Die „Konzilskirche“ – Die wahre Auffassung vom Erzbischof Lefebvre und die wirklichen Gefahren einer Instrumentalisierung

Burnand,Eugene (1850-1921)Vortrag von H. H. P. Jean-Michel Gleize FSSPX in Sitten im Wallis am 13. März 2013. Um dem Vortrag seinen eigenen Charakter zu erhalten, wurde der gesprochene Stil beibehalten.

Ein aktuelles Problem …

Dieser Vortrag hat zum Ziel, manche Zweideutigkeiten zu klären, welche sich als gefährlich erweisen könnten. Die sechs ersten Monate des Jahres 2012 sind etwas bewegt gewesen. Die sechs anderen Monate haben weder das Ende der Welt noch die der Priesterbruderschaft gesehen. Dennoch – und es ist offensichtlich – das Kapitel von Juli 2012 konnte nicht alle Stimmen vereinigen. In diesen Umständen ist es wohl verständlich, und bis zu einem gewissen Punkt sogar legitim, daß jeder nachdenkt, eine Bilanz der Ereignisse zieht und Besorgnisse verspürt, vielleicht sogar mit etwas Unzufriedenheit gemischt. Es ist aber kühn, Schlüsse zu ziehen, die zu weit gehen. Es wäre ein Mißbrauch und eine Ungerechtigkeit, solche Schlüsse als unfehlbaren Ausdruck der einzigmöglichen Wahrheit vorschreiben zu wollen. Diese Scheinwahrheit, welche die Geister in Unruhe versetzt, überall zu verbreiten, ist schädlich. Endlich und vor allem ist es gänzlich illegitim im Namen dieser Scheinwahrheit sich der Autorität zu widersetzen und ihren Rücktritt zu verlangen.

Das ist es aber, was geschieht. Hier und da, … das ist nicht so wichtig. Wichtig ist die Falle aufzudecken, um sich nicht in ihr zu verfangen. Die Falle besteht darin, dem Erzbischof Lefebvre den Bischof Fellay entgegenzusetzen und daraus zu schließen, daß die Oberen der Priesterbruderschaft St. Pius X. imstande sind, das Erbe ihres Gründers zu verraten. Konkret tritt diese Falle auf – einmal mehr – in der Gestalt eines Sophismus, d. h. eines falschen Gegensatzes, der aber als wahr erscheint. Dieser Gegensatz konkretisiert sich in einem Ausdruck: die „Konzilskirche“. Erzbischof Lefebvre hat die Existenz einer neuen Konzilskirche, einer offiziellen, liberalen und modernistischen Kirche immer herausgestellt, die er der wahren und sichtbaren katholische Kirche gegenüber stellte. Man sagt uns, daß Bischof Fellay diese Konzilskirche – er würde sogar diesen Ausdruck nicht mehr verwenden – heute nicht mehr anklagt und, ganz im Gegensatz dazu, daß er die katholische Kirche mit der gegenwärtigen Kirche identifiziert, die sichtbare Kirche mit der offiziellen Kirche. Dies wäre der Beweis, daß die Oberen der Priesterbruderschaft ein Abkommen wollen, daß sie uns in den Schoß des modernistischen Roms führen wollen. Wie steht es damit?

Die Texte

Die Auffassung von Erzbischof Lefebvre

Diese Auffassung kommt in den fünf folgenden Texten zum Ausdruck. Diese Texte sind der klarste und reifste Ausdruck der Auffassung von Erzbischof Lefebvre. Bis zum Ende seines Lebens hat er immer dieselbe Redeweise verwendet.

Erstens, in der „Erklärung von 1974“, die die Charta der Bruderschaft ist, stellt Erzbischof Lefebvre das immerwährende katholische Rom dem modernistischen Rom klar gegenüber1. Es gibt also zwei Rom und auch zwei Kirchen, nämlich die katholische Kirche und die Konzilskirche.

Zweitens, sich auf Fakten basierend, sagte 1975 Erzbischof Lefebvre, daß das Ergebnis der vom II. Vatikanischen Konzil eingeführten Reformen „eine neue Kirche, eine liberale Kirche, eine reformierte Kirche, ähnlich der reformierten Kirche Luthers“2 gewesen ist. Und 1976 wird er sogar sagen: „wir sind mit zweitausend Jahren Kirche und nicht mit zwölf Jahren einer neuen Kirche, einer Konzilskirche“3

Drittens, in einem Vortrag in Ecône im September 19884 , unterschied Erzbischof Lefebvre die offizielle Kirche von der katholischen Kirche, sichtbar dank ihrer Noten. Jene ist die Frucht des Konzils und diese ist die wahre Kirche. Es gibt also zwei Kirchen, die katholische, sichtbare Kirche, und die offizielle Kirche des Konzils. Erzbischof Lefebvre präzisiert sogar seinen Gedanken indem er sagt, daß man diese offizielle Kirche verlassen soll, wie man im eigentlichen Sinne eine Kirche verläßt: „Die offizielle Kirche also verlassen? Gewissermaßen ja, selbstverständlich. Das gesamte Buch von Herrn Madiran, „L’Hérésie du XXème siècle“, ist die Geschichte der Häresien der Bischöfe. Man muß also diese Umgebung der Bischöfe verlassen, wenn man seine Seele nicht verlieren will. Dies genügt aber nicht, denn in Rom selbst thront die Häresie. Wenn die Bischöfe häretisch sind (selbst ohne diesen Begriff in seinem kanonischen Sinne und mit seinen kanonischen Folgen zu nehmen), ist das nicht ohne den Einfluß Roms geschehen“.

Viertens, ein Jahr nach den Bischofsweihen in einem Interview mit der Zeitschrift Fideliter antwortete Erzbischof Lefebvre seinen Gegnern folgendermaßen: „Von welcher Kirche spricht man? Wenn es die Konzilskirche ist, so müßten also wir, die wir zwanzig Jahre lang mit ihr gerungen haben, weil wir die katholische Kirche wollen, jetzt in diese Konzilskirche eintreten, um sie sozusagen wieder katholisch zu machen. Das ist eine vollkommene Illusion! […] Wir sind natürlich gegen die Konzilskirche, die praktisch schismatisch ist, selbst wenn sie es nicht wahrhaben will. Praktisch ist sie eine dem Wesen nach exkommunizierte Kirche, weil sie eine modernistische Kirche ist.“5 Es gibt nach der Auffassung von Erzbischof Lefebvre zwei antagonistische Kirchen: die katholische Kirche und die Konzilskirche.

Fünftens, kurz vor seinem Tod hat sich Erzbischof Lefebvre in einem letzten Exklusivinterview für Fideliter wie folgt ausgedrückt: „Man darf sich keine Illusionen machen. Die Grundsätze, die heute in der Konzilskirche maßgebend sind, widersprechen immer offener der katholischen Lehre. […] Wenn sie sagen [Dom Gérard und die Bruderschaft St. Petrus], daß sie nichts preisgegeben haben, so ist das falsch. Sie haben die Möglichkeit preisgegeben, Rom entgegenzutreten. Sie können nichts mehr sagen. Sie müssen schweigen angesichts der Vergünstigungen, die ihnen gewährt worden sind. Es ist ihnen nicht mehr möglich, die Irrtümer der Konzilskirche anzuprangern.“6 Es gibt also nach der Auffassung von Erzbischof Lefebvre eine Konzilskirche, deren Haupt in Rom ist und deren Prinzipien der katholischen Lehre widersprechen. Diese Konzilskirche bildet also eine andere Kirche, von der katholischen Kirche verschieden. Der Gebrauch dieses Ausdrucks einer „Konzilskirche“ sieht sich also durch Erzbischof Lefebvre bis ans Ende seines Lebens bestätigt.

Die Auffassung vom Bischof Fellay

Zwei Texte wurden besonders hervorgehoben und durch die verschiedenen Personen, welche „nur das Wohl der Bruderschaft suchen“ unter die Lupe genommen.

Erstens, hat Bischof Fellay kürzlich gesagt7 , daß die gegenwärtige Kirche, als von den römischen Autoritätsträgern dargestellt, die wahre Kirche bleibt, diejenige die eine, heilig, katholisch und apostolisch ist: „Wenn man sagt: Extra Ecclesiam nulla salus – außerhalb der Kirche kein Heil, spricht man wohl von der heutigen Kirche. Es ist absolut gewiß. Wir müssen daran festhalten. […] Die Tatsache, daß wir nach Rom gehen, bedeutet nicht, daß wir mit ihnen einverstanden sind. Sie sind aber die Kirche. Und sie sind die wahre Kirche.“8 Und er betont es noch, indem er sagt: „diese Kirche, die keine bloße Idee ist, die real ist, die vor uns steht, die man katholische römische Kirche nennt, die Kirche mit ihrem Papst, mit ihren Bischöfen, die auch im Zustand der Schwäche sein können.“9 Heute kann man also nicht von der offiziellen Kirche sprechen, als von einer Konzilskirche, die eine andere wäre als die katholische Kirche.

Zweitens, Bischof Fellay hat ebenfalls erklärt, daß die heutige Kirche, welche die Priesterbruderschaft einschließt und weit über deren Rand hinausgeht, wohl diejenige ist, welche den Gläubigen den Glauben und die Gnade gibt: „Ist es uns bewußt, daß, wenn wir heute den Glauben haben, wenn wir diese Freude haben, den Glauben bekennen zu dürfen, es dank dieser konkreten Kirche ist… die in einem erbärmlichen Zustande ist. […] Und es ist nicht die Bruderschaft, sondern die Kirche, welche diesen Glauben gibt … und die heutige Kirche! Es ist die heutige Kirche, welche heiligt!“10 […] „Wenn wir den Glauben haben, es ist in dieser Kirche; wenn wir die Taufgnade erhalten, und auch alle anderen Sakramentsgnaden, es ist in und durch diese Kirche.“11 Es kann aber keine Konzilskirche geben, welche von der katholischen Kirche verschieden wäre und welche uns den Glauben und die Gnade wie diese geben würde. Würde man sich daher an diese wiederholten Aussagen des Generaloberen der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. halten, könnte man nicht mehr von der heutigen Kirche als von einer Konzilskirche sprechen, welche eine andere wäre als die katholische.

Ein bißchen Licht und Abstand

Von der Kirche spricht man wie von einem Ding; die Kirche ist aber kein Ding, das durch sich selbst existieren würde, wie eine menschliche Person oder ein Haus. Die Kirche ist eine Gesellschaft, und eine Gesellschaft ist eine Vielzahl von Personen, welche gemeinsam und unter der Leitung einer und derselben Autorität handeln, um ein und dasselbe Ziel zu erreichen. Die Kirche besitzt das dreifache Band der Einheit im Glauben, im Kult und in der Regierung. Wenn man folglich sagt „in der Kirche sein“ oder „nicht in der Kirche sein“, heißt dieser Ausdruck nicht, daß man sich in der Kirche wie etwa in einem öffentlichen Garten befindet. Er heißt, daß derjenige, der in der Kirche ist, in Beziehung zu den anderen Gliedern der Gesellschaft wie auch zu ihrem Haupt steht, und zwar in der Verfolgung ein und desselben Zieles, mittels des Bekenntnisses desselben Glaubens und mit demselben Kult und im Gehorsam derselben Regierung gegenüber.

Man spricht von Konzilskirche, insofern seit dem Vatikanum II ein „Orientierungswechsel“12 sich ereignet hat. Damit will man nicht ein Ding im Gegensatz zu einem anderen Ding bezeichnen, auch nicht eine Gesellschaft im Gegensatz zu einer anderen, sondern einen neuen Geist, der sich anläßlich des II. Vatikanischen Konzils in das Innere der Kirche eingeschlichen hat und der ein Hindernis zum Ziel der Kirche, d. h. zur Tradition ihres Glaubens und ihrer Sitten bildet. Und wenn man sagt, daß diese Gegenströmung sich in der Kirche ausübt, drückt man damit aus, daß diejenigen, die sich so in der Verfolgung eines dem Ziel der Kirche entgegengesetzten Zieles vereinigen, die Beziehung, welche sie mit den anderen Gliedern und mit ihrem Haupt in der grundsätzlichen Hinneigung zum wahren Gemeinwohl nicht offensichtlich gebrochen haben. Im besonderen Fall des Papstes, der sich selber an dieser Gegenströmung beteiligt, bedeutet es, daß er nicht offensichtlich aufgehört hat, Papst zu sein. Obwohl er, sofern er so handelt, wie er es tut, dem Ziel der Kirche ein Hindernis in den Weg legt und die Tradition behindert, bleibt seine Gewalt von sich aus zu diesem Ziel hin und zu dieser Tradition hin geneigt.

Es gibt also nicht zwei Kirchen; es gibt nur innerhalb der Kirche eine antagonistische Tendenz, welche von innen her die Kirche bekämpft, die es versucht, sie zu ihren Gunsten lahm zu legen, indem sie die Verwirklichung ihres Zieles behindert. Sie kommt der Sünde der liberalen und modernistischen Ideologie gleich, welche sich im Inneren der Kirche in den Geistern eingeschlichen hat. Diese Sünde vermindert und verdirbt das Gut der Kirche, in dem Sinne, daß sie sie daran hindert, ihr Ziel zu erreichen. Dennoch läßt sie deren grundsätzliche Ausrichtung auf ihr eigentliches Ziel unberührt. Dies ereignet sich ein bißchen wie wenn man zwischen Sonne und Luft trübe Glasscheiben unaufhörlich dazwischen legen würde: die Luft sieht dann ihre Kapazität, Licht aufzunehmen, unaufhörlich vermindert; dennoch verliert sie sie keineswegs, da sie von Natur aus lichtdurchlässig ist. Desgleichen kann man Sünden an Sünden reihen und so die Empfänglichkeit der Seele zur Gnade vermindern; die Sünden sind nämlich wie Hindernisse, die zwischen uns und Gott dazwischen gelegt werden. Dennoch vermögen sie es nicht, diese Empfänglichkeit gänzlich auszurotten, da sie der Natur der Seele selbst angehört. Die Wirklichkeit der Konzilskirche ist also die eines falschen Verständnisses der Kirche, das sich der Geister der Kirchenleute bemächtigt hat. Dieses falsche Verständnis verursacht chronischerweise eine Anti-Regierungstätigkeit, die das normale Leben der katholischen Gesellschaft lähmt oder stört, indem sie es verhindert, daß die Kirche ihr Ziel erreiche. Sie stapelt so zwischen der Kirche und ihrem Gut Hindernisse auf, ohne aber die grundsätzliche Hinneigung der Kirche zu diesem Gut ausrotten zu können.

