Papst Franziskus empfängt Rabbinen: "Wegen gemeinsamer Wurzeln, kann ein Christ nicht Antisemit sein!"

Papst Franziskus jüdische Vertreter nach Amtseinführung(Vatikan) „Wegen unserer gemeinsamen Wurzeln kann ein Christ nicht Antisemit sein.“ Dies sagte Papst Franziskus heute, Montag, bei der ersten offiziellen Begegnung des katholischen Kirchenoberhauptes mit dem International Jewish Committee for Interreligious Consultations (IJCIC). Im Zusammenhang mit der Vertiefung der christlich-jüdischen Freundschaft erteilte Papst Franziskus der Gender- und Homo-Ideologie eine Absage, indem er ausdrücklich und an erster Stelle auf die Verteidigung der menschlichen Würde von Mann und Frau als Ebenbild Gottes verwies. Erst an zweiter Stelle sprach der Papst in diesem Zusammenhang vom Frieden, der zudem „zuallererst ein Geschenk Gottes“ sei.

Der Papst sprach gegenüber der Delegation von Rabbinen aus aller Welt, die er mit Shalom begrüßte, von den Juden als „ältere Brüder“. In seiner kurzen Ansprache betonte der Papst die langen freundschaftlichen Beziehungen zwischen Christen und Juden und ermutigte, auf diesem Weg fortzufahren.

Israels Staatspräsident Shimon Peres war das erste Staatsoberhaupt, das Papst Franziskus unmittelbar nach dessen Wahl eine Einladung zu einem Staatsbesuch ausgesprochen und das katholische Kirchenoberhaupt in das Heilige Land eingeladen hatte.

„In diesen ersten Monaten meines Amtes hatte ich bereits Möglichkeit, illustre Persönlichkeiten der jüdischen Welt zu treffen, dennoch ist das die erste Gelegenheit mit einer offiziellen Gruppe von Vertretern jüdischer Organisationen und Gemeinschaften zu sprechen“, sagte Papst Franziskus.

Für den Papst hat der „regelmäßige Dialog“ zwischen Juden und Christen dazu beigetragen, „das gegenseitige Verstehen und die freundschaftlichen Bindungen“ zu stärken. „Die Kirche anerkennt, daß die Anfänge ihres Glaubens und ihrer Erwählung laut dem göttlichen Heilsgeheimnis sich bereits in den Patriarchen, in Moses und in den Propheten finden und was das jüdische Volk anbelangt, erinnert das Konzil an die Lehre des heiligen Paulus, laut dem ‚die Gnade und die Berufung die Gott gewährt, unwiderruflich sind‘. Wegen unserer gemeinsamen Wurzeln kann ein Christ nicht Antisemit sein!“

Der „Dialog“ und das „gegenseitige christlich-jüdische Verständnis“ der vergangenen Jahrzehnte habe ein freundschaftliches Verhältnis geschaffen, das für die Zukunft der Menschheit unerlässlich sei und „das unser gemeinsames Zeugnis für die Achtung der Würde von Mann und Frau verlangt, die nach dem Antlitz und dem Ebenbild Gottes geschaffen sind, und für den Frieden, der zuallererst seine Gnade ist.“

„Papst Franziskus ist ein ausgezeichneter Freund des jüdischen Volkes und wir freuen uns über die Tatsache, daß er das Werk seiner Vorgänger voranträgt, damit sich die Beziehungen zwischen Katholiken und Juden weiter vertiefen“, erklärte Rabbi David Rosen, der Direktor für interreligiöse Angelegenheiten des American Jewish Commitee, einer führenden Mitgliedsorganisation des IJCIC.

Papst Franziskus verfügt über eine große Erfahrung im Verhältnis zur jüdischen Welt. In Buenos Aires gehörte Rabbi Abraham Skorka zu seinen Freunden. Mit ihm veröffentlichte er ein Gesprächsbuch. Skorka besuchte den Papst vor wenigen Tagen im Vatikan.

Umstritten ist, daß er als Erzbischof von Buenos Aires durch mehrere Jahre hindurch, zuletzt 2012, der freimaurerähnlichen jüdischen Loge B’nai B’rith eine katholische Kirche zur Verfügung stellte, um in einer rituellen Form der Holocaust-Opfer zu gedenken (siehe eigenen Bericht).

