Katholisches.info überholt Katholisch.de das Internetportal der Bischöfe – Stichworte zur katholischen Medienarbeit

Vergleich Katholisches.info und Katholisch.de: Einige Anmerkungen zur offiziellen Medienarbeit der katholischen Kirche im deutschen Sprachraum(Bonn) Katholisches.infoDas Magazin für Kultur und Kirche hat erstmals mehr Besucher und Seitenzugriffe als das Internetportal Katholisch.de der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). So zumindest laut Alexa-Ranking. Am 23. Juli erreichte Katholisches.info Platz 17.106 in Deutschland, das Onlineportal der Bischofskonferenz Katholisch.de hingegen Platz 17.608. Anlaß für einen Kostenvergleich und einige weitere Anmerkungen zur offiziellen Medienarbeit der katholischen Kirche in Deutschland (die aber durchaus auch für den übrigen deutschen Sprachraum, vor allem Österreich gelten).

Die Zahlen sind ständig in Bewegung, die Berechnungsgrundlagen von Alexa durchaus umstritten und es gibt katholische Internetseiten, die noch mehr Zugriffe und bessere Plätze einnehmen, keine Frage. An dieser Stelle soll auch gar nicht auf die endemisch verbreitete Unsitte aufgeblasener Zahlenangaben eingegangen werden, die auch katholische Internetanbieter angekränkelt hat.1 Die tatsächlichen Zugriffe auf Katholisches.info werden von uns monatlich veröffentlicht. Im Zahlenvergleich kann sich damit jeder selbst seinen Reim auf die Angabenehrlichkeit machen. Um all das geht es uns an dieser Stelle aber gar nicht. Erwähnung soll der Vergleich dennoch finden, weil er einiges über die Lage der deutschen Kirche und ihr kirchensteuerfinanziertes System aussagt.

Symptomatisch ist ein Kostenvergleich: Das kirchenoffizielle Onlineportal Katholisch.de wird mit mehr als zwei Millionen Euro aus dem Medienetat der deutschen Bischöfe finanziert. Katholisches.info ist eine private, von katholischen Laien betriebene Seite, die jahrelang völlig ehrenamtlich und auf eigene Kosten betrieben wurde und inzwischen zur Professionalisierung und Sicherstellung des redaktionellen und technischen Dienstes einen Jahresaufwand von 20.000 Euro veranschlagt. Während die zwei Millionen Euro von Katholisch.de aus dem Kirchensteuertopf stammen, finanziert sich Katholisches.info durch Spenden. Mit knapp einem Prozent der Finanzmittel erreicht die im Vergleich kostenwinzige, aber mit Einsatz und Überzeugung vorangebrachte Seite Katholisches.info mehr als die offizielle, hundertfach teurere Zwei-Millionen-Euro-Seite Katholisch.de.

Unter den offiziellen kirchlichen Medienbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz und deren Beratern, so auch um Katholisch.de, wird betont, die offiziellen kirchlichen Medien müßten inhaltlich in einer imaginären „Mitte“ stehen und zudem – so scheint es – flexibel und anpassungsfähig an die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen sein. Der Rest wird als „Nischenmeinungen“ und „Nischenprodukte“ abgetan, die sich an den „Rändern“ bewegten. Dabei scheinen die Medienbeauftragten, und durch diese offensichtlich auch die Bischöfe, bewußt die Tatssache zu ignorieren, daß alle erfolgreichen nicht offiziellen, nicht kirchensteuerfinanzierten, ganz oder großteils spendenfinanzierten katholischen Medien akzentuiert katholischere Positionen einnehmen. Nicht zu vergessen sind dabei auch die zahlreichen glaubens- und kirchentreuen katholischen Blogger, die in Rom zumindest einige Beachtung finden, während sie in unseren Breiten offiziell übersehen werden.

Umso interessanter ist es, daß eine sich selbst als traditionsfreundlich bezeichnende Seite wie Katholisches.info das offizielle Angebot der katholischen Kirche im Internet überrunden kann. Katholische Internetnutzer, die sich mit religiösen Fragen befassen, gelten als „Menschen aus den Milieus Postmaterielle und Etablierte, die erstens internetaffin sind und zweitens ein überdurchschnittliches Interesse an religiösen Themen im Netz zeigen“. Ihre „Auseinandersetzung mit der Kirche ist emotional oder rational, aber in jedem Fall sehr engagiert.“2 Sollte dem so sein, und es spricht viel dafür, hätten die offiziellen Medienbeauftragten der katholischen Kirche in Deutschland und ebenso im übrigen deutschen Sprachraum ihre Medienarbeit gründlich zu überdenken: einmal in finanzieller Hinsicht (was teuer ist, muß noch lange nicht gut sein) und mehr noch in inhaltlicher Hinsicht (wenn man sich schon nicht unter den nicht-offiziellen katholischen Medienangebot bei uns umsehen will, wäre zumindest der eine oder andere Blick in die USA hilfreich).

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Katholisches.info/Katholisch.de Screenshots

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Zuwendungsübersicht
  1. Das kirchenoffizielle Onlineportal Katholisch.de erlebte im Vorjahr ein mit großem Aufwand betriebenes „Restyling“ und am 27. September 2012 mit neuen Möglichkeiten, Rubriken und graphischer Gestaltung einen „Neustart“. Laut IVW-Angaben 2012 hatte die Seite zuvor durchschnittlich 200.000 Besucher im Monat mit 800.000 Seitenaufrufen, s. Christian Klenk: Zustand und Zukunft katholischer Medien. Prämissen, Probleme, Prognosen, LIT-Verlag, Berlin 2013, S. 306. Seit dem Neustart heißt es, hätten sich die Zugriffe „deutlich“ erhöht. Und dennoch findet Katholisches.info offenbar größeres Interesse. []
  2. Sinus-Milieu-Studie zitiert nach Klenk: Zustand und Zukunft katholischer Medien, S. 309 []

7 Comments

  1. Katholisch.de ist überhaupt nicht zu empfehlen. Da gibt es Videos, die in heiterer Manier Jugendliche über fundamentale Aspekte des Glaubens aufklären sollen, und in einem Video, das die Jungferngeburt Christi erklären soll, fällt den Machern nichts besseres ein als stilisierte Kondome sich über die Geburt freuen lassen (oder so ähnlich). Ein anderes Video zeigt unkritisch eine „Jesus“-Figur vom Kölner Karneval, die ein „Funkemariechen“ mit der Hand unter dem Höschen hebt, usw. Es ist als ob Bruder Tuck aus dem Robin Hood Film das Sagen hätte 😉

  2. Der geldmäßige Vergleich zwischen Katholisch.de und katholisches.info hinkt natürlich, weil keine Personalkosten eingerechnet sind.

    Was aber bei .de fehlt, ist das Denken mit der Kirche. Lieber pflegt man seinen vom Geist des Konzils verursachten Defekt. Das macht den Unterschied.

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