Andererseits lehrt uns der Glaube, daß diese entgegengesetzte Tendenz, so mächtig sie auch zu werden mag, aufgrund der göttlichen Versprechen die Kirche gänzlich zu überfluten nie imstande sein wird. Warum eine Anti-Kirche in der Kirche und keine andere Kirche? Weil der Papst, auch wenn er als Beteiligter, oder selbst als Hauptvertreter dieser Subversion handelt, die Kirche nicht zu zerstören vermag. Das Evangelium sagt nicht, daß die Pforten der Hölle sie nie angreifen werden; es sagt genau, daß, wie stark auch immer dieser Angriff sein mag, die feindlichen Kräfte sie nicht überwältigen werden13.

Der Ausdruck „Konzilskirche“ ist also legitim, vorausgesetzt aber, daß man ihm keine Geltung außerhalb seiner Grenzen gibt. Wie jede Form der rhetorischen Sprache, drückt er die Wirklichkeit mit flüchtigen und konkreten Worten aus, welche dem Verstand des Sprechers bequemer und dem des Zuhörers zugänglicher sind. Dies bietet gleichzeitig den Vorteil einer synthetischen Abkürzung und den Nachteil einer Formel, die, wie alle Formeln dieser Art, nicht alles sagen kann (und übrigens auch nicht alles sagen will). Solche Ausdrücke bleiben von den Umständen abhängig, indem die vorausgesetzten Begriffe und die Sachlage in einem besonderen Kontext allen bekannt sein können, aber auch in einem anderen Kontext allen unbekannt, und deswegen auch umstritten sein können. Die Klugheit verlangt es dann, den Ausdruck unter Berücksichtigung des Kontextes zu gebrauchen. Ein solch kurzes Wort wie „Konzilskirche“ kann zwar diesen sicheren Vorteil haben, alle nötigen vorausgesetzten Erklärungen einzuschließen und so es dem Sprecher und dem Zuhörer zu ersparen, jedes Mal die Darstellung der Problematik von neuem auszuführen. Dasselbe Wort kann aber auch den Nachteil haben, einen Ansprechpartner, der mit der ganzen Komplexität der Problematik nicht vertraut wäre, zu verwirren und ihn sogar zu skandalisieren, indem es ihm einen völlig verfälschten Zugang zu den entsprechenden Begriffen suggeriert. Ein neues und unvermeidbares Faktum ist nämlich seit dem Tod von Erzbischof Lefebvre eingetroffen, nämlich die Dauer. Die Zeit geht vorbei. Im Kontext einer noch frischen und in den Augen der meisten evidenten Subversion von Konzilskirche zu sprechen, birgt kaum Gefahren. Einige Jahrzehnte später, während das revolutionäre Gedankengut sich mehr oder weniger normalisiert hat – und dies noch in einem resolut konservativen Stil, der umso mehr zu täuschen vermag – könnte man falsch verstanden werden und schließlich sich selbst sogar verwirren. Unter diesen Umständen wäre es ausreichend – aber unentbehrlich – seine Pädagogik zu verdoppeln und die Bedeutung des Ausdrucks zu erklären, indem man alle Aspekte der Frage auseinander nimmt, um schließlich zum Wort, das sie zusammenfasst, zurückzukehren. Das Wort „Konzilskirche“, wenn gut verstanden, weil gut erklärt, bewahrt seinen ganzen Vorteil, der darin besteht, in einem zugänglichen Wort eine doppelte Wirklichkeit wiederzugeben: einerseits diejenige der beispiellosen Krise, die heutzutage in der Kirche wütet, und andererseits diejenige der Zusicherung des Versprechens ihrer Unvergänglichkeit.

Das Verständnis der Texte

Erzbischof Lefebvre

Er betont die feindliche Unterwanderung der Kirche; er will sagen, daß die Konzilskirche ein neuer Geist ist, der sich in die Kirche eingeschlichen hat, und nicht daß sie eine neue Kirche ist.

Im ersten Text spricht er nicht von einem „modernistischen Rom“. Genauer spricht er von einem „Rom der neo-modernistischen und neo-protestantischen Tendenz“. In seiner Auffassung stehen also die zwei Rom nicht auf derselben Ebene. Erzbischof Lefebvre will nicht sagen, daß es zwei Rom oder zwei gänzlich entgegengesetzten Kirchen gäbe, etwa wie zwei mystischen Leiber oder zwei Gesellschaften. Er will sagen, daß es Rom und die Kirche gibt, der einzige mystische Leib Christi, dessen sichtbares Haupt der Papst ist, der Bischof von Rom und Stellevertreter Christi. Es gibt aber auch schlechte Tendenzen, die sich in diese Kirche eingeschlichen haben, wegen den falschen Ideen, die in den Köpfen derjenigen, die in Rom die Macht innehaben, umherschwirren.

Im zweiten Text sagt zuerst Erzbischof Lefebvre: „Es ist ein neuer Geist“ und danach spricht er von dieser neuen reformierten Kirche, indem er sagt, dass sie sich „in die katholische Kirche eingeschlichen hat“. Der Ausdruck bezeichnet also nicht eine andere, von der katholischen Kirche verschiedene Kirche, sondern eine schädliche Strömung, die im Inneren der einzigen Kirche grassiert.

Im dritten Text sagt Erzbischof Lefebvre zuerst: „Nicht so, daß es keine Kirche außer uns gäbe; es geht nicht darum.“ Das heißt, daß die Kirche gemäß seiner Auffassung sich nicht adäquat mit denen identifiziert, die das Konzil ablehnen, im Unterschied zu allen, die das Konzil anerkennen, und die deswegen eine andere Kirche bilden würden. Die Ausdrücke, die er verwendet, bezeichnen nach seiner Auffassung nicht eine andere Kirche, die als verschiedene Gesellschaft konstituiert wäre, sondern eine Geistesverfassung und Tendenzen, die, in der Kirche, dem Ziel der Kirche widerstreiten. Etwas später in demselben Vortrag präzisiert Erzbischof Lefebvre sogar: „Wir gehören wohl der sichtbaren Kirche, der Gesellschaft der Gläubigen, unter der Autorität des Papstes an, da wir nämlich nicht die Autorität des Papstes, sondern sein Tun ablehnen. Wohl gestehen wir dem Papst seine Autorität zu; wenn er sich ihrer aber bedient, um das Gegenteil zu tun, von dem, wozu sie ihm verliehen wurde, ist es evident, dass wir ihm nicht folgen können.“14 Die Unterscheidung soll nicht zwischen zwei Kirchen, sondern zwischen zwei Regierungsdirektiven gemacht werden, welche im Inneren ein und derselben Kirche aus demselben Haupt hervorströmen. Was das Wort angeht: „die offizielle Kirche verlassen“, heißt es nicht, mit einer Kirche brechen, um sich einer anderen anzuschließen. Erzbischof Lefebvre drückt hier einfach die klugheitsmäßige Haltung der Bruderschaft aus, die danach strebt, die Seelen vor der modernistischen Ansteckung zu beschützen, indem sie es vermeidet, mit den ansteckenden Personen in Beziehung zu treten, ohne dennoch ein Schisma zu verursachen, wie er es übrigens selber etwas später deutlich sagt: „Wenn wir von diesen Leuten Abstand nehmen, es ist genauso wie mit Aids-Kranken. Man will sich nicht von dieser Krankheit anstecken lassen. Diese aber haben ein geistiges Aids, eine ansteckende Krankheiten. Will man gesund bleiben, so soll man nicht mit ihnen verkehren.“15

Im vierten und im fünften Text darf man nicht vergessen, daß Erzbischof Lefebvre auch Folgendes sagt: „Ich sage ja nicht, daß wir die katholische Kirche sind. Ich habe das nie gesagt. Niemand kann mir vorwerfen, ich hätte mich jemals als einen Papst betrachten wollen. Aber wir repräsentieren die katholische Kirche wirklich so, wie sie früher war, weil wir das fortsetzen, was sie allezeit getan hat. […] Man verstehe uns richtig, wir sind nicht gegen den Papst, insofern er alle Werte des apostolischen Stuhles, des Stuhles Petri, Werte die unveränderlich sind, repräsentiert; ganz im Gegenteil sind wir gegen den Papst, der modernistisch ist, der nicht an seine eigene Unfehlbarkeit glaubt, der Ökumenismus treibt.“16 Und in einem kurz danach gehaltenen Vortrag fügte Erzbischof Lefebvre noch hinzu: „Mir schien es, eventuell diesseits der Wirklichkeit bleiben zu müssen und einen Kontakt mit Rom aufrechterhalten zu müssen, und annehmen zu müssen, daß es in Rom doch ein Nachfolger Petri gibt. Einen schlechten Nachfolger, sicherlich, dem man nicht folgen soll, weil er liberale und modernistische Auffassungen hat, aber doch ist er da.“17 Er schließt, indem er von „einer liberalen Invasion in Rom“ spricht. Dies alles zeigt gut, daß in seinem Geist die Konzilskirche keine andere Kirche ist, die von der katholischen verschieden wäre und deren Haupt nicht mehr der Nachfolger Petri wäre. Der Ausdruck bezeichnet eine neue Stimmung, die ein Reformpaket inspiriert, das dem Gut der Kirche zuwider ist, und das leider vom Nachfolger Petri mitgetragen wird.

Bischof Fellay

Er betont die Unvergänglichkeit der Kirche; er will sagen, daß die Kirche fortbesteht, trotz des neuen Geistes, der sich in die Kirche eingeschlichen hat, ohne dennoch weder verschwinden, noch durch eine andere ersetzt werden zu können. Man wirft ihm zwei Dinge vor: erstens, daß er sagt, die gegenwärtige Kirche sei wohl die katholische, und zweitens, daß es die gegenwärtige Kirche ist, welche den Glauben und die Gnade gibt, und nicht die Bruderschaft.

Was den ersten Vorwurf angeht,

sagt Bischof Fellay in seiner Predigt in Paris bezüglich Vatikanum II, daß „dieses Konzil der feste Entschluß ist, etwas Neues zu machen. Und es handelt sich nicht um eine oberflächliche Neuheit, sondern um eine tiefgehende Neuheit, die im Gegensatz, im Widerspruch zu der Predigt, ja sogar zu den Verurteilungen der Kirche steht.“ Indem er diese Neuheit, die sich in die Kirche eingeschlichen hat, mit dem vom Feind im Feld des Herrn gesäten Unkraut vergleicht, schließt der Nachfolger von Erzbischof Lefebvre: „Dieses Konzil wollte sich mit der Welt harmonisieren. Es hat die Welt in die Kirche eindringen lassen, und jetzt haben wir die Katastrophe.“ In seiner Predigt in Flavigny präzisiert Bischof Fellay
seinen Gedanke in einem Sinne, der sich mit der Auffassung des Erzbischofs Lefebvre aufs Genaueste deckt. Nachdem er die Tatsache betont hat, daß die katholische Kirche die heutige, gegenwärtige und konkrete Kirche ist, fügt der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X. hinzu: „Dennoch gibt es auch einen ganzen Organismus, und diesem Organismus müssen wir einerseits die Heiligkeit zuschreiben, und andererseits entrüstet er uns und skandalisiert uns so sehr, daß wir nur eines sagen möchten: Mit diesen Leuten haben wir nichts zu tun! Dies paßt nicht zusammen, es geht nicht! Kirchenmänner, die die Christen, die Kinder der Kirche zum Glaubensabfall hinführen … Es paßt nicht zusammen! Es ist offenkundig, daß diese Irrtümer mit Entsetzen zurückzuweisen sind!“ Der Nachdruck, der auf die konkrete Wirklichkeit der gegenwärtigen Kirche gesetzt wird, zielt nur darauf hin zu betonen, daß die Kirche trotz allem das Versprechen des ewigen Lebens beibehält: „Wenn man das ablehnt, was nicht paßt, darf man nicht alles ablehnen. Sie bleibt die eine, heilige, katholische apostolische Kirche. […] Wenn man das Übel ablehnt, das sich in der Kirche befindet, darf man nicht schließen, daß dies nicht mehr die Kirche ist. Es gibt zwar große Teile, die nicht mehr Kirche sind, ja, aber nicht alles!“

Diese Predigt widerspricht der Auffassung des Erzbischofs Lefebvre nicht: sie drückt mit anderen Worten dieselbe Idee aus, eine Idee welche die Priesterbruderschaft Sankt Pius X. immer mit dem Ausdruck Konzilskirche bezeichnet hat: die doppelte Idee der Unterwanderung der Kirche durch liberale und modernistische Ideen und der grundsätzlichen Unvergänglichkeit derselben Kirche. Eine doppelte Idee, die in der Metapher eines kranken Leibes einen anderen Ausdruck findet, wie Bischof Fellay beim letzten „SiSiNoNo-Kongreß“ hervorhob: „Die katholische Kirche ist unsere Kirche. Wir haben keine andere. Es gibt gar keine andere. Der liebe Gott läßt zu, daß sie krank ist. Daher versuchen wir, uns diese Krankheit selber nicht zuzuziehen. Aber ohne zu sagen, daß wir dadurch eine neue Kirche bilden. […] Die Krankheit ist die Krankheit, sie ist aber nicht die Kirche. Sie ist in der Kirche; diese bleibt aber was sie ist. […] Selbstverständlich muß man gegen die Krankheit kämpfen. Diese kranke Kirche ist aber doch diese, die durch unseren Herrn gegründet wurde. Diese hat die Versprechen des ewigen Lebens. Dieses Versprechen, daß die Pforten der Hölle sie nie überwältigen werden, gilt für sie und für keine andere.“18  Man darf also von einer Konzilskirche sprechen, um dadurch festzustellen, daß es bei den Autoritätsträgern der Kirche und bei einer erheblichen Zahl der Gläubigen eine Orientierung oder einen der Kirche fremden Geist gibt, der für deren Gut ein Hindernis ist.

