Genügt es wirklich die ganze Kirche in eine Mega-Caritas zu verwandeln, um neu zu evangelisieren?

Papst Franziskus: Humanitäre Hilfe ohne Glaubensverkündigung? Wohin soll der Weg führen?(Rom) Am Tag nachdem der Rechtsphilosoph Mario Palmaro und der Publizist Alessandro Gnocchi auf den Seiten der Tageszeitung „Il Foglio“ ihre kritischen Worte an Papst Franziskus veröffentlichten, erschienen unabhängig davon die nicht minder kritischen Anmerkungen des Politikwissenschaftlers und katholischen Publizisten Rino Cammilleri auf den Seiten der Tageszeitung „Il Giornale“. Rino Cammilleri stammte ursprünglich aus der linksextremen Szene der Studentenproteste. Er bekehrte sich später zum katholischen Glauben und gehört seither zu den bekannten marianischen Apologeten in der Publizistik. In seine Kritik läßt er auch Maria einfließen und fragt, ob der Weg nicht schon länger in die falsche Richtung geht und ob das gläubige Volk, von dem Papst Franziskus nun eine „Entscheidung“ verlangt, sich nicht längst entschieden hat, indem es sich Maria zuwendet. Eine Entwicklung, die auch bedenkliche Züge aufweist. Die Bewegung ist jedoch eine Tatsache. Auf sie hinzuweisen nur recht und billig und als Diskussionsbeitrag ein zusätzlicher Akzent..

Papst Franziskus muß aufpassen: „Herde oder Lehre?“ So riskiert man beide zu verlieren

Papst Franziskus zielt auf die christliche Caritas, weil die Kirche in Schwierigkeiten ist. Aber die menschlichen Leiden zu kurieren, ohne an der Orthodoxie festzuhalten, ist eine gefährliche Strategie.

Alles schien improvisiert und spontan

Das berühmte Interview das Papst Franziskus der Civiltà Cattolica gewährte, sollte nun die Frage nach dem Programm des Pontifikats Bergoglio und die Gründe für die Perplexität, die einige „improvisierte“ Aussagen an die Presse oder bestimmte Gesten in einigen ausgelöst haben, geklärt haben.

Es schien zum Beispiel so, daß die erste Reise ausgerechnet nach Lampedusa unter die illegalen Einwanderer, das Ergebnis eines Impulses sei, nachdem er die Bilder des x-ten Schiffbruchs im Fernsehen gesehen hatte. Die Glückwünsche an die Moslems zum Ramadan, die improvisierten Telefonanrufe an einfache Gläubige, der Pileus-Tausch auf den Plätzen, die Aussagen zu den Arbeitslosen, um Arbeit „zu kämpfen“, die Ablehnung der roten Schuhe, der goldenen Paramente und der Apostolischen Paläste, die Benutzung von Serienautos auf dem Beifahrersitz; das alles eben, ließ Bestimmte daran denken, daß der ehemalige Erzbischof von Buenos Aires sich weiterhin so verhält, wie er es immer getan hat und weiterhin die gesamte Katholizität so betrachtet, als wäre sie die heruntergekommene Peripherie der argentinischen Hauptstadt. Das Verhalten als netter Kerl (es klingelt das Telefon: Ciao, ich bins Papst Franziskus) oder der privilegierte Gesprächszugang für Eugenio Scalfari (den er damit zum „Papst“ der Kirchenfernen beförderte), erlauben es, das so anzunehmen.

Doch alles ist Teil einer präzisen Strategie

Aber das Interview mit der Civiltà Cattolica hat jeden Zweifel weggefegt: Der Papst weiß genau, was er tut, und das, was er tut, ist Teil einer präzisen Strategie. Hier eine Zusammenfassung derselben:

Der moderne Mensch ist inzwischen völlig einer relativistischen Kultur hörig, die jeden göttlichen wie menschlichen Wert annulliert hat. Ihm von nicht verhandelbaren Grundsätzen zu sprechen ist reine Zeitverschwendung: er versteht sie nicht mehr. Die Angriffe von Jahrhunderten gegen die Autorität haben obsiegt und die Menschen ertragen keine Lehrmeister mehr. Die heutige Zivilisation ist aber auch ein Fleischwolf, der auf exponentielle Weise die Zahl der Ausgestoßenen erhöht. Der moderne Mensch, verletzt und gebrochen von der dunklen Seite der Moderne (die zwar allen Glück verspricht, aber einen noch nie dagewesenen Grad an Unbehagen hervorgebracht hat), liegt blutend am Boden und hält Ausschau nach der Hand, die ihm aufhilft und ihn pflegt, und dabei spielt es keine Rolle, daß es die Hand eines Samariters ist (und damit von einem Angehörigen einer Kategorie, die man ihn zu hassen gelehrt hatte).

