Papst Franziskus und die "überhitzten Erwartungen" – Progressive Ernüchterungen?

Päpste und der Fußballer Zanetti: Progressive Vatikanist John Allen sieht Parallen zwischen den Pontifikaten von Benedikt XVI. und Franziskus und sieht eine implosiionsartige Enttäuschung im progressiven Lager kommen(New York) Von „überhitzten Erwartungen“, die mit dem neuen Pontifikat von Papst Franziskus verknüpft werden, schreibt der Vatikanist John L. Allen jr. im National Catholic Reporter, einer amerikanischen Zeitschrift, die trotz ihres Namens wenig Katholisches an sich hat und sich in einem Dauerkrieg mit den Bischöfen und dem Papsttum befindet, aber im Gleichschritt mit den LCWR-Rebellinnen im Ringen gegen die Glaubenskongegration marschiert.

Dennoch sind Allens Artikel meist interessant. Sie leuchten Aspekte eines Themas aus, die von vielen „zu schnellen“ Vatikanisten übersehen werden. Vor allem sind sie ein Seismograph für Entwicklungen in progressistischen Teilen der Kirche. Der Artikel Francis and the risk of overheated expectations kann daher als Lektüre nur empfohlen werden.

Allen geht von einem allgemein verbreiteten Eindruck aus, daß Papst Franziskus eine deutliche Zäsur gegenüber der Vergangenheit darstellt. Dann aber fügt er hinzu, daß jene, die sich genauer an die ersten Tage des Pontifikats von Benedikt XVI. erinnern, nicht umhin können nach dem ersten Monat des neuen Papstes einige offensichtliche Parallelen festzustellen.

Zwei Pontifikate und spiegelverkehrte Erwartungshaltung an den Rändern?

Der amerikanische Vatikanist macht auf die ersten Auftritte Benedikts XVI. aufmerksam, als sein dünner schwarzer Pullover als epochale Neuheit begrüßt wurde und seine ersten Worte nach seiner Wahl vom „einfachen und bescheidenen Arbeiter im Weinberg des Herrn“ mit jubelndem Applaus bedacht wurden. Allen verweist auf die „nie zuvor gesehenen“ Gesten in den ersten Tagen von Benedikts Pontifikat, als er persönlich in seine alte Wohnung an der Piazza Leonina ging, um seine Koffer zu packen und als er an der Tür der nebenan wohnenden Klosterfrauen klingelte, um sich von ihnen zu verabschieden.

Allen setzt die Sondererlaubnis Benedikts XVI. für die sofortige Einleitung eines Seligsprechungsverfahrens für Johannes Paul II. mit der Einsetzung des neuen achtköpfigen Kardinals-Beratergremiums durch Papst Franziskus gleich. Beide Entscheidungen, so Allen, erfüllten jeweils ausdrücklich von den wählenden Kardinälen in den Generalkongregationen vor dem Konklave geäußerte Wünsche.

Und damit kommt Allen zu den übersteigerten Erwartungen, die mit dem neuen Pontifikat verbunden werden, um auch diesbezüglich, bei allen Unterschieden, gewisse Parallelen ausfindig zu machen. Damals unter Benedikt XVI. seien vor allem viele „Traditionalisten“ von dessen Vorgehensweise der kleinen Schritte enttäuscht gewesen. Die von Benedikt XVI. eingeleitete „Reform der Reform“ angefangen bei der Liturgie ging ihnen viel zu langsam. Ganz zu schweigen von der Geduld, die Benedikt XVI. abweichenden Meinungen entgegenbrachte. Ein Verhalten, das sich, so Allen, wenig mit dem Klischee vom Panzerkardinal in Einklang bringen ließ und noch weniger mit den Hoffnungen der einen und den Befürchtungen der anderen, daß dieser nun durchgreifen werde.

Benedikt XVI. handelte jedoch nicht klischeegemäß, was nach einiger Zeit und trotz fortdauernder Vorbehalte, gerade von den Lesern des National Catholic Reporter mit großer Erleichterung zur Kenntnis genommen wurde. Dasselbe kann nun, so Allen, unter umgekehrten Vorzeichen Papst Franziskus passieren. Von progressistischen Kreisen auf den neuen Papst projizierte Erwartungshaltungen können zu einer implosionsartigen großen Enttäuschung führen.

Die traditionalistische Seite, die Allen zur permanenten Abwehrschlacht verschanzt im Schützengraben sieht, findet jeden irgendwie vom Vorgänger abweichenden Schritt von Papst Franziskus kritisierenswert und – könnte man hinzufügen – übersieht dabei, daß die mediale Omnipräsenz jede kleinste Geste in die Wohnzimmer der ganzen Welt trägt wie noch bei keinem Papst zuvor. Damit wird ein Vielfaches an Dingen gesehen, die früher wenig oder keine Bedeutung hatten. Angeheizt wird dieses Mißtrauen in traditionsverbundenen Kreisen vor allem durch den lautstarken Jubel von der völlig entgegegengesetzten Seite.

Die Stimmung der „Moderaten“? Nicht-radikale Progressive schwindelig vor Begeisterung. Ihnen drohe große Ernüchterung

Allen schreibt, die Stimmung der „moderaten“ Katholiken, wie er sie nennt, ergründen zu wollen, also nicht der Progressisten und nicht der Traditionalisten. Die Traditionalisten sieht Allen zornig und etwas verloren in jenem Winkel schmollend, in dem er sie ohnehin am liebsten sieht. Aber auch die Progressisten (Allen meint damit die Modernisten) sieht der Vatikanist ihre Erwartungen bereits zurückschrauben. Sie würden sich nach den ersten 40 Tagen dieses Pontifikats nicht mehr viel davon erwarten. Dazu hat es nicht viel gebraucht, weil in diesen Kreisen eine grundsätzliche Geringschätzung der kirchlichen Hierarchie und vor allem des Papsttums vorherrscht. Ihr kurzer Flirt mit dem neuen Pontifikat diente mehr der Eigenwerbung und dazu, in der Kirche Zwietracht zu sähen.

„Die Moderaten der katholischen Herde scheinen geradezu schwindelig vor Enthusiasmus zu sein, unter ihnen ist die Gefahr übertriebener Erwatungen am akutesten“, so Allen.

„Moderat“ meint im Sprachgebrauch des National Catholic Reporter allerdings weder die große Masse der mehr oder weniger kirchentreuen Durchschnittskatholiken noch die Position Benedikts XVI. von der „Erneuerung in der Kontinuität“, sondern die „gemäßigten Revolutionäre“, also den nicht-radikalen Teil des progressiven Flügels.