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Una Fides

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29 Comments

  1. Eine Lüge,katholiken haben keine gemeinsame Wurzeln mit Juden.Schade, dass Bischof von Rom weiss das nicht !!!

  2. Also das mit den „älteren Brüdern“ kapiere wer will.
    Wer war denn zuerst da? Der Glaube dieser Juden oder der wahre Glaube?
    Das Judentum ist doch ein Abfall von der wahren Religion Daher müssten die Juden wenn überhaupt als Geschwister, dann als jüngere Geschwister angesprochen werden.
    Schließlich sind die Katholiken die Nachfolger des Bundsvolkes! Mit dem neuen wurde der alte Bund ja schließlich aufgehoben. Alles andere wäre unsinnig.

  3. Wir alle haben eine gemeinsame Wurzel, denn wir alle stammen von Adam und Eva ab, muss ich nun alle Irrlehren, Irrglauben umjubeln und in aller Ruhe zusehen wie immer mehr unsterbliche Seelen Gott dem Herrn verloren gehen?? Es gibt nur Eine, Heilige, Katholische und Apostolische Kirche und – Die Zugehörigkeit zur Kirche ist für alle Menschen heilsnotwendig. Also glaubt man im Vatikan noch an diese Glaubenswahrheiten??

    Gottes und Mariens Segen auf allen Wegen

  4. Das ist eigentlich nicht schwer verständlich – weil Gott tatsächlich seine Treue und seine Versprechen nicht aufkündigt. Ja, Israel hat Jesus mehrheitlich verworfen. Dennoch ist es das alte Bundesvolk. Wo steht, dass das aufgehoben ist? Das heutige Judentum tradiert ja nicht was völlig anderes als das alte Israel!!! Manche schreiben hier, als sei das so, aber das ist doch unredlich. Dass durch Jesus ein neuer Bund geschlossen wurde, der den Heilsweg für die ganze Welt öffnet, ist unser Glück – nicht unser Verdienst.
    Man lese noch einmal den Brief an die Hebräer.
    Die Tatsache, dass Gott seine Versprechen nicht bricht, sagt uns, dass es zwar richtig ist, dass die Juden Jesus verworfen haben und bis heute nicht erkennen. Deshalb werden sie in der Kunst als Frau mit einer Binde vor den Augen dargestellt – als Blinde.
    Wenn die, die hier meinen, die Juden seien nicht mehr Gottes erste Liebe, ihre Ansicht konsequent weiterführen würden, müssten sie zugestehen, dass auch die Kirche längst verworfen sein müsste…
    Mit Israel geht Gott einen eigenen Weg, er liebt es immer noch, das steht außer Frage. Dass es allerdings ein Fehler ist, zu meinen, Israel müsste sich nicht zu Jesus bekehren, steht auch fest. Heißt es nicht von ihnen, dass sie den erkennen werden, den sie durchbohrt haben und um ihn wehklagen werden wie um den einzigen Sohn? Kein wahrer Katholik kann diese Zukunftsperspektive einfach ignorieren – es ist Schriftwort. Insofern hat F. recht: ein wahrer Katholik kann kein Antisemit sein. Aber er kann für die Juden beten, für ihre Bekehrung beten, denn sie sind und bleiben sein erstes Bundesvolk. Und er wird den Juden den aus ihrer Mitte, den sie abgelehnt hatten, Jesus, bezeugen.
    Ich freue mich auf den Tag, an dem diese Augenbinde runterrutscht und wir wirklich Brüder und Schwestern, vollständige Geschwister sein werden, nicht mehr bloß „Halbgeschwister“.

    • Zeitschnur, die Protestanten tradieren auch bestimmte Teile der kirchlichen Tradition. Aber sind sie deswegen Teil der Kirche? Ganz besonders kritisch ist aber die Formulierung „ältere Brüder“ mit Bezug auf moderne Juden zu sehen. Unsere älteren Brüder sind das Volk Israel des Alten Testaments. Das ist aber eindeutig der Vorläufer der Katholischen Kirche. An wem hat sich die Verheißung an Abraham erfüllt, dass seine Nachfahren zahlreich wie die Sterne am Himmel sein werden? Richtig! An der Kirche Gottes.