Hier also das Programm des Papstes: Die Arme ausbreiten für die Leidenen und die drop-out, ohne zu polemisieren, ohne zu widersprechen, ohne die Fehler vorzuhalten. Sobald die Situation der Hilfsbedürftigkeit den Panzer im Kopf gelöst hat, wird der Pechvogel in der Kirche eine barmherzige Mutter erkennen und nicht mehr, wie es ihm eingetrichtert wurde, ein ideologisches Machtzentrum. Das dringendste Problem ist die Glaubenskrise. Die moralische Krise ist nur eine Konsequenz der ersteren. Hier, sagt Papst Franziskus, gilt es neu zu beginnen. Von Null auf. In diesem Licht erscheint der modus operandi von Bergoglio klarer.

Franziskus verlangt gigantische „religiöse Entscheidung“ der ganzen Kirche: Orthopraxie vor Orthodoxie?

Das, was er vorschlägt, ist eine Art von gigantischer „religiöser Entscheidung“ durch die gesamte Kirche: in primis die menschlichen Leiden kurieren, dann, erst dann, den Katechismus lehren und den ganzen Rest. Deshalb auch seine Zurückhaltung über „unbequeme“ Themen zu sprechen wie Homo-Ehe, Abtreibung und Euthanasie. Er sagt: Was die Position der Kirche in diesen Fragen ist, wissen alle und es ist unnötig, daß der Papst sie dauernd wiederholt. Ja aber – möchte man einwerfen – auch der Primat der Orthopraxie vor der Orthodoxie (um die Sprache der klerikalen Sachverständigen zu gebrauchen) ist ein dèjà vu.

Genügt es die Kirche in eine Mega-Caritas zu verwandeln, um neu zu evangelisieren?

Gnadenbild von Maria Rogggendorf in NiederösterreichVom Primat zur Abkehr ist der Schritt dann aber nur mehr kurz. Eine von der Orthodoxie losgelöste Praxis haben wir bereits in der berühmten „Befreiungstheologie“ erlebt. Wenn du nicht konstant deine Doktrin in die Praxis einimpfst, wird eine andere den Platz einnehmen, vielleicht eine, die ihr ähnelt: gestern der Marxismus, morgen das relativistische Gutmenschentum. Das ist eine Gefahr, die – so hoffen wir – mitberücksichtigt ist. Wird es genügen, die gesamte Kirche in eine Art Mega-Caritas umzuwandeln, um neu zu evangelisieren? Ist es wirklich eine erfolgreiche und zielführende Idee, den Menschen das Bild von Kirche zu geben, das die Menschen wollen (Gratisversorgung, aber Schweigen zu Sünde und Irrtum)? Auf diese Fragen wird nur die Zukunft Antwort geben können.

Inzwischen haben wir aber zumindest ein Beispiel aus der Vergangenheit: Mutter Teresa, die in Indien genau das tat, was Papst Bergoglio allen Katholiken heute nahelegt: die stille Liebe. Sie stand den Aussätzigen und Sterbenden bei, ohne über die Lehre von Christus zu sprechen. Die Inder, die sie bereits des Proselytismus beschuldigten, hätten sie und ihre Schwestern verjagt. Außerhalb Indiens, wo sie reden konnte, beharrte sie auf der Orthodoxie. Was aber bleibt in Indien von dieser harten Arbeit unter den „Letzten“? Die Christianisierung des Subkontinents macht große Fortschritte? Die Christen des Landes werden nicht mehr verfolgt?

In Erwartung, daß die „Samariter“-Strategie von Papst Bergoglio Ergebnisse bringt, bleibt die Frage, wieviel Sinn eigentlich noch ein Vorhof der Völker von Kardinal Ravasi macht, jener kostspielige Laufsteg für die verschiedenen Scalfaris & Odifreddis. Angeblich sagen der berühmte „Dialog“ und ebenso der Ökumenismus, die Theologie und die Apologetik, alles alte Eisen wie der Katechismus selbst, dem modernen Menschen ja nichts mehr. Ganz im Gegenteil, es scheint, daß sie ihn vielmehr nerven und abstoßen. Daher die „religiöse Entscheidung“.

