„Er liebt es von allen geliebt zu werden“ – Dramatischer Brief einer Katholikin an Papst Franziskus

Lucrecia Rego de Planas: Brief an Papst Franziskus von einer Christin und neunfachen Mutter(Mexiko-Stadt) Die mexikanische Katholikin Lucrecia Rego de Planas, mehrfache Familienmutter und langjährige Bekannte von Papst Franziskus schrieb dem Papst am 23. September einen ganz persönlichen und langen Brief. Darin klagt sie ihm ihr ganzes Leid über sein Pontifikat und die Art, wie er das Petrusamt ausfüllt. Ein dramatisches Zeitdokument, das den Schreiben der Heiligen Hildegard von Bingen oder Katharina von Siena an Bedeutung um nichts nachsteht.

Rego de Planas nennt zunächst die mehrfachen Begegnungen mit Jorge Mario Kardinal Bergoglio in den „vergangenen zwölf Jahren“ bei Tagungen, Kirchenversammlungen und Einkehrtagen in verschiedenen Städten Mittel- und Südamerikas, „die mir die Gelegenheit boten, mit Dir verschiedene Tage unter demselben Dach zu schlafen, denselben Tisch und sogar denselben Schreibtisch zu teilen.“

Nachdem der Brief an den Vatikan abgegangen war, veröffentlichte Rego de Planas das Schreiben inzwischen auf ihrem Blog. Eine Antwort aus Rom hat sie bisher noch nicht erhalten. Hier der vollständige Brief in deutscher Übersetzung. Titel und Zwischentitel wurden von der Redaktion gewählt.

Huixquilucan, Mexiko, 23. September 2013

Liebster Papst Franziskus!

(…) Damals warst Du Erzbischof von Buenos Aires und ich war Direktorin eines der führenden katholischen Medien. Heute bist Du nichts mehr und nichts weniger als der Papst und ich bin … nur eine Mutter, Christin, verheiratet mit einem guten Mann und neun Kindern, die an der Universität Mathematik lehrt und die versucht, so gut sie kann, mit der Kirche zusammenzuarbeiten, dort, wo Gott mich hingestellt hat.

In den Begegnungen der vergangenen Jahre hast Du mich mehrfach aufgefordert: „Mädchen, nenn mich Jorge Mario. Wir sind Freunde!“. Ich antwortete erschrocken: „Absolut nicht, Herr Kardinal! Gott möge mich davor bewahren, zu einem Seiner Fürsten auf Erden Du zu sagen!“

Jetzt aber erlaube ich mir, Du zu sagen, weil Du nicht mehr der Kardinal Bergoglio bist, sondern der Papst, mein Papst, der süße Christus auf Erden, an den ich mich vertrauensvoll zu wenden wage, wie an meinen Vater.

Ich habe beschlossen, Dir zu schreiben, weil ich leide und ich es brauche, daß Du mich tröstest. (…) Ich weiß, daß es Dir gefällt, jene zu trösten, die leiden, und jetzt bin ich eine von ihnen.

Als ich diese Dinge sah, dachte ich mir: „Uff, was für ein Drang die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken!“

Als ich Dich bei diesen Einkehrtagen kennenlernte, als Du noch Kardinal Bergoglio warst, war ich erstaunt über die Tatsache, daß Du Dich nie so verhalten hast, wie sich die anderen Kardinäle und Bischöfe verhielten. Um einige Beispiele zu nennen: Du warst dort der Einzige, der vor dem Tabernakel oder während der Wandlung keine Kniebeuge machte; wenn alle Bischöfe in Soutane erschienen, weil es so die Vorschriften verlangen, bist Du in Straßenkleidung und Kollar gekommen. Wenn alle sich auf die für die Bischöfe und Kardinäle reservierten Plätze setzten, hast Du den Platz des Kardinal Bergoglio leer gelassen und Dich irgendwo hinten hingesetzt mit den Worten „hier sitze ich gut, hier fühle ich mich wohl“; wenn andere mit einem Auto ankamen, das der Würde eines Bischofs entspricht, dann kamst Du nach allen anderen, ganz geschäftig und in Eile und erzähltest mit lauter Stimme von Deinen Begegnungen im öffentlichen Verkehrsmittel, das Du benützt hattest, um zur Versammlung zu kommen. Als ich diese Dinge sah – und ich schäme mich, es Dir zu sagen – dachte ich mir: „Uff, was für ein Drang die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken! Denn, wenn man wirklich demütig und einfach sein will, ist es dann nicht besser, sich wie die anderen Bischöfe zu verhalten, um nicht aufzufallen?“

Er liebt es von allen geliebt zu werden

Auch einige meiner argentinischen Freunde, die an den Treffen teilnahmen, bemerkten irgendwie meine Verwirrung und sagten zu mir: „Du bist nicht die einzige. Er befremdet uns alle immer, aber wir wissen, daß er klare Kriterien hat und in seinen Reden vertritt er Überzeugungen, die immer treu zum Lehramt und zur Tradition der Kirche sind, er ist ein mutiger, treuer Verteidiger der rechten Lehre … Wie es allerdings scheint, liebt er es von allen geliebt zu werden und will allen gefallen. Und in diesem Sinn könnte er an einem Tag im Fernsehen gegen die Abtreibung sprechen und am Tag darauf in derselben Fernsehsendung die Abtreibungsfeministinnen der Plaza de Mayo segnen; könnte er eine wunderbare Rede gegen die Freimaurer halten und Stunden später mit ihnen im Club essen und trinken.“

Mein lieber Papst Franziskus, es stimmt, das war Kardinal Bergoglio, den ich aus der Nähe kennengelernt habe: An einem Tag damit beschäftigt, angeregt mit Bischof Duarte Aguer für die Verteidigung des Lebens und die Liturgie zu reden und am selben Tag, beim Abendessen, immer angeregt mit Msgr. Ysern und Msgr. Rosa Chavez für die Basisgemeinschaften und die schrecklichen Hürden der „dogmatischen Lehre“ der Kirche. An einem Tag Freund von Kardinal Cipriani und Kardinal Rodriguez Maradiaga, der über Unternehmensethik und gegen die New Age-Ideologien spricht, und wenig später Freund von Casaldaliga und Boff, der über Klassenkampf und den „Reichtum“ spricht, den die östlichen Praktiken der Kirche schenken könnten.