„Moderat“ sind für Allen zum Beispiel die Unterstützer der rebellischen Ordensschwestern der LCWR, die Papst Franziskus bereits auf der Linie Benedikts XVI. gemaßregelt und ihre kommissarische Verwaltung bestätigt hat. In diesem Teil des progressiven Lagers herrscht nun, so der NCR-Vatikanist die Stimmung vor, daß man dem neuen Papst „Zeit geben“ muß, dann „wird er verstehen“, ganz nach dem Motto: „Wir können nicht glauben, daß der gute Papst wirklich auf der Seite der böse Glaubenskongregation steht“. Während die radikalen Progressiven das neue Pontifikat laut Allen also bereits abgeschrieben haben, würden sich die gemäßigteren Progressiven noch damit trösten, daß der von ihnen bejubelte Papst „schon noch“ ihren Traum von einer „anderen“ Kirche verwirklichen werde.

Allen stellt eine zentrale Frage in den Raum: Wird Papst Franziskus ausreichend schnell und ausreichend deutlich handeln, um die so euphorischen „Moderaten“ zufriedenzustellen, die sofort einen umfangreichen und detaillierten Katalog von Wünschen und Träumen auf dieses soeben erst begonnene Pontifikat projiziert haben?

Pontifikat verspreche „nichts Revolutionäres“ – Wer zitiert schon Léon Bloy?

Allen läßt erkennen, daß er diese Hoffnung in das neue Pontifikat nicht teilt, denn das wirklich Erstaunliche an der Stimmung der „Moderaten“ sei, daß unter ihnen „das Mißtrauen nicht schon Fuß gefaßt hat“. Laut Allen würden bestimmte Worte und Schritte des neuen Papstes nichts Revolutionäres versprechen. Aus den Zeilen ist unschwer zu entnehmen, daß er und NCR-Leserschaft dies zutiefst bedauern. Laut dem Vatikanisten starren alle auf die Gesten des Papstes und bejubeln diese, aber kaum jemand beachtet dessen Worte. Entweder werden sie einfach überhört oder man tue so, als würden sie etwas anderes aussagen, weil sie Schritt um Schritt das mit der Bekanntgabe seiner Wahl virtuell erzeugte Bild des argentinischen Papstes widerlegen und damit die voreilige Erwartungshaltung bloßstellen.

Im letzten Teil seines Aufsatzes liefert Allen einige Zitate aus Papstansprachen, um seine These „überhitzter“ Erwartungen, die sich schnell ins Gegenteil verkehren könnten, zu stützen. Und überhaupt könnte man Allens Ausführungen ergänzen: Wer zitiert denn schon heute Léon Bloy?:

„In seiner ersten Predigt in der mit den Kardinälen in der Sixtinischen Kapelle am Tag nach seiner Wahl zelebrierten Messe, zitierte Franziskus den französischen Schriftsteller Léon Bloy: ‚Wer nicht zum Herrn betet, betet den Teufel an“. Wenn jemand gewollt hätte, hätte der Satz als ein spektakulärer Mangel an Taktgefühl gegenüber den Nicht-Christen gesehen werden können. Stünden wir einem Papst gegenüber, der beim Amtsantritt im Gepäck den Ruf eines ‚Rottweilers Gottes‘ mitgebracht hätte, statt den eines Mannes, der für die Demut und die Einfachheit superenthusiastischen Zuspruch auf sich zog, ist es nicht schwer sich auszumalen, was für einen Zwischenfall das ausgelöst hätte.

Am vergangenen Dienstag zelebrierte Franziskus zu seinem Namenstag, dem Gedenktag des Heiligen Georg, die Messe in der Cappella Paolina. Dabei sagte er: ‚Es ist nicht möglich Jesus außerhalb der Kirche zu finden‘. Wiederum fällt es nicht schwer, sich vozustellen, wie dieser Satz aufgenommen worden wäre, wenn ihn Benedikt gesagt hätte.

In Wirklichkeit ist es unwahrscheinlich, daß Franziskus in Fragen des Glaubens und der Moral in Zukunft irgendeine wirkliche Abweichung sowohl von Johannes Paul II. als auch von Benedikt XVI. zeigen wird, und früher oder später wird sich auch Franziskus dieselben Reaktionen und denselben Widerspruch zuziehen, auch wenn die größte Enttäuschung in seinem Fall aus einem anderen Lager kommen wird.

Der Kapuziner Pater William Henn hat am 19. April auf diese Gefahr angespielt im Rahmen eines Runden Tisches über den ersten Monat des Pontifikats von Franziskus, der von der von Jesuiten geleiteten römischen Universität Gregoriana organisiert wurde. Henn war gefragt worden, einige Worte über die Reaktionen in den USA zu sagen. Er führte aus, daß die Demut des neuen Papstes gut bei den egalitären Instinkten der Amerikaner ankommt.

Henn mahnte dann jedoch zur Vorsicht: ‘Natürlich wird seine Lehre zu verschiedenen Fragen der offizielle Lehre der katholischen Kirche der vergangenen Jahre treu sein, und das wird von den Medien und einigen Teilen der Gesellschaft, und sogar von einigen Gruppen innerhalb der Kirche nicht gut aufgenommen werden.‘

Es scheint überflüssig hinzuzufügen, daß das eine Einschränkung ist, die nicht nur für die USA gilt…“

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Cantuale Antonianum

Katholisches wird immer für den Leser kostenlos bleiben. Damit das Magazin Tag für Tag mit neuen Artikel weiterhin erscheinen kann sind Zuwendungen notwendig: Unterstützen Sie bitte Katholisches mit einer Spende.
Zuwendungsübersicht

Unterstützen Sie Katholisches auch, indem Sie ihre Bücher über FalkMedien beziehen. FalkMedien hilft uns regelmäßig bei technischen Aufgaben und beteiligt sich bei der Finanzierung von Servertechnik und Administration.

Der WebShop von FalkMedien umfaßt neue und antiquarische Bücher. Bei jedem Kauf, der über Katholisches.info zustande kommt, werden 10 Prozent Provision an Katholisches ausgeschüttet.

FalkMedien liefert jeden erhältlichen Titel: Die Recherche in einem umfassenden Katalog, der auf dem Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) basiert, ermöglicht es, nahezu alle verfügbaren deutschsprachigen Titel zu beziehen.  -  vlb.falkmedien.de


FalkMedien liefert jedes neue Buch versandkostenfrei ohne Mindestbestellwert.

Print Friendly, PDF & Email

43 Kommentare

  1. Der Heilige Vater ist weder Feminist noch Kommunist. Wer das von ihm erwartete, wird sicher getäuscht. Aber eine Abkehr von einem allzugroßen Zentralismus, eine Zulassung geschieden Wiederverheirateter zur Kommunion, eine differenzierte und einladendere Darstellung der Sexualethik und insgesamt weniger Polemik ist ihm durchaus zuzutrauen.