Was den zweiten Vorwurf angeht,

will Bischof Fellay sagen, daß uns der Glaube und die Gnade immer durch die Kirche zukommen, insofern diese eben in unvergänglicher Weise eine göttliche Gesellschaft bleibt, deren höchstes Haupt nicht der Papst, sondern Christus ist. Nachdem er die Tatsache hervorgehoben hat, daß die katholische Kirche die heutige, gegenwärtige und konkrete Kirche ist, fügt der Generalobere der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. hinzu: „Aber schauen Sie, die bloße Erwähnung
dieser Gedanken wirft große Fragen auf: Wie kann so was geschehen? Wie können diese Bischöfe, die uns allerlei Häresien verkünden, uns den Glauben geben? […] Es ist ein Glaubensatz und es ist absolut gewiß, daß wir den Glauben und die Gnade, daß wir jede einzelne Gnade, die wir durch die Sakramente empfangen, von der Kirche empfangen. Und noch einmal, diese Kirche ist eine sehr konkrete, machen wir nicht aus ihr eine reine Abstraktion, sie ist real! Und wir gehören dazu. Leben wir in dieser Kirche, so erhalten wir dieses Leben aus dem Haupt der Kirche, diesem Haupt, das zuerst und vor allem unser Herr Jesus Christus ist.“ Wie es der hochwürdige Pater Calmel zurecht sagte19: „Die Kirche ist nicht der mystische Leib des Papstes; die Kirche mit dem Papst ist der mystische Leib Christi“. Ganz gleich, welche die Unzulänglichkeiten des Papstes seien, die Kirche ist immer Trägerin der Wahrheit und der Gnade. Wahrheit und Gnade sind uns also unaufhörlich durch Christus gegeben. Und trotz eines Papstes, der mehr oder weniger ein Hindernis daran bilden würde, kommen sie uns zu durch diejenigen, die in der Kirche der von Christus erhaltenen Sendung treu bleiben. So sind uns heute die Wahrheit und die Gnade gegeben, nicht durch die Bruderschaft allein, d. h. wie durch eine eigenständige Kirche, die sich für die katholische Kirche halten würde, sondern durch die Bruderschaft, insofern sie ein gesunder Teil in der einzigen katholischen Kirche geblieben ist. Bischof Fellay hat sogar beim
letzten „SiSiNoNo-Kongress“ daran erinnert, sich auf die Worte des hl. Vinzenz von Lérins stützend: „Sie sind in einem Land, in einem Bistum, wo die Häresie sich plötzlich verbreitet. Was soll man da tun? Der hl. Vinzenz von Lérins antwortet: es ist sehr einfach, man muß dem noch gesunden Teil anhangen“20 Glaube und Gnade kommen uns also von der Kirche durch die Bruderschaft. Und insofern sie uns nicht durch diejenigen kommen, die wegen ihrer liberalen und modernistischen Ideen dem Gut der Kirche Hindernisse in den Weg legen, dürfen wir von Konzilskirche sprechen, um diesen verdorbenen Teil der Kirche zu bezeichnen, der nicht mehr die Wahrheit noch die Gnade spendet.

Schluß

Zwischen dem, was Bischof Fellay sagt und dem, was Erzbischof Lefebvre gesagt hat, gibt es also keinen Widerspruch. Es gibt nur eine sehr komplexe Wirklichkeit, von der man alle Aspekte wahrnehmen muß. Die Kirche ist unvergänglich; heute aber ist sie besetzt. Je nach Umständen kann man den einen oder den anderen dieser beiden Aspekte hervorheben. Damals, als die Krise angefangen hat, hat Erzbischof Lefebvre vor allem auf dem ersten Aspekt insistiert, da es damals galt, die Gläubigen zu warnen. Heute fährt Bischof Fellay mit der Warnung vor den Gefahren fort; er hebt aber auch die Wirklichkeit und Unvergänglichkeit der Kirche hervor, da wir es aus dem Auge verlieren und in der Praxis die Mentalität einer anderen Kirche einnehmen könnten, weil die Zeit verstreicht.

Der Sophismus besteht darin, Teilzitate anzuführen: aus den Worten von Erzbischof Lefebvre nimmt man die starken Stellen heraus, welche die feindliche Unterwanderung brandmarken; aus den Worten von Bischof Fellay nimmt man die Stellen aus, welche an die Unvergänglichkeit der Kirche erinnern; und man stellt sie gegeneinander. Dieses subversive Verfahren baut grundsätzlich auf eine willkürliche Wahl auf.

Das Kirchenrecht von 1917 verordnet Folgendes21 :

Can. 2331, § 2: „Diejenigen, die sich verbünden, um die Autorität des Papstes, seines Legaten sowie ihres eigenen Ordinarius zu untergraben oder gegen deren rechtmäßige Befehle Widerstand zu leisten, sollen mit Zensuren und anderen Strafen belegt werden. Handelt es sich bei den Delinquenten um Kleriker, so sollen auch ihnen ihre Würden, Benefizien und andere Ämter genommen werden. Kommen aber Religiosen in Betracht, dann soll ihnen auch das aktive und passive Stimmrecht sowie ihr etwaiges Amt genommen werden.“

Can. 2344: „Wer den Papst, einen Kardinal, päpstlichen Legaten, römische Kongregationen und Gerichtshöfe oder deren höhere Beamte sowie den eigenen Ordinarius in öffentlichen Zeitungen, Predigten oder Reden, Broschüren direkt oder indirekt beschimpft, soll vom Ordinarius, wenn nötig durch Zensuren, gezwungen werden, Genugtuung zu leisten. Außerdem können auch noch andere Strafen oder Bußen dem Delinquenten auferlegt werden, wie dies der Größe seiner Schuld entspricht und zur Wiedergutmachung des gegebenen Ärgernisses angebracht ist.“

Pater Gleize ist Dozent im Priesterseminar von Ecône. Bild: Eugène Charles Louis Burnand (1850-1921): „Die Apostel Petrus und Paulus am Morgen der Auferstehung zum Grabe eilend“ (1898, Paris, Musée d‘Orsay).

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Zuwendungsübersicht
  1. Erzbischof Lefebvre, „Vortrag in Ecône am 2. Dezember 1974“, in Vu de Haut Nr. 13, S. 9-10. Deutsche Übersetzung in Damit die Kirche fortbestehe, Priesterbruderschaft St. Pius X., Stuttgart 1992, S. 74-75. []
  2. Erzbischof Lefebvre, „Vortrag in Ecône am 29. September 1975“, in Vu de Haut Nr. 13, S. 24. []
  3. Erzbischof Lefebvre, „Vortrag in Ecône am 22. August 1976“, in Vu de Haut Nr. 13, S. 36. []
  4. Erzbischof Lefebvre, „La visibilité de l’Eglise et la situation actuelle de l’Eglise“, in Fideliter Nr. 66, November-Dezember 1988, S. 27-ff. []
  5. Interview mit Erzbischof Lefebvre, „Un an après les sacres“, in Fideliter Nr. 70 (Juli-August 1989), S. 6 und 8. Deutsche Übersetzung in Damit die Kirche fortbestehe, Priesterbruderschaft St. Pius X., Stuttgart 1992, S. 795 und 797. []
  6. „Entretien avec Mgr Lefebvre“ in Fideliter Nr. 79 (Januar-Februar 1991), S. 3 und 5. Deutsche Übersetzung in Damit die Kirche fortbestehe, Priesterbruderschaft St. Pius X., Stuttgart 1992, S. 916 und 917. []
  7. Bischof Fellay, „Die Prüfung der Apostel und die gegenwärtige Lage der Kirche“, Predigt am Sonntag den 2. September im Seminar Heiliger Pfarrer von Ars in Flavigny, anläßlich des Kongreß der MCF [katholische Familienbewegung in Frankreich], in Nouvelle de Chrétienté Nr. 137 (September-Oktober 2012), S. 20. []
  8. Bischof Fellay, „Die Prüfung der Apostel und die gegenwärtige Lage der Kirche“, Predigt am Sonntag den 2. September im Seminar Heiliger Pfarrer von Ars in Flavigny, anläßlich des Kongreß der MCF [katholische Familienbewegung in Frankreich], in Nouvelle de Chrétienté Nr. 137 (September-Oktober 2012), S. 16 und 20. []
  9. Bischof Fellay, „Predigt am Sonntag den 11. November 2012 in Saint Nicolas-du-Chardonnet“, auf die Website La Porte latine erschienen. []
  10. Bischof Fellay, „Die Prüfung der Apostel und die gegenwärtige Lage der Kirche“, Predigt am Sonntag den 2. September im Seminar Heiliger Pfarrer von Ars in Flavigny, anläßlich des Kongreß der MCF [katholische Familienbewegung in Frankreich], in Nouvelle de Chrétienté Nr. 137 (September-Oktober 2012), S. 15-16. []
  11. Bischof Fellay, „Predigt am Sonntag den 11. November 2012 in Saint Nicolas-du-Chardonnet“, auf die Website
    La Porte latine erschienen. []
  12. Erzbischof Lefebvre, Ich klage das Konzil an, S. 11: „Seit dem Konzil hat die Kirche oder haben zumindest Kirchenmänner, die die Schlüsselstellungen innehaben, eine Richtung verfolgt, die der Überlieferung, das heißt dem offiziellen Lehramt der Kirche, eindeutig entgegengesetzt sind“. Siehe auch den Vortrag von 9. Juni 1988 in Ecône: „Der Kampf, der beim Konzil angefangen hat, besteht weiter fort. Er besteht weiter fort, weil diese Änderung die beim Konzil verwirklicht wurde, einen Widerstand verlangte. Sie verlangte, daß man sich all diesen modernistischen Thesen, all dieser liberalen Thesen, welche sich im Konzil den Geistern bemächtigten, widersetze.“ []
  13. Math 16,18. []
  14. Fideliter Nr. 66, September 1988, S. 27-31. []
  15. Fideliter Nr. 66, September 1988, S. 27-31. []
  16. Interview mit Erzbischof Lefebvre, „Un an après les sacres“, in Fideliter Nr. 70 (Juli-August 1989), S. 6 und 8. Deutsche Übersetzung in Damit die Kirche fortbestehe, Priesterbruderschaft St. Pius X., Stuttgart 1992, S. 796 und 797. []
  17. Erzbischof Lefebvre, „Vortrag im Seminar von Flavigny, in Dezember 1988“, in Fideliter Nr. 68 (März-April 1989), S. 12-13. []
  18. Bischof Fellay, „Intervention finale“ während dem XI. SiSi NoNo Kongreß, am 6. Januar 2013 in Paris, auf die Webseite von DICI erschienen (http://www.dici.org/documents/quel-bilan-50-ans-après-Vatican-ii/). []
  19. 19 Roger-Thomas Calmel OP, „Annexe 3 : De l’Eglise et du pape“ in Brève apologie pour l’Eglise de toujours, Verlag Difralivre, 1987, S. 106-107. []
  20. Freies Zitat nach Commonitorium, 3,1 und 27,3. []
  21. Deutsche Übersetzung aus Gesetzbuch des kanonischen Rechtes – Erklärung der Kanones, von P. Heribert Jones O. M. Cap., Verlag Schöningh, Paderborn 1940, 3. Band, S. 490 und 504. []

62 Comments

  1. Der Vortrag ist an sich interessant. Er löst jedoch kein Problem, das ich habe, wenn ich z.B. das Vorwort des Mitteilungsblattes vom Mai 2013 lese.
    (…)“Wir verlangen vielleicht besser ganz einfach, dass über die theoretischen Probleme nicht zuviel diskutiert werde, dass man Fragen, die uns spalten, wie jene der Religionsfreiheit, dahingestellt sein lasse. Man ist nicht verpflichtet, alle diese Probleme sofort zu lösen.Die Zeit wird hier eher Klarheit und Lösung bringen.“ (P. Schmidberger, S. 2).
    So, habe ich mich erbittert und auch traurig gefragt, ich habe offensichtlich monatelang an einem Thema gearbeitet, gekämpft, ich bin mit meinen eigenen, von der ‚Konzilskirche‘ eingebleuten liberalen Einstellungen ins Gericht gegangen, um jetzt zu lesen, dass ich mir das auch hätte sparen können. „Die Zeit wird hier eher Klarheit und Lösung bringen.“
    Schwerwiegende doktrinelle Differenzen werden also beiseite geschoben, die Zeit wird sie klären. Und ich bin so töricht, und verschwende Zeit und Energien, um Erzbischof Lefebvre zu verstehen, um mir nicht nur das heraus zu picken aus seinem Werk, das mir liegt, z.B. wenn er über das Messopfer spricht…
    Nicht, dass mit Rom verhandelt wird, ist mein Problem. Dass man bereit ist zu verhandeln und zu einem Ergebnis zu kommen, und die Lösung der „theoretischen Probleme“ der Zeit überlassen will. Die Zeit löst kein Problem, Probleme müssen Menschen lösen. Und wenn sie es nicht tun, werden die theoretischen Probleme der Vergangenheit angehören, sie werden vergessen werden. Und aufgegeben von der FSSPX.
    Und ich hadere: Warum bin ich geistig-geistlich nicht bei der Petrusbruderschaft geblieben. Warum mussten mir die Bücher von Erzbischof Lefebvre in die Hände fallen, die ich eh falsch verstehe, was das Verhältnis zu Rom anbetrifft.
    Man möge mir zu Hilfe kommen! Ich bitte um die Stellen, in denen der Erzbischof darauf verzichtet hat, doktrinelle Differenzen anzuprangern , um ein Abkommen mit Rom zu erreichen.

