Liturgie muß schön sein! Sinn und Bedeutung des priesterlichen Ornats

Weihbischof (em.) frimt Jugendliche im außerordentlichen Ritus. 6. November 2011 St. Aegidii Münstervon Peter Stephan

Die Fehldeutung der katholischen Liturgie als äußerlicher Prunk

Wer in die bei Stuttgart gelegene Stadt Ludwigsburg kommt, sollte nicht nur die berühmten Gartenanlagen, sondern auch den Thronsaal des Schlosses besuchen. Der prächtige Baldachin, der den Thron überfängt, ist aus Messgewändern und Antependien gefertigt, die 1803, nach der Säkularisierung der Klöster und Reichsabteien, in den Besitz der württembergische Krone gelangt waren.

Die Umwidmung der Paramente sollte zum einen die neuen territorialen Herrschaftsverhältnisse dokumentieren. Zum anderen wollte der protestantische Landesvater im Zeitalter der Aufklärung ein kirchenpolitisches Zeichen setzen: Barocker Prunk, der katholischen Prälaten zur Selbstdarstellung diente, hatte in den Gottesdiensten seines Landes nichts zu suchen. Schließlich hatte schon Martin Luther festgestellt: „Die Messe ist umso christlicher, je näher und ähnlicher sie der allerersten Messe ist, die Christus beim letzten Mahle gehalten hat. Aber Christi Messe war so einfach wie möglich, ohne jeden Prunk mit Gewändern, Gebärden, Gesängen und anderer zeremonieller Pracht.“ Daher sei es, so Luther weiter, wichtig, „daß niemand, durch den Glanz der Zeremonien betrogen und den vielfältigen Prunk verwirrt, (…) das schlichte Wesen der Messe verliert und an den vielen äußerlichen Zutaten des Gepränges hängt.“ Denn in der Urkirche sei die Messe in erster Linie ein Liebesmahl gewesen, bei dem die „Kollekten nach dem Beispiel der Apostel (Apg 4, 34f) an alle Bedürftigen verteilt werden sollten“. 1)Martin Luther, Die Gefangenschaft der Kirche (Die reformatorische Grundschriften, Bd. 3), München 1983, S. 51; WA Bd. 6, S. 523.

Ganz ähnlich sieht man es mittlerweile auch in der katholischen Kirche. Luthers Worte hätten auch von Annibale Bugnini, dem Erfinder der Liturgiereform von 1970, gesprochen werden können. Und unter Papst Franziskus scheinen sie abermals an Bedeutung zu gewinnen. Jedenfalls ist der Unterschied zwischen den neuen Papstmessen und dem „Paramentestil“ des Ratzinger-Pontifikats unübersehbar. Hämisch geben die Gegner von Benedikts liturgischer Reform der Reform zu verstehen, die Zeiten des „Karnevals“ und des „Tuntenballetts“ seien nun endgültig vorüber. 2)Daniel Deckers, Der Vatikan unter Papst Franziskus. Der Karneval ist aus, in FAZ vom 24.03.2013

Die Polemik gegen eine feierliche Liturgie als Angriff auf das heilige Messopfer

Allerdings lohnt es sich, darauf zu achten, in welchem gedanklichen Zusammenhang das eben angeführte Luther-Zitat steht. Es findet sich in der Schrift über „Die babylonische Gefangenschaft der Kirche“. In diesem Werk versuchte der Reformator nachzuweisen, daß die Lehre von den Sakramenten ebenso wie das Mysterium der Transubstantiation eine Erfindung der Scholastik sei, mittels derer die Papstkirche ihre Tyrannei über die wahre Kirche Christi errichtet habe. In der lutherischen Abendmahlslehre geht die Ablehnung prächtiger Meßgewänder Hand in Hand mit der Verunglimpfung des heiligen Meßopfers als Götzendienst.

Luthers Polemik gegen das Meßopfer taugt also keinesfalls als Begründung für innerkatholische Liturgiereformen – es sei denn, man will den Charakter der katholischen Meßfeier wirklich im Sinne der reformatorischen Abendmahlstheologie verändern und die kirchliche Hierarchie zugunsten eines basisdemokratisch organisierten Kirchenvolks abschaffen.

Der Ornat als Symbol für das Priestertum Christi

In Wirklichkeit hat das katholische Messopfer jedoch nicht das mindeste mit dem protestantischen Gedächtnismahl zu tun, und dies aus gutem Grund. Wie Benedikt XVI. in seiner Jesus-Monographie noch einmal klar herausgearbeitet hat, feierte Christus beim