      • Verehrter arrow, das bestreite ich ja gar nicht, wenn Sie genau lesen. Aber dennoch ist die Geschichte der Juden mit ihrem Gott noch nicht zu Ende. Eben weil Gott es ihnen versprochen hat – auch wenn sie Jesus nicht erkannt haben. Sie werden ihn erkennen – das ist geweissagt in Sachaja 12. Warum kann man das nicht stehenlassen?
        Ich habe an keiner Stelle gesagt, dass sie Teil der Kirche sind.
        Bitte, lesen Sie doch genau, was ich geschrieben habe – ich habe Schwierigkeiten, wenn man mir eine Ansicht unterstellt, die ich nicht habe…
        Aus allem Schriftwort geht hervor, dass Gott mit den Juden noch nicht „fertig“ ist, er liebt sie immer noch, weil sie die Nachfahren Abrahams sind und bleiben.
        Das ist mit dem Protestantismus nicht vergleichbar. Sie belieben hier Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Der Protestantismus ist ein Abfall vom wahren Glauben, der bereits bekannt war!!!
        Israel dagegen hat den Messias, auf den es wartet, nicht erkannt. Das ist sachlich etwas anderes.
        Wenn uns ein Jude begegnet, können wir als Christen nicht so tun, als wäre da nichts gewesen, als wären das Leute wie Japaner oder Indianer für uns (in geistlicher Hinsicht). Das sind sie definitiv nicht. Hier ist eine andere Beziehung, und wir verdanken diesem Volk Jesus.

      • „weil sie die Nachfahren Abrahams sind“…?
        Kapier ich wieder nicht.
        Die Nachfahren Abrahams sind doch wir Katholiken, oder?

      • Den alten Bund hat Gott mit einem realen Volk geschlossen, das einen Stammvater hat, Abraham, und eine Stammmutter, Sara. Zwar sind wir „geistig“ die Nachfahren Abrahams, aber es gibt auch diesen Aspekt der leiblichen Nachfahren. Und das sind die Juden immer noch – das ist nicht einfach in Luft aufgelöst. Sie haben sozusagen den rechten Moment verpasst, nicht erkannt, als in ihrer Mitte der Heiland geboren wurde und lebte. Jedenfalls die meisten haben den Moment verpasst. Aber Gott lässt sein erstes Bundesvolk nicht einfach fallen. Es ist immer noch sein Volk und versteht sich selbst ja auch so – aber aus dem Irrtum heraus, der Messias komme erst noch.
        Die ganze Geschichte Israels ist ein Hin und Her: Israel wird untreu, aber Gott ist treu. Warum sollte das nun anders sein? Israel hat Deportationen in die Nachbarkländer, Exil, Vertreibung, alles mögliche erlebt, und doch hat Gott es nicht untergehen lassen wie andere vergleichbare Völker. Und die Propheten sprechen ja auch eindeutig davon, dass sie am Ende Jesus erkennen werden. Israel ist der verlorene Sohn, den sein Vater nicht aufgehört hat zu lieben…
        Allerdings ist jede Haltung falsch, die meint, für die Juden gehe es sozusagen auch „ohne Jesus“. das wäre in der Tat eine Irrlehre…

        Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wie man das nicht verstehen kann… Die ganze Schrift ist voll von diesen Gedanken…

      • Also ist ein Jude, der sich zum rechten Glauben bekehrt, ein geistiger Nachfahre Abrahams und ein Jude, der den rechten Glauben verwirft, ein leiblicher? Und was ist mit einem Katholiken, der sich zum Judentum bekehrt? Der ist dann ein ehedem geistiger Nachfahre Abrahams und nunmehr ein leiblicher?

  5. Die Juden („die“ Juden gibt es so eigentlich nicht) von heute haben nichts mit den Judäern des ersten Jahrhunderts zu tun. Die Judäer, die sich an den Alten Bund hielten, so wie die Heiligste Maria, hielten sich entsprechend an die Gesetze. Blut war ihnen verboten. Heute haben viele Judensekten sich ihren eigenen, unbiblischen Reim auf das AT gemacht und eigene Gesetze hinzugefügt (Babylonischer Talmud). Blutsaugende Rabbis sind ein Phänomen des Jetzt: http://nypost.com/p/news/local/circumcisers_kiss_of_death_S20ek2gmCGjA5432IvveMI
    Auch waren die Juden damals vom Blut gesehen wohl eher semitisch. Sie heirateten in der Regel nur unter sich.

