Neue Wurzacher Altarbilder – Von der Unfähigkeit Blasphemie zu erkennen und profanen vom sakralen Raum zu unterscheiden

Bad Wurzach Flügelaltar von Multscher Auferstehung: Manfred Scharpfs neue Altarbilder Unterscheidungsfähigkeit von profan und sakral verlorengegangen(Bad Wurzach) Der berühmte Wurzacher Flügelaltar von Hans Multscher (1400-1467), ein Meisterwerk der Spätgotik zeigt Szenen aus der Leidensgeschichte Christi und dem Lebens Mariens. Ein Teil ging 1797 verloren, als er von den vorrückenden französischen Revolutionstruppen in Sicherheit gebracht werden sollte. Erhalten sind heute nur noch die beiden Flügel mit acht Bildern, die in der Berliner Gemäldegalerie aufbewahrt werden.

Der Künstler Manfred Scharpf, der wie Multscher aus Schwaben stammt, wollte den alten Altar in moderner Form neu entstehen lassen. Das Ergebnis wurde im Schloß Bad Wurzach ausgestellt. Scharpf, ausgebildeter Kirchenmaler, wollte sich nicht mit der traditionellen Ikonographie der Kirche begnügen, sondern das „Leiden des modernen Menschen an seiner Umwelt, die ihm Not, Tod und Verderben bereithält“ darstellen. Das berechtigte Anliegen eines Künstlers. Mit sakraler Kunst hat es nichts zu tun, was auch Scharpf klar zu sein scheint: „Einen Altar zu malen würde ich mir nie anmaßen“, zitiert ihn die Stuttgarter Zeitung. Entsprechend heißt das Werk, das wie Multschers aus einem Zyklus von acht Bildern besteht: „Beatrice – Weg aus dem Dunkel“. Jener Beatrice, die der große mittelalterlicher Dichter Dante Alighieri verehrte und zur idealisierten, reinen Gestalt seiner Göttlichen Komödie machte. Beatrice stellt dem negativen Dreiklang Verkommenheit, Verderbnis, Tod den positiven Dreiklang Liebe, Güte, Mitgefühl entgegen.

Der Rest an Scharpfs Nachempfindung von Multschers Leidensdarstellung ist künstlerisches Wagnis. Nicht Maria, sondern Beatrice hält den toten Christus in den Armen. Die Dornenkrone besteht nicht aus Dornen, sondern aus Spritzen, wie sie Drogenabhängige gebrauchen. Christus trägt Turnschuhe. Die Gestalten vermischen sich in Scharpfs Vorstellung und Darstellung: Beatrice mit Maria, Jesus mit einem drogenabhängigen Strafgefangenen, den er kennenlernte und der im Gefängnis Selbstmord beging.

Die vier Szenen aus dem Leben Mariens sind reinste Blasphemie. Die unbefleckte Empfängnis ist eine Retortenproduktion, Marias Himmelfahrt ist eine Organtransplantation, die Gottesmutter wird als Prostituierte dargestellt und erlebt ihre Wiedergeburt als Barbiepuppe. Statt des von ihm im Zusammenhang mit Beatrice betonten Gegenentwurfs, den niemand reiner verkörpert als Maria, entstellt er ihn zur Unkenntlichkeit. Scharpf zeigt das Negative, das die Menschen ohnehin in der Welt tagtäglich erleben, erleiden, erdulden, selbst verursachen. Seinem Anspruch wird der Künstler nicht gerecht. Es fehlt der von ihm hervorgehobene positive Gegenentwurf.

Dunkle, schwach-violette Tafeln zeigen zudem als Teil des Gesamtkunstwerks Extremsituationen der Hoffnungslosigkeit, Zerstörung und des Todes vom KZ-Auschwitz, von Atommüll verseuchter Landschaft bis zu Folteropfern amerikanischer Soldaten im irakischen Abu Ghreb.

Scharpf hält Anspruch nicht stand: Er kommt über negativen Weltentwurf nicht hinaus. Das Sakrale bleibt ihm verschlossen

Schließlich scheint Scharpf seine eigene Erkenntnis über Bord geworfen zu haben und wollte sein Kunstwerk auch in der Bad Wurzacher Pfarrkirche St. Verena und damit im sakralen Raum zeigen. Dagegen aber wehrte sich Pfarrer Stefan Maier und das erfolgreich. Sein begründetes Nein legte er schriftlich vor und veröffentlichte es im Internet. Eine Kirche ist ein „Ort der inneren Einkehr“ und deshalb für die Ausstellung des Zyklus „nicht geeignet“. Der Pfarrgemeinderat hatte sich nach Besichtigung des Kunstwerks der Meinung des Pfarrers angeschlossen.

Maler Scharpf, dem der Unterschied zwischen profanem und sakralem Raum nicht so geläufig scheint, war empört. Er machte aus der Ablehnung eine Kritik an der Kirche. Der wirft er vor, „unfähig“ zu sein, „sich den drängenden Fragen unserer Zeit zu stellen“. Platter geht es kaum noch. Aber da Scharpf ein Künstler von internationalem Ruf ist, wollte er sich auch nicht mit Kritik an der deutschen Ortskirche begnügen. Wenn schon denn schon sollte auch seine Kritik gleich international sein. Seine Kritik, so der Maestro gelte der Pfarrei, der Ortskirche und der Weltkirche. Oder wie er es ausdrückte: Diese „Unfähigkeit der Kirche“ bestehe „nicht nur in Rom, sondern leider auch an der Basis“, wie die Stuttgarter Zeitung den Künstler zitiert.

Bescheidenheit sieht anders aus. Ein Fühlen mit der Kirche ohnehin. Der Künstler darf sich damit trösten, daß sein Werk noch Ende des Jahres in der baden-württembergischen Landesvertretung in Brüssel hängen wird. Da zeigt dann eine grün-rote Landesregierung ihr Kirchenverständnis. Sie tut dies mit einem Werk, das trotz anderslautendem Anspruch sich auf die Darstellung eines Negativentwurfs beschränkt, dafür eine biblisch-katholische Vorlage mißbraucht und zu einem blasphemischem Zerrbild verkommt.

Sakrale Kunst, die jedes Gotteshaus ziert, zeigt die göttliche Offenbarung, die biblische Glaubenswahrheit und Leiden und Sterben von Heiligen. Das ist immer jener grundlegend positive Gegenentwurf zum Entwurf dieser Welt aus Verkommenheit, Verderbnis und Tod, über den der Künstler leider nicht hinausgekommen ist. Wer sich für Manfred Scharpfs Schaffen und Werdegang interessiert, hier seine Homepage.

Text: Paix Liturgique/Giuseppe Nardi
Bild: Auferstehung, Bad Wurzacher Multscheralter, 1437

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1 Comment

  1. Die Kritik Scharpfs richtet sich bei genauerer Betrachtung gegen viele Auswüchse moderner Künstler: Schade, das moderne Kunst oft „unfähig“ geworden ist, „sich den drängenden Problemen unserer Zeit zu stellen“, nämlich auch die Frohbotschaft durch Kunstwerke auszudrücken!

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