    • Zu Ihrem Hilferuf nochmals : Mgr. Lefebvre HATTE 1988 ein Protokoll mit Kardinal Ratzinger unterfertigt, seine Unterschrift jedoch tags darauf zurückgezogen, weil der Kardinal ihn bezüglich eines verbindlichen Datums für die Bischofsweihe eines oder mehrerer Priester seines Vertrauens hinhielt und auch ein entsprechendes „Profil“ für die Weihekandidaten stellte. DESHALB zog der Erzbischof seine Unterschrift zurück; er hatte nur eine Zusage, jedoch weder den genauen Weihezeitpunkt („spätestens bis…“) noch einen oder mehrere konkrete Kandidaten „ausgehandelt“ ! Kardinal Ratzinger hatte den Erzbischof wohl gel…. Mit dem fraglichen Protokoll wäre NICHT EINE der „doktrinellen Differenzen“ gelöst worden !

      • Hier ein Protokollauszug:

        „2. We declare that we will accept the doctrine contained in No. 25 of the Second Vatican Council’s dogmatic constitution, „Lumen Gentium“ on the ecclesiastical magisterium and the adherence owed it.

        3. Regarding certain points taught by the Second Vatican Council or concerning subsequent reforms of the liturgy and law which appear difficult to reconcile with tradition, we commit ourselves to a positive attitude of study and of communication with the Apostolic See, avoiding all polemics.

        4. We declare moreover that we will recognize the validity of the sacrifice of the Mass and of the sacraments celebrated with the intention of doing what the Church does and according to the rites in the typical editions of the missal and rituals of the sacraments promulgated by Popes Paul VI and John Paul II.“

        Kann im Ganzen nachgelesen werden, versehen mit überflüssigen Kommentaren seitens Fr. Zuhlsdorf unter :

        http://wdtprs.com/blog/2006/07/may-1988-the-protocol-of-accord-lefebvre-ratzinger/

  2. So, wie dieser Vortrag gehalten ist, könnte er auch von Don Nicola Bux gehalten worden sein. Es ist der Versuch eine „Hermeneutik der Kontinuität“ in die Priesterbruderschaft St. Pius X. hineinzutragen. Maßgeblich, und hier ist es besonders wichtig, ist es, sich die offizielle Dokumentation über das Verhör vor der Kardinalskommision anzuschauen. Dort bezweifelt der Erzbischof zum Teil die Gültigkeit der Sakramente in der Konzilskirche und steht zur Praxis der erneuten Firmspendung, wenn er Zweifel an der Rechtgläubigkeit und der Gnadenwirkung der Firmung hat. Ein Bruch mit der Einheit der Kirche ist hier schon vorhanden. Das einzige, was er hier ausschließt, ist der Sedisvakantismus. Die Sakramentenspendung als nichtkirchliche Handlung, insofern sie nicht das tut, was sie immer getan hat (die Kirche – s. Vinzenz v. Lerins) gehört zu den tria vincula, die Fellay als bestehend ansieht. Hier gibt es eben auch die Leute der Rore-Sanctifica-Bewegung, die (leider sedisvakantistisch) gewichtige Gründe für die Ungültigkeit mancher Sakramente nach den NOL (Novi Ordines Liturgiae) anbringen, etwa in bezug auf die Bischofsweihe, die Firmung und die Feier der Kindstaufe, also jene Sakramente, die ein charakter indelibilis einprägen (bei der Bischofsweihe handelt es sich um die Vollendung der Priesterweihe – vgl. Thomas v. Aquin th. III. 63. 3 c & ad 2 & 3; 4 sent. 4. 1. 1 ad 39). Und dazu gehört auch wohl S. E. Erzbischof Marcel Lefebrve. Warum Econe, Zaitzkofen, Winona, Flavigny? Weil es keine Kontinuität in der Priesterweihe gibt, die Priesterweihe und die Bischofsweihe ökumenistisch verwässert worden sind. Wo die Kirche nicht mehr SICHTBAR die Sakramente gemäß des immer gültigen Glaubens feiert, ist sie nicht mehr sichtbar, dann SUBSISTIERT sie eben nur noch. (vgl. LG 8!). Und das ist dann die Konzilskirche, die sichbare Kirche ist eben nur noch in der FSSPX vorhanden. Und genau das lehrt Marcel Lefebrve, die FSSPX bildet das „ecclesia supplet“ zur Konzilskirche

  3. Daß es eben eine reine, aufgrund der apostolischen Sukzession juridikale Kontimuität in der Konzilskirche gibt, da sich die Kirche in bezug auf die Liturgie sich selbst die Möglichkeit gegeben hat, diese Liturgie in der SUBSTANZ zu ändern (Enz. „Mediator Dei“ von Papst Pius XII iVm. SC 21 & 22 II.Concillium Vaticanum), kann man natürlich die Gültigkeit der Liturgie annehmen, muß sie aber nicht. Die Konzilskirche hat mutwillig das vinculum ritui mit der Kirche aller Zeiten gebrochen.
    Und wo nun einmal die „lex orandi“ verlassen worden ist, kann die „lex credendi“ nicht unbeschadet bleiben.
    Massenweise treten die Jugendlichen aus der Kirche sichtbar aus, verlassen Priester ihre Herde, die Bischöfe verkünden Häresien (vgl. Zollitschs Ideen zur Frauenordination). Wo bleibt der „charakter indelibilis“? Es ist das Problem, daß nicht erkannt wird, daß nicht etwa das Konzil Krankheiten in die Kirche hineingetragen hat (beliebtes Thema der Verschwörungstheoretiker) sondern die KRANKHEIT SELBST ist. Es ist in seiner Natur unzureichend, fehlerhaft undcontra legem ruchgeführt worden. Es ist also eigentlich eine ungültige, nichtkirchliche Handlung. Daß eben die Tradition weiterexistiert bildet das „ecclesia supplet“. Die Natur der Kirche besteht alleine in der FSSPX fort, nicht in der Konzilskirche, das muß S. E. Fellay doch verstehen. S. Eci. Williamson und Tissier de Mallerais hatten in bezug auf die Auswahl der Personen, die offiziell zum Dialog mit Rom beauftragt worden sind, recht, sie gehören zum Personenkreis um den GREC, der Generalobere Fellay hat dieses mit Absicht so gewollt. Und trotzdem ist er gescheitert, weil Rom sich so weit (auch und gerade Papst Benedikt XVI:!!) von der Tradition verabschiedet hatten, daß sie die Tradition sogar als Fremdkörper in die Kirche meinten einpflanzen zu können mit dem Motu Proprio „Summorum Pontificum“. Die Zulassung der Heiligen Messe aller Zeiten war KEIN Herzensanliegen von Papst Benedikt XVI.

    • Sie sollten IHRE latent sedisvakantistische Positionen nicht nachträglich Mgr. Lefebvre unterschieben wollen. Wie sehr jener römisch dachte und folglich bereit war, zu gehen, geht aus dem Mai-Protokoll hervor, und das keine 3 Jahre vor seinem Tod.

      Wenn ich es richtig verstehe, hat die Petrusbruderschaft dies dann alles übernommen, freilich ohne Bischof noch mit Kommissionseinsitz.

      • Und warum hat er seine Unterschrift dann keine 24 Stunden später zurückgezogen? Die Gründe sind alle in „Damit die Kirche fortbestehe“ zu lesen!
        Ich vertrete keinen latenten Sedisvakantismus. Ich habe mich davon schon mehrfach distanziert!
        Und natürlich dachte er römisch, aber im Sinne der ROMA AETERNA!

  4. Selbst hochangesehene Vertreter der „Una-Voce“-Bewegung und führende Wissenschaftler wie Heinz-Lothar Barth müssen sich jetzt Fehler in der Bewertung der Theologie des Apostolischen Stuhls eingestehen. Diese Kritik existiert zwar bislang nur in den sog. dogmatischen Randgebieten wie die Eschatologie (Stiefkind der heutigen Dogmatik!), aber sie wird hoffentlich und endlcih auf die „zentralen“ Themen der Dogmatik übergreifen, wie die Ekklesiologie, die Gnadenlehre und die Sakramentenlehre.

  5. Seltsam, das immer dasselbe Affentheater losbricht und der Generalobere seine Exzellenz Bischof Fellay, als auch dem Generalrat der FSSPX des Verrates bezichtigt werden, und das obwohl seine Exzellenz als auch der Generalrat der FSSPX bisher und mehr als nur einmal Bewiesen haben, das sie nicht bereit sind auch nur einen Millimeter von Gott dem Herrn, seiner Einen, Heiligen, Katholischen und Apostolischen Kirche abzurücken um dafür de Judaslohn kanonischen Status einzufahren.

    Daher sind zumindest Cuppa und Christoph Rein in meinen Augen nichts anderes als Sympatisanten und Papagei Bischofs Williamson und leider auch Verräter an der FSSPX, die dieser nur schlechtes wünschen und dementsprechend Wirken.

    Und hier der Link zu den damaligen Dokument, das Gott dem Herrn sei es gedankt, seine Exzellenz Erzbischod Lefebvre die bereits geleistete Unterschrift zurückgezogen hat.
    http://www.fssp.org/de/protoc5mai.htm und ich kann im verlinkten Text keinen einzigen Hinweis finden das zuerst die dogmatischen Fragen zu klären seinen.

    Gottes und Mariens Segen auf allen Wegen.

    • Wenn man den Entwurf der „praeambula doctrinalis“ von S. E. Fellay mit dem Text von Don Nicola Bux „Puor une Union des Traditionalistes“ in Divinitas von 2008 vergleicht, fällt die fast wortwörtliche Übereinstimmung auf. Es geht um die Frage, was passiert, wenn einer der Bischöfe ausfällt, wie die FSSPX dann weitergeführt werden kann. Ich weiß, daß dieses die Sorge von S. E. Fellay immer gewesen ist und ist, und daß diese Sorge natürlich und berechtigt ist. Er weiß, daß eine unerlaubte Bischofsweihe die entsprechenden kanonischen Folgen haben wird, und er weiß, daß es OHNE eine Einigung auch KEINE Bischofsweihen geben kann.
      Der Unterschied zu S. E. Richard Williamson ist, daß dieser bereit ist, zu handeln und eine mögliche Bischofskonsekration durchzuführen, um die FSSPX eben weiterzuführen. Das ist das Problem. Er (Williamson) und ich und viele andere stellen sich natürlich die Fragen: Wer wird die Priester der FSSPX in 20 Jahren weihen, wer wird die Kinder und Jugendlichen Firmen, wer wird Kapellen und Kirchen weihen? Und wir sind eben von der Erkenntnis geleitet, daß es in Rom aus STRUKTURELLEN konzilsbedingten) Gründen fast unmöglich ist, eine konzilskritische Kurie samt glaubenstreuen Papst zu bekommen, daß bis dahin das Elend in der Kirche nicht beseitigt ist – nach menschlichem Ermessen.
      Wir wollen GOTT eben nicht versuchen und auf ein Wunder hoffen, wir sind uns eben der Mitwirkungspflicht am Heil ebenso bewußt, wie wir es sind über die uns durch Taufe und Firmung gegeben Pflicht, das Evangelium zu verkünden, nach der Maßgabe unseres kirchlichen Standes, und wir sind uns der Pflicht bewußt den GANZEN GLAUBEN zu bekennen und zu verkünden, das zu verkünden was „die Eine, Heilige, Katholische und Apostolische Kirche zu allen Zeiten, überall und durch alle“ (n. Vinzenz von Lerins) geglaubt hat. Darum geht es, darum sollte es auch dem Papst gehen.

    • Armin, ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie anderen und mir nicht immer wieder unlautere Motivé unsterstellen würden. Ich verbitte mir,als „Papagei von Bischof Williamson“ bezeichnet zu werden.
      Aber so ist leider die Auseinandersetzung. Es scheint nicht ohne Beleidigungen zu gehen.
      Und ich bin übrigens nicht mehr bereit, Bischof Williamson als die Unperson, die Verkörperung des Bösen, anzusehen. Erzbischof Lefebvre muss gute Gründe gehabt haben, ihn zum Bischof zu weihen.

      • Warum fällt hier immer wieder der Name Williamson,wenn es um die FSSPX geht? Wissen viele noch nicht, das dieser aus der FSSPX ausgeschloßen wurde? Er mag wohl Bischöfe weihen, soll er, er hat ja nichts mehr mit der FSSPX zu tun (außer er würde reumütig zurückkehren), daher liegt es sicher nicht an Williamson die FSSPX zu erhalten.