    „Abgesondert sind sie beim Essen, getrennt beim Schlafen […] enthalten sie sich des Geschlechtsverkehrs mit fremdländischen Frauen;“ (Tacitus über die Juden (Exkurs, Historien 5, 1 – 10))

    Heute sind die Ashkenasischen Juden blauäugig, weiß, gar nicht mehr wie man sich einen Abraham, Jonah, Eliah vorstellt und es hat so viel Vermischung unter den Völkern stattgefunden, dass man meiner Meinung nach nicht danebenliegt, wenn man sagt, dass jeder irgendwo in seiner Ahnenreihe einen Tropfen „jüdischen“ Blutes hat.
    Der Alte Bund ist erneuert mit dem Neuen Israel. Das Neue Israel (Katholische Kirche) ist im Bund mit Gott. Die Übertreter haben nichts mehr mit dem Volk Gottes zu tun.

    Hos 4,6 „Weil du die Erkenntnis verworfen hast, / darum verwerfe auch ich dich als meinen Priester. Du hast die Weisung deines Gottes vergessen; / deshalb vergesse auch ich deine Söhne. Je mehr sie wurden, / umso mehr sündigten sie gegen mich. / Ihre Ehre tauschen sie ein gegen Schande.“

  6. Auch wenn die Bezeichnung von den „älteren Brüdern“ immer wieder gebraucht wird – sie ist verwirrend, trifft nicht den Kern. Aber das ist wohl typisch für unsere Zeit, unsere Zeitgeistkirche.

    In der Feier der Osternacht, dem Exsultet, singt die Kirche unter anderem…“Dies ist die Nacht, da Du einstens unsere Väter, die Söhne Israels, herausgeführt aus Ägypten….“
    Es wird deutlich: Der Neue Bund hat sich aus dem Alten Bund entwickelt, die „Söhne Israels“ werden als „unsere Väter“ bezeichnet.
    Es wurde schon gesagt, ich wiederhole es: Dieses Volk Israel besteht nicht mehr. Das Neue Israel ist die katholische Kirche.
    Es gibt eine Gruppe von Juden, die ich gern als „Brüder“ bezeichnen würde, die „messianischen Juden“. Sie glauben an Jesus Christus als den Messias. Deshalb werden sie so gut wie totgeschwiegen. Sie stören sowohl die EKD als auch die katholische Kirche, weil sie dem „Judentum“ verhasst sind. Sie stören die Ökumene, den Dialog der Religionen. Zu evangelikalen Gruppen haben sie gute, herzliche Kontakte.
    Wenn ich von „Brüdern“ spreche, dann unter dem Vorbehalt, dass ich nicht mehr weiß, was sie genau lehren, als hier in dem Kommentar steht.
    Wenn ich von der Abstammung absehe, ist es mir nicht möglich, eine Glaubensgemeinschaft, die Jesus Christus ausdrücklich ablehnt, als „Brüder“ zu bezeichnen.
    Natürlich berechtigt das zu keinem Antisemitismus. Leider muss man heutzutage diesen Satz automatisch hinzufügen, weil sonst die Antisemitismus-Keule droht. Auch wenn man damit nicht das Geringste zu tun hat.

  7. In der offiziellen Version (http://www.vatican.va/holy_father/francesco/speeches/2013/june/documents/papa-francesco_20130624_international-jewish-committee_en.html) ist von „älteren Brüdern“ keine Rede.
    Wären die heutigen Juden, wie es JohPaul II. meinte, unsere „älteren Brüder“ (was ja schon zeitlich gar nicht stimmt), dann müsste sich das Christentum ja an ihnen orientieren?

    Die Rede von den „älteren Brüdern“ wird auch von Juden selbst zurückgewiesen, teils, weil sie damit eine Art Verlust des Erstgeburtsrechtes ausgedrückt sehen, teils, weil nicht mehr das Alte Testament, sondern vor allem der Talmud – bedingt auch durch die Abgrenzung zum Christentum – die entscheidende Rolle spielt.

    Das Judentum in der heutigen Form wird so als nachchristliche und damit jüngere Religion als das Christentum gesehen (vgl. z.B. Jacob Neusner 1991, Judaism in the Matrix of Christianity).

  8. Es scheint schwer zu sein, sich hier verständlich zu machen… auch finde ich Äußerungen wie die von keinname regelrecht rassistisch, wie z.B. das mit den „Blutsaugern“ oder den blonden, blauäugigen Juden, die rassisch keine mehr sein können.
    Da ich hier als eine der wenigen mit offenem Visier schreibe, möchte ich mich von solchen eines Katholiken unwürdigen Sätzen ausdrücklich distanzieren.