Im Übrigen aber, hat das „Volk Gottes“ diese Entscheidung nicht schon getroffen und zwar aus eigener Initiative, indem es die Pfarreien zunehmend meidet und sich in Richtung Marienwallfahrtsorte bewegt? Dort spricht die Gottesmutter nicht von „Katechismus“ und „Glaubenslehre“. Sie sagt vielmehr: „Bekehrt euch, betet und fastet“.

Ob sie das sagt, weil die Stunde nahe ist, da der Vorhang fällt? Wer weiß…

Einleitung/Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Messa in Latino/Legio Mariæ

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15 Comments

  1. „Der moderne Mensch ist inzwischen völlig einer relativistischen Kultur hörig, die jeden göttlichen wie menschlichen Wert annulliert hat. Ihm von nicht verhandelbaren Grundsätzen zu sprechen ist reine Zeitverschwendung: er versteht sie nicht mehr. Die Angriffe von Jahrhunderten gegen die Autorität haben obsiegt und die Menschen ertragen keine Lehrmeister mehr.“

    Diese Prämisse halte ich für falsch.Wenn die von Cammilleri skizzierte Auffassung tatsächlich die von F. ist, dann bedeutet das: F. glaubt, dass der heutige Mensch nicht mehr wahrheitsfähig und nicht mehr gottfähig („capax Dei“) sei. Das wäre dann eine weitere Auffassung von F., die sich in Widerspruch zum katholischen Glauben setzt, wie er biblisch (Römerbrief 1 u.a.) geoffenbart und vom Lehramt (Vatikanum 1) definiert ist. Echte Bekehrungen junger Menschen, die auch heute stattfinden, strafen eine solche Auffassung Lüge. Ja, sogar missionarisch wirkende bibelgläubige Protestanten beweisen, dass heutige Menschen zu dem Glauben kommen können, dass sie Sünder sind und Erlösung allein im Kreuzesopfer Jesu Christi finden.

  2. Ein Abspecken ist bestimmt gut, Johannes der Täufer lebte auch in keinem Palais, und die Kirche hatte diesbezüglich im 2. Jahrtausend eine ganz große Fehlentwicklung genommen.

  3. „Im Übrigen aber, hat das „Volk Gottes“ diese Entscheidung nicht schon getroffen und zwar aus eigener Initiative, indem es die Pfarreien zunehmend meidet und sich in Richtung Marienwallfahrtsorte bewegt? Dort spricht die Gottesmutter nicht von „Katechismus“ und „Glaubenslehre“. Sie sagt vielmehr: „Bekehrt euch, betet und fastet“.“

    Das ist eine sehr kluge Entscheidung der gläubigen Katholiken. Hin zu unserer Mutter und weg von diesen Schwätzern die unsere Ohren voll dröhnen.
    Per Mariam ad Christum.

  4. Der Mensch von heute ist der Mensch von gestern und der Mensch von morgen.
    Es hat sich an der condition humaine nichts geändert.
    Der Mensch hat vom Garten Eden an die Herrschaft Gottes abwerfen wollen.
    Und doch haben sich von Anfang an Menschen nach IHM ausgestreckt, angefangen bei der zutiefst getroffenen Eva, über Abel, Set, Abraham, Sara … und dann Maria, unsere Mutter.
    Nichts hat sich geändert.
    Auch auf dieser Plattform hier wird doch immer wieder berichtet von Bekehrungen, die keiner für möglich gehalten hätte.
    „Quia non erit impossibile apud Deum omne verbum.“ (Lk. 1, 37)

    • Was Papst Franziskus wirklich vorschwebt, ist mir auch nicht klar. Auf den Artikel bezogen ist der Punkt doch: Menschen sind Kulturwesen und werden unweigerlich von der Kultur geprägt, in die sie hineingeboren werden. Und das geistig-kulturelle Klima hier in Europa ist doch von einem (vulgären) Atheismus geprägt, der ungünstig ist für die Entfaltung des christlichen Glaubens. Natürlich heißt das nicht, dass der Mensch nicht mehr gott- und wahrheitsfähig ist. Aber diese Fähigkeit bedarf der Förderung und Pflege, sonst verkümmert sie. Warum sonst legt denn die Kirche großen Wert auf, dass ein Kind christlich erzogen wird und so hineinwachsen kann in das kirchliche Leben?