      • Ein vernünftiger Mensch zweifellos nicht. Aber hier können Sie seit Woche über den Papst Dinge lesen, gegen die „Kommunist“ und „Feminist“ geradezu eine Liebesbekundung ist…

        • In der Befreiungstheologie hat sich der Marxismus allerdings das Christentum zum Vehikel seiner Interessen gemacht.Bereits der heutige Gebrauch des Begriffes „soziale Gerechtigkeit“, in seiner Bedeutung von „Verteilungsgerechtigkeit“, transportiert marxistisches Gedankengut. Der Marxismus kommt nicht nur in der Figur Fäuste schwingender Revolutionäre vor, sondern ebenso durch die Umformung der Sprache und damit des Denkens.Marxismus/ Ökologismus kommen gern als Menschenliebe oder Liebe zur Schöpfung verkleidet, scheinbar ideologiefrei und in gefühliger Sprache.Gerade deshalb ist es wichtig, dass die Sprache des Papstes möglicht genau und klar ist. Offenbar gibt es da ein Problem.

          Diesen Beitrag finde ich wenig beruhigend:

          http://traductina.wordpress.com/

          Man kann nur hoffen, der Jubel kommt zu früh.

        • Meine Antwort „Da haben Sie recht“ galt Dunkelkatholik nicht der Aussage, der Marxismus habe sich der Befreiungstheologie bedient usw.

  2. @ Vincentius:
    Diejenigen Geschiedenen („Wiederverheirateten“), die eine gültig in der Substanz gewandelte Hostie essen, essen sich die Verdammung. Wenn sie darauf bestehen, wird es also die Hölle für sie sein. Daran besteht kein Zweifel.

    • Die Geschiedenen, deren ziviler Ehepartner ein anderer ist als der sakramentale Ehegatte, befinden sich objektiv oftmals ohnehin im Zustand der schweren Sünde, wenn sie reulos im Zustande des Ehebruchs verharren. Allerdings ist von Seiten des Klerus, der Seelsorger schon soviel geschwiegen, gelogen worden, sind so viele Irrlehren verbreitet worden, dass wohl häufig nicht die Geschiedenen, sondern die fehlbaren Seelsorger, Kleriker sich mit der Schuld beladen vor Gott verantworten müssen.

    • Ich meine so pauschal kann man das nicht sagen. Zu einer schweren Sünde gehört auch der explizite Wille Gott zu beleidigen (oder das Einverständnis, Gott nicht nicht zu beleidigen). Die Lebensgeschichten sind oft sehr komplex. Andererseits muß die Ehe, gerade in diesen Zeiten, mit allen Mitteln verteidigt werden. Ich will mir in dieser Frage, die auch Papst Benedikt sehr beschäftigt hat, kein Urteil anmaßen.

    • Ausgesprochener Unsinn. Sie können nicht (ich auch nicht) in die intime Zweisamkeit von Seele und Gott schauen.

  3. Aha, das hiesse ja dann, dass JP und Benedikt öfter mal polemisiert hätten. Mir ist das neu. Und wenn Franziskus in seinen Predigten gegen die „Bewahrer“ wettert oder mit der Geschichte der Kirche ins Gericht geht, läuft das natürlich ohne jeden Ansatz von Polemik ab. Was die „differenzierte und einladendere Darstellung der Sexualethik“ anbelangt, so haben wir diese schon bis zum Geht-nicht-mehr. Hier wären eher ein paar deutliche Worte angebracht.

  4. Es entspricht vielleicht unserem Ordnungssinn, die beiden Pontifikate spiegelsymmetrisch zu interpretieren und Prognosen aufzustellen.

    Das Problem – ich sagte es schon oft – ist die Unberechenbarkeit von F.s Aussagen. Er bedient stets Ressentiments, predigt sehr „gegen x.“ oder „wider y.“. Er schilt immer wieder die „Halsstarrigen“ und Bewahrer als solche, die den Heiligen Geist aussperren. Gelegentlich kriegt auch mal ein modernistisches Phänomen einen Tritt mit dem schwarzen Schuh…

    Deshalb sind die beiden Päpste nicht symmetrisch vergleichbar:

    1. Benedikt XVI. ist ein brillanter Theologe – F. ist das ganz augenscheinlich überhaupt nicht.
    2. Benedikt XVI. war theologisch deshalb relativ „berechenbar“ – wie aber soll man eine Theologie, die auf wankendem Grund steht, einschätzen können?
    3. Benedikt hat wegen seiner theologischen Klarheit Aggressionen hervorgerufen. Niemand konnte ihn so einfach für eigene Zwecke benutzen – und das war auch von Anfang an klar! – F. dagegen eignet sich wegen seiner Inkonsistenz hervorragend als narzisstische Spiegelfläche für Monsieur Toutlemonde: er ist Fußballfan, tanzt schlecht (!) Tango (Hurra, genau wie jedermann!), hat keine Ahnung von Musik und fast keine von Theologie. Er bedient ab und zu am falschen Platz den Teufel, schürt dumpfe Ressentiments gegen Intellektuelle und „Verleumder“ (wisst Ihr noch, wer solche Ressentiments geschürt hat vor ein paar Jahrzehnten!) und bleibt ansonsten undurchdringlich.
    4. BXVI. wurde ausgebremst, konnte aber doch einiges durchziehen. Ob F. überhaupt etwas Eigenes machen können wird? Er wirkt auf mich wie eine Puppe, die jd. Papst spielen lässt. Ja, es wirkt wie ein Fake, und das ist gab’s noch nie.
    5. BXVI. sprach immer direkt von seinem Herrn und von seinem Gespräch mit IHM. F. hat noch nie von seinem persönlichen Herrn gesprochen -

    Wäre es so einfach wie Allan es glaubt!

    • „F. dagegen (…) hat keine Ahnung von Musik und fast keine von Theologie. Er bedient ab und zu am falschen Platz den Teufel, schürt dumpfe Ressentiments gegen Intellektuelle und „Verleumder“ (wisst Ihr noch, wer solche Ressentiments geschürt hat vor ein paar Jahrzehnten!) und bleibt ansonsten undurchdringlich.“
      Aha! Dann müssen Sie ja – wiewohl angeblich Kunsthistoriker – ein superbrillanter Theologe sein, wenn Sie dies so sicher in die Welt posaunen, daß der Papst von Thologie „fast keine Ahnung hat“. Haben Sie schon mal etwas von der Sünde des Hochmuts gehört?
      Und was den infam insinuierten Vergleich des Papstes mit … angeht, da ist nur noch Schweigen…

      • Warum werden Sie nur ständig persönlich, Sie Dunkelmann?!
        Ja, machen Sie die Augen und Ohren auf, lesen Sie die Predigten F.s. Vorher bitte Hirn einschalten und dann einfach mal sachlich prüfen, was F. da sagt: dann werden Sie in der Lage sein, meine Postings zu verstehen und dann widersprechen Sie mir mit sachhaltigen Gründen, falls Sie welche haben.