    Die traditionelle Karfreitagsfürbitte sagt über die Juden, sie seien treulos (perfides), weil sie Jesus verworfen haben. Aber um ihre Bekehrung wird gebetet…:
    „Allmächtiger ewiger Gott, du schließest sogar die treulosen Juden von deiner Erbarmung nicht aus; erhöre unsere Gebete, die wir ob der Verblendung jenes Volkes vor dich bringen: Möchten sie das Licht deiner Wahrheit, welches Christus ist, erkennen und ihrer Finsternis entrissen werden. Durch ihn, unseren Herrn.“ (Lateinische Version und die Diskussion in der Geschichte http://de.wikipedia.org/wiki/Karfreitagsf%C3%BCrbitte_f%C3%BCr_die_Juden#Tridentinische_Fassung_.281570.29)
    Diese Bitte wäre unsinnig, auch der schwere Vorbehalt gegenüber den Juden, wenn sie nicht immer noch als das alte Bundesvolk betrachtet würden und betrachtet werden müssten.
    Formulierungen wie bei Cuppa „Dieses Volk Israel besteht nicht mehr“ sind angesichts dieser Karfreitagsbitte eine Verneinung dessen, worum die Kirche seit Jahrhunderten gebetet hat: dass nämlich sein erstes Bundesvolk, das zwar zerstreut, aber eben nicht zerstört wurde (!!!), doch endlich seine mörderische, niederträchtige Haltung gegenüber Jesus aufgeben und ihn erkennen möge als den Herrn, den sie durchbohrt haben.

    Wenn die Juden sich bekehren werden, wie es ja einzelne immer wieder tun (Edith Stein, Jean-Marie Lustiger etc.), dann werden sie in den neuen Bund eingehen und sich mit Schmerz und Stolz zugleich ihrer Herkunft erinnern. So jedenfalls ist es bei allen erkennbar, die vom Judentum zum katholischen Glauben kommen.

    • Bei allem Respekt Zeitschnur! Mir scheint, dass Sie hier am ehesten rassistische Gedanken haben. Sie unterstellen den heutigen Juden blutsmäßige Nachfahren Abrahams zu sein. Keinname hingegen sagt realistischerweise, dass im biologischen Sinne sehr viel mehr Menschen heutzutage diesen Blutlinien zuzurechnen sind, so dass es keinen Sinn hat, zwischen einer leiblichen Nachkommenschaft Abrahams der Juden und einer geistigen Nachkommenschaft Abrahams der Katholiken zu unterscheiden. Weil alle irgendwo leibliche Nachkommen Abrahams sind, zählt allein die geistige Nachkommenschaft!

      • Das Kriterium, das die Juden selbst nennen bzgl. der Frage, wer ein Jude ist, lautet: wer eine jüdische Mutter hat (damit ist in erster Linie eine religiöse Jüdin gemeint – aber auch ein Mensch, dessen Mutter konvertierte oder areligiöse Frau jüdischer Herkunft ist, wird hier rechtmäßig als „jüdische Mutter“ anerkannt).
        Was keinname hier phantasiert, stammt aus der Hexenküche der Rassentheoretiker, und auch Sie, verehrter Arrow, haben hier offenbar keinen freien Blick auf die Sache.
        Ob ich einem Volk angehöre, ist immer eine komplexe Frage – es ist die leibliche Abstammung von denen, die vor mir zu diesem Volk gerechnet wurden – auch wenn da vielleicht „Fremde“ hinzukamen. Nur Rassisten rechnen hier Blutstropfen auf! Und es ist die Zugehörigkeit in eine bestimmte, über die Jahrhunderte entwickelte Kultur und Sprache, eine bestimmte geistige Welt, die dieses Volk kennzeichnet. Scharfe Abgrenzungen gibt es für Leute, die keine Rassisten sind, hier nicht, weil die Ränder von „Völkern“ immer unscharf sind. (Die Frage, was überhaupt ein „Volk“ ist, hat uns vor Augen geführt, dass rassistische oder nationalistische Volkstheorien nur zu entmenschten Fiktionen führen.) Schon im AT wird beschrieben, wie Fremde hinzukommen zum Volk Israel. Sie kennen alle die Bibel nicht, wie ich geschockt feststellen muss! Lesen Sie den Schluss des Esther-Buches (z.B.). Bundeszeichen ist die Beschneidung – keine Blutstropfen oder sonstiges.
        Es geht schlicht darum, dass Gott treu ist, wo wir untreu sind – das gilt auch für Israel. Natürlich sind die heutigen Juden Nachfahren des alten Israel. Sie sehen sich sehr wohl so. Dagegen spricht auch nicht die Entwicklung seit 70 n. Chr. – es ist doch absurd, die Realität eines Volkes auf ein Datum festzufrieren, nach dem Motto: ab dann war das nicht mehr dasselbe Volk.
        Es ist dasselbe Volk, natürlich 2000 jahre später, und Gott liebt es und sie werden ihren Bruder, den sie gekreuzigt haben, erkennen.

