“Wir wollen Kardinälinnen” – Appell von 300 „TheologInnen“ des deutschen Sprachraums

Diakonnen Priesterinnen Kardinälinnen Päpstinnen - Der Appell deutscher TheologInnnen: "Wir wollen Kardinälinnen"(Basel/Mainz) Die Forderung kommt aus dem deutschen Sprachraum: „Wir wollen Kardinälinnen“. Und es wundert eigentlich niemanden. Der deutsche Katholizismus ist angekränkelt vom landeskirchlichen Protestantismus, den er ständig vor Augen hat: mit verheirateten Pastoren, Pastorinnen, geschiedenen Pastoren und Pastorinnen, wiederverheirateten Pastoren und Pastorinnen, schwulen und lesbischen PastorInnen, schwulen und lesbischen Bischöfen und Bischöfinnen. Und hätten sie einen Papst, was sie „dem Himmel sei dank“, wie sie selbst betonen, nicht haben, dann hätten sich sicher schon eine Päpstin. Schon nur, weil man immer mit der Zeit gehen muß, will sagen, modern sein soll. Modern war das preußischen Staatskirchentum, modern war der nationalsozialistische Reichsbischof, modern waren die moskaufreundlichen Friedenspastoren, modern sind heute Gender-PastorInnen, modern sind morgen… Etwas fällt da schon wieder ein.

Nun gibt es einen neuen Appell von fast 300 TheologInnen mit der Forderung nach Kardinälinnen. Eigentlich gab es das alles schon und mehrfach. Wo der Glauben klein geschrieben ist, werden Strukturreformen umso größer geschrieben. Schließlich muß man seine Energien ja irgendwo investieren.

Entkoppelung der Kardinalswürde von Weiheämtern gefordert

Als erster Schritt zur Verwirklichung weiblicher Kardinäle (wie müßte man sich die dann eigentlich plastisch vorstellen?) wird die Entkoppelung der Kardinalswürde vom Weiheamt gefordert. Das nennt sich dann natürlich „Rückführung“ in den ursprünglichen Zustand. Was nicht ganz falsch, aber in der geforderten Zielsetzung auch nicht richtig ist.

Der TheologInnen-Appell (wer bezahlt die eigentlich für ihr ständiges, fruchtloses Unruhestiften?) wurde am 12. September von einer Schweizer und einer bundesdeutschen Internetseite veröffentlicht. Zudem wurde er Papst Franziskus übermittelt. Die Initiative geht von der Schweizer Theologin Helen Schungel-Straumann aus. Die 73-Jährige unterrichtete früher Altes und Neues Testament in Bonn, Köln und Kassel. Ihrer Meinung nach ist der Zeitpunkt für einen „historisches Wandel“ gekommen, und das seien Kardinälinnen.

Im TheologInnen-Bereich fand Schungel-Straumann Gleichgesinnte. Der Appell wurde inzwischen von fast 300 vor allem aus dem deutschen Sprachraum unterzeichnet. Einige kommen auch aus anderen Ländern. Die Initiatoren bemühen sich um eine „empirische“ Stütze für ihre Forderung. Sie starteten eine Online-Umfrage, ob man für oder gegen Kardinälinnen sei. Das Ergebnis läßt sich leicht erahnen. Nur 28 Prozent sprachen sich gegen eine Kardinalin Schungel-Straumann aus. Die Beteiligung an der Online-Umfrage ist sehr gering. 28 Prozent Widerspruch ist da schon erstaunlich und mutig. Immerhin stellt man sich damit ja gegen den „Fortschritt“ und setzt sich unweigerlich dem Verdacht aus, „frauenfeindlich“ zu sein.

Es geht natürlich darum, wer den Papst wählt. Deshalb heißt es im Appell, daß auch Frauen zugelassen sein sollten, den Papst auszuwählen. Es geht um den Zutritt zum Konklave und um die Leitung der Weltkirche. Letztlich eben um eine Päpstin.

„TheologInnen“ nahmen Papst-Aussage bei Rückflug von Rio zum Anlaß

Schungel-Straumann ist wie viele Unterzeichner schon lang dieser Meinung. Eine feministische Theologie hat den Boden an theologischen Fakultäten bereitet (oder vergiftet, je nach Perspektive). Anstoß, Feder und Papier in die Hand zu nehmen, scheint die inzwischen berühmt-berüchtigte improvisierte Pressekonferenz von Papst Franziskus auf dem Rückflug vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro nach Rom gewesen zu sein. Die Massenmedien fixierten ihre Berichterstattung auf die mißverständliche Äußerung des Papstes zur Homosexualität. Die TheologInnen blickten mit größerem Interesse auf die päpstliche Aussage, daß es eine „tiefe Theologie der Frau“ brauche. Eingebettet hat der Papst diese Worte in die Aussage: Die Frau „ist wirklich die Ikone der Jungfrau Maria, der Gottesmutter; diejenige, die der Kirche hilft zu wachsen! Aber bedenkt, daß die Madonna wichtiger ist als die Apostel! … Die Kirche ist weiblich: Sie ist Kirche, Braut, Mutter.“ Der Papst schob aber ständig ein „aber“ nach: „Aber … die Rolle der Frau in der Kirche darf nicht nur auf die der Mutter, der Arbeiterin hinauslaufen, eine eingeschränkte Rolle… Nein! Es ist etwas anderes! …“. Er sagte aber nicht näher, was er mit diesem “mehr” meinte.