      • Ja, das ist die Rechnung des Menschen, die Rechnung ohne den Wirt gewissermaßen.
        Aber wir wissen doch, dass keiner von uns – so lehrt wahre Demut – auch nur das Geringste aus eigenem Vermögen dazu tun kann, dass ein anderer sich bekehrt…
        Eine Bekehrung ist stets und war stets ein einsamer und seltener Akt:
        „Ich sage euch: ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen Sünder, der umkehrt als über 99 Gerechte, die es nicht nötig haben, umzukehren.“ (Lk. 15, 7)
        Es geht um Umkehr. Und dazu kann niemand „erzogen“ werden.
        Achten Sie darauf: F. spricht nie von Umkehr, Buße, Reue, Bekenntnis der eigenen Sünde.
        Er setzt auf die 99 Gerechten, die sich in allem Hochmut selbst gegenseitig „Demut“ bescheinigen.
        Wenn einer von Buße und Umkehr spricht, beschimpft F. denjenigen als „arrogant“.
        Das ist aber die Lehre Jesu gewesen und bis heute immer noch die Lehre der Kirche hinsichtlich des Menschen.
        Es hat sich nichts geändert.

      • Puh. Sie machen mich ratlos … Umso mehr, als ich kaum annehme, dass Sie für die Einstellung der kirchlichen Missionstätigkeit und die Abschaffung von Kindertaufe und religiöser Erziehung plädieren. Umso mehr als ich über Bekehrung und in wessen Vermögen das steht überhaupt kein Wort verloren habe: Bekehrungen sind in der Tat nicht „machbar“. Wer aber das Evangelium nicht hört, kann sich von vorneherein nicht bekehren; und allein darum geht es: dass das Evangelium (ernsthaft) gehört wird (und nicht als Märchen abgetan).
        Ob Bekehrungen so selten sind? Wie erklären Sie sich dann die Ausbreitung des Christentums? Denken Sie, dass sich bloß ein Fassaden-Christentum ausgebreitet hat? Oder wie soll man das verstehen? Und die Bekehrung ein einsamer Akt? Das glaube ich auch nicht; er geschieht nie ohne himmlische Unterstützung. Und wer kann schon sagen, welche Unterstützung dabei noch eine Rolle spielt. Das weiß man doch gar nicht …

      • 1. Natürlich muss das Evangelium verkündet werden! Das reine, unveränderliche und unveränderte Evangelium! Und doch muss der Hl. Geist selbst es dem offenen Ohr darlegen…
        2. Die Ausbreitung des Christentums geschah natürlich durch Missionierung. Ob aber die Menschen alle persönlich zum christlichen Glauben kamen? Auch hier muss jeder einzelne ganz alleine („einsam“), ohne sich „auf andere herausreden zu können“, sich IHM weihen in aller Tiefe und Schönheit. Ja, das muss sogar einsam sein, denn wir werden nicht kolektiv Christen, sondern einsam und alleine stehen wir vor IHM und werden von IHM ergriffen als Einzelwesen.
        3. Wenn ich Jesu Worte ernst nehme, sind wohl echte Bekehrungen nicht dasselbe wie ein formelles Christsein. Es gibt das Hineingeborenwerden in etwas. Aber das macht eher selbstgerecht, als dass es bekehrt (s. Gleichnis Jesu – 99 Gerechte)
        4. Ja, vielfach haben wir Fassadenchristentum. Wie wollten Sie sonst das totale Versagen erklären, auch jetzt? Die Menschen haben oft Christentum missverstanden als bürgerliches Refugium für ein gottseliges Arkadien auf Erden (darüber spottet mit Recht schon Friedrich Engels 1849!), nicht aber als eine Kreuzesnachfolge – das waren widerum nur wenige. So ist es auch jetzt mit F. – es geht nur noch um Äußerlichkeiten. Und bis auf wenige, die entsetzt sind über all diese päpstliche Oberflächlichkeit, schreit alle Welt, sei sie christlich oder nicht, „Hurra“ ob dieses Wunderführers, der sich arm gibt und die Blicke auf die Insignien des medialen Scheins lenkt.