      • Aber dann ist es doch vollkommen unstreitig, dass die Katholiken allein das wahre Bundsvolk sind!
        Sind wir jetzt wieder am Anfang der Debatte? Lesen Sie bitte auch nochmal meine anderen Anfragen weiter oben und weiter unten.
        Danke!

  9. Meine Feststellung bezog sich auf die Geschichte: Erst nach der Zerstörung des Tempels, nach der endgültigen Vertreibung der Israeliten wird vom Judentum gesprochen, nicht mehr vom Volk Israel. An die Stelle der Opfer im Tempel ist das Opfer Jesu Christi getreten. Mehr wollte ich nicht sagen, und mehr habe ich nicht gesagt.
    Wenn ich „das Judentum“ nicht als „Bruder-Religion“ ansehe, dann hat das rein inhaltliche Gründe. Meine Aussage richtete sich kritisch gegen die kirchlichen Würdenträger, die immer wieder von den „älteren Brüdern“ sprechen, obwohl das inhaltlich nicht zutreffend ist. Es scheint unabänderlich, dass man sich bei diesem Thema moralisch immer zu rechtfertigen hat.

  10. Nachtrag:
    Die Unterscheidung zwischen „dem Volk Israel“, mit seinem zentralen Heiligtum, dem Tempel zu Jerusalem und dem entsprechenden Kult und dem „Judentum“ nach der Zerstörung des Tempels und der Vertreibung aus dem Land Israel, wird von Juden selbst getroffen. Sie beruht nicht auf irgendeiner „christlichen Spitzfindigkeit“.
    Ich weiß: Historische Tatsachen haben es sehr schwer gegen das Gutmenschentum…

    • Hallo Cuppa, ich bin kein Gutmensch, und das wissen Sie ganz genau! Aber denken Sie doch mal an die Zeit der Exile, die schon im AT beschrieben werden. Auch da gab es keinen Tempel und kein Tempelopfer. Es war aus der Sicht der frommen Juden aber eine Interims-Zeit, quasi bis sie wieder opfern können in jerusalem. Viele fromme Juden sehen das auch heute so. Sie haben die Zukunftsvision, dass sie in Jerusalem wieder einen Tempel haben werden und dort die rituellen Opfer durchführen werden.
      Will sagen: die Zeit des Exils ohne Tempel und ohne Opfer gehört schon in die Geschichte des alten Bundesvolkes im AT. Ich sagte es ja schon: Israel ist immer wieder untreu, wird deportiert oder zerstreut und dann erbarmt sich Gott wieder und holt es wieder zusammen… bis zum nächsten mal. Ein großes Bild für das untreue Herz des Menschen. Die Kirche weist kaum ein besseres Bild auf, übrigens. Sie leiden ja selbst so sehr darunter, oder?
      Ich wollte sagen, dass das alte Bundesvolk immer noch Bundesvolk ist, weil Gott treu ist, wo wir untreu sind. Dass die Sünde Israels schmerzhaft, dass man unentwegt weinen könnte, ist wahr – es ist das Bild meiner eigenen großen Schuld, die Jesus ans Kreuz gebracht hat („Mea maxima culpa“).
      Das Volk Gotte sist erweitert worden in Christus auf die ganze Welt und hat seinen sichtbaren Ausdruck in der einen katholischen Kirche, ganz gewiss! Aber mit dem alten Bundesvolk, dem wir andererseits alles (Jesus!) verdanken un d das seine Sendung nicht versteht, verkennt, missachtet, ist Gott eben noch nicht fertig.
      Das sage ich nicht aus Gutmenschelei, sondern weil ich, würde ich es anders sehen, auch mir selbst und v.a. der Kirche die Chance, dass Gott uns immer wieder zurecht bringen wird, absprechen wird. Jesu Barmherzigkeit wird ganz sicher und ganz besonders auch und immer noch dem Volk gelten, aus dem er stammt.
      Mehr wollte ich nicht sagen.