Biblische Gerechtigkeit und Gleichheit versus demokratische Mehrheitsentscheidungen

In dieses Vakuum stoßen nun Helen Schungel-Straumann und die anderen Appellanten vor. Die Handschrift der feministischen Theologie wird auch deutlich, wenn es heißt, daß „mehr als die Hälfte der Kirchenmitglieder Frauen sind“, aber eine „Mehrheit“ seien, die wie eine „Minderheit“ behandelt wird. Demokratische Spielregeln als Entscheidungsmechanismen für die Kirche? Wirft man einen Blick auf die Diözesanordinariate des deutschen Sprachraums, findet man eine Vielzahl von Frauen in führenden Positionen. Der springende Punkt ist also nicht dort zu suchen. Es geht auch im Appell für Kardinälinnen letztlich um das Weiheamt. „Demokratische“ Ungeduld erträgt keine Zugangsschranken, auch nicht gottgegebene. So ist auch im Appell die Rede von „Ungerechtigkeit“ und „Ungleichheit“. Dabei sind „Gerechtigkeit“ und „Gleichheit“ Schlüsselbegriffe der Heiligen Schrift. Wenn man bereit ist, sie mit gläubigem Herzen zu lesen.

Damit wird endgültig klar, warum der neue Appell nicht Diakoninnen, Priesterinnen oder Bischöfinnen, sondern Kardinälinnen fordert. Das Kardinalskollegium ist ein historisch entstandenes Gremium der katholischen Kirche. Auch daß den Kardinälen die Aufgabe zufällt, den Papst zu wählen, hat sich aus der Kirchengeschichte entwickelt. Die geltenden Bestimmungen können daher von einem Papst geändert werden. Das ist richtig. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß jene, die diese Forderung erheben, nur aus taktischen Gründen eine neue Parole ausgeben. Daß Frauen keinen Zugang zu Weiheämtern haben, stand in der Kirche immer fest. Johannes Paul II. rief es 1994 „endgültig“ in Erinnerung. Das hat sich einigermaßen herumgesprochen, wenngleich sich gerade deutsche Bischöfe noch immer etwas schwerhörig stellen. Das progressive, immer unruhige Rudel ist einfach weitergezogen, man setzt den Hebel anderswo an, wo man sich mehr Erfolg verspricht, die kirchliche Ordnung und die Dogmen auszuhebeln. Wenn in der Kirche heute manchmal eine „Klerikalisierung“ beklagt wird, dann ist gerade der progressive Anspruch auf Zugang für alle zu den Weiheämtern und das progressive Drängeln im Altarraum wesentlich mitverantwortlich dafür.

Als Eberhard von Gemmingen von 60 Kardinälinnen träumte und Kardinal Kasper von Diakonissen

Der Appell kommt aus Deutschland. Am deutschen Wesen ist die katholische Kirche allerdings schon lange nicht mehr genesen. Es war aber der Jesuit Eberhard von Gemmingen, der frühere Leiter der deutschen Redaktion von Radio Vatikan, der in einem Interview (Il Messaggero) vor einigen Jahren sagte: „In der Sixtinischen Kapelle fände ich 60 männliche Kardinäle und 60 weibliche gut: warum soll man nicht träumen, daß 60 illustre Frauen der Kirche an der Wahl des Papstes mitwirken?“ Was von Gemmingen so harmlos hinwarf, hätte weitreichende Folgen, wie dem Jesuiten nicht entgangen sein konnte.

Die Medien schreiben seit der Wahl von Papst Franziskus eine „Wende“ herbei. Manche Kreise wittern Morgenluft und versuchen auf den Zug aufzuspringen und ihn in ihre Richtung zu lenken. Kardinal Kasper, wieder ein Deutscher, forderte einmal mehr auf der Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz eine Öffnung in Richtung Diakonissen (oder Diakoninnen?, da herrscht eine durchaus gewollte Unklarheit). Ein Interview des künftigen Staatssekretärs Pietro Parolin über den Priesterzölibat beflügelte weiter die Phantasien. In diesen Kontext reiht sich punktgenau der neue Appell für Kardinälinnen ein.

Aber in der Kirche gibt es kein demokratisches Wahlrecht, weder für Männer noch für Frauen.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Patheos

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1 Kommentar

  1. Es sind doch immer wieder die treudoofen Deutschen, die aufgrund Einfluss der 68er, solche unsinnigen Forderungen stellen und das mit völlig belanglosen gesellschaftlichen Entwicklungen begründen. Außerhalb Europas hört man solche Forderungen kaum. Es zeugt von einem nicht unerheblichen geistigen Armutseugnis, die tatsächlichen Probleme der Kirche zu übersehen. Bekanntlich hat Jesus Christus ausschließlich Männer in sein Apostelkollegium berufen, und darüber kann man sich nicht einfach hinwegsetzen!

    Schon Karl Steinbuch begründet in seiner „Kurskorrektur“, daß solche Probleme nicht mit organsiatorischen Mitteln lösbar sind. Genau das will aber die 68er Ideologie. Wer die Welt verändern will, dem bleibt nichts Anderes, als bei sich selber anzufangen. Es ist ja so schön bequem, sich in den Sessel zu setzen und die Anderen machen zu lassen.

    Die 68er und ihre Anhänger übersehen gerne, daß rein organistorische Lösungen immer eine deutliche Einschränkung der Freiheit verursachen.

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