Von diesem Augenblick an habe ich für Dich und für meine geliebte Kirche gebetet

Aufgrund dieser Prämissen wirst Du verstehen, wie sehr ich die Augen aufgerissen habe, als ich Deinen Namen nach dem Habemus Papam hörte und von diesem Augenblick an (noch bevor Du darum gebeten hast) habe ich für Dich und für meine geliebte Kirche gebetet. Und es seither nicht einen Tag ausgelassen.

Als ich Dich auf dem Balkon ohne Mozetta sah und Du das Protokoll für den ersten Gruß und den lateinischen Text mißachtet hast, um Dich dadurch lächelnd von den anderen Päpsten der Geschichte zu unterscheiden, sagte ich besorgt zu mir selbst: „Ja, ohne Zweifel: das ist Kardinal Bergoglio“.

In den Tagen nach Deiner Wahl hast Du mir verschiedene Gelegenheiten geboten, die mir bestätigten, daß Du immer noch dieselbe Person bist, die ich aus der Nähe kennengelernt hatte, immer auf der Suche anders zu sein: Du wolltest andere Schuhe, einen anderen Ring, ein anderes Kreuz, einen anderen Stuhl und sogar ein anderes Zimmer als alle anderen Päpste, die sich immer demütig und ohne „Sonderwünsche“ mit den Dingen zufrieden gaben, die für sie vorgesehen waren.

Durch den Rücktritt meines geliebten Papstes Benedikt XVI. fühlte ich mich wie verlassen, inmitten des Krieges, des Erdbebens, des wildesten Orkans, und plötzlich bist Du gekommen

In jenen Tagen versuchte ich mich von jenem immensen Schmerz zu erholen, den ich durch den Rücktritt meines geliebten und sehr verehrten Papstes Benedikt XVI. erlitten hatte, mit dem ich mich von Anfang an identifizierte wegen der Klarheit seiner Unterweisung (der beste Lehrmeister der Welt), wegen seiner Treue zur Liturgie, wegen seines Mutes, die rechte Lehre inmitten der Feinde der Kirche zu verteidigen und tausend anderer Dinge, die ich hier nicht aufzählen will. (…) aber ich habe verstanden, daß die Winde wirklich stürmisch waren und das Papsttum etwas zu Bewegtes für seine Kräfte wurde, die mit dem Alter im harten und brutalen Kulturkampf den er führte, geschwunden waren.

In diesem Augenblick fühlte ich mich wie verlassen, inmitten des Krieges, des Erdbebens, des wildesten Orkans, und plötzlich bist Du gekommen, um ihn am Steuerrad zu ersetzen. Wir haben einen neuen Kapitän, danken wir Gott dafür! Ich vertraute vollkommen (ohne den Schatten eines Zweifels), daß Papst Franziskus mit dem Beistand des Heiligen Geistes, mit dem Gebet der Gläubigen, mit der Last der Verantwortung, mit der Hilfe seiner Mitarbeiter im Vatikan und dem Bewußtsein, von der ganzen Welt beobachtet zu werden, die Sonderwege und Zweideutigkeiten des Kardinals Bergoglio hinter sich lassen und unverzüglich das Kommando des Heeres übernehmen würde, um mit neuem Willen den Kampf fortzusetzen, den sein Vorgänger begonnen hatte.

Anstatt die Waffen zu ergreifen, begann mein General sein Mandat damit, mit seinem Friseur und seinem Zahnarzt zu telefonieren …

Zu meiner Überraschung und Verwirrung begann mein General sein Mandat, anstatt die Waffen zu ergreifen, leider damit, mit seinem Friseur und seinem Zahnarzt zu telefonieren, mit seinem Milchmann und seinem Zeitungshändler, und so lenkte er die Blicke auf seine Person und nicht auf die Bedeutung des Papsttums.

Seither sind sechs Monate vergangen und ich erkenne mit Liebe und Emotionen an, daß Du Tausende von guten Dingen getan hast. Mir gefallen Deine offiziellen Ansprachen sehr (die an die Politiker, die Gynäkologen, die Journalisten, zum Weltfriedenstag usw.) und Deine Predigten an den Festtagen, denn in ihnen erkennt man eine minutiöse Vorbereitung und eine tiefe Meditation in jedem darin gebrauchten Wort. Deine Worte und diese Reden und Predigten waren eine wahre Nahrung für meinen Geist und meine Seele. Mir gefällt es sehr, daß die Menschen Dich lieben und Dir applaudieren. Du bist mein Papst, das Oberhaupt meiner Kirche auf Erden, der Kirche Christi.

Dennoch – und das ist der Grund meines Schreibens – muß ich sagen, daß ich auch gelitten habe (und leide), wegen vieler Deiner Worte, weil Du Dinge sagst, die ich wie Stockschläge in meinen Unterleib verspüre, während meiner ständigen Bemühungen dem Papst und dem Lehramt treu zu sein. Ich fühle mich traurig, ja, aber das Wort, um meine Gefühle am besten zum Ausdruck zu bringen ist: Ratlosigkeit.

Ich brauche von Dir Orientierung, lieber Papst Franziskus

Ich weiß nicht mehr, was ich sagen soll und was ich nicht sagen soll, ich weiß nicht mehr, wo ich beharren soll und wo ich die Dinge laufenlassen soll. Ich brauche von Dir Orientierung, lieber Papst Franziskus. Ich leide wirklich und sehr wegen dieser Ratlosigkeit, die mich lähmt. Mein großes Problem ist, daß ich große Teile meines Lebens dem Studium der Heiligen Schrift, der Tradition und dem Lehramt gewidmet habe, so daß ich über eine klare Grundlage verfüge, um meinen Glauben zu verteidigen. Und nun stehen viele von diesen sicheren Fundamenten in Widerspruch zu dem, was mein geliebter Papst tut und sagt. Ich bin schockiert und brauche, daß Du mir sagst, was ich tun soll.

