"One of Us – Einer von uns" schon unterschrieben? – Im deutschen Schattenreich geistiger Trägheit

One of Us - Einer von uns: Europäischer Bürgerpetition für den Lebensschutz startet in den Endspurt der Unterschriftensammlung(Berlin) Die Europäische Bürgerinitiative One of Us – Einer von uns startet mit der Unterschriftensammlung für eine Petition an das Europäische Parlament in den Endspurt. Katholisches.info unterstützt die Aktion seit ihrem Start. EU-weit konnten mit Stand vom 14. August bereits 885.013 der geforderten einen Million Unterschriften gesammelt werden. Die Möglichkeit einer EU-Bürgerpetition ist ganz neu. Die europäische Lebensrechtsbewegung nützte umgehend das neue Rechtsinstitut, um die Stimme für die ungeborenen Kinder zu erheben.

Die Hürden für eine Petition hat das Europäische Parlament hoch gesetzt. Es müssen mindestens eine Million Unterschriften gesammelt werden, damit die Petition vom zuständigen Ausschuß des Parlaments behandelt werden muß. Das allein genügt jedoch nicht. In mindestens sieben EU-Mitgliedsstaaten ist eine Mindestzahl an Unterschriften zu sammeln, die nach dem Bevölkerungsschlüssel berechnet ist. Eine Hürde, die allerdings bereits im Juni genommen werden konnte.

Während in manchen Ländern ein Vielfaches des erforderlichen Mindestsolls an Unterschriften gesammelt werden konnte, in Italien zum Beispiel mehr als das Fünffache, in Österreich mehr als das Doppelte, hinkt die Unterschriftensammlung in der Bundesrepublik Deutschland hinterher. Die im Oktober 2012 gestartete Aktion kam zwischen Flensburg und Kiefersfelden nur sehr zäh ins Rollen, doch nun scheint sie zu laufen. Zum Stand 14. August waren 43.441 Unterschriften eingegangen. Das von der EU festgelegte Quorum für Deutschland liegt bei 75.000. Der derzeitige Stand beläuft sich also auf 58,51 Prozent. Da bereits in sieben Staaten das Mindestquorum erreicht wurde, scheitert die Initiative nicht, sollte Deutschland unter seinem Quorum bleiben. Noch braucht es allerdings EU-weit fast 115.000 Unterschriften.

Die deutschen Organisatoren unter der tatkräftigen Koordination einer einsatzfreudig und geistreich handelnden Hedwig von Beverfoerde sind optimistisch, bis Oktober 2013 auch in Deutschland die nötigen Unterschriften zusammenzubringen. Inzwischen unterstützen auch etliche deutsche Bischöfe die Initiative. Den löblichen Auftakt machte der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke. Jüngst stieß auch Berlins Erzbischof Kardinal Woelki dazu und rief zur Unterschrift auf.

Der schleppende Verlauf der Unterschriftensammlung soll jedoch nicht schöngeredet werden. Er ist ein Symptom für den geistigen Zustand Deutschlands. Im Land des permanenten Holocaust-Gedenkens ist der tagtägliche Kindermord ein Tabu-Thema. Ein Paradox, das Bände spricht. Kaum war die Tötung ungeborener Kinder legalisiert, arbeiteten dieselben Kräfte, die das „legale“ Morden gefordert und durchgesetzt hatten, auf die Tabuisierung des Themas hin. Gemäß utilitaristischem Denken weiß zwar jeder darum, aber niemand will damit belästigt werden.

Das eingelullte Deutschland ist ein Gefangener der politischen Korrektheit geworden. Die späte Unterstützung der Bischöfe für One of Us – Einer von uns ist ein Teilaspekt, der das Symptom bestätigt. Nur höchst ungern stellen sie sich gegen den vorherrschenden gesellschaftspolitischen „Konsens“ der Mächtigen. Die aber wollen vom Thema Abtreibung nichts wissen. Entsprechend verhalten und selten ist die Stimme der Bischöfe gegen das herodianische Treiben zu hören, zumindest nie allzu laut in der großen Öffentlichkeit. Ausnahmen bestätigen die Regel, sind aber selten. Deutschland hat seit dem Tod von Erzbischof Dyba nicht einmal mehr einen Weihbischof Laun, den Österreich hat. Die Tatsache, daß der Salzburger Weihbischof nie Diözesanbischof wurde, geschweige denn Erzbischof von Salzburg und damit Primas Germaniae, sagt bereits alles aus.

Dasselbe bischöfliche Arrangement mit dem „Konsens“  gilt natürlich auch für die Laien. Trotz  großer Anstrengungen Einzelner ist die Lebensrechtsbewegung in Deutschland organisatorisch unterentwickelt. Von Eifersüchteleien und mangelnder Zusammenarbeit untereinander ganz zu schweigen. Gingen in Italien beim dritten Marsch für das Leben (2013) bereits 40.000 Menschen auf die Straße, waren es in Deutschland 2012 beim achten Marsch für das Leben (bis 2006 unter der Bezeichnung 1000 Kreuze für das Leben) erst 3000, wenn auch bei steigender Tendenz. 3000 Aufrechte, die den Samen der Kultur des Lebens in den verdorrten Boden der Kultur des Todes aussäen. Ein Samen, der Frucht bringen wird. Gewiß. Dennoch sprechen die Zahlen für sich.

Von der geistigen und organisatorischen Regheit Frankreichs oder der USA, ja selbst Italiens ist Deutschland geradezu Lichtjahre entfernt. Zwölf Monate lang darf laut EU-Vorgaben für die Bürgerpetition One of Us – Einer von uns gesammelt werden. Laut Bundeswahlleiter sind bei den Bundestagswahlen im September 61,8 Millionen Bundesbürger wahlberechtigt. Wenn also nach zehn Monaten erst 43.000 Unterschriften für den Lebensschutz geleistet wurden, ist das ein Armutszeugnis. Bestenfalls für die Chronik ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß Deutschland eigentlich nicht 75.000 Unterschriften (das ist lediglich ein formalrechtliches EU-Quorum), sondern laut Bevölkerungsschlüssel 150.000 von der einen Million Unterschriften beisteuern müßte.

Einstweilen gilt es, eine Million Unterschriften für die Petition zusammenzubringen, damit das Europäische Parlament gezwungen wird, sich mit dem Lebensschutz zu befassen. Helfen daher auch Sie mit, die Initiative zum Erfolg zu führen, unterschreiben Sie hier!

Text: Giuseppe Nardi
Bild: One of Us – Einer von uns

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2 Comments

  1. Schon vor Monaten habe ich unterschrieben und
    vor einigen Wochen an das Erzbistum Freiburg gemailt und angefragt, ob und wann es auch eine Unterstützung dieser Aktion seitens Erzbischof Zollitschs gibt.
    Erst vergangene Woche gabs eine 08/15 Antwort.
    Jetzt endlich, wie ich höre, hat er sich aufgerafft, zur Unterschrift aufzurufen.
    Allerdings, ein Christ sollte nicht warten, bis Bischöfe dazu ermuntern, zu tun, was notwendig ist.

    Am heutigen Hochfest Mariens ist mir wieder einmal aufgefallen, wie schon so oft, dass unter den Fürbitten nie oder selten welche darunter sind, die das Thema Abtreibung behandeln.
    Selbst fromme Priester machen einen weiten Bogen um dieses tausendfache Drama.
    An Bitten um „Bewahrung der Natur“ herrscht kein Mangel.
    So wichtig diese Bitte auch sein mag – allmählich hängt mir dieser Begriff zum Hals heraus.

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