        Hat nun seine Exzellenz Bischof Fellay und der Generalrat die Präambel unterschrieben oder nicht? Und ja ich sehe es so, das genau diejenigen die der FSSPX nichts gutes Wünschen den Generaloberen und den Generalrat Verrat vorwerfen, selber ihrerseits Verrat begehen. Ich würde diese Verstehen, wenn es bereits geschehen wäre, und der Generalsobere der FSSPX die Präambel unterschrieben hätte und bei der Veröffentlichung der Präambel, der hier so oft vorgeworfene Verrat als richtig erkannt werden könnte. So aber wird nur Unfrieden und Ungehorsam gesäät und der einzige der sich darüber freut ist der allerniedrigste. Denn mit der FSSPX wird das Fundament der Heiligen Tradition verunglimpft und so geschwächt. Habt ihr den kein Vertrauen mehr ??

        Gottes und Mariens Segen auf allen Wegen.

  6. (…) „Erzbischof Lefebvre: ‚Wenn Sie sagen, daß sie nichts preisgegeben haben, so ist das falsch. Sie haben die Möglichkeit preisgegeben, Rom entgegenzutreten. Sie können nichts mehr sagen. Sie müssen schweigen angesichts der Vergünstigungen, die ihnen gewährt worden sind. Es ist ihnen nicht mehr möglich, die Irrtümer der konziliaren Kirche anzuprangern…
    Bezüglich der Ideen schwenken sie ganz langsam um und enden schließlich bei der Anerkennung der falschen Ideen des Konzils, nur weil Rom ihnen einige Vergünstigungen für die Tradition gewährt hat. Das ist eine sehr gefährliche Situation.“
    (Aus einem Interview vom 9. Dezember 1990 in Suresne (Paris) )
    Mit „sie“ sind Dom Gérard und die Petrusbruderschaft gemeint…
    Aus dem Interview ist beliebig zu zitieren, der Grundtenor ist gleich. Wichtig ist, dass Monseigneur die Situation als noch schlechter ansieht als sie zur Zeit der Abfassung des Protokolls vom 5. Mai 1988. Nachzulesen ist das Interview in „Damit die Kirche fortbestehe, S. 916 – 925.
    Noch ein Schlüsselsatz: „Daher glaube ich jetzt denen, die mir sagen:‘Sie müssen sich mit Rom verständigen“, sagen zu können, dass ich sogar weiter gegangen bin, als ich hätte gehen dürfen.“ S. 923.
    Dieses Interview hat Erzbischof Lefebvre wenige Monate vor seinem Tod gegeben. Und ich soll im Ernst auf das Protokoll verwiesen werden von 1988, dass nie gültig geworden ist, weil Monseigneur tags darauf seine Unterschrift zurückzog?
    Ich bin erschüttert, wie mit dem Erbe von Erzbischof Lefebvre umgegangen wird. Es tut geradezu weh…
    Und die FSSPX soll nach einem Abkommen mit Rom freimütig die konziliare Kirche kritisieren, ihre irrtümer anprangern dürfen? Sie verzichtet ja jetzt schon im vorauseilenden Gehorsam weitgehend darauf. Ich meine ausdrücklich ihre Leitung, nicht alle Patres in den Prioraten.

    • Und ich bin echt erschüttert, wie sie hier über die FSSPX , den drei Bischöfen, Priestern, also den wahren Erbe seiner Exzellenz Erzbischof Lefebvres schreiben. Warum sind sie voller Haß gegenüber den Generaloberen und den Generalrat? Und es liegt nun an zu Beweisen dass der Gernalobere den von ihnen so oft geäußerten Verrat wahrlich begangen hat, oder dieser die Präambel bereits unterschrieben hat. Oder sind sie gar eine Angehörige der Konzilskirche die hier nur Unfrieden sääen will und Spalterisch wirken will, weil eben die FSSPX der Konzilskirche im Wege steht?

      Warum ich auf diese Frage komme, denn sie haben ja sogar seine Exzellenz Zollitsch verteidigt der ja Frauen weihen möchte. Über das einzige Thema zu dem sie sich hier negativ äußern ist nun einmal die FSSPX. Daher sind sie in meinen Augen ein TROLL der im Sinne der Konzilskirche, also den Feinden Gottes unseres Herrn und der Kirche wirkt.

      • cuppa behauptet NICHT, daß Fellay irgend eine doktrinäre Präambel seitens Rom unterzeichnet hat! Veritati fidelis esto!

      • Sehr geehrte Cuppa. Möchte mich nun offiziell von meinen letzten Beitrag und zwar für diese meine Wörter

        Warum ich auf diese Frage komme, denn sie haben ja sogar seine Exzellenz Zollitsch verteidigt der ja Frauen weihen möchte. Über das einzige Thema zu dem sie sich hier negativ äußern ist nun einmal die FSSPX. Daher sind sie in meinen Augen ein TROLL der im Sinne der Konzilskirche, also den Feinden Gottes unseres Herrn und der Kirche wirkt.

        entschuldigen. Habe ihre Zeilen noch einmal genauer durchgelesen und feststellen müßen das ICH mich geirrt habe. Entschuldigung.

        Gottes und Mariens Segen auf allen Wegen.

      • Ist schon gut, Armin. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir glauben könnten, dass ich auch die Leitung der FSSPX keineswegs hasse.

    • Abbe Gleize unterliegt leider dem Irrtum, daß die Tradition von Marcel Lefebrve und die Tradition von Fellay Identisch sind. Ich bin jedenfalls erleichtert, daß Rom derzeit kein Interesse an einem Abkommen mit der FSSPX hat. Das steht nicht auf der „To-Do“-Liste von Papst Franziskus, schon gar nicht auf der Tagesordnung von EB Müller.
      Wo man dann etwa endet, kann man im Heft „Dominus Nobiscum“ der Laienbewegung „Pro-Missa-Tridentina“ in der aktuellen Ausgabe lesen, wo dann ein Artikel des Ultramodernisten Arnold Angenendt zur Geschichte der Liturgie in den höchsten Tönen gelobt wird, ein Artikel, der von Heinz-Lothar Barth in der „Una-Voce-Korrespondenz“ 2012 sukzessive aus wissenschaftlichen Gründen zerrissen wird.
      Und auf diesem Niveau befinden sich alle „Quattuor-abhinc“-, „Ecclesia-Dei“- und „Summorum-Pontificum“- Gruppen. Die Konzilskirche ist schließlich wissenschaftlich auf einem verheerenden Niveau angekommen, sie rennt einem Mainstream nach dem anderen hinterher, verpaßt diese und endet wieder und wieder in einer Sackgasse. Das hat Lefebrve eben erkannt und Fellay noch nicht. Wo ist noch scholastische Objektivität vorhanden, wo wird noch im Theologiestudium auf das Erlernen der LATEINISCHEN Sprache, (der Sprache der Kirche!!!), die philologisch korrekte Exegese der Texte gedrängt. Das offizielle Lehramt (und dazu gehört auch das Ordinariatslehramt der Ortsbischöfe!) hat die Kenntnis der Griechischen Sprache VOR die Kenntnis der Lateinischen gesetzt! Alles mit Segen des Papstes und des Konzils! Wo besteht dann Kontinuität? Wo wird noch die Lateinische Sprache LEBENDIG im Theologiestudium gelehrt. Nur noch in Zaitzkofen (und nicht in Wigratzbad!) Das ist die Lage der KONZILSKIRCHE nach den NOL und „Evangelii Nuntiandi“ von Papst Paul VI! Dieses Lehramt akzeptieren? Omnino non possum!

      • Griechisch und Lateinisch sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden – beide sind Sprachen der Kirche. Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß das gute alte griechische Κυριε ελεισον (Kyrie eleison) am Anfang der Heiligen Messe steht.

        Und wenn auch vieles im offiziellen Lehramt schiefläuft, wenn dieses das Griechische vor das Lateinische setzt, hat es wenigstens einmal recht. Denn tatsächlich geht das Griechische dem Lateinischen voran, als die Sprache, in der Gottes Offenbarung schriftlich überliefert ist, und als Sprache der Kirche in den ersten Jahrhunderten.

        Aber es handelt sich hier nicht nur um eine Frage der Zeit. Einige Stellen der göttlichen Offenbarung sind ohne Griechischkenntnisse einfach nicht vollständig verständlich, wobei ich besonders an den Prolog des Johannesevangeliums denke. Das deutsche „Wort“ UND auch das lateinische „verbum“ sind ausgesprochen dürftige, unvollständige Übersetzungen des griechischen „λογος“ (Logos), und solide Griechischkenntnisse dürften vor so manchem Unsinn in diesem Zusammenhang bewahrt haben, den ich von Katholiken und sonstigen Christen hören oder lesen mußte.

        Gute Griechischkenntnisse würden wohl auch vor einigen Mißverständnissen des Großen Glaubensbekenntnisses bewahren. Das deutsche „ist Fleisch geworden“ ist doch eine ziemlich unvollkommene Umschreibung des griechischen „σαρκωθεντα“ (sarkothenta), auch das lateinische „incarnatus est“ kommt mit dem Griechischen da nicht ganz mit, mehr aber noch gilt das für das deutsche „ist Mensch geworden“ und das lateinische „homo factus est“ gegenüber dem griechischen „ενανθρωπησαντα“ (enanthropäsanta), wobei das Griechische in einem Wort ausdrückt, was das Lateinische und das Deutsche auch mit mehreren Wörtern nicht genau wiedergeben können.

        Was für das Griechische in Texten des frühen Christentums gilt, gilt natürlich ebenso für das Lateinische in Texten des späteren (und heutigen) Christentums.

        Deshalb nochmals: beide sind Sprachen der Kirche.

      • Was die Griechische Sprache angeht, können Sie sicher sein, daß ich sie für ebenso wichtig halte wie das Lateinische, da sie die Sprache des Neuen Testamentes und der Septuaginta ist. Die großen Kirchenväter der Griechischen wie Athanasius, Basilios, die beiden Gregoroi, Chrysostomos, etc…sie gehören zum depositum theologiae ebenso wie Augustinus und Thomas v. Aquin. Ich wäre der letzte, der die beiden Lungenflügel, oder besser die beiden Stimmbänder der Kirche gegeneinander ausspielen würde. Das erzeugt sonst eine Kakophonie in der Verkündigung. Es ist das universitäre und leider auch kirchliche Lehramt der Ortsordinarien, die dieses tut.
        Als ehemaliger Student der beiden Sprachen Griechisch und Latein weiß ich, wie wichtig diese beiden Sprachen für die Kirche sind. Dieses Faktum ist leider in den meisten exegetischen Seminarien verlorengegangen. Dazu könnte ich Romane schreiben.
        Ich habe Nachhilfe in beiden Sprachen gegeben und bemerke nur, daß die Anforderungen an die Kenntnisse im Lateinischen im Theologiestudium bedeutend geringer sind als im Griechischen. Hätte die Kirche Interesse, diesem Mißstand abzuhelfen, so würde ich das begrüßen. aber das ist nicht in Sicht!

      • Sie haben das Hebräische vergessen. Dieses ist sogar die ursprüngliche Heilige Sprache. Denn in ihr spricht Gott zuerst.

  7. Danke für den herausragenden und sehr interessanten Artikel. Ich könnte Erzbischof Lefebvre nicht mehr folgen, wenn er tatsächlich die These vertreten hätte, dass nunmehr zwei Kirchen existieren und dass die FSSPX die Nachfolgerin der Kirche Jesu Christi ist. Das wäre eine schreckliche Anmaßung und eine Häresie. Der Abfall in den Sedivakantismus wäre dann die logische Konsequenz. Man muss die Spannung aushalten, so wie es der Vortrag von Hw. Pater Gleize beschreibt.

    • Ein besserer Text wären die beiden Vorträge von DDR. Gregorius Hesse „Papst und Kirche heute“ und „Der eigentliche Beginn des NOM“!

    • Jeder Artikel in diesem Mai-Heft ist äußerst lesenswert. Die Redaktion und die Autoren geben die richtige Antwort auf die gefährlichen Extrempositionen, die leider auch in diesem Kommentarbereich kursieren. Man sieht an den Schwestern von Brilon-Wald, wohin es führt, wenn man sich davon in die Irre leiten lässt: alles wird geschwächt, man selbst und auch die Bruderschaft, die doch der wichtigste Garant dafür ist, das die heilige katholische und apostolische Kirche in der EINEN Kirche Jesu Christi fortbestehe. Dafür muss man weiter kämpfen und dabei den Schulterschluss mit allen Kräften der Tradition suchen.

  8. In einem Satz:

    Die eine heilige katholische und apostolische Kirche verliert kein Jota an ihrer Heiligkeit ob der Vergehen / dem Versagen einzelner ihrer Glieder.

  9. Für mich war das nie ein Thema, dass Erzbischof Lefebvre von „zwei Kirchen“ gesprochen hätte. Genauso wenig, wie man leugnen kann, dass zwischen der vorkonziliaren und der konziliaren Kirche EIN BRUCH besteht. Diesen Bruch leugnen zu wollen, ihn mit einer „Hermeneutik der Kontinuität“ zu verdecken, gehört zum „linguistischen Wahnsinn“ (Guiseppe Siri) Es geht dabei nicht um Sprachspiele. Es geht dabei um die Frage, ob Theologen, Päpste, das Recht haben, mit der WAHRHEIT zu spielen. Mit der von und durch Jesus Christus geoffenbarten Wahrheit, die der katholischen Kirche anvertraut ist, zu taktieren.