Ich will das anhand einiger Beispiele besser erklären.

Ich kann nicht einem Papst applaudieren, der sich weder vor dem Tabernakel noch während der Wandlung niederkniet wie es der Ritus der Heiligen Messe lehrt; aber ich kann ihn auch nicht kritisieren, weil er der Papst ist!

Soll ich die Anweisungen unseres emeritierten Papstes mißachten?

Benedikt XVI. hat uns in Redemptionis Sacramentum gebeten, daß wir den Bischof über liturgische Untreue und Mißbräuche, denen wir beiwohnen, informieren. Aber… wen soll ich informieren, wenn der Papst selbst die Liturgie nicht respektiert? Ich weiß nicht, was ich tun soll. Soll ich die Anweisungen unseres emeritierten Papstes mißachten?

Ich kann nicht glücklich sein über die Eliminierung der Patene und der Kniebänke für die Kommunikanten und es kann mir auch nicht gefallen, daß Du Dich nie erniedrigst, den Gläubigen die Kommunion zu spenden; daß Du Dich nicht selbst als „Papst“ bezeichnest, sondern nur als „Bischof von Rom“; oder daß Du nicht den Ring des Fischers trägst. Aber ich kann nicht einmal darüber klagen, weil Du der Papst bist!

Ich bin nicht stolz darauf, daß Du am Gründonnerstag einer Muslimin die Füße gewaschen hast, weil das eine Verletzung des liturgischen Gesetzes darstellt. Aber ich kann nichts sagen, weil Du der Papst bist, dem ich treu sein muß!

Aber wem kann ich meinen Schmerz klagen? Du bist der Papst!

Du hast mir schrecklich wehgetan, als Du die Franziskaner der Immakulata bestraft hast, weil sie mit ausdrücklicher Erlaubnis Deines Vorgängers in Summorum Pontificum die Heilige Messe im überlieferten Ritus zelebrierten. Sie zu bestrafen, bedeutet gegen die Lehre der Vorgängerpäpste vorzugehen. Aber wem kann ich meinen Schmerz klagen? Du bist der Papst!

Ich wußte nicht, was ich denken oder sagen sollte, als Du Dich öffentlich über eine Gruppe lustig gemacht hast, die für Dich Rosenkränze gebetet hat, indem Du sie „die, die Gebete zählen“, genannt hast. Der Rosenkranz ist eine wunderbare Tradition der Kirche, was soll ich also denken, wenn meinem Papst jene nicht gefallen und er sich über sie lustig macht, die diesen für ihn aufopfern?

Ich habe viele Freunde, die Lebensschützer sind, die Du vor wenigen Tagen betrübt hast, indem Du sie „versessen und besessen“ nanntest. Was soll ich tun? Sie trösten, indem ich Deine Worte verfälschend abzuschwächen versuche, oder sie noch mehr verletzen, indem ich wiederhole, was Du ihnen gesagt hast, um dem Papst und seiner Lehre treu sein zu wollen?

Am Weltjugendtag hast Du die Jugendlichen aufgefordert, „auf den Straßen Lärm zu machen“. Das von Dir gebrauchte Wort ist, soweit ich weiß, ein Synonym für „Durcheinander“, „Chaos“, „Konfusion“. Ist es wirklich das, was Du willst, daß junge Christen auf den Straßen machen sollen? Herrscht nicht schon genügend Durcheinander und Unordnung in der Welt?

Viele ehelose und alte Frauen, die sehr freundlich, sympathisch und großzügig sind, haben sich wirklich wie Abfall gefühlt …

Ich weiß, daß viele ehelose und alte Frauen, die sehr freundlich, sympathisch und großzügig sind, sich wirklich wie Abfall gefühlt haben, als Du zu den Ordensschwestern gesagt hast, sie sollen nicht wie „alte Jungfern“ 1)Papst Franziskus gebrauchte am 8. Mai 2013 in seiner Ansprache an die Generaloberinnen katholischer Frauenorden das italienische Wort „zittelle“, das sowohl „ehelose“ Frauen als auch „alte Jungfern“ bedeutet. dreinschauen. Du hast damit meine Freundinnen und mich schlecht fühlen lassen. Es hat mir für sie in der Seele wehgetan, weil nichts Schlimmes daran ist, ehelos geblieben zu sein und das Leben guten Werken aufzuopfern (deshalb wird das Alleinsein vom Katechismus auch als eine Berufung bezeichnet). Was soll ich meinen ehelosen „Alten Jungfern“-Freundinnen sagen? Daß der Papst das nicht ernstgemeint hat (so etwas darf der Papst nicht tun), oder soll ich den Papst darin unterstützen, daß für ihn alle Ehelosen den Gesichtsausdruck einer verbitterten Ordensfrau haben?

Wenn der Kapitän nicht den Eisberg sieht, auf den wir zusteuern, ist es sehr wahrscheinlich, daß es zur Kollision kommt

Vor einigen Wochen hast Du gesagt, daß „es der Kirche nie so gut ging wie heute“. Wie kann das ein Papst sagen, wenn wir alle wissen, daß Millionen von jungen Katholiken im Konkubinat leben und in Millionen von katholischen Ehen die Pille gebraucht wird; wenn die Scheidung „unser tägliches Brot ist“ und Millionen von katholischen Müttern mit Hilfe von katholischen Ärzten ihre ungeborenen Kinder töten lassen; wenn Millionen von katholischen Unternehmern nicht von der Soziallehre der Kirche geleitet sind, sondern von Raffgier und Geiz; wenn Tausende von Priestern liturgischen Mißbrauch betreiben; wenn Hunderte von Millionen Christen nie wirklich Christus begegnet sind und nicht einmal grundlegende Dinge der Glaubenslehre kennen; wenn Bildung und Regierungen in der Hand der Freimaurer sind und die Weltwirtschaft in der Hand des Zionismus? Ist das der Zeitpunkt, in dem es der Kirche nie so gut ging wie heute?

