Ein Komiker, ein Bischof und das Rätsel Franziskus

Der Komiker der Bischof und das Rästel Franziskus (Giacomo Poretti 1.v.r.)(Rom/New York) Einer der bekanntesten italienischen Filmschauspieler, Komiker und Kabarettisten, Giacomo Poretti, gab der katholischen Tageszeitung Avvenire ein Interview, das am 17. September veröffentlicht wurde. Darin schildert Poretti, Mitglied des berühmten Komiker-Trios Aldo, Giovanni e Giacomo, wie er wieder zum katholischen Glauben zurückgefunden hat.

Das Interview beendet er erstaunlicherweise mit einer Kritik an Papst Franziskus: „Mir scheint, daß man erst noch verstehen muß, wer dieser Papst ist. Als Vater erwarte ich mir von ihm, daß er mir hilft, mich in der Welt von heute zu orientieren. Wenn ich höre, daß es in Frankreich keinen Muttertag mehr geben wird, sondern ein Fest von ‚Elter 1‘ oder ‚Elter 2‘, dann würde ich gerne wissen, was der Papst darüber denkt.“

Päpstliche Zurückhaltung zu brennenden Themen wie Abtreibung und Euthanasie

Der Schauspieler und Komiker ist nicht der einzige, der angesichts der seltenen Worte von Papst Franziskus zu den entscheidenden Themen von Zeugung, Geburt und Tod ungeduldig ist. Vielen ist die „Zurückhaltung“ des Papstes zu den brennenden Themen Abtreibung und Euthanasie aufgefallen. Wenige äußern ihre Bedenken öffentlich. Einer von ihnen ist der amerikanische Bischof Thomas Tobin von Providence in Rhode Island (siehe eigenen Bericht US-Bischof: „Ich bin ein wenig enttäuscht von Papst Franziskus“).

Bischof Tobin wünschte im Interview für die Kirchenzeitung von Rhode Island vom Papst deutlichere Worte gegen die Abtreibung und mehr Ermutigung und Zuspruch für die Lebensschützer. Der Bischof kritisierte Papst Franziskus aber nicht nur wegen dessen Schweigen zum Unrecht des Massenmordes an ungeborenen Kindern, sondern ließ auch in weiteren vier Punkten Kritik anklingen. Kritik gilt dabei unter anderem den spontanen Aussagen von Papst Franziskus. Als „beklemmend“ bezeichnete es Bischof Tobin, daß der Papst so mißverständlich fomulierte, daß Gläubige – Bischöfe und Laien – anschließend gegen Mißdeutungen „erklären“ müssen, was er eigentlich sagen wollte.

Papst Franziskus und Homosexualität

Papst Franziskus sagte bei einer Pressekonferenz auf dem Rückflug vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro: “Wenn ein Mensch homosexuell ist und den Herrn sucht und guten Willen hat, wer bin ich, um sein Richter zu sein?“

„Das ist einer der am meisten mißverstandenen Sätze der jüngsten Kirchengeschichte. Diese einfachen Worte: „Wer bin ich, um sein Richter zu sein?“, wurden viele Male gebraucht und mißbraucht von jenen, die sie für ihre Interessen umbiegen wollen. Es ist aber klar, daß der Heilige Vater keine Absicht hat, die Lehre der Kirche zu ändern. Ich denke, daß jeder, der die Frage ernsthaft prüft, weiß, was er damit sagen wollte. Das Ganze hat aber dennoch in vielen Menschen, einschließlich Bischöfen und Kardinälen, eine gewisse Portion Beklemmung ausgelöst, erklären zu müssen, was der Heilige Vater mit seinen spontanen Kommentaren sagen wollte.“

Franziskus und die neue Rolle als Papst

„Es ist etwas ganz anderes, Erzbischof von Buenos Aires und römischer Papst zu sein, der Stellvertreter Christi, der Hirte der Weltkirche. Ich denke, daß es eine große Herausforderung für ihn ist, sich dieser Veränderung anzupassen und dabei seine Persönlichkeit und seine Präferenzen zu bewahren.“

Papst Franziskus und die Entscheidung im Domus Santæ Marthæ zu bleiben

„Das ist sicher eine anerkennenswerte Geste. Aus Gründen der Einfachheit und der Demut hat er nun aber zwei Gebäude besetzt statt einem einzigen, mit allen daraus folgenden Sicherheitsproblemen. Und als er beschlossen hat, im Sommer nicht nach Castel Gandolfo zu gehen, hatte er natürlich das Recht, das so zu tun, die Sache hatte aber eine Auswirkung auf die Bevölkerung von Castel Gandolfo, usw.“

Papst Franziskus und die Reform der Kurie und der Vatikanfinanzen

„Ich muß sagen, daß er sich bisher sehr langsam bewegt hat. Was er bisher konkret gemacht hat, ist die Ernennung von drei Kommissionen, etwas was viele Male in der Kirche getan wurde, jedes Mal, wenn es etwas zu prüfen gilt und versucht werden soll, etwas zu ändern. Es ist daher zu früh, um zu sagen, welche Veränderungen es wirklich geben wird und ob er wirklich fähig ist, eine substantielle Reform der zentralen Verwaltung der Kirche zu verwirklichen“, so Bischof Tobin.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Settimo Cielo

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Armin
Es ist in meinen Augen aber ein großer Irrtum zu vermuten, das es einen Unterschied macht, ob jemand als Laie, als Diakon, als Priester, als Bischof oder als Papst wirkt. Jeder einzelne von ihnen hat so gut es ihm möglich und von Gott dem Herr vorgesehen, in seiner Familie, in seiner Gemeinde, Diözese oder Bistum oder in der ganzen Welt, Gott dem Herrn, seinen Heiligen Willen und der Heiligen Tradition seiner Einen, Heiligen, Katholischen und Apostolischen Kirche zu dienen. Denn macht man dies nicht als Laie, so wird man es auch als Diakon, Priester, Bischof oder als Papst auch nicht… weiter lesen »
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