      • Das Problem in dieser Debatte ist wie so oft das Fehlen klarer Begriffe. Wenn ich mir im Klaren darüber bin, was ein Jude ist, dann kann ich klarer darüber spekulieren, ob es noch irgendeine Erwähltheit dieses Juden neben der Erwähltheit der Katholiken gibt. Mir ist aber vollkommen unklar, nach welcher Definition von „Jude“ man noch von Erwähltheit der Juden sprechen kann. Nach der soziologischen, der religiösen, der volksmäßig-ethnischen? Ich vermute, dass seit Christus niemand mehr durch eine solche „Jüdischkeit“ erwählt wird, sondern dass der Herr allein nach dem Glauben auserwählt.

  11. Also, ich stehe selber nicht 100% hinter dem, was ich geschrieben hatte, in Bezug auf das mit der Rasse. Ich habe das, was ich ausdrücken wollte, unglücklich formuliert. Kern ist, dass die Juden sich als Erben Abrahams bezeichnen, was nicht so ist. Sie sind Erben der Pharisäer.

    „Sie kennen alle die Bibel nicht, wie ich geschockt feststellen muss! Lesen Sie den Schluss des Esther-Buches (z.B.). Bundeszeichen ist die Beschneidung – keine Blutstropfen oder sonstiges.“

    Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen Beschnittenen und Unbeschnittenen. Das lehrt der Apostel. Die Beschneidung ist vom Zeichen der Bundestreue heute nur noch zum Zeichen häretischer Sekten (Juden, Mohammedaner) geworden. Sie ist obsolet, genauso wie der Bund mit dem genetischen Israel. Ein Jude, der Christus bekennt (d.h. katholisch getauft wird) ist tatsächlich im Volke Israel. Ebenso ist das Schicksal aller Juden (die an ihren antichristlichen Lehren festhalten) die Hölle. Lesen Sie nochmal in der Bibel, aber nicht nach ihren eigenen Interpretationen.

  12. @Zeitschnur
    Wie @arrow schon betont, fehlen die klaren Begriffe.
    Sicher ist: Zu der Zeit, als der Apostel Paulus seine Briefe verfasste, gab es den Tempel, den Kult, das Volk Israel. Der Alte Bund existierte noch sichtbar. Der Apostel nimmt stets darauf Bezug, er hatte den Alten Bund sichtbar vor Augen.
    Als der Irrlehrer Marcion die Trennung vom Alten Bund forderte, hat die frühe Kirche seine Häresie ausdrücklich verurteilt. Die Kirche hätte sich ihres Fundamentes beraubt.
    Doch das Judentum hat den Talmud zum Zentrum der Lehre erhoben, hat sich vom „Alten Bund“, wie wir ihn im AT selbstverständlich kennen, mehr oder weniger gelöst.
    Sicher gibt es noch Gruppen, die vom Wiederaufbau des Tempels träumen, ihn ersehnen. Können wir uns im Ernst vorstellen, der Opferkult, das Darbringen von Tieropfern an Gott, könnte wieder aufgenommen werden?
    Der Tempel zu Jerusalem ist seit ca. 2000 Jahren zerstört. Diese historische Tatsache ist nicht mehr zu übersehen.
    Leider wird die kleine Gruppe der „messianischen Juden“ übersehen. Sie glauben an Jesus Christus als den versprochenen Messias. Doch sie werden totgeschwiegen. Sie passen nicht in den „interreligiösen Dialog“.