Als Du das gesagt hast, geliebter Papst, wurde ich von Panik erfaßt. Wenn der Kapitän nicht den Eisberg sieht, auf den wir zusteuern, ist es sehr wahrscheinlich, daß es zur Kollision kommt. Glaubst Du das denn wirklich oder ist das nur so eine Redensart, lieber Papst?

Sollen wir die Sünder hätscheln und ihnen honigsüß sagen, daß sie ja den Katechismus lesen können?

Viele große Prediger fühlten sich vernichtet, als sie hörten, daß Du gesagt hast, daß man jetzt nicht mehr über Themen sprechen soll, über die die Kirche bereits gesprochen hat und die im Katechismus geschrieben stehen. Sag mir, lieber Papst Franziskus, was sollen wir Christen tun, die wir dem Papst und auch dem Lehramt und der Überlieferung treu sein wollen? Hören wir auf zu predigen, obwohl der Heilige Paulus uns sagt, daß man es immer tun soll? Machen wir Schluß mit den mutigen Predigern, zwingen wir sie zum Schweigen, während wir die Sünder hätscheln und ihnen honigsüß sagen, daß sie, wenn sie wollen, ja den Katechismus lesen können, um zu wissen, was die Kirche sagt?

Ich will keine Hirten, die wie Schafe riechen, sondern Schafe, die nicht nach Mist riechen, weil ihr Hirte sie pflegt

Jedes Mal, wenn Du von den „Hirten mit dem Geruch der Schafe“ sprichst, denke ich an all die Priester, die sich von den Dingen dieser Welt anstecken haben lassen und die ihren priesterlichen Geruch verloren haben, um einen gewissen Geruch der Verwesung anzunehmen. Ich will keine Hirten, die wie Schafe riechen, sondern Schafe, die nicht nach Mist riechen, weil ihr Hirte sie pflegt und sie immer sauberhält.

Vor einigen Tagen hast Du von der Berufung des Matthäus gesprochen mit den Worten: „Mich beeindruckt die Geste des Matthäus. Er klammert sich ans Geld, als würde er sagen: ‚Nein, nicht mir! Dieses Geld gehört mir!“ Man kann nicht anders, lieber Papst, als Deine Worte über das Evangelium (Matthäus 9,9) mit dem zu vergleichen, was Matthäus selbst über seine Bekehrung sagt: „Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm.“ Ich kann nicht erkennen, wo er am Geld hing (und ich sehe es auch nicht im Bild von Caravaggio). Ist sehe zwei völlig verschiedene Erzählungen und eine falsche Exegese. Wem soll ich glauben, dem Evangelium oder dem Papst, wenn ich dem Evangelium und dem Papst treu sein will?

Die Päpste von Petrus bis Benedikt XVI. haben gesagt, daß es unmöglich ist, fern von Gott Frieden zu finden, aber Papst Franziskus behauptet es

Als Du von der Frau erzählt hast, die nach einer Scheidung und einer Abtreibung im Konkubinat lebt, sagtest Du: „jetzt lebt sie in Frieden“. Ich frage mich: Wie kann eine Frau, die sich willentlich von der Gnade Gottes entfernt hat, in Frieden leben?“

Die vorherigen Päpste, vom Heiligen Petrus bis Benedikt XVI. haben gesagt, daß es nicht möglich ist, fern von Gott Frieden zu finden, aber Papst Franziskus hat es behauptet. Worauf muß ich mich stützen, auf das Lehramt aller Zeiten oder auf diese Neuheit? Muß ich ab heute, um dem Papst treu zu sein, behaupten, daß man auch in einem Leben der Sünde Frieden finden kann?

So als wolltest Du die Büchse der Pandora öffnen

Dann hast Du die Frage hingeworfen, ohne Antwort darauf zu geben, wie sich ein Beichtvater verhalten soll, so als wolltest Du die Büchse der Pandora öffnen, da Du genau weißt, daß es Hunderte von Priestern gibt, die den falschen Rat geben, das Konkubinat fortzusetzen. Warum hat uns mein Papst, mein geliebter Papst nicht mit wenigen Worten gesagt, was in Fällen wie diesem zu raten ist, anstatt in den ehrlichen Herzen Zweifel zu wecken?

Ich habe Kardinal Bergoglio fast auf familiäre Weise kennengelernt und bin getreue Zeugin der Tatsache, daß er ein intelligenter, sympathischer, spontaner, witziger und scharfsinniger Mann ist. Aber es gefällt mir nicht, daß die Presse jede Wortmeldung und jeden Scherz von Dir veröffentlicht, weil Du kein Dorfpfarrer bist; Du bist nicht mehr der Erzbischof von Buenos Aires; Du bist jetzt der Papst! Und jedes Wort das Du als Papst sagst, erhält für viele, die Dich lesen und hören, den Wert des ordentlichen Lehramtes.

Ich habe bereits zuviel geschrieben und von Deiner kostbaren Zeit in Anspruch genommen, mein guter Papst. Ich denke, mit den Beispielen, die ich Dir gesagt habe (wobei es viele weitere gäbe), meinen Schmerz erklärt zu haben, den ich wegen der Ungewißheit und Ratlosigkeit durchleide.

Nur Du kannst mir helfen. Ich brauche einen Führer, der meine Schritte erleuchtet auf der Grundlage dessen, was die Kirche immer gesagt hat; der mit Mut und Klarheit spricht; der nicht beleidigt, wer sich bemüht, dem Auftrag Jesu treu zu sein; der „Brot zum Brot, Wein zum Wein“ sagt, und „Sünde“ zur Sünde und „Tugend“ zur Tugend, auch wenn er damit seine Popularität aufs Spiel setzen sollte. Ich brauche Deine Weisheit, Deine Entschlossenheit und Klarheit. Ich ersuche Dich um Hilfe, bitte, weil ich sehr leide.