        Bloße Gefühle, Aversionen gegen klare Gedanken – das reicht nicht für eine sinnvolle Deabtte. Tut mir leid. Was wollen Sie?

        Der Papst muss seinem Amt auch gerecht werden. Wieso sollte man ihn in geistliche Immunität kleiden, ebenso wie unsere tollen Bischöfe, wenn sie längst nicht mehr Jesus folgen? Man muss die Ämter achten, aber nicht jeden Unsinn, jede Häresie, die Amtsinhaber ausbrüten.

        Und: hat Jesus etwa blind dem Hohenrat gefolgt? Nein! Eben – es geht um die Wahrheit und nicht um das Ansehen der Person.

        • Also ich habe den Predigtband Bergoglios und die Predigten auf vatican.va gelesen. Das sind lucide und rhetorisch gut gemachte Predigten, die eine klare und gute theologische Aussage auf biblischem Grunde haben. Benedictus XVI. ist sicher ein Gelehrter und viele Theologen reichen ihm das Wasser nicht, aber brillant? Nein, dieses Prädikat sollten wir für Augustinus, Johannes Chrysostomos oder Thomas von Aquino, Nicolaus Cusanus aufheben. Ich denke, der ehemalige Papst sieht das auch so.

    • Ich frage mich schon seit dem 13. März, was die Kardinäle bewogen haben muss, ausgerechnet diesen Mann auf den Papstthron zu setzen. Und diese Frage wird für mich von Tag zu Tag, von Pille zu Pille sozusagen, bedrängender. Wirkt der Heilige Geist eventuell wie eine bewusstseinserweiternde Droge, bei der der menschliche Verstand abgeschaltet wird, so dass wir armen Sünder nur deshalb diese geradezu hypnotische Sicherheit, mit der die Kardinäle im Konklave ihre Wahl trafen, nicht verstehen?

      • Ebenfalls eine Frage, die auch mich so beschäftigt: wie kann ich das sozusagen ‚heilsgeschichtlich‘ begreifen & deuten? Ich meine, der Hl. Geist wird sicher niemals die *ganze* Kirche *irreversibel* in die Irre rennen lassen, und er wird immer verhindern, daß ein Konzil oder ein Papst ‚aus ihrem Lehramt heraus‘ dogmatisch Falsches definieren; auch beim VKII wurde dies vlt. gerade dadurch verhindert, daß dieses Konzil von Anfang an als ‚Pastoralkonzil‘ proklamiert wurde, zum Glück … – d.h. die Texte (und erstrecht die darauf beruhenden ‚realisierenden Einzelbestimmungen‘ wie die – allerdings wohl deutlich über die Vorgaben von ‚Sacrosanctum Concilium‘ hinausgehende – Erarbeitung des NOM durch jenes Bugnini-Consilium bzw. PVI) sind immer noch „verhandelbar“, sind nicht irreformabel oder gar infallibel – und dennoch sind sie … ernstzunehmende Äußerungen des rechtmäßigen Lehramts … und zugleich (Mit-) Ursache für z.T. verheerende Fehlentwicklungen. – Also können Konzilien durchaus zwar nicht dogmatisch, wohl aber ‚in der Sache‘, ‚im Bezug auf die Wirkungen‘ bestimmter Einzelentscheidungen / Äußerungen / Formulierungen fehlgehen. Ebenso ein Konklave kann objektiv falsche Entscheidungen treffen (z.B. die Wahl Alexanders VI. Borgia); wie kann das sein? – Meine persönliche Erklärung dafür ist, daß der Hl. Geist niemals ‚zwingt‘, sondern wirkt & hilft, wenn Bereitschaft & guter Wille vorhanden. Andersherum: der freie Wille des einzelnen (Konzilsteilnehmers, Kardinals) kann ihn sogar „wirksam blockieren“, ihn hindern, letztlich durch Eigenwillen, Hochmut oder sogar bewußt bösen Willen. Es ist, als sage der Hl. Geist dann, „oK, ihr wolltet lieber eurem eigenen Stolz & Starrsinn folgen, statt auf mich zu hören; ihr meint, ihr schafft das ohne mich – bitte, ich will euch nicht ‚mit Gewalt‘ daran hindern, aber ihr werdet sehen, was dabei herauskommt!“ – also eine Art von ‚Heilspädagogik‘; die Menschen, die Kirche, müssen dann eben die Folgen ihres Hochmuts, ihrer …

      • … eigen(mächtig)en Politik voll & in aller Konsequenz „zu spüren bekommen“, bis dann endlich die (Selbst-) Erkenntnis kommt – und damit hoffentlich die Demut, das Einsehen der eigenen Fehler und allzu menschlichen, unlauteren Absichten; erst so kann dann ein wirkliches, ehrliches Umdenken stattfinden und Fehler der Vergangenheit korrigiert werden – und so lernt dann die Kirche als Ganze auch für die Zukunft. – Und mir scheint, daß wir uns gerade in einer solchen Lage befinden, am „Endpunkt“ sozusagen, oder kurz davor; die Kirche kriegt jetzt … „die Rechnung präsentiert“ … so in der Richtung, würd ich sagen bzw. vermuten …
        _______
        Noch ein Beispiel für solche ‚unlauteren Motive‘ oder den ‚Versuch des Mißbrauchs eines Konzils zu persönlichen Zwecken‘: es war, glaube, de Lubac (oder Congar? verwechsle die beiden immer^^), der „intern“ offen zugab oder durchblicken ließ, daß bei ihm wohl auch … regelrechte „Revanche-Gelüste“ eine Rolle spielten, wie bei nicht wenigen Theologen (und sogar progressiven Bischöfen), die in der Zeit Pius‘ XII. so sehr unter dem „schwer lastenden Arm des hl. Offiziums gelitten“ haben … – oder vlt. auch der Hochmut des Wissenschaftlers der (noch) so fortschrittsgläubigen 6o-erjahre, der etwa mit der ‚historisch-kritischen Methode‘ (die ja an sich sogar gut ist – richtig angewandt!) nun auf einmal meint, JETZT ENDLICH – im Ggs. zu allen „dunklen Jahrhunderten“ zuvor – DEN (einzig-) richtigen Schlüssel zum Verständnis der hl. Schrift in Händen zu haben & sich berufen fühlt, aber auch ALLES, was bis dahin gelehrt worden war, an diesem neuen – seinem! – Maßstab zu messen; eben Stolz und Hochmut, Selbstherrlichkeit (statt Demut, Dankbarkeit – auch der Arbeit früherer Zeiten gegenüber, persönliche Zurückhaltung, Dienen- und nicht Herrschenwollen) – und bei solch unlauteren Motiven macht, sozusagen, der Hl. Geist nicht mehr mit … – aber dies nur „der Reim“, den mir selber versuche[!], auf „das alles“ zu machen – „nur so‘n Gedanke“ 😉

      • Nun, diese Frage können Sie getrost den mindestens 66 % der Kardinäle obliegen lassen. Oder sind Sie klüger als diese Männer, die von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. wegen ihrer Vorzüge zu dieser Würde bestellt wurden?