      • Ich stimme Ihnen nun zu, wenn auch mit einigen Abstrichen:

        ad 1) Einverstanden. Bloß: Wie wird das Ohr offen? Das ist keine Selbstverständlichkeit, im Gegenteil. Ich kenne viele Menschen, die überhaupt keine Antenne für religiöse Dinge haben. M. E. ist das offene Ohr schon eine Tat des Heiligen Geistes, an der Menschen – nicht aus eigenem Vermögen, aber mit Hilfe des Heiligen Geistes – mitwirken (können). Anders gesagt: Der Heilige Geist wirkt doch auch durch Menschen.

        ad 2) Was Sie als Bekehrungsakt bezeichnen, bezeichne ich eher als Prüfung. Gott prüft den Menschen, ob eine Bekehrung echt ist, ob sie wirklich davon getragen ist, Christus nachzufolgen. Mit der Bekehrung ist m. E. nur ein erster Anfang gesetzt, und so wiederholen sich solche Prüfungen auf dem Weg zu Gott. Weiter denke ich, dass solche Prüfungen nicht Selbstzweck sind. Sie dienen auch nicht nur dazu, der einzelnen Seele das Himmelreich zu bereiten. So etwas wirkt sich auch – sichtbar oder unsichtbar – auf die kirchliche Gemeinschaft aus. Es geht darum, das Gelernte im Leben umzusetzen, damit der Wille Gottes auf Erden geschehe wie im Himmel, wie es im Vaterunser heißt, damit man zum Diener oder Werkzeug Gottes wird.

        ad 3) Einverstanden. Selbstgerechtigkeit lauert aber überall. Sie kann auch dann auftreten, wenn man sich einsam bekehrt. Man steht in Versuchung, sich das seiner eigener Leistungsfähigkeit oder einer besonderen Auserwähltheit zuzuschreiben.

        ad 4) Einverstanden. Nur urteile ich, glaube ich, nicht so hart über das Fassaden-Christentum, das ja auch stark gebröckelt ist (so dass ich die gegenwärtige Situation trotz negativer Vorzeichen als Chance sehe). Zu Papst Franziskus ist meine Meinungsbildung noch nicht abgeschlossen; dazu sind mir seine Aussagen bisher zu verschwommen.

  5. Eine gänzlich untaugliche Strategie, weil sie Ursache mit Wirkung vertauscht. Orthopraxie, also Caritas, ist immer nur der Ausfluss, das Produkt der Orthodoxie, sprich des Glaubens. Vernachlässigt man die Orthodoxie, verliert die Orthopraxie ihren Nährgrund. Sie ist dann wie eine Rebe, die vom Weinstock abgeschnitten wird. Eine solche „Feldlazarett-Kirche“ ohne ausreichende Verwurzelung und Rückbindung im Glauben ist ihres Fundamentes beraubt und bricht über kurz oder lang in sich zusammen. Dieser Papst beschreitet einen äußerst gefährlichen Weg. Wenn er sich nicht zur Einsicht führen lässt, was ich angesichts seiner Persönlichkeitsstruktur bezweifle, wird es mit ihm und mit der Kirche unter ihm zu einem schlimmen Ende kommen. Übrigens: eine Glaubensgemeinschaft, die nicht beansprucht, dass ihre Prinzipien im gestern, heute und morgen unverändert gelten, ist wenig ernst zu nehmen, in ihr west weder Wahrheit noch irgend ein göttliches Prinzip, sie ist reines menschliches Machwerk, ein Götze, der von seinem Thron gestoßen gehört.

    • danke für diese klare Darstellung.Mir ist immer das Beispiel der Russisch Orthodoxen Kirche gegenwärtig, der Emigrant Levitin Krasnow in seiner Autobiographie „Böse Jahre“ berichtet als Augenzeuge von den Machinationen der Bolschewikij.Diese sahen in der Kirche ihren Hassfeind Nr.1 und verboten ausser der Feier der Liturgie jegliche caritative Tätigkeit.Auch durfte der Gottesdienst mit keinem Jota verändert werden um dessen Anachronismus aufzuzeigen, wie rückständig gegen den Fortschritt,deshalb gegen die Menschheit selbst gerichtet die Kirche sei.1974 zwangsausgebürgert schreibt er in Luzern:hätte die Kirche damals nur mehr caritative Aufgaben unternehmen müssen und keine Gottesdienste feiern dürfen, wäre sie heute nicht mehr existent!Es hat dann noch viele Jahre gedauert,bis Gorbatschow die Kirche rehabilitiert hat.