Du verwirrst nicht nur den Feind, sondern auch uns

Ich weiß, daß Dir Gott einen scharfen Verstand geschenkt hat, und so habe ich mir, beim Versuch mich selbst zu trösten, vorgestellt, daß alles, was Du tust und was Du sagst, Teil einer Strategie ist, um den Feind zu verwirren, indem Du Dich vor ihm mit der weißen Fahne zeigst und damit erreichst, daß er seine Deckung verläßt. Aber es wäre mir lieber, wenn Du Deine Strategie mit jenen teilen würdest, die an Deiner Seite kämpfen, weil Du sonst nicht nur den Feind verwirrst, sondern auch uns, die wir nicht mehr wissen, wo unser Hauptquartier ist und wo genau die feindliche Linie verläuft.

Ich danke Dir noch einmal für alles Gute, das Du getan hast und was Du in feierlicher Weise gesagt hast, denn es hat uns sehr geholfen. Deine Worte haben uns bewegt und einen Impuls gegeben, noch mehr zu lieben und immer zu lieben, besser zu lieben und der ganzen Welt das liebevolle Antlitz Jesu zu zeigen.

Ich schicke Dir eine sehr liebevolle, kindliche Umarmung mit der Gewißheit meines Gebets. Ich bitte auch um das Deine für mich und für meine Familie, von der ich ein Foto beilege, damit Du unsere Gesichter kennst, wenn Du für uns betest.

Deine Tochter, die Dich liebt und jeden Tag für Dich betet.

Lucrecia Rego de Planas

Einleitung und Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Panorama cattolico

Katholisches wird immer für den Leser kostenlos bleiben. Damit das Magazin Tag für Tag mit neuen Artikel weiterhin erscheinen kann sind Zuwendungen notwendig: Unterstützen Sie bitte Katholisches mit einer Spende.
Zuwendungsübersicht

Unterstützen Sie Katholisches auch, indem Sie ihre Bücher über FalkMedien beziehen. FalkMedien hilft uns regelmäßig bei technischen Aufgaben und beteiligt sich bei der Finanzierung von Servertechnik und Administration.

Der WebShop von FalkMedien umfaßt neue und antiquarische Bücher. Bei jedem Kauf, der über Katholisches.info zustande kommt, werden 10 Prozent Provision an Katholisches ausgeschüttet.

FalkMedien liefert jeden erhältlichen Titel: Die Recherche in einem umfassenden Katalog, der auf dem Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) basiert, ermöglicht es, nahezu alle verfügbaren deutschsprachigen Titel zu beziehen.  -  vlb.falkmedien.de


FalkMedien liefert jedes neue Buch versandkostenfrei ohne Mindestbestellwert.

Print Friendly, PDF & Email

Referenzen   [ + ]

1. Papst Franziskus gebrauchte am 8. Mai 2013 in seiner Ansprache an die Generaloberinnen katholischer Frauenorden das italienische Wort „zittelle“, das sowohl „ehelose“ Frauen als auch „alte Jungfern“ bedeutet.

9 Kommentare

  1. Frau de Planas hat den Papst mißverstanden, als er davon sprach, daß Hirten den Geruch der Schafe haben sollen.

    Ein einfaches Beispiel: Ein Bauer, der abends in den Stall geht und sich um seine Tiere kümmert, indem er den Stall ausmistet, die Tiere füttert, sie reinigt, die kranken Tiere verarztet, die Muttertiere melkt oder ihnen beim Werfen hilft, die Zäune und Stalltore überprüft, damit kein Wolf eindringt…, dieser Bauer wird unweigerlich, wenn er ins Haus zurückkehrt, den Geruch der Tiere und des Stalles an sich haben, und unter die Dusche müssen. Er war aber der „gute Hirte“, der sich um seine Tiere gekümmert hat.

    Anders jener Bauer, der zu faul ist, in den Stall zu gehen und meint, das tue es auch noch ein paar Tage später. Er wird keinen Stallgeruch annehmen, war aber der „schlechte Hirte“, der sich nicht um die Tiere gekümmert hat.

    Es gibt im Alten Testament im Buch Ezechiel ein wunderbares Kapitel über den guten und schlechten Hirten, Kapitel 34: Der gute Hirte ist jener, der sich um die Tiere sorgt „wie es recht ist“, – die schlechten Hirten aber setzt Gott ab.

    Einem Priester, der sich um seine ihm anvertrauten Pfarreikinder kümmert, wie es recht ist, wird auch von dem Leid, das er geteilt hat, von der Not, die er mitgetragen und gelindert hat, von den Ängsten und Bedürfnissen, die er gestillt hat, von den Sünden, die ihm bekannt wurden,… ein kleiner Schleier auf der Seele haften bleiben (der „Stallgeruch“). Er wird aber all diese Dinge, die ihn noch bewegen und umtreiben, am Abend betend vor Gott tragen, sodaß mit jedem Gebet die Lasten, Schatten und Nöte weniger und weniger werden.

    Der Papst und Frau de Planas wünschen sich dasselbe!

    • Toll, die Ausführung sind wirklich gut und sehr schön. Vielen Dank.
      Sie werden aber verstehen, s.o. um es verzweifelt zu sagen (der Herr möge mir verzeihen): Was sollen wir nur mit einem Papst tun, der danach immer jemand braucht, der erklärt, wie er etwas gemeint hat oder nicht. Das ist kein Segen, sondern eine Strafe. Undenkbar bei BXVI. Da stimmen Sie mir sicher zu.
      Der Schafgeruch ist schon in Ordnung. Ich lese Ihre Interpretation und stimme Ihnen zu. Und ich lese de Planas Bedenken und stimme ihr ebenso zu. Weil die Gedanken jeweils richtig sind. Der Papst, wenn er neue Gedanken, Worte, Metaphern, Chiffren einführt, sollte zunächst für Begriffsklarheit sorgen und dann von dort ausgehend seine Gedanken ausbreiten. Wer weiß denn schon wirklich, was er mit den „Armen“ meint, obwohl er das Wort ständig im Mund führt?
      Ich will ihm eigentlich gar keinen Vorwurf machen, außer höchstes den, die Wahl angenommen zu haben, denn er ist wahrscheinlich einfach eben so wie er ist. Und das geistige Massaker, mit dem der Marxismus und die Militaros Argentinien drangsaliert haben, hat durch unerklärliche Umstände Bergoglio zum Weihbischof, dann zum Erzbischof und Kardinal und also solche ins Konklave gebracht.
      Mich treibt vielmehr seit Monaten die Frage um, was oder wer um Gottes Willen hat BXVI geritten, zurückzutreten, und was oder wer um Gottes Willen hat 90 Kardinäle geritten, ausgerechnet Jorge Bergoglio zum Papst zu wählen? Darauf werden wir wahrscheinlich nie Antwort bekommen (zumindest nicht auf dieser Welt). Bis dahin wollen wir beten, dass der Herr erbarmen mit seiner lauen Herde haben möge.

