Priesteramtskandidaten bar beinahe jeglicher Kenntnis der alten Sprachen, insbesondere des Lateinischen.
    Und die liturgische Bildung?
    Der regelmäßige Gebrauch der neuen Riten hat bei vielen Laien und Priestern jegliches Gespür für Sakralität und liturgisches Handeln verschwinden lassen und sie geradezu liturgieunfähig gemacht.
    Können sie Beispiele nennen?
    Ich wurde vor kurzem bei einer Firmung Zeuge dieser Entwicklung. Der Firmspender wählte erfreulicherweise den römischen Kanon. Als einer der Konzelebranten das „Nobis quoque“ mit der Aufzählung der Heiligennamen beten sollte, begann er am Altar vor versammelter Gemeinde laut zu pöbeln. Er schimpfte, daß ihm dieser Text zu lang sei und er ihn deswegen auf einen Satz reduzieren werde.
    Hatte der Vorfall Konsequenzen?
    Ja. Der Betreffende wurde von seinem Vorgesetzten in der Sakristei zur Rede gestellt. Dabei meinte er nur, er werde den Meßkanon nie wieder beten. Er dächte im übrigen auch nicht daran, „die halbe Priscillakatakombe herunterzuratschen.“
    Welche Dimensionen hat die Katastrophe?
    Der heutige Zusammenbruch läßt durchaus Vergleiche mit der Situation am Vorabend der Reformation zu, als ein Großteil des Klerus ebenfalls weder philologisch, aszetisch oder liturgisch – geschweige den dogmatisch – den Anforderungen des katholischen Priesteramtes gewachsen war.
    Gibt es einen Ausweg?
    Es wird Zeit, daß unsere angehenden Priester wieder von Grund auf in das Mysterium tremendum et fascinosum des katholischen Gottesdienstes eingeführt werden und ihre kostbare Zeit nicht mehr mit den jeweiligen Tagesmeinungen gewisser Liturgiemacher verplempern müssen.
    Im Klartext?
    Gründliches Studium der Lateinischen Sprache, Erlernen der heiligen Geheimnisse als Lebensform des Priesters, die im gottgeweihten Zölibat ihren sichtbaren Ausdruck findet, akurates Studium der Rubriken, um die liturgischen Abläufe fehlerfrei zu beherrschen.
    So wie früher?
    Ja. Wie frühere Priestergenerationen müssen sich auch die angehenden Kleriker von heute während ihrer Ausbildung darum bemühen, sich die Reichtümer der überlieferten Liturgie anzueignen um sie besitzen und weitergeben zu können.
    Ist ‘Summorum Pontificum’ der Anfang des Endes des Novus Ordo?
    Der Anfang vom Ende der neuen Meßordnung begann ja eigentlich schon bei ihrer Promulgierung 1969.
    Wie meinen Sie?
    Ein willkürliches, ökumenisch protestanisierendes Konstrukt, das sogar den stark antirömischen schismatischen Ostkirchen die Haare zu Berge stehen ließ, und bedenkenlos mit einer 2000jährigen Tradition brach, relativierte sich doch von allem Anfang ganz von selber.
    Wie zeigt sich das?
    Die sofort einsetzende und bis heute fortdauernde liturgische Anarchie ist ja nachgerade systemimmanent. Der heutige Klerus ist weitgehend gar nicht mehr in der Lage, die Messe Paul VI. korrekt zu zelebrieren, weil er es nie gelernt und gesehen hat, außer vielleicht beim Opus Dei. Das von mir oben erwähnte Beispiel ist ja beileibe kein Einzelfall.
    Was wird das Motu Proprio in dieser Situation bewirken?
    Im Bewußtsein dieser katastrophalen Lage hat der Heilige Vater ‘Summorum Pontificum’ erlassen. Die teilweise hysterische Angst der Neuerer zeigt uns in der Tat, daß damit in der Kirche nach langer Nacht ein neuer Morgen anbricht.“
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    Der Redaktion und allen Leser/innen ein frohes und gesegnetes Hochfest der Geburt unseres Herrn und Gottes Jesus Christus, unseres Erlösers und Heilandes.

  4. Wirklich ein wahrer Priester. Hoffentlich gibt es viele Priester wie Don Alberto Secci.
    Bergoglio hat übrigens für die Weihnachtsmesse wieder seine legendäre Mitra mitsamt seiner legendären Kasel herausgesucht. Ich frage mich, ob die päpstliche Sakristei nicht noch was schäbigeres zu bieten hat. Nicht mal zu Weihnachten kann er sich der Bedeutung des Festes entsprechend kleiden. Warum trägt er nicht, anstelle dieses nichtssagenden Fummels, ein einfaches weißes Gewand mit Kreuz oder mit IHS-Symbol, wie es gerade für ihn als Jesuit angemessen wäre? Aber diese schlampige Erscheinung passt gut zu seiner schlampigen Lehre. Bergoglio könnte von Priestern wie Don Alberto Secci eine Menge lernen.
    Per Mariam ad Christum.