    Der Predigt- und Erzählstil des II: Vatikanums ist HÄRETISCH. Menschen sind grundsätzlich durch die Erbsünde geschwächt, auch der Papst. Die päpstliche Unfehlbarkeit und die Unfehlbarkeit der Konzilien in Einheit mit dem Papst kann sich nur auf ausdrücklich definierte Glaubenswahrheiten beziehen, und sie bezieht sich nach der kirchlichen Lehre auch nur darauf. Weil diese grundlegende Glaubenswahrheit durch das II. Vatikanum, auch durch die Konzils- und Nachkonzilspäpste, verzerrt worden ist, haben wir in der katholischen Theologie den Pluralismus, der vom protestantischen Pluralismus nicht mehr zu unterscheiden ist. Sich mit dieser „Konzilskirche“ zu einigen, bedeutet, diesen nicht hinnehmbaren Zustand zu tolerieren.
    Wenn sich die Glaubenswahrheiten im geschichtlichen Entwicklungsprozess ändern, dann ist die Offenbarung nicht mit dem Tod der Apostel abgeschlossen, dann gibt es keine endgültig geoffenbarte Glaubenswahrheiten.
    Letztlich geht es hier nicht um einen Verrat an Erzbischof Lefebvre. Es geht um einen Verrat an dem Glauben an die Inkarnation der Zweiten göttlichen Person, an Jesus Christus. Diesen Verrat zu begehen, war Erzbischof Lefebvre nicht bereit. Das macht seine Größe aus, das hebt ihn heraus aus dem unhaltbaren Zustand, in dem sich die Kirche befindet.

  10. Ich bin nach diesem Artikel zur „Konzilskirche“ doch etwas verwirrt. Warum muss ein geläufiger Begriff lange und ausführlich erklärt werden? An und für sich sollten Glaubensfragen – und dazu gehören auch Begriffe – auch für den einfachen Menschen verständlich sein und sollten nicht immer neu interpretiert werden müssen.
    Jetzt in einem eigenen Vortrag mit vielen Worten festzustellen und zu beweisen, dass der vom Erzbischof gebrauchte Begriff „Konzilskirche“ und das bewusste Nichtgebrauchen des Begriffs durch Bischof Fellay, aufgrund der lange vergangenen Zeit seit dem Konzil, das Gleiche sei, lässt mich nachdenklich werden. Lefebvre benutzte den Begriff aus dem Grund, da er Rom durch die Anhänger des Konzils für besetzt hielt und er diese nicht zur wahren, sichtbaren Kirche zählte.
    Warum müssen nach über 40 Jahren Kampf mit dem modernistischen Rom Begriffe neu interpretiert werden, wandeln sich Begriffe so schnell, oder hat sich im Denken etwas geändert?

    (…) „Diese Reden von der sichtbaren Kirche, wie sie Dom Gérard und Jean Madiran führen, sind kindisch. Es ist unfaßbar, daß man bezüglich der konziliaren Kirche, im Gegensatz zur katholischen Kirche, von einer sichtbaren Kirche sprechen kann. Wir versuchen die katholische Kirche zu repräsentieren und fortzusetzen. Ich sage nicht, daß wir die katholische Kirche sind. Das habe ich nie gesagt. Niemand kann mir vorwerfen, ich hätte mich jemals als Papst betrachten wollen. Aber wir repräsentieren die katholische Kirche wirklich so, wie sie früher war. Wir setzen das fort, was die katholische Kirche allezeit vollbracht hat. Gerade dadurch haben wir die Kennzeichen der sichtbaren Kirche – die Einheit, die Katholizität, die Apostolizität, die Heiligkeit. Das macht die sichtbare Kirche aus.“
    (Interview von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre am 30. Juni 1989 in Ecône für die Zeitschrift „„Fideliter“)

  11. Es ist interessant festzustellen, dass in der Bruderschaft die Abkommensbefürworter immer einen „früheren“ Erzbischof Lefebvre zitieren und die Gegner eines Abkommens einen eher „späteren“.

    Pater Schmidberger im Mai-Mitteilungsblatt: (…) „Als gewiefte Dialektiker spielen sie eine Aussage Erzbischof Lefebvres gegen den heutigen Generaloberen aus oder greifen eines der Worte unseres Gründers heraus und lassen die Gesamtschau und die Gesamthaltung dieses großen Bischofs wählerisch beiseite. So stiften sie bei vielen Gläubigen Unsicherheit und Verwirrung.“
    Wenige Zeilen weiter zitiert er den Erzbischof aus einem Vortrag von 1980(!).

    Am 19. April dieses Jahres wird auf pius.info der Leser „Über die Verhandlungen mit Rom“ informiert. Dazu wird ein Vortrag vom Erzbischof aus dem Jahre 1979 hergenommen.

    Wenn ich das aber mit den Aussagen des Gründers vergleiche, die er in den letzten Jahren seines Lebens gemacht hat, dann bemerke ich doch einen Unterschied. Er formuliert dabei sehr scharf gegenüber Rom und spricht immer davon, dass er kein Vertrauen in die römischen Autoritäten hat.

    • Mir fällt auch auf, dass die Abkommensbefürworter immer einen „früheren“ Erzbischof zitieren. Allgemein ist es üblich, dass bei einem vollendeten Lebenswerk, das sich in einer Entwicklung befand, die Spätphase maßgebend ist.
      Die entscheidende Frage wäre konkret: Hat sich die Situation in Rom so positiv verändert, dass die späten Aussagen des Erzbischofs was Rom anbetrifft, historisch überholt sind. Denn der „späte Erzbischof Lefebvre“ sah keinen Sinn, mit dem „modernistischen Rom“ zu verhandeln. Im Gegenteil, er hat davor gewarnt.
      Würden die Abkommensbefürworter das nachweisen können, wären die berechtigten Sorgen der Abkommensskeptiker geringer. Doch das geschieht nicht. Und so bleiben die Sorgen derjenigen, die befürchten, bei einer Einigung mit Rom werden Kerninhalte aufgegeben, weiter bestehen.

  12. Das klingt alles nach einer kleinen, feinen Diskussion, die man irgendwann als beendet ansehen kann. Zumindest solange man keinen Gedanken an den G.R.E.C. verschwendet!

  13. Der Gleize-Vortrag beginnt mit einer Klarstellung, die von so manchem Oberenanhänger bestritten wird:

    Daß es nämlich Meinungsverschiedenheiten in der Piusbruderschaft gibt.

    Nun sind Meinungsverschiedenheiten unter mehreren Menschen durchaus normal und üblich; fraglich ist aber, wie man mit Meinungsverschiedenheiten umgeht.

    Werden Meinungsverschiedenheiten offen, ehrlich und auch mit Respektierung der anderen Meinungen ausgetragen, ist das kein Problem; so aber, wie der Generalobere und seine Leute mit den Meinungsverschiedenheiten umgehen, ist das ein Problem, und zwar ein gravierendes.

    Da wäre zunächst die mangelnde Offenheit des Generalhauses zu erwähnen. Bei allem Verständnis dafür, daß Verhandlungen einer gewissen Diskretion bedürfen – Schlüsseldokumente wie die vatikanische Präambel und die fellaysche Doktrinelle Erklärung MÜSSEN VERÖFFENTLICHT werden, das ist man den übrigen Bischöfen, Priestern und auch den Gläubigen schuldig. Es besteht auch kein Grund, derartige Dokumente geheimzuhalten – wenn man es denn ehrlich meint.

    Schlimm ist auch der Umgang von Generaloberem und anderen Oberen mit Andersdenkenden. Statt Meinungen ehrlich und brüderlich auszutauschen, werden andere Meinungen verboten, und wer sich daran nicht hält, aus der Piusbruderschaft ausgeschlossen. Das gilt übrigens nicht nur für den einen ausgestoßenen Bischof und die inzwischen doch recht zahlreichen Patres, das gilt auch für Laien. Mittlerweile weiß ich von zwei Gläubigen, die lediglich wegen anderer Meinung zu den fellayschen Annäherungsversuchen an Rom Hausverbot erhielten, und zwar Hausverbot ausdrücklich auch für die Gottesdienstzeiten – was nun einem Sakramentenverbot gleichkommt, denn wann sonst soll man die Sakramente empfangen? Oh nein, man erteilt nicht direkt Exkommunikation (wozu weder Generaloberer noch Distriktobere berechtigt wären), man unterbietet Andersdenkenden eben auf anderem Wege den Sakramentenempfang. Man sieht: die Gespräche Menz.-Rom fruchten, Menz. lernt von Rom

  14. Schlimm ist auch der Umgang von Generaloberem, anderen Oberen und deren Anhang mit der Wahrheit. So werden Andersdenkende als „Sedisvakantisten“ verleumdet, auch wenn diese Andersdenkende wiederholt gegen den Sedisvakantismus Stellung nahmen, und es wird Andersdenkenden unterstellt, sich von Erzbischof Lefebvre abzusetzen, obwohl eben gerade diese Andersdenkenden dem Erzbischof die Treue halten und genau deswegen dem neuen Kurs des Generalhauses widersprechen.

    Und Generalobererer, andere Obere und deren Anhang scheuen nicht einmal davor zurück, die Haltung Erzbischof Lefebvres zu verfälschen, um eine eigene Nähe zum Erzbischof vorzutäuschen.

    So findet sich in dem Gleize-Vortrag die Haarspalterei, „modernistisches Rom“ und „Rom der neo-modernistischen und neo-protestantischen Tendenz“ seien nicht das Gleiche. Nun, das Gleiche sind sie tatsächlich nicht, die Rede von dem Rom der „neo-protestantischen Tendenz“ ist aber eher noch schlimmer als die Rede vom „nur“ modernistischen Rom. Jedenfalls gibt es im Text keine Rechtfertigung zur Unterstellung irgendwelcher unterschiedlicher Ebenen.

    *
    Gleize: “ Erzbischof Lefebvre will nicht sagen, daß es zwei Rom oder zwei gänzlich entgegengesetzten Kirchen gäbe, etwa wie zwei mystischen Leiber oder zwei Gesellschaften.“

    Nun, das gibt der zitierte Text tatsächlich nicht her.

    *
    Gleize: “ Er will sagen, daß es Rom und die Kirche gibt, der einzige mystische Leib Christi, dessen sichtbares Haupt der Papst ist, der Bischof von Rom und Stellevertreter Christi.“

    Das gibt der zitierte Text aber erst recht nicht her.

    *
    Hier holt sich Gleize etwas völlig aus der Luft, eine Aussage, die in dem zitierten Text absolut nicht vorhanden ist.

    Doch ist es klar, daß es tatsächlich nur ein Rom, eine von Gott eingesetzte Kirche gibt. Das sieht Erzbischof Lefebvre so, das sehen auch jene so, die sich gegen den neuen Kurs Fellays aussprechen. Doch meint Erzbischof Lefebvre mit „Rom“ etwas anderes.

  15. „Rom“ ist eben tatsächlich nicht nur ein Ding, „Rom“ besteht „sachlich-materiell“ aus Papst und den anderen Kurienangehörigen, unter „Rom“ läßt sich aber auch noch etwas anderes verstehen: Nämlich die von diesen Menschen ausgehenden Aussagen zum Christentum, und zwar die Aussagen aller Jahrhunderte.

    Und wenn Erzbischof Lefebvre von den beiden „Rom“ sprach, dann meinte er das genau in dem letzterwähnten Sinne. Da gibt es nun tatsächlich zweimal „Rom“, nämlich das Rom mit seinen Lehren VOR dem Konzil und das Rom mit seinen Lehren seit dem Konzil.

    Es ist einfach unredlich, unter Hinweis auf das eine „materielle“ Rom eine Nähe zwischen Erzbischof und derzeitigem Generaloberen zu unterstellen, die es einfach nicht gibt. Leider hat sich der derzeitige Generalobere der Piusbruderschaft meilenweit von ihrem Gründer entfernt. Erzbischof Lefebvre sah den Unterschied zwischen dem vorkonziliaren und dem konziliar-/nachkonzilaren Rom deutlich und verhielt sich entsprechend, während der derzeitige Generalobere diesen Unterschied mehr und mehr zu verwischen versucht, eben indem er unter anderem das Wort „Rom“ in anderem Sinne verwendet als Erzbischof Lefebvre in seinen Aussagen über die beiden Rom. Das aber ist schon eine Art Etikettenschwindel, und das bewußt.

  16. Es sollte jedermann klar sein, daß nach Erzbischof Lefebrve die Roma Aeterna eben nur noch in der FSSPX besteht, daß SIE das „ecclesia supplet“ zu allen konziliaren und nachkonziliaren Wirrungen und Irrtümern der Kirche darstellt. Die „Operation Überleben“ hat er nur deshalb gestartet, „damit die Kirche fortbestehe“, und nicht damit die Priesterbruderschaft St. Pius X. fortbesteht. 25 Jahre ist es her, fast auf den Tag, daß sich Erzbischof Lefebrve auf den heiklen Tanz eingelassen hat, aber SELBST den Tanz beendet hat, indem er die Unterschrift unter die Selbstzerstörung der Kirche zurückgezogen hat. Da ist theologisch eine ganz andere Wichtung dahinter. Ich frage daher: Würde S. E. Berard Fellay es unternehmen, Bischöfe zu weihen, wenn er merkt, daß die FSSPX einen Bischof braucht? Von S. E. Williamson weiß man es. Er ist für diesen Gedanken ausgeschlossen worden.Und das ist ein theologisch-doktrinaler Vorgang, da jede consecratio episcopi ein Akt der apostolischen Sukzession wäre, der GÜLTIG wäre. Wenn S. E. bernard fellay wirklich daran liegt, daß die Kirche fortbesteht, so sollte er den Weihbischof ablegen und als Ordinarius der FSSPX (als Generaloberer ist er es!) Bischof sein. Wenn S. E. Williamson sich dazu entschließt (wonach es leider aussieht) die FSSPX-SO zu gründen, so wird er sich ohne weiteres als Bischof und nicht mehr als Weihbischof sehen.
    Den Mut von Richard Williamson mit seiner Klugheit und seiner Mäßigung gepaart, könnte S.E. Fellay der FSSPX die Kraft geben, Rom im schlimmsten Falle zu übernehmen. Er sollte es wissen, es liegt an IHM, „daß die Kirche fortbestehe“
    Roma, Roma convertere ad DOMINUM DEUM TUUM!