      • Aus dem Interview auf dem Rio-Rückflug spricht der Papst davon, daß vieles von dem, was er in den ersten Monaten thematisch angegangen hat, den Wünschen der Kardinale im Konklave entsprochen hat. Er sagte von sich im Konklave: „Ich erinnere mich, daß ich vieles verlangte und dachte, ein anderer würde es werden.“

        Vielleicht liegt hier der Grund, warum ihn die Kardinäle gewählt haben. Bei seinem Temperament, Tempo und Ideenreichtum kann man sich gut vorstellen, wieviel er ins Konklave eingebracht hat, und daß ihm die Kardinäle auch zugetraut haben, daß er mit diesen Eigenschaften als Papst geeignet sein könnte, daß er dann auch umsetzt, was er selber alles verlangt. Das ist jetzt natürlich nur reine Spekulation, aber ich kann es mir vorstellen.

        Uns sollte diesbezüglich beruhigen, daß er von sich selber sagt „Ich bin ein Sohn der Kirche“. D.h. er wird die Lehre der Kirche nicht verraten. Das zeigen auch die Aufsätze vom Präfekten der Glaubenskongregation, die dieser mit Zustimmung des Papstes in der Vatikanzeitung veröffentlicht hat bzw. die angekündigt sind. Das ist die Lehre der Kirche – die bleibt.

        Der Papst kleidet seine Verkündigung aber gerne in eine moderne Sprache. Er tut das nicht, um sich selbst in den Vordergrund zu spielen – das kann ich nicht erkennen –, sondern weil er damit diejenigen erreichen will, die der Kirche fernstehen, und die für die traditionelle Sprache der Kirche keine Ohren mehr haben. Zumindest in England hat es den Effekt, daß die Zahl der Beichten stark angestiegen ist. Radio Vatikan berichtete darüber. http://de.radiovaticana.va/news/2013/09/03/gro%C3%9Fbritannien:_papst_franziskus_l%C3%B6st_%E2%80%9Ebeicht-boom%E2%80%9C_aus/ted-725078.
        Das sind erste gute Früchte, und der Papst ist so gesehen ein Menschenfischer, gerade durch seine moderne Sprache.

        Für uns Gläubige, die eher in einer langen Tradition der Kirche verankert sind, ist diese moderne Sprache eher etwas problematisch, weil ungewohnt. Man muß schon eher einmal nachdenken, wie er was meint, da gebe ich Ihnen Recht. Das geht mir zuweilen auch so (außer beim Geruch der Schafe, der war mir sofort klar). Es ist auch teils eine ungewohnte Art der Exegese, sie bringt aber auch neue Aspekte ein, die ich bisher noch nicht gesehen habe.

        Ich sehe und höre aber hinter all seinen Ausführungen immer eine ganz penible, langjährige Gewissenserforschung. Es ist alles darauf abgezielt, das Heilige vom Unheiligen zu unterscheiden, das Bessere vom Schlechteren, das Gute vom Bösen etc. (v.a. in den morgendlichen Predigten in Santa Marta). In sehr sehr vielen Schattierungen und Nuancen. Da spürt man einen langen langen Weg der Selbsterforschung. Seine Botschaften sind gewissermaßen die Frucht dieser Selbsterforschung anhand der Bibel. Daß Papst Franziskus seine Berufung im Beichtstuhl erfahren hat, ist in seinen Worten nicht zu überhören. Deshalb sollten wir uns die Mühe machen, zweimal hinzuhören, wenn wir etwas nicht begreifen, und den Austausch miteinander pflegen, was der Papst denn gemeint hat, wenn wir mit etwas nicht klar kommen. Es könnte uns auf dem Weg der Heiligung weiterbringen. Die moderne Sprache ist ein kleiner Wermutstropfen für die Getreuen, – aber zugunsten jener, die dadurch den Weg zur Kirche zurückfinden. Die Selenrettung ist eines der großen Anliegen des Papstes, die er auch im Konklave ausgesprochen hat.

        Daß der Papst aber wie wir alle noch ein Sünder ist, der auf dem Weg zur immer größerer Heiligkeit ist, also auch Fehler macht und stolpert, das ist klar, und braucht uns nicht zu verunsichern. Erwarten wir nicht die Unfehlbarkeit als Mensch von ihm, die gibt es nicht. Er ist wie wir auf dem Weg. Aus Heiligenbiografien weiß ich, daß es Gott lieber ist, jemand kämpft für das Reich Gottes und macht dabei Fehler, als wenn er untätig hinter seinem Wohnzimmertisch bleibt, weil er dann auch keine Fehler machen kann. Seien wir barmherzig mit dem Papst, wenn er Fehler macht. Gott ist es auch.