  5. Aussagen von Jose Mario Kardinal Bergoglio, heute Papst Franziskus:
    -
    „Jener Relativismus der es, unter dem Deckmantel des Respekts für Unterschiede, allen erlaubt, den Konflikt zu vermeiden, der mit dem reifen Mut verbunden ist, Werte und Prinzipien hochzuhalten. Der Relativismus ist seltsamerweise absolutistisch und totalitär. Niemand darf von seinem Relativismus abweichen. Im Grunde genommen heißt das ‚halt den Mund’ oder ‚misch dich nicht ein’. (25. Mai 2012)“

    „Das Schlimmste, was im Leben eines Priesters geschehen kann, ist, weltlich zu sein, Bischöfe oder Priester light zu werden.“ ( Gott und die Erde )
    -

    Wird wohl – Gott sei Dank – einmal mehr nix aus den „progressiven Luftschlössern“ !

  6. Ich gebe es unumwunden zu: Ich bin kein brillianter Theologe, habe nie Theologie studiert, habe nur hier und da Interessantes „aufgeschnappt“ und darf mich hier doch äußern. Danke.
    Frage: War Jesus brillianter Theologe? Ich glaube nicht! Bis auf die Evangelieninhalte seines Lieblingsjüngers, der Jesu Aussagen in seinem Evangelium theologischer gesehen hat als die Synoptiker in ihren Evangelien, war da für die Jesus-Theologie überhaupt Raum? Die Theologie Jesu bestand aus seiner Sicht aus einer Ich-Theologie. Im Gegensatz zur Ich-Theologie Jesu mussten sich brilliante menschliche Theologen eine auf Jesus hingerichtetete Du-Theologie abliefern und vertreten, ohne jedoch die göttlich-seelische Verfassung Jesu jemals ihr eigen haben nennen dürfen. Sie mussten wohl im Laufe von 2000 Jahren dem Intellekt mehr Raum geben als Jesus dies je tat. Er hat besonders durch das Johannes-Evangelium (natürlich auch über die anderen Evangelien) die Ausrichtung erfahren, die die Hl. Dreifaltigkeit als den einen Gott erst für Menschen erkennbar möglich gemacht hat. Ein revolutionäres Gottesbild, ohne dass die VOLLKOMMENE göttliche Liebe Gottes zu uns Menschen in Jesu Tod und Auferstehung nicht denkbar wäre.

    In diesem Spannungsfeld bewegt sich jeder Christ bis hin zum Papst. Die Frage ist doch letztlich: Ist diese Theologie der hl. Dreifaltigkeit Grundierung unseres Glaubens. Können die Worte und Taten Jesu historisch gesehen werden? Ist Jesus historisch von den Toten auferstanden? Sind die Wunder Jesu, die wichtigsten Worte Jesu ihm in den Mund geschoben worden oder sind sie authentisch?
    Die Kirche ist wohl von der Authentizität ausgegangen, was m. E. auch erst jeden Glauben und damit auch die Liebe erst begründen kann. Wenn der Papst diese Grundierung ernst nimmt, brauchen wir keine Angst zu haben. Haben wir aber einen Vertreter, der Jesus nur als Symbolgestalt sieht und alle seine Taten als symbolisch ansieht, haben wir ein tödliches Glaubensproblem. Das ist doch Grundproblem

    • Bazillus: „Frage: War Jesus brillianter Theologe? Ich glaube nicht!“

      Jesus war nicht nur brillanter Theologe, sondern war (und ist!) der brillanteste Theologe überhaupt. Unüberbietbar für alle Zeiten. Wer könnte denn brillanterer Theologe sein als Gott selbst, Fundament jeder Theologie?!

      Jesus war zu seiner Zeit auf der Erde vielfach von einfachen Leuten umgeben, und mit ihnen sprach er in einer einfachen Sprache – oft in Gleichnissen –, die vielleicht auf dem ersten Blick nicht „theologisch brillant“ wirkte. Aber sie war und ist es.

      • Werter Guiseppe,
        ich habe es vielleicht nicht so auf den Punkt bringen können. Jesus war kein Theologe. Er war und ist Gott selbst. Er braucht keine „Gottesforschung“. Er brauchte die „Lehre von Gott“ nicht zu lernen. Er lehrte, was Gott ist. Er ruht in sich selbst. Das, was er den Menschen zu sagen hatte, teilte er ihnen mit einfachen Worten und Gleichnissen mit und beglaubigte diese mit seinem irdischen Leib und Blut. Also Jesus hat durch sein Tun und Handeln nicht nur die Menschen erlöst, sondern auch seinen Vater vom Image des Rächer- und Strafgott befreit. Jesus ist somit der Verkünder der göttlichen Autorität. Er ist Lehrer von Gott her nicht zu Gott hin, wie die irdischen Theologen. Ich glaube, dass er wirklich kein Theologe, sondern als Gott der alles Wissende“ ist und keine „Forschung“ brauchte. Aber, so glaube ich, wir sind da garnicht so weit voneinander entfernt. Wir müssten im Grunde nur den Begriff „Theologie“ definieren.

      • Jesus Christus war gar kein Theologe. Er muss Gott nicht erforschen, denn er ist Gott selbst in zweiter Hypostase. Brillant muss er auch nicht sein. Nur er selbst. Das reicht.