  13. Noch mal zusammenfassend auf alles, was einige vorher geantwortet haben:
    - Natürlich ist die katholische Kirche das neue Israel, das „wahre Israel“.
    - Das alte Israel („die Juden“) existiert immer noch, wenn auch in einer sehr verfremdeten Form (nach 2000 Jahren Entwicklung) – mal abgesehen davon, was wir über die seitherige Entwicklung denken, es gibt einfach die Juden. Und sie sind auch nur deswegen nach Israel zurückgekehrt, weil sie sich für ein Volk halten und natürlich für Gottes auserwähltes Volk. So sehen sie sich von alters her. Und wir können es ihnen nicht eifnach absprechen. Sie sind in einem anderen Bewusstseinsstand über das alles als die Christen. Die gläubigen Juden sehen sich nach wie vor als das auserwählte Volk – und darin liegen sie ja nicht einfach falsch.
    - Die Beschneidung war und ist (für die Juden, gemäß ihrer Tradition von Gott selbst eingesetzt) das Bundeszeichen.
    - Die Beschneidung ist seit Jesus nicht mehr notwendig – selbstverständlich!
    - Solange sie Jesus nicht anerkennen, verdienen sie einerseits unsere Achtung eben als Nachfahren derer, die uns unsere Grundlagen überliefert haben und andererseits unsere geistliche Distanzierung, wenn es um Jesus geht und alles, was daraus folgt.
    - Wir beten für ihre Bekehrung!
    - Wir erkennen in unserem Infiteor in ihnen uns selbst – ich habe Jesus ans Kreuz gebracht, ich!
    - @ cuppa: ja, da haben Sie wirklich recht, dass die Juden, die Christen werden, von allen Seiten abgelehnt werden. Von den Juden, weil sie „Abtrünnige“ sind, von der EKD, weil sie nicht mehr als Projektionsfläche für deren Philosemitismus herhalten und von der katholischen Kirche, weil sich hier eine seltsame Ablehnung der Judenmission eingespielt hat, die ich nicht verstehe. Wenn Jesus für alle gekommen ist, dann für alle.
    - Gott liebt sein altes Bundesvolk immer noch – mit seiner Geschichte als halsstarriges altes Bundesvolk eben – die Ungleichzeitigkeit von Gleichzeitigem…

  14. @Zeitschnur
    Nur ein sachdienlicher Hinweis: Es gibt eine Gruppe von Juden, die sich keiner christlichen Konfession angeschlossen haben, die nicht Christen werden wollen, sondern als Juden an Jesus als den versprochenen Messias glauben. Sie haben es innerhalb des Judentums enorm schwer. Sie werden unterstützt von evangelikalen Gruppen, haben zu ihnen gute, freundschaftliche Kontakte. Während sie von der EKD, auch von Rom, ignoriert werden. Es „darf“ sie nicht geben, sie stören den interreligiösen Dialog.

    • Ach so haben Sie das gemeint, das war mir nicht bekannt. Aber wie geht das dann praktisch: wird bei diesen Jesus-gläubigen Juden getauft, wer verleiht ihren sakramentalen Handlungen, sofern sie sie vollziehen, Autorität? Warum werden sie nicht Christen? Mich würden die Gründe dieser Juden interessieren, warum sie sich als Altes-Bundesvolk-Menschen auch nach einer Hinwendung zu Jesus fernhalten vom neuen Bundesvolk?
      (Dass die Evangelikalen, die ja selbst Sakramentenlehren welcher Art auch immer ablehnen ihnen dann besonders nahe stehen, könnte ich mir „logisch“ vorstellen…)

      Der Wahn, man müsse „festgefroren“ werden auf den Zustand, in den man hineingeboren wird, geht ja auf die Aufklärer zurück (v.a. Lessing & Co.). Demnach ist es wurscht, zu welcher Religion man gehört, man muss ihr treu sein, ohne in ihr den Vorzug zu sehen. Ach, das ist total absurd. Jeder Agnostiker ist da ehrlicher und schlüssiger… Es ist das Vorurteil, mit dem man schon lange jedem Konvertiten begegnet: Hilfe – da ist einer mal wirklich überzeugt davon, dass das hier das einzig Wahre ist.
      Und der moderne Philosemit braucht für seine sentimentale „Ich bin liberal – ich bin gegen rechts – ich bin kein Fundamentalist – Performance“ auf jeden Fall auch ein paar echte, althergebrachte Juden mit Kippa, Schläfenlocken und Kaftan, die in den Jeschiwot beim Beten hin und herwackeln. Meine Güte, die dürfen uns doch nicht wegbrechen und womöglich am Ende das Vaterunser beten und mit Rosenkränzen klicken, in Hose und Pullover, womöglich im Zölibat lebend und auf Missionsreise ins säkulare Deutschland unterwegs…

      …es sei denn, der tradtionsfreudige Katholik nimmt in Zukunft diese Rolle in der Performance ein…

  15. Es zählt ja die Verantwortlichkeit vor Gott. Die gottesfürchtigen Juden haben es mindestens genauso schwer wie gottesfürchtige Christen. Deshalb sollten wir auch für unsere älteren Brüder beten.

    • Also nochmal: Die Juden sind nicht unsere älteren Brüder. Dessen ungeachtet können Sie natürlich für ihre Bekehrung beten.

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