    • Das ist alles vorgeschoben: F. und all jene, die ihm seit 50 Jahren den Weg bahnen, wollen nicht den Willen des Vaters tun. Das ist eigentlich ganz einfach. Es ist ein bisschen wie bei König Saul: Gott gibt eine klare Anweisung, Saul findet sie „unmenschlich“ und handelt andersherum. Dann bringt er Gott auch noch ein großartiges Opfer des Ungehorsams dar. Samuel stellt ihn zur Rede. Saul demütigt sich nicht – er denkt, er sei demütig… Gott verwirft ihn. (nachzulesen 1. Samuel 15)
      Es gibt kein Zurück. Das ist unsere Situation: seit dem Konzil belehren Kleriker, vom einfachen Priester bis hin zum Papst, den Herrn und seine Allerseligste Mutter zunehmend dreister darüber, dass sie samt dem Herrgott 2000 Jahre lang alles falsch verstanden und weitergegeben hätten. Welch ein Sakrileg! Welch ein Hochmut! Welch eine abscheuliche Herzenshaltung!

      So furchtbar diese Geschichte damals für Saul und Israel ausgeht – Gott hat längst einen Mann erwählt, dem er das Königtum übergeben hat: David.
      So wird sich auch für uns das Versprechen bewahrheiten, dass die Pforten der Hölle sie nicht verschlingen werden. Was immer diese finstere Seite auch anstellen wird, sie hat jetzt schon verloren.
      Das hat unser Herr uns versprochen. Allerdings, das muss bemerkt werden, hat ER nicht versprochen, dass der Fels standhält bis zum Schluss. ER hat gesagt, dass Johannes bleiben wird, – nicht Petrus – , bis ER kommt. Es gitl für jeden Katholiken, aufzuwachen an dieser Stelle und sich schleunigst nach einem glaubenstreuen Priester umzusehen, ihn mit Gebet zu unterstützen und sich ihm anzuschließen!
      Auch bei SEINER Kreuzigung stand Johannes, – nicht Petrus –, unterm Kreuz, zusammen mit Maria, der Frau, die uns auch in der Apokalypse genannt wird als der Schutz und Schirm, der die Kinder sammelt und schützt.
      Wir müssen wohl annehmen, dass beim Versuch, die Kirche zu verschlingen, Petrus versagen wird, wie schon bei Jesu erstem Kommen. Das alles aber entbindet ihn nicht der eigentlichen Aufgabe und nicht der Verantwortung.
      Es ist ein großes Trauerspiel. Und eine Freude, weil wir wissen, dass ER sein Wort hält und wiederkommen wird in Herrlichkeit.

  6. Nein das genügt nicht, denn das wichtigste Gebot ist nicht du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, sondern du sollst den Herren deinen Gott lieben mit all deiner Kraft ….und die Hauptaufgabe der Kirche wäre das Evangelium zu verkünden……………..aber es könnte eine gute Voraussetzung sein, die Vermögensanhäufung zwischen 1000 und 2000 hat der Kirche nicht gut getan, man denke an die Klösterpaläste im deutschen Sprachraum, und so weiter……………

    • doch das zweite Gebot ist den ersten gleich. Nur Nächstenliebe hat erstmal nix mit Caritas zu tun.
      Ich will hier nichts, aber auch gar nichts gegen organisierte Hilfe sagen.
      Nur der für den ich spende das ist nicht mein Nächster, das ist ein Ferner, den kenn ich gar nicht, von dem weiß ich nix.
      Hilfe, Entwicklungshilfe, Sozialarbeit und all das, ist Geschäft ne Menge Leute leben davon und für die Leute um die sie sich kümmern ist das bestimmt auch was Gutes.
      Nur gilt deshalb halt „Ihr habt euren Lohn bereits erhalten!“
      Wahre Nächstenliebe wendet sich dem Nächsten zu, nicht dem Fernen.
      Wahre Nächstenliebe kann sich zu einem Werk ausweiten, das ist kein Widerspruch, aber sie kann auch auf den Nächsten beschränkt bleiben, das macht sie nicht geringer.
      Ich glaube aus der Verwechselung der Ebenen entspringt viel Unglück.

  7. Was ist der Hauptauftrag der Kirche?

    DIE SEELEN IN DEN HIMMEL ZU FÜHREN.

    Mit der Übergabe der Almosen an die Armen ist noch keine einzige Seele gerettet. Sozialvereine haben wir mehr als genug. Was oft fehlt ist unerschütterlicher Glaube. Wie viele Katholiken leben ein protestantisches oder gar atheistisches Leben? Dort muss man beginnen. Dafür brauchen wir Priester, die uns den heiligen Weg zeigen, die uns anleiten und auch ermahnen.

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