    • „Haben wir aber einen Vertreter, der Jesus nur als Symbolgestalt sieht und alle seine Taten als symbolisch ansieht, haben wir ein tödliches Glaubensproblem. Das ist doch Grundproblem“ – diese Frage stelle ich mir auch: wird er es schaffen (ist dies auch sein eigenes Ziel?), den Kurs von BXVI fortzusetzen, einen Gegentrend ‚von oben‘ zu diesen ja auch von vielen von uns ‚Kommentatoren‘ (auch an anderer Stelle), finde, zurecht so beklagten Tendenzen zu setzen, die ja seit langem schon „unterschwellig“ in der Kirche, der ‚Gesellschaft‘/Politik, der Geschichte gären (mal rückwärts, sehr grob & verkürzt: „post-konziliare Ära“, VKII, „Entmythologisierung“, Modernismus, 19. Jhd., Materialismus/Sozialismus [als philosoph. System], „Aufklärung“, auch Febronianismus, Reformation, Humanismus/Renaissance, Ockham’scher Nominalismus – wann fing „das“ überhaupt an?) und mittlerweile bittere Realität geworden sind und „in diesem Zusammenspiel und dieser Wirkung“ das absolute Fundament unseres Glaubens, der Kirche, auch der ‚Gesellschaft‘ und letztlich … des christlichen Europa (mit allen Folgen), ja, aufzulösen, „zu annihilieren“ drohen (und was kommt „danach“?)!? – … oder wird er diese Tendenzen (die sich jetzt mehr und mehr in Realitäten verwandeln, zu Fakten werden, in den Köpfen, in den ‚Strukturen‘) eher noch (bewußt / absichtlich oder unabsichtlich?) forcieren? Ist wohl noch zu früh, um sich darüber ein wirklich klares Bild machen zu können, aber er hat ja von Anfang an schon – ganz bewußt! – deutliche Zeichen gesetzt, die auch wohl verstanden wurden …
      … ich wünschte mir nichts mehr, als daß ich einmal sagen könnte, „na, da hab ich mich aber glücklicherweise [mal wieder^^] gründlich geirrt & allzu früh allzu schwarz gesehen!“ … – schwer zu sagen, aber im Moment überwiegt bei mir eher die „pessimistische Version“, ein eher „ungutes Gefühl“ … eine sehr ‚verworrene Situation‘, wie, glaube, zeitschnur schon mal schrieb …

      • Noch zu den ‚Zeichen‘: die sind eben doch wichtig, sagen oft mehr als Worte; natürlich kann man über jedes einzelne trefflich streiten, ‚an sich‘ kommt es wirklich nicht darauf an, ob der Papst nun rote oder schwarze oder Enten-Schuhe trägt, auch nicht auf die Mozetta, die Ferula etc. pp. – auch bei dem ‚heftigen Disput‘ von neulich (‚rote Schuhe‘) ging’s ja nicht eigentlich um die Schuhe selbst, sondern letztlich um die Botschaft, die dahinter steht, die ja mit Absicht vermittelt wird; auch nicht durch ein ‚Zeichen‘ alleine, sondern durch die Gesamtheit aller dieser Signale (so daß es egtl. unsinnig ist – oder ein bißchen am Thema vorbei geht –, nun über die historische Entwicklung der „päpstlichen Schuhfarbe“ zu streiten) – und die sprechen mittlerweile in ihrer Summe eine sehr deutliche Sprache! Und da frage ich mich eben, ob das das richtige ‚Gesamtsignal‘ ist – in dieser konkreten, (kirchen-) geschichtlichen Situation, oder nicht vielmehr … ein bißchen auch ein „Verrat“ ist z.B. an solchen Priestern, die in ihren Gemeinden gegen allzu krassen ‚liturgischen Wildwuchs‘ (der selbst wieder ein Zeichen ist für einen bestimmten neuen, letztlich ganz anderen Glauben) zu argumentieren versuchen – unter Schmähungen und Kämpfen –, und die sich jetzt (sogar zu Recht) von … „post-modernen Liturgie-Kreisen“ anhören lassen müssen, „na, der hl. Vater macht’s doch genauso!“; diese Pfarrer (z.B. auch vom Pfarrer-Netzwerk) müssen sich doch … verraten fühlen! Weshalb ich am Schlimmsten fand, was auf der HP des Erzbistums Wiens auch deutlich gesagt (& begrüßt) wurde (& ich für sehr glaubwürdig halte, insbes. auch wg. P. Lombardis beredtem Schweigen zu dieser Frage nachher!), also die Spendung der hl. Kommunion durch den Papst höchstselbst an die Jugendlichen, denen er vorher die Füße … (nicht nur) gewaschen hatte; damit hat er doch vollendete Fakten geschaffen bzw. die eh schon gängige Praxis im Bezug auf ‚Interkommunion‘ höchstselbst & ganz ohne Worte voll sanktioniert!

        • Ergänzung: „… sagen oft mehr als Worte“ – ja, zumal F scheint’s sowieso mehr mit (eindeutigen) Zeichen als mit seinen (z.T. ziemlich kontradiktorischen) Worten sagt; weil (zitiere aus dem Artikel jenes argentinischen Journalisten, Link i.d. Kommentar von zeitschnur) F gewohnt ist, sich einer
          „demagogischen und zweideutigen Sprache zu bedienen, kann man nicht sagen, dass seine Lehre heterodox sei; sie ist so verwirrend, dass man sie eher als nichtexistent bezeichnen muss.“

  7. M. E. konnte der beliebig interpretierbare relativistische „verkündete Jesus“ nur deshalb so viel Raum gewinnen, weil wir die Sicht seiner Mutter auf Jesus nicht ernst genug genommen haben. Ich nenne den biblischen Jesus gern auch den marianischen Jesus. Wer Maria verehrt und somit den Verkündigungs- und Weihnachtsevangeliumsteil ernst nimmt, ja, als historisch ansieht, hat – so habe ich es festgestellt – mit dem verkündeten Jesus nichts am Hut. Maria fixiert m. E. das richtige Jesus-Gottesbild im Glauben. Wenn Jesus also nicht von einem irdischen Mann gezeugt wurde, wird das Wunder historisches Begleitmaterial in seinem Leben. Ist die Weihnachtsgrundierung richtig, ist auch die Auferstehung richtig. Es ist wohl kein Wunder, dass der verkündete Jesus erst möglich wurde, als der Wegfall der Verehrung der Mutter des Herrn im evangelischen Bereich die direkte Sichtweise auf Jesus freigab. Wer die Mutter Jesu verehrt, nicht anbetet, weiß, mit welchem Jesus er es zu tun hat. Wer die Mutter nicht verehrt, gibt Jesus zur Interpretation frei, die ohne die Verehrung der Mutter zumindest erschwert würde. Darum habe ich von diesem Papst zunächst einmal nicht den schlechtesten Eindruck, weil er u. a. das „Gegrüßet seist Du Maria“ sofort zu Beginn seines Pontifikats gemeinsam mit dem Volk gebetet hat. Ja, er hat sogar – wie in diesem Artikel verlautbart wurde – den Teufel bemüht. Das wünschte ich mir von der kath. deutschsprachigen Kirche auch. Viele Priester glauben nicht mehr an die Hölle oder an das personale Böse, obwohl gerade Jesus des Öfteren vor dem Fürsten dieser Welt eindringlich gewarnt hat. Das zeigt, dass Jesus nur noch symbolhaft verstanden wird und seine Worte letzlich nicht mehr ernst genommen werden. Wenn jesus so gesehen wird, ist er der Interpretationswut der Menschen ausgesetzt und dann ist alles erlaubt, nur katholisch ist es dann nicht mehr. Das Weihnachtsevangelium bekommt somit aus dieser meiner persönlichen Sicht eine immense Bedeutung.