        • Das klingt alles gut, wie Sie das darlegen und ich möchte Ihnen gerne zustimmen. Dann denke ich kurz nach und der Mut, diesem Papst uneinegschränkt zu applaudieren, schwindet flugs dahin. Die offiziellen Ansprachen sind gut, da teile ich Lucrecia de Planas Zustimmung. Die Interviews sind in substantiellen Teilen ein gefährliches Spiel mit dem Feuer. Stichwörter. Gewissen, Proselytismus, wie er mit einem Wisch die Themen Abtreibung, Euthanasie und Homosexualität vom Tisch fegt.
          Der Papst hat einen beeindruckenden Instinkt, so zu handeln und so zu sprechen, dass er nicht mit der vorherrschenden liberalen öffentlichen Meinung in Kollision gerät. Kein Zufall. Ganz gezielt. So gezielt, daß er genau abwägt, was er vor großer Öffentlichkeit sagt und was er vor kleiner (eventuell nur katholischer) Öffentlichkeit sagt. Das missfällt mir zutiefst. Wir brauchen unverkürzte Verkünder des Glaubens. Nicht Taktierer. Ich hoffe und bete, dass er – wie bisher – die Glaubenssubstanz nicht anrührt. Ich will optimistisch sein. Es geht aber auch darum, was er nicht sagt. Abtreibung (die Kampffront seit über 40 Jahren), Homosexualität (die Kampffront seit gut 10 Jahren): Getilgt! Es wurde ja SOVIEL darüber gesagt. Wirklich? In Deutschland schweigen sich die Bischöfe schon lange vor der großen Öffentlichkeit aus. Eine Ermahnung bräuchte es. Aber nein, das Signal ist: recht so, es ist schon zuviel gesagt worden. Gleiches zur Homosexualität. Wischwaschi der meisten Bischöfe bis zum Erbrechen, um ja nicht mit der veröffentlichten Meinung in Konflikt zu geraten. Der Papst? Recht so! Wer was wissen will, soll den Katechismus lesen. Wieviele Katholiken haben noch nie einen Katechismus in die Hand genommen, geschweige denn Nicht-Katholiken. Welcher Eindruck soll da bitte entstehen? Endlich ein Papst, bei dem man schwul sein und abtreibem kann? Natürlich nicht, wird man innerkirchlich sagen, aber die Leute draussen? Das Gewissen entscheidet, hat der Papst gesagt! Zu Lampedusa, da findet er Zeit und Gelegenheit zu reden, mehrfach, immer wieder. Aber zu Lampedusa applaudieren ihm ja alle. Natürlich kann er nicht sagen: „Wir haben [im Fernsehen] die Fotografien der getöteten Kinder in den Abtreibungskliniken gesehen“, weil die ja kein Fernsehen zeigt. Aber Lampedusa, das zeigen alle TV-Sender jeden dritten Tag. Da muss der Papst Stellung nehmen (und zum Kindermord schweigen). Sie sprechen von mehr beichten? Ich will es hoffen, hege jedoch meine Zweifel. Ich wüßte in den vergangenen 150 Jahren keinen Papst, der hinterm Wohnzimmertisch saß. Ganz im Gegenteil und das ganz ohne Bergoglio-Style. Die Anpassung an die Welt ist eine wilde Verführerin und die Kirche längst in Strömungen zerfallen, die kaum noch unter einen Hut passen. Und wie gesagt, ich sehe noch keine volleren Kirchen, noch keine Änderungen/Bekehrungen, die den ganzen Auf-modern-machen-Klamauk rechtfertigen würden. Der Papst ist kein Kultobjekt, er ist kein Idol, kein Phänomen. Und ich sehe den Applaus von der falschen Seite. Das stört, weil es untrügliches Indiz dafür ist, dass etwas nicht ganz stimmt. Und ich sehe die Gefahr, dass die Medien ihn abkauen, missbrauchen und dann auspucken. Und wie steht das Papsttum dann da? Und ich sehe in unseren Breiten die Modernisten jubeln. Nicht über den Papst, den wollen sie auch unter Bergoglio abschaffen, aber sie spüren Morgenluft, unter diesem Papst ihren Etikettenschwindel (sich kathoisch nennen, und im Namen der Kirche auftreten, aber nicht mehr katholisch sein) ungestört fortsetzen zu können. Und das ist schade. Die Implosion der Kirche in unseren Breiten kommt und sie wird dann nur umso radikaler und brutaler sein. Der Papst aber scheint die Handbremse zu lösen. Ganz südländisch undogmatisch… Schade. Beten wir für ihn und die Kirche.

        • @Leopoldus“…Die Anpassung an die Welt ist eine wilde Verführerin und die Kirche längst in Strömungen zerfallen, die kaum noch unter einen Hut passen. Und wie gesagt, ich sehe noch keine volleren Kirchen, noch keine Änderungen/Bekehrungen, die den ganzen Auf-modern-machen-Klamauk rechtfertigen würden“. Ist Ihnen nicht aufgefallen, dass all diese von Ihnen bedauerten Veränderungen in Kirche und Welt VOR Papst Franziskus ihren Anfang nahmen? Schlimmer kann es doch gar nicht mehr werden!

    • Ich kann Ihnen nur zustimmen, Regine.

      Ich habe Papst Franziskus, seine Worte und sein Handeln bisher ebenso wie Sie verstanden und war erstaunt, dass Frau De Planas und die meisten Kommentatoren hier einen konträren Eindruck von Papst Franziskus erkennen lassen.

      Für mich ist Franziskus der erste Papst, der öffentlich demütig und bescheiden (Markus 10, 43) lebt und bekennt, dass er wie wir ein Teil des Leibes Christi auf dem gemeinsamen Weg zu erwachsenen Christen, zur Einheit des Geistes und zu Christus Jesus ist (Epheser 4).

      Wenn er nicht allein abgeschirmt im Vatikan leben will, sondern in der Umgebung anderer Christen, so ist auch das kein unbiblischer Wunsch. Urchristen brauchten keinen Palast und sehnten sich jeweils in die Umgebung von Mitchristen zu kommen, um sich gegenseitig in Liebe auferbauen zu können. Der Apostel Paulus arbeitete beispielsweise während seiner Predigtreisen nebenbei als Zeltmacher, um anderen Mitchristen nicht ungebührlich finanziell zur Last zu fallen. Paulus lebte nur allein, wenn er als Gefangener im Gefängnis leben musste und litt unter diesem Alleinsein. Er ermunterte alle Christen, die Gemeinschaft mit anderen Christen nie aufzugeben. Eine Wohnung mit einigen Zimmern und Gemeinschaftsräumen wie in St. Martha ist sicher besser geeignet, diesen Zweck zu erfüllen als eine abgeschiedene Wohnung im Vatikan.