    • Ich gehe mit Ihnen, wenn Sie sagen, dass „die Roma Aeterna“, also inhaltlich das, was immer und überall geglaubt wurde, in der FSSPX fortbesteht und von ihr bewahrt wird. Das zieht doch aber nicht die logische Konsequenz nach sich, dass die FSSPX deshalb das eigentliche Rom wäre oder Rom von der FSSPX übernommen werden müsste. Das ist doch Wahnsinn! Nein, Gott hat die FSSPX ins Leben gerufen, sie durch einen 40jährigen Wüstenzug gegen alle Anfeindungen erhalten und gegen alle Widerstände gedeihen lassen, damit sie, wenn ihre Stunde kommt, als Sauerteig in das Ewige Rom hineinwirke, sie das schaal gewordene Salz wieder salzig mache, sie der geschändeten Braut Christi wieder die Hochzeitsgewänder anlegen helfe. Das ist der Dienst, den die treuen Knechte der unter die Räuber gefallenen Braut Christi zu erweisen haben. Was dann der „Lohn“ für diesen Dienst ist, ob es einmal einen Papst und eine große Anzahl von Kardinälen aus den Reihen der FSSPX geben wird, das bleibt Gott anheimgestellt. Nun, die Stunde kam, sie kam überraschend, mitten in finsterster Konzilsnacht. Aber Gott fand seine Diener schlafend, man hatte kein Öl für die Lampen bei der Hand! Die große Chance zu diesem Liebesdienst an der Braut Christi wurde aus Misstrauen und Uneinigkeit und wegen einer Interview-Bombe vertan. Der Wind hat sich nun gedreht, der Frühling scheint wie eine Fata Morgana ins Nichts zerronnen, die Wüste kehrt zurück, wir alle müssen zunächst weiter leiden und opfern, damit Gott uns das Versagen vergeben möge und uns in seinem Erbarmen vielleicht eine zweite Chance schenkt.

      • Wann kommt die Stunde, wann kann sie einziehen,? Wenn Rom in Trümmern liegt, das Papsttum sich abgeschafft hat? Es ist das Konzil, das seit 50 jahren die Kirche in der Wüste stehen hat lassen, besser als Sündenbock in die Wüste der Weltgeschichte geschickt hat, weil sie ja bis dahin keine Religionsfreiheit, keinen Liberalismus, keinen Immanentismus, keinen Protestantismus und schon gar keinen Progressismus und Modernismus vertreten hat, mitsamt den Exazerbationen von Nazismus und Kommunismus. Das Aggiornamento war das Ins-Exil-Gehen der Kirche.
        Tissier de mallerais hatte recht als er 2008 sagte: „Wir sind dazu da, daß sich Rom bekehrt und das Konzil aufgibt. Solange jemand in Rom das Konzil verteidigt, haben wir in Rom nichts zu suchen“ Und das machen die Päpste in einer gleichsam selbstzerstörerischen Weise. Die thomistischen Kategorien besagen, daß eben die Kirche im Moment MATERIELL abgefallen ist – nicht FORMAL, weil es eben innerhalb der Kirche die Nicht-Abgefallenen der FSSPX gibt. So ist das. Die FSSPX IST das „Ecclesia supplet“

  17. „Wir wollen weder liberal noch modernistisch sein, aber auch nicht schismatisch, sondern katholisch – mit der gesamten Lehre der Kirche, mit der heiligen Messe aller Zeiten und mit der Spiritualität der Heiligen, aus einem Gruss. Dabei arbeiten wir an der Rückkehr der Hierarchie zur 2000-jährigen Tradition, wie wir an der Bekehrung eines Freundes arbeiten würden: mit Prinzipientreue, Zähigkeit, Milde und Sanftmut.“ (P. Schmidberger, Mitteilungsblatt Mai 2013, S. 3).
    Ich gehe davon aus, dass P. Schmidberger als deutscher Distriktoberer hier auch die Linie des Generaloberen und seiner beiden Asssistenten authentisch wiedergibt.
    (…) „Das ist eine vollkommene Illusion. Nicht die Untergebenen formen die Vorgesetzten, sondern die Vorgesetzten formen die Untergebenen. In dieser ganzen römischen Kurie, unter all den Bischöfen der Welt, die Progressisten sind, wäre ich völlig untergegangen. Ich hätte nichts ausrichten können, noch hätte ich es vermocht, die Gläubigen und die Seminaristen zu schützen.“ Erzbischof Lefebvre, zitiert nach der Biographie von Bernard Tissier de Mallerais, S. 605.
    Davon abgesehen, dass es nach meiner Überzeugung gegen jede Lebenserfahrung spricht, dass die Leitung der FSSPX die übermächtigen, zahlreichen Gegner mit Sanftmut und Milde überzeugen kann, liegt der Kurswechsel gegenüber dem Gründer offen vor Augen. Der Weg führt zielstrebig in Richtung Ecclesia-Dei-Gemeinschaft. Die Gewährung eines von Rom abhängigen Bischofs ändert daran nichts.
    Noch ist es nicht so weit. Aber der Kurswechsel ist eindeutig. Irgendwann wird Bischof Williamson Bischöfe weihen müssen. Ich habe mich bisher gegen diese Vorstellung gesträubt, sie war mir unerträglich. Doch wenn es keine andere Wahl gibt, DAMIT DIE KIRCHE FORTBESTEHE, muss es wohl sein.

    • Sie offenbaren sich immer mehr als das, was Sie in Wahrheit sind: das Sprachrohr, die Schreibfeder von Exzellenz Williamson.

      • @hicesthodie:

        Um hier Ihren Sprachduktus zu übernehmen: Sie offenbaren sich immer mehr: anstatt sachlich Stellung zu nehmen Andersdenkende diskreditieren.

        Man muß nun wirklich kein Sprachrohr Bischof Williamsons sein, um den Verrat des derzeitigen Generaloberen an dem Gründer der Priesterbruderschaft zu erkennen. Schon die Lektüre der Doktrinellen Erklärung dieses Generaloberen genügt dazu.

  18. Nachtrag: Meinem Zitat ging voran: „Von welcher Kirche ist da die Rede? Wenn es die Konzilskirche ist, dann wäre es notwendig, daß wir, die wir seit zwanzig Jahren gegen sie gekämpft haben, weil wir eine katholische Kirche haben wollen, in diese Konzilskirche eintreten, um sie sozusagen katholisch zu machen. Das ist eine vollkommene Illusion…“ weiter s. o.

  19. Um zu zeigen, wie schnell es geht seine Überzeugungen aufzugeben und plötzlich eine ganz andere Meinung zu vertreten, ein kurzer Auszug aus dem lesenswerten Interview von Erzbischof Lefebvre zum 20-jährigen Bestehen der Priesterbruderschaft.

    „Mit einem Schlag gibt man den wahren Kampf auf und vereinigt sich mit den Zerstörern unter dem Vorwand, daß sie einige Privilegien zugestehen. Das ist nicht vertretbar.
    Praktisch haben sie den Kampf um den Glauben aufgegeben. Sie können Rom nicht mehr entgegentreten.
    Auch Pater de Bligniére hat so gehandelt. Er hat sich vollkommen umgestellt. Ein ganzes Buch über die Verurteilung der Religionsfreiheit hatte er verfaßt. Jetzt schreibt er zugunsten der Religionsfreiheit. Das kann man nicht mehr ernst nehmen. Diese Menschen haben in der Frage der Lehre nichts verstanden. Man kann auf diese Menschen nicht mehr zählen.“

  20. Warum macht man sich hier so viele Sorgen um die Zukunft der Piusbruderschaft
    und mischt sich in deren interne Auseinandersetzungen ein ?

    Es gibt innerhalb der Kirche auch Orden, welche sich für die Wahrheit und den wahren
    Glauben einsetzen.
    Als einfacher Gläubiger und Mitglied der einzigen Kirche unseres Herrn kann man
    auch einen glaubenstreuen Orden in der Kirche unterstützen.

    • Bitte nennen Sie doch einige Orden, die sich noch für den wahren Glauben, so wie die Tradition ihn überliefert, einsetzen.

      Ich suche schon lange einen Orden, an den ich mich als Oplatin/Terziarin anschließen kann. Ich finde keinen in Deutschland.

      • Übrigens sind die Jesuiten sehr gute Katholiken. Einer der ihren ist sogar Papst!

      • Die modernen Jesuiten leider nicht mehr, Vincentinus.
        Mit Ausnahme eines kleinen Ordens, welcher noch bzw.
        wieder die wahre jesuitische Spiritualität pfegt.

      • Ich kenne hinreichend treue und gute Jesuiten. Diese Pauschalisierung kann ich nicht unterschreiben.

  21. Wenn Sie unsere Hl. Kirche kennen, wissen Sie auch, welche Orden
    da in Frage kommen. Einer wurde hier vor kurzer Zeit beschrieben.
    Leider haben Sie recht damit, dass hier in diesem Land und insgesamt
    im „deutschsprachigen Gebiet“ wenig besteht, Einiges dagegen in
    Afrika und Süd-Indien.
    Die Schwestern und Brüder in Afrika stehen mir näher, als der
    „Neuheide“ von nebenan und auch die englische Sprache verbindet
    uns weltweit.

  22. Papst Benedikt XVI. hat die Priesterbruderschaft St. Pius X. nicht besonders geschätzt. Er hat zwar S. E. Erzbischof Marcel Lefebrve einen „Großen Mann der Universalen Kirche“ genannt hat, aber sein Handeln und Denken von Anfang an, seit Konzilszeiten mißbilligt. Es war die schiere Wichtigkeit seiner Aufgabe als Päpstlicher Legat ihm französischsprachigen Afrika, die Ihm (Benedikt XVI.) Respekt abgenötigt hat.

    Wenn er sich so für die Tradition (unter Konzilsvorzeichen natürlich) eingesetzt hat, so frage ich mich, warum er es nicht vermocht hat, während seiner Münchener Zeit ein bischöflichen Indult für die Zelebration nach dem Missale Romanum von 1962 zu erreichen. Ebenso konnte (und kann) er nicht erklären, warum die Exkommunikation der Bischöfe 1988 gerechtfertigt war und die Gnade für seinen Kollegen Küng gerechtfertigt war. sich auf das Kirchenrecht zu stützen, ist in diesem Vergleich nicht hilfreich.

  23. Jan, die meisten, die heute in eine Kapelle der FSSPX gehen, entscheiden sich nicht dafür, als ginge man in die Kapelle irgendeines katholischen Ordens.
    Ich würde mich jedenfalls nicht befugt sehen, eine solche Entscheidung zu treffen, wenn ich nur solche Gründe hätte. Die Gründe müssen schwerwiegender sein, und sie sind es. Denn die FSSPX ist kirchenrechtlich nicht anerkennt, und trotzdem fahre ich in ihre Kapelle.
    Weil ich überzeugt bin, dass sich der katholische Glaube im vollen Sinne nur noch in der FSSPX erhalten hat, dass sich der Glaube in der ‚Großkirche‘ verändert hat mit dem II. Vatikanischen Konzil. Dass Erzbischof Lefebvre das richtig gesehen hat.
    Deswegen sind die Debatten teilweise so hitzig. Weil sie grundsätzlich sind. Wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass der Weg, den Erzbischof Lefebvre einschlagen musste, richtig war, ich müsste mir das Recht absprechen, eine solche Entscheidung zu treffen.
    Leider wird immer wieder der Eindruck erweckt, als ginge es bei der Auseinandersetzung lediglich darum, sich gegen die Leitung aufzulehnen, als ginge es um Vorlieben für bestimmte Personen oder um Ablehnung.
    Man mag das unterstellen. Aber es entspricht nicht der Wahrheit.
    Für Außenstehende ist das wahrscheinlich kaum nachvollziehbar. Dennoch meine ich, dass es gesagt werden sollte.

  24. Cuppa, so ist es, für Aussenstehende ist die ganze Diskussion nicht nachvollziehbar.

    Aber der Hl. Athanasius zu seiner Zeit und über 1000 Jahre später der Hl. Petrus
    Canisius die Irrlehren dadurch erfolgreich bekämpft, indem sie eine
    Art Parallelkirche aufbauten? Sie haben in der Kirche, verfolgt von den Irrlehrern,
    erfolgreich die Wahrheit zum Erfolg geführt.
    Jeder glaubenstreue Katholik erkennt den menschlich gesehen fast ausweglosen,
    katastrophalen Niedergang von Kirche und Gesellschaft.

    Man kann nur noch auf ein direktes Eingreifen des Herrn hoffen.
    Unsere allerseligste Mutter bereitet ihm bereits den Weg, wie bei seiner ersten Ankunft.
    Ihr unbeflektes Herz wird triumphieren.
    Wir können nur noch niederknien und den Rosenkranz betrachtend beten.