    • Lieber Bazillus, von Ihrer theologischen Bildung hat, glaube ich, keiner gesprochen – warum diese persönlich beleidigte Reaktion zu Beginn Ihrer Postings?
      Übrigens sagte ich nirgends, dass jeder ein brillanter akademischer Theologe sein muss. Vielmehr sagte ich, dass BXVI. dies ist und F. offenbar nicht, was die beiden allein schon deshalb nicht vergleichbar macht (wie es der Autor Allen versucht). Hat also alles mit Ihnen gar nichts zu tun. So weit so klar?

      Ihre Gedanken über die Sicht auf Jesus durch Marias Herz finde ich dagegen sehr sehr schön und richtig! Auch sehr gut formuliert.

      Bloß: Kennen Sie das nicht, dass jemand zwar „äußerlich“ bestimmte Formen bemüht, aber sie stimmen irgendwie nicht, es wirkt unecht, wie Bluff? Ich finde zum Beispiel den Satz, wer nicht Jesus anbete, bete den Teufel an, unmöglich! Sie wissen genauso gut wie ich, dass es wirkliche Teufelsanbeter gibt. Die wissen aber, dass sie das tun. Aber nicht jeder unbewusste Zeitgenosse, der sich um Jesu herumdrückt und sich den absurdesten Ideen verschreibt, nur um Jesus auszuweichen, betet gleich den Teufel an! Er mag sich ihm unbewusst in die Hände spielen auf lange Sicht. Aber Sie werden doch zugestehen, dass das zweierlei Dinge sind. Sagt nicht auch Jesus andererseits: Wer nicht gegen uns ist, ist für uns? Das bedeutet doch zumindest, dass man die Indifferenz eines Menschen nicht sofort als „Teufelsanbetung“ auslegen darf!

      Ich bin wegen dieser und der vielen anderen groben und unchristlichen, sehr unbarmherzigen Keulen übrigens (!), die F. seit dem 13. März äußert, sehr im Zweifel darüber, ob er wirklich die marianische Sicht hat, die Sie sich (ganz im Einklang übrigens mit mir!) wünschen.

      Worte sind ohnehin geduldig. Aber wenn schon die Worte zwiespältig sind in ihrem Sachinhalt – lieber Bazillus, was muss man da befürchten?

      • Man muss sich nur einmal das allseitige Geheul vorstellen, das inner- wie ausserkirchlich aufgestiegen wäre, wenn Benedikt XVI. sich dieses Zitates in der Art und Weise wie F. bedient hätte. Was hätte man da nicht alles zu hören und in den Gazetten zu lesen bekommen: Verachtung und Beleidigung der Religionen, vor allem des Judentums und des Islams, Abkehr vom II. Vatkanischen Konzil, unerträglicher Alleinvertretungsanspruch der Wahrheit, Beendigung des interreligiösen Dialogs ect. pp. Es hätte Protestnoten von diplomatischen Vertretern und religiösen Organisationen gehagelt, Rücktrittforderungen wären erhoben worden und Pater Langendörfer hätte sich womöglich dahingehend erklärt, dass der Papst mit diesem Zitat nicht die Meinung der DBK und der Protestantischen Kirche in Deutschland vertrete. Nichts dergleichen bei Franziskuss. Da fragt man sich doch, welche Hand sich hier schützend über ihn legt. Möge es die Hand Gottes sein!

      • Werte Zeitschnur,
        ich hatte mich im Grunde nur als „Nichttheologe“ geoutet, weil ich mich als einfachen Katholiken empfinde. Das war nicht als Reaktion auf Ihren Kommentar gedacht. Bin somit nie „beleidigt“ gewesen. So schnell schafft das auch niemand. Bin da hart im Nehmen.

        Ich war und bin immer der Meinung, dass wir es unterlassen sollten, einen Papst mit anderen zu vergleichen. Jeder ist eine andere Persönlichkeit und setzt andere Akzente. In der Kirchengeschichte gabe es einige Päpste, die charakterlich so verdorben waren, wie wir uns das wohl kaum von einem Papst vorstellen könnten. Das letzte Jahrhundert, so denke ich hatten wir Päpste, die m. E. insgesamt Gutes verkündet und glaubensvoll „regiert“ haben.

        Bei Papst Franziskus plädiere ich dafür, ihm mehr Zeit zu geben. Wir sollten jede Predigt aufmerksam verfolgen. Ihren Einwand zum Wort Jesus-Teufel gebe ich Recht.. Dieser Satz ist kein Dogma, aber doch auch sehr kritikwürdig. Allerdings gibt er mit diesem Wort preis, dass der Teufel für ihn eine reale Größe darstellt, allerdings in diesem Zusammenhang wirklich in einen zu radikalen Kontext gestellt.

        Warten wir einfach nur ab. Es wird sich herauskristallisieren, wie dieser Mann „tickt“. Den Heiligen Geist würde ich aber bei ihm nicht abschreiben wollen.

    • Ich hoffe, Sie glauben auch nicht AN die Hölle. Das wäre blasphemisch. Man kann nur an JEMANDEN (i.A. an Gott) glauben.

      • So wie Gott ist auch Satan, sind auch Engel geistige Wesen, die sich der menschlich irdisch täglich erfahrbaren physischen Wirklichkeit entziehen, wobei Gott als unmittelbarer und mittelbarer Schöpfer auftritt.
        Glaube ist mehrdimensional. An Gott glaube ich in Liebe und versuche diesen Glauben (gelingt mir nicht sehr oft) mit Liebe zu Gott und dem Nächsten aufzufüllen, immer auf Gott hin ausgerichtet. Dieser Glaube hat Auswirkungen auf meine Religiöität. Da Gott Engel im besten Sinne erschaffen hat und Satan, der ein solcher Engel war, sich durch Stolz seinem Schöpfer gegenüber in seiner jetzigen Form selbst erschaffen hat, so ist es ein Akt des Glaubens an die Existenz von Engeln und Satan und somit auch an einen Ort der ewigen Finsternis, dessen Einwohner bewusstseinsmäßig sich selbst willentlich von Gott getrennt haben.

        Der Glaube an Gott bestimmt mein Handeln. Der Glaube an die Existenz von geistigen Wesen ist eher ein Glaube des „Für-Wahr-Haltens“, mehr nicht. Ich denke, dass ist nicht blasphemisch. Jesus hat uns die Existenz und den Umgang mit Satan im NT explizit vorgelebt. Für Jesus, unseren Gott und Herrn, waren Dämonen real. Somit glaube ich an Satan, die Engel und die Existenz der Hölle, lasse mich von Satan aber nicht in relgiöse Handlungen hineinkatapultieren. Ich denke, das ist ein gravierender, also m. E. der gravierende Unterschied. Von Gott versuche ich mich geistlich inspirieren zu lassen. Satan ist eine absolute Nebenfigur, auf die sich der gesunde Glaube eines Christen nie richten sollte, insbesondere nicht aus Angst. Wer aus Angst vor der Hölle glaubt, glaubt nicht wirklich.