      Die Sitte der roten Schuhe z.B. ist lediglich ein bildliches Symbol für das Bekennen, dass der Papst sein Märtyrertum annimmt. Diese Anerkenntnis ist aber heute unnötig, weil heute alle Christen in der Bibel lesen können und nicht mehr durch Schuhfarbenbilder oder Bildergeschichten wie im Mittelalter, wo das einfache Volk nicht lesen konnte, Bibelinhalte lernen müssen. Biblisch können wir lernen, dass JEDER Christ bereit sein muss, ein Märtyrer zu sein. Dazu müssen wir alle keine roten Schuhe anziehen, sondern lediglich offen bekennen, dass wir Christen und potenzielle Märtyrer sind und danach leben.

      Er mutet uns als erster Papst eine eigene Gewissensverantwortung zu, die in der Lage ist, dass wir wie erwachsene Christen eigene Gewissensentscheidungen treffen können und uns auch gegenüber dem Gewissen anderer Christen nicht ungebührlich verhalten. Dass sich einige Christen damit erst mal überfordert fühlen, ist zwar verständlich, ist aber nach biblischem Muster unumgänglich. 1.Kor.10, 23-24 + 29-33.

      Ich freue mich aufrichtig, dass Papst Franziskus dem biblischen Ursprung nahe kommen will. Er braucht dazu viel Kraft und unser aller Gebet.

      Die neuen Befragung der Gemeinden durch den Vatikan ist ein erster Schritt, um Verständnis zu erlangen über den Zustand des Leibes Christi und zu vermehrter Öffentlichkeitsarbeit im Informationszeitalter. Habt Geduld !

      • Noch ein Punkt liegt mir am Herzen.

        Kritisiert wurde, dass Papst Franziskus die Fußwaschung im Gefängnis auch bei muslimischen Gefangenen anwandte.

        Auf den ersten Blick mag das befremdlich sein, wenn man in der Lage ist, zu erkennen, dass hier Angehörige der „vor Gott falschen Religion“ vom Papst hofiert oder sogar ggf. als gleichwertig anerkannt werden.

        Der zweite Blick auf diese Geste gegenüber Muslimen ist aber, dass hier tatsächlich Gottes Wille anerkannt wird, insofern Papst Franziskus seine Liebe und sein Mitleid zu allen Menschen zeigt, auch zu denen, die im religiösen Sinn die Gotteskindschaft Jesu und sein Erlösungsopfer nicht anerkennen und sich somit im biblischen Sinn als Feinde Christi darstellen und der falschen Religion verfallen sind.

        Wenn es heißt, dass wir unsere Feinde lieben sollen, ist diese Liebe tatsächlich heute der einzige Weg, Muslime zu gewinnen, Christen zu werden.

        Man kann sich, falls man dies nicht glauben mag, informieren über das großartige Erlösungswerk, das derzeit unter Muslimen weltweit stattfindet. Muslime berichten überall, dass es die Liebe unter den Christen ist, die sie bewegt, der eigenen muslimischen Hass-Religion den Rücken zu kehren.

        Auf der HP von Open Doors werden jährlich Zahlen veröffentlicht als Verfolgungsindex. Dort wird berichtet, dass überall in muslimischen Ländern die Zahl der Christen stark zunimmt und dass diese neuen Christen besonders extrem von Muslimen verfolgt werden.

        Auch in dem 2012 im Brunnen-Verlag erschienenen Buch „Träume und Visionen – Wie Muslime heute Jesus erfahren“ von Tom Doyle und Greg Webster, das auch von Open Doors herausgegeben wurde, wird berichtet über Muslime, die Christen wurden, über ihren Umgang mit Christus über Träume und Visionen, über die Liebe als Christen und über ihre gefahrvolle Verfolgung durch hasserfüllte Muslime.

        Als Christen haben wir gegenüber Muslimen als christl. Erkennungsmerkmal die Liebe zu Gott und den Menschen, die Christen auszeichnet. Liebe allein ist geeignet, dass Muslime erkennen, dass die muslimische Religion lieblos und hasserfüllt ist und dass es sich lohnt, Christ zu werden und künftig Menschen zu lieben.

        Die demütige liebevolle Fußwaschungsgeste von Papst Franziskus ist voller Mitleid und beschämt diejenigen, die Hass ausleben und Christen verfolgen. Man weiß im Vatikan über die weltweit verfolgten Christen, die früher als Konvertiten Muslime waren, auch wenn nicht alle Muslime konvertieren. Aber diejenigen konvertierten Christen, die im Untergrund leben, weil sie verfolgt werden, werden diese Geste zu schätzen wissen und auch andere Muslime, die noch empfänglich sind, werden beeindruckt sein.
        Eine gedankenlose unnötige willkürliche Hofierung der Muslime, wie hier vermutet wurde, durch Papst Franziskus durch die Waschung, ist somit ausgeschlossen.

        • Liebe Anna 321 und Regine, Sie sprechen mir aus dem Herzen, Danke für Ihre Beiträge und die wichtigen Informationen hier an dieser Stelle!

        • Was für „wichtige Informationen“? Wäre es nicht einfacher, wenn Papst Franziskus unklare, verwirrende Aussagen und Gesten vermeiden würde? Bei BXVI wusste man, dass er sicher nichts gegen das Glaubensgut machen wird. Bei FI ist mir jeden Tag bange, was als nächsten kommen wird. Ausser Verwirrung…. nichts gewesen. Wo haben die Kardinäle nur hingeschaut?? Und Tag um Tag bröckelt die Katholizität, von außen beschossen und korrumpiert, von innen nicht verteidigt…

Kommentare sind deaktiviert.