    • Stimmt, es tut einem als Außenstehendem (der gerade mal beginnt, die Entwicklungen, Zusammenhänge & Motive, die in den letzten Jahrzehnten eine so große, so völlig destruktive Rolle spielten, wenigstens schon mal … „zu erahnen“) schon ein bißchen weh, zu sehen, wie die – im Verhältnis zum Ganzen – (leider noch) eher kleine (und – in tiefer Liebe zu der einen Kirche aller Zeiten – sehr tapfere, gerade weil ihnen der Wind, nein, der Orkan „in Kirche und Mehrheitsgesellschaft“ so dermaßen heftig „ins Gesicht bläst“), wie also diese Gruppe der traditionstreuen Katholiken (scheint’s, zum Teil?) auch immer mehr in Spaltung gerät (wobei diese Debatte schon verständlich ist …), so wie die „große Kirche“ selbst … – das ist schon schmerzlich, auch & gerade für die ganze Kirche; für diejenigen, die … vlt. ein bißchen mehr Orientierung und sicheren Halt gerade da suchen, wo ihn die „große Kirche“ nicht mehr geben kann (und offensichtlich auch nicht mehr geben will); aber ich hoffe und glaube auch, daß derjenigen immer mehr werden, die sich trauen, ihren *eigenen* Verstand zu gebrauchen, die sich (unabhängig!) informieren und wirklich verstehen wollen, „was da eigentlich wirklich gelaufen ist und gespielt wurde“ während des Konzils (aber auch schon davor), und in der Zeit danach – bis heute; die sich eben nicht mehr von den ‚(auch „groß-kirchlichen“) main stream media‘ vollblubbern und ihre „Meinung“ bestimmen, d.h. diktieren lassen wollen; es müßte eine richtige – öffentlich sichtbare, selbstbewußte, glaubwürdige, intelligente, informierte, geistig „wohlgerüstete“ & der einen, ewigen Wahrheit verpflichtete, „unbequeme“, starke, mutige & auch koordinierte – ‚Bewegung des Widerstands‘ daraus werden, die nicht mehr bereit ist, sich populistisch diffamieren, diskriminieren und „an den ‚rechten Rand‘“ stellen zu lassen – ‚viribus unitis‘, wie der (von ’seinen Völkern‘ leider auch nicht verstandene) Wahlspruch Kaiser Franz Josephs I. einst lautete …

    • … aber ich habe bei Begriffen wie „große Kirche“, „Konzilskirche“ (ja sogar eine Selbstbezeichnung, Benelli/Staatssekretariat gebrauchte den Begriff ja mal in einem Brief an Erzbischof Lefebvre – der ihn dann nur konsequenterweise aufgriff …), arge „Bauchschmerzen“ und lehne das Reden von „zwei Kirchen“ & diese „Hermeneutik der Diskontinuität“ eigentlich zutiefst ab, wie (glaube) auch hicesthodie. – Das KANN allenfalls eine ‚façon de parler‘ sein – und IST tatsächlich ein riesengroßes Problem, auch für die Glaubwürdigkeit der EINEN Kirche, ein massives ‚Ärgernis‘ … – wie kann das sein? – So muß ich mir von einem (protestantischen) Freund (leider nur zu berechtigte) Frotzeleien darüber anhören, welches Eucharistieverständnis wir denn nun eigentlich hätten? Etwa mit dem Hinweis auf bestimmte „durchgestylte Kirchentagsliturgien“, die kaum mehr eine Andeutung von Gefühl für die substantielle, wirkliche Gegenwart Christi erkennen lassen, u.v.m. – wie steh ich jetzt da? Gestern noch Papst BXVI, ‚Summorum Pontificum‘, Wert & Schönheit der (tradierten, uns geschenkten, nicht der zusammen mit Protestanten „am grünen Tisch abgezirkelten“!) Liturgie, innere Logik & Konsistenz der (eigentlich) EINEN Theologie sozusagen „mit Händen und Klauen verteidigt“, und JETZT […] …!??? Nur geht’s ja nicht um mich, sondern um DIE Kirche, aber so … oder ähnlich wie mir geht’s ja, denke (und seh^^) ich, vielen …

    • … und so tut es alleine schon gut, zu sehen, daß auch andere – ganz unabhängig von einander, auf ganz unterschiedlichen Wegen – zu ziemlich genau denselben Schlüssen kommen … – bitter: es ist die Mehrheit, die (in obigem Sinne) „Konzilskirche“, die die komplette „Infrastruktur“ der Kirche in Händen und die „Entscheidungsgremien“ (& Kanzeln & Kathedren & Leestühle) besetzt halten; die, je angepaßter sie sind, desto mehr das Wohlwollen der Medien und der Mehrheitsgesellschaft auf ihrer Seite haben; die ganz und gar das Bild der Kirche bestimmen (wollen!), die sich anmaßen, DIE Kirche zu sein und (ganz allein!) diese nach außen vertreten zu dürfen, „legitimiert“ durch nichts anderes als – die Mehrheit; wähnend, daß (aggressive, letztlich zutiefst intolerante!) Mehrheit schon als solche auch Wahrheit „erzeuge“ und einen vollends von der Pflicht dispensiere, diese … zur Abwechslung auch mal wirklich stringent zu begründen. Bitter auch: es sind, so wie ich das sehe, eher die Konservativen, Zurückhaltenderen, eher Biederen, die sich noch an wirkliche Werte und Moral gebunden wissen, die ‚Skrupel‘ haben … – während es andere sind, die sich von Moral & Skrupeln längst „befreit“ wissen, denen fast jedes unlautere (auch populistisch-agitatorische) Mittel „Recht“ ist, ihre Meinung aggressiv, rücksichtslos, „raffiniert“ & manchmal in geradezu dreister, boshafter Weise durchzusetzen (bei oft genug nur selbstsüchtigen Motiven), eine Tendenz, die ja auch auf dem Konzil schon überdeutlich zu erkennen war …

      • … so daß es schon verflixt schwerfällt, die äußerst beunruhigten (und beunruhigenden) Worte Pauls VI. von 1972 über den „Rauch des Satans, der durch die feinsten Ritze in das Innerste der Kirche selbst vordringt“, nicht bloß als reine Metaphorik zu nehmen; Johannes XXIII. wollte nicht, daß DAS „hinten bei rauskomme“, der größte Teil des Konzils wollte das nicht, Paul VI. wollte das (so) nicht (und schickte übrigens Bugnini später als Pro-Nuntius nach TEHERAN, aber da war’s schon zu spät …) – die alle wollten DAS nicht … und haben es doch erst möglich gemacht (und später bitter bereut …) …..

      • Ergänzung: Ich meine das jetzt nicht nur innerhalb der Kirche (und meine es auch nicht persönlich bzw. auf bestimmte Menschen bezogen, das wäre ja verleumderisch bzw. müßte ich Belege bringen, klar), sondern ganz generell, auch politisch, „gesellschaftlich“ und historisch; nur ein Beispiel: wie skrupellos die Nazis waren, ist klar (und das ist ja noch untertrieben); in krassem Gegensatz dazu der ‚Widerstand‘, sei’s die ‚Moltke-‘ oder die ‚Stauffenberg-Gruppe‘ – wie schwer die sich taten, wie sehr sie auch mit ihrem Gewissen gerungen haben im Bezug auf den ‚Tyrannenmord‘ … – sie waren eben an die Moral, an ihr Gewissen gebunden, während „die Anderen“ beides von Anfang an „ersatzlos gestrichen“ hatten, kein Gewissen, keine Moral und keinen Gott mehr kannten, der sie für ihre Taten einmal richten würde … – und dasselbe gilt im Bezug auf das Blutbad n.d. frz. Revolution, den Kommunismus oder die ‚RAF‘ – gegen die der Rechtsstaat immer nur mit rechtsstaatlichen Mitteln vorgehen durfte, andernfalls hätte er sich ja selber verraten; so meinte ich das, ganz generell …

  25. Jan, ich gehe in keine Parallelkirche. Wenigstens kann ich sie nicht wahrnehmen. Ich erkenne in der FSSPX-Kapelle die Kirche meiner Kindheit und Jugend wieder. Nicht nur das: Die Kirche meiner Großeltern, meiner Vorfahren, die Kirche von fast allen großer Heiligen. Es wird bestimmt nichts gelehrt, was dem überlieferten Glauben nicht entspricht.

  26. Es war ein Fehler, zu glauben, daß sich papst Benedikt XVI in irgendeiner Weise um eine Revision des II. Vaticanums bemüht hätte. Es waren die äußerlichen Zeichen von Papst Benedikt XVI., die wie nichts anderes eine „Hermeneutik der Kontinuität“ erkennen lassen mußten. Während Papst Paul VI und Papst Johannes Paus II in je ihrer Zeit Maßstäbe setzten, sei es in der Liturgie (Paul VI) oder im Kirchenrecht und der Lehre (Johannes Paul II) und dabei von ihrem genuinen Recht als Papst Gebrauch gemacht hatten, Zog es Papst Benedikt XVI vor, sich als DER Arbeiter zur Ausübung des II. Vatikanischen Konzils zu zeigen. Keine einzige Initiative deutet auf den Gebrauch des Päpstlichen Rechtes hin. Seine Enzykliken stehen alle auf dem Boden des II. Vatikanums.
    Es ist die „Hermeneutik der Kontinuität“ zu SEINEM Konzil, die er in sein Pontifikat legte. Die Arbeit war es, das Konzil nun endgültig in die Kirche zu integrieren. Selbstverständlich gehörte dazu auch die Zulassung der Messe, die während des Konzils zelebriert worden ist (mitsamt ihren durch die pianododkanischen Reformen entstandenen Mängeln). So ist es nicht verwunderlich, daß viele in IHM den Papst sahen, der den Glauben auf den Weg des II. Vatikanums bringt.
    Die klare Art konnte täuschen, die logisch durchstrukturierte Theologie auch. So tut es kein Wunder, daß auch innerhalb der Priesterbruderschaft St. Pius X. es einige gab, die eine Renaissance der Tradition erhofft hatten, eine zumindest auf dem liturgischen Gebiet stattfindende Revision des Konzils. Zu ihnen gehören mit Sicherheit auch der Generalobere S. E.Fellay. und der Generalrat. Deshalb hatten sie gehofft, in Rom einen Schlüssel zum Öffnen des Konzilsschranks zu bekommen. Diesen hat die Konzilskirche selbstverständlich verweigert. Nicht einmal die intellektuelle Kompetenz von fast 300 Gelehrten kann die Konzilskirche davon überzeugen, vom Konzil Abstand zu nehmen.

  27. (Fortsetzung)
    Ebenso konnte die Konzilskirche die Falle aufstellen und sagen: „Ja, aber Erzbischof Marcel Lefebrve hat am Konzil teilgenommen und alle Dokumente unterfertigt. Sein Widerruf 1974 ist unzulässig!“ In den theologischen Gesprächen konnten so die Beteiligten (zu ihnen gehört eben auch Abbe Gleize) in Verlegenheit gebracht werden. Daß der Widerruf mit „J‘accuse la Concile“ vollkommen war, daß Erzbischof Marcel Lefebrve eben nur aus Gehorsam GEGEN SEIN GEWISSEN unterzeichnet hatte, und daß er die Einzelschemata, insofern sie Neuerungen brachten, die nicht mit der Tradition vereinbar waren NACHWEISLICH mit einem „non placet“ versehen hatte, ignoriert man dabei. Erzbischof Castro-Meyer hat nichts unterschrieben und deshalb nahm er ihn als Kokonsekrator bei der Bischofsweihe 1988 an. Was konnte man mehr erwarten.
    Vielleicht haben sich einige in der FSSPX doch vom „Heiligen Schein“ des Pontifikats Benedikt XVI täuschen lassen. Ich hoffe, daß sie jetzt wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen sind und sich wieder auf das besinnen, was Erzbischof Marcel Lefebrve vor 25 Jahren unternommen hat, die „Operation Überleben“. Ihm ging es dabei weniger um die Priesterbruderschaft St. Pius X. als solche, sondern um die in IHR SICHTBARE Kirche aller Zeiten. Die Konzilskirche war für ihn nur ein temporäres Gebilde, was dem Untergang geweiht war. Und er hatte damit recht. Auch und gerade unter dem neuen Pontifex wird sich nichts ändern, wird die Selbstzerstörung der Kirche voranschreiten, solange in Rom nicht an eine Revision des Konzils gedacht wird.
    Und: Die weithin gemachte Behauptung, daß es in Rom innerhalb der Kurie einen selbstmörderischen Machtkampf geben würde, ist falsch: Warum kann man sich gegenüber der FSSPX so schonungslos zeigen und sie in ihr sicheres Verderben locken wollen? Der hostis externus ist entweder so mächtig, daß er die inneren Krisen überwindet, oder nicht! Das lehren Sallust und Cicero.

  28. (Fortsetzung)
    Kann es denn sein, daß die Priesterbruderschaft St. Pius X. so mächtig ist, daß die Konzilskirche sie fürchten müßte, wenn die Bischöfe kaum ihrer bischöflichen Funktion nachkommen können, ohne an die Grenzen ihrer Physis zu kommen? Mag sie spirituell auch noch so mächtig sein, daß tatsächlich von IHR aus das „ecclesia supplet“ ausgeht zu allen konziliaren und nachkonziliaren Irrtümern und Fehlern, als Machtfaktor ist sie zu gering.Ich bin mir Überzeugt, daß S. E. Erzbischof Marcel Lefebrve heute erneut eine „Operation Überleben“ anordnen würde. Nach dem Scheitern der Gespräche mit Rom und dem damit verbundenen Hindernis einer Bischofskonsekration stellt sich diese Frage erneut. Hat S. E. Fellay den Mut, dem großen Vorbild und Vorgänger Marcel Lefebrve nachzufolgen und Rom nach dem schändlichen Versuch, ihn über den Tisch zu ziehen herauszufordern? Diese Frage stellt Abbe Gleize nicht und das ist das auch theologische Manko des Vortrages!

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