        • Dann kehren Sie doch bitte auf den Boden des rechten katholischen Sprechens zurück. Sie glauben allenfalls den Teufel. Oder dass der der Teufel existiert. Sie glauben aber bitte nicht an den Teufel, die Engel, die Jungfrau Maria. „Glauben an“ kann man nur an den Dreieinen.

  8. Weiter oben habe ich geschrieben, dass mich F.s Intellektuellen- bzw. Vernunftfeindlichkeit und seine ständigen Keulen gegen „Verleumder“ und Intriganten“ ausgesprochen unangenehm an gewisse Zeiten im 20. Jh erinnern.
    „Dunkelkatholik“ findet meine Assoziationen „infam“ (s.o.).
    Das man bei F. auch aus anderen Gründen äußerst unangenehme Eindrücke empfängt, möchte ich noch mit einem Zitat aus einem Interview vom 15. März 13 aus der taz belegen. Die taz veröffentlichte ein Gespräch mit dem Investigativjournalisten Horacio Verbitzky, der viele Interviews mit Bergoglio gemacht hatte:

    „Papst der Armen“ – das kann schon sein, denn er ist ein konservativer Populist. Er ist sehr bedacht darauf, dass alle Welt weiß, dass er U-Bahn und Bus fährt, dass er alte Schuhe trägt und gebrauchte Kleider, dass er den kirchlichen Pomp ablehnt. Er ist ein großer Schauspieler. Seine Predigten übt er vorher ein, um ihnen dramatische Effekte zu geben, er gestikuliert viel. Er ist ein hemmungsloser Populist, recht flexibel in Fragen der Doktrin, allerdings unerbittlich gegen die Befreiungstheologie. Er redet sehr viel von den Armen – ein Populist eben.“

    Soweit Verbitzky. Natürlich ist das eine Sichtweise, die man auch bezweifeln kann. Allerdings klingt das Interview glaubwürdig. Man möge selbst lesen. http://www.taz.de/!112929/

    Nun gehen aber andere Berichte in dieselbe Richtung: http://korrektheiten.com/2013/03/15/11397/ Sie gibt eine Einschätzung des konservativen katholischen argentinischen Journalisten Marcelo Gonzalez wieder.

    Diese Stimmen aus Argentinien, eine linksorientierte genauso wie eine konservative, beschreiben dieselbe Inkonsistenz, das Populistische und die Natur eines autoritären Doppelspielers.

    Mir wird immer wieder unterstellt, mir ginge es nur ums „Ahnunghaben“ und ich achte den Papst nicht. Blödsinn aus dem Munde schwacher Geister!

    Es ist viel schlimmer: Ich bin in größter Sorge um die Kirche, weil ich sie in ihrer Verfasstheit liebe – deshalb schreibe ich.

    • „deshalb schreibe ich.“

      Und dafür danke ich Ihnen! Ihre Kommentare sind sehr wertvoll, sprachlich wie inhaltlich, und haben mir viele neue Erkenntnisse gebracht. Lassen Sie sich von einem Dunkelmann nur nicht ins Boxhorn jagen, das ist womöglich eh nur der Zweitaccount eines hier bereits einschlägig bekannten Zuschreibers.

      • Sollten Sie mich mit dem „bekannten Zuschreiber“ meinen, muss ich Sie enttäuschen. In manchem ist mir einiges an der Haltung von Dunkelkatholik sympathisch, aber ich bin es nicht.
        Übrigens: Man schreibt: „Bockshorn“ 😉

    • Auch hier bitte ich zunächst vorsichtig zu sein. Was als Bischofführer in einem Land gesagt wurde, kann als Papst schon aus einer anderen Sicht betrachtet werden können. Ich glaube zunächst einmal – vielleicht auch etwas naiv – an das Gute nicht nur im Menschen, sondern auch zunächst einmal an diesem Papst, mögen einzelne Äußerungen auch – und da gebe ich Ihnen recht – erst einmal ambivalent erscheinen. Er ist noch Papstlehrling. Die Kirche durchlebt auch heute Höhen und Tiefen. Die Kirche ist in Jahrunderten immer mit anderen Problemen befasst gewesen. Heute, so habe ich den Eindruck, muss sie gegen den Ungeist der örtlichen Unterschiedlichkeit von innen und gegen die Ungeister von Außen (Islam, menschliche Ideologie der Relativismus, für mich erst einmal der gefährlichste Gegner, weil er so schwer zu fassen ist) festen Stand bieten.

      Die solten letzlich auf das Wort Jesu vertrauen, dass die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen wird. Dieses Meerbrausen, dieser Orkan, wird nicht ohne Blessuren für die Kirche abgehen. In dieser endzeitlichen Situation wird sich die Stärke der Kirche vielleicht in Wellenbewegungen, die ab- und aufwärts gehen, durch Mithilfe des Hl. Geistes erweisen. Benedikt hat m. E. gerade in der heutigen Zeit ein theologisches Fundament neu gelegt oder wiederbelebt, was insbesondere das Jesusbild für den heutigen Menschen tragfähig erscheinen lässt und den Glauben in die Verlässlichkeit im Gottesbild der hl. Dreifaltigkeit fördert. Etwas mehr Gottvertrauen wünsche ich uns allen.

    • „Mir wird immer wieder unterstellt, mir ginge es nur ums „Ahnunghaben“ und ich achte den Papst nicht. Blödsinn aus dem Munde schwacher Geister!“
      O ja, die Achtung und Wertschärzung, die Sie dem Papst entgegenbringen, springt einen aus jedem Ihrer zahllosen Postings geradezu an! 🙂
      Klar, daß da jeder, der etwas anderer Meinung ist als Sie in Ihrer tiefen Achtung vor den Papst, mit ontologischer Notwendigkeit ein „schwacher Geist“ sein muß.
      Sicherlich bin ich im Vergleich zu Ihnen, verehrter Herr Professor, intellektuell nicht von ferne so bedeutend. Aber auch als Ihnen gegenüber ganz kleines Licht nehme ich mir heraus, Ihren Vergleich des Papstes mit Adolf Hitler (oben, 29.4., 21:21 Uhr) als perfide und infam zu bezeichnen. Daß dieser Vergeich hier bedenkenlos freigeschaltet wird und Sie sich der johlenden Beifalls des Mainstreams der Mituser sicher sein können, mag Sie entzücken, macht die Sache in sich aber kein Jota besser. Da Sie im Blick auf den Papst immer dessen „Intellektuellenfeindlichkeit“ beklagen, könnten Sie unter Ihresgleichen, also den Intellektuellen, mal nachfragen, wie die über Ihre historische Vergleichskunst denken.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*