  5. Hier spricht ein wirklich katholischer Priester. Er ist eine Ausnahme geworden, er zählt zu einer verschwindend kleinen Minderheit. Doch es gibt diese Priester noch, und ich danke der Redaktion, dass sie hier noch zu Wort kommen dürfen.

  6. In aller Deutlichkeit möchte ich hier einmal hervorheben:

    Es ist allein das große Verdienst von Erzbischof Lefebvre bzw. der Preisterbruderschaft Pius X. , daß heute jeder katholische Priester die Hl. Messe im überlieferten Ritus zelebrieren darf !!!
    Die Bischöfe der Bruderschaft haben Papst Benedikt XVI. darum gebeten, daraufhin hat er dies durch das Motu Proprio erlaubt.
    Diese Tatsache soll nicht vergessen werden.

      • Es würde mich interessieren, ob und was die FSSPX unternimmt, um ein Seligsprechungsverfahren einzuleiten. Einen Antrag stellen könnten sie ja sicherlich und um ein Wunder beten auf seine Fürsprache hin auch. Die Kirche hat diesem Bischof viel zu verdanken, das wird immer deutlicher.

    • Ja, der Erzbischof hat auch durch die allerseligste Jungfrau ein großes Wunder gewirkt: Daß nämlich FSSPX überhaupt besteht, ohne Kirchensteuer in einer total verkommenen hädonistischen, teuflischen Umwelt, welche jetzt immer mehr in die Kirche eindringt.
      Ja, sein Werk rettet den Glauben. Wenn das kein Notstand ist! Der einzige, heilige katholische Glauben
      Es ist wahrlich ein Heldenwerk, welches übernatürliche Unterstützung hat!

  7. Passend zum sehr Artikel und den vorigen Kommentaren die bemerkenswerten Worte eines Hw Priesters ( kein Pius-Bruder), der dennoch offenbar vom „liberalen Blindflug“ innerhalb der Kirche mehr als genug hat. So schreibt er denn auch vergleichend bez. Erzbischof Lefebvre:
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    Ein Erzbischof Lefebvre ist auch Rom gegenüber in die Exkommunikation gegangen, hat aber aber unter keinen Umständen ein Dogma geleugnet, sondern hat vielmehr die katastrophale Unordnung und sakramentale Disziplinlosigkeit vorausgesehen, auf die einige Kirchenfürsten damals die Gleise der Kirche ausgerichtet haben….Somit war er weder Apostate noch Häretiker! Er wird wohl irgendwann als der „Athanasius des XX. Jahrhunderts“ gelten“
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  8. Meines Erachtens, bezeugt die Freigabe der alten Hl. Messe auch, daß der Segen Gottes auf dem Werk Erzbischof Lefebvres liegt. Bedenkt man, die ca. 40 Jahre andauernde „Ächtung“ dieser Liturgie, steht man vor einem Wunder. Ich denke, daß ist so manchem nicht wirklich bewusst.
    Es war die Priesterbruderschaft St. Pius des X. und nicht die Petrusbruderschaft .

  9. Don Alberto Secci äußert sich ganz im Sinne von Erzbischof Lefebvre. Er könnte sein geistlicher Sohn sein. Ich wünschte mir, der ein oder andere FSSPX-Priester würde sich an ihm ein Beispiel nehmen, was seine theologische Begründung, was seine Argumente anbetrifft.
    Diese inhaltliche Nähe darf jedoch nicht dazu verleiten, ihn zu vereinnahmen. Dieser Priester gehört der FSSPX nicht an. Ich finde es ein gutes Zeichen, wenn auch Priester außerhalb der FSSPX so denken wie Don Alberto Secci.
    Erzbischof Lefebvre war nicht nur Gründer der FSSPX, er war ein Mann der Gesamtkirche. Ich würde es sehr begrüßen, wenn sich mehr Priester auch außerhalb der FSSPX an diesem großen Mann der Kirche orientieren würden.

  10. Wenn Don Alberto Secci von der Diktatur des Liberalismus spricht, die in die Kirche eingedrungen ist, dann weiss man um die Nöte der Gläubigen im Bistum Sitten, die nicht der Piusbruderschaft angehören, die radikal von der Tradition abgeschnitten werden. Don Secci’s Aufruf, nicht zu Jammern, sondern zu Handeln von Seiten der Tradition, ist ein Gebot der Stunde. Die schauderliche „Neue Sicht des 2. Vatikanums, Kultur und Glaube“ von Henry Kardinal Schwery in seinem Buch darf nicht noch mehr Unheil bringen. Beten wir mit der Piusbruderschaft in Econe für die Wiedereingliederung der Tradition und die Befreiung vom diesem progressiven Joch im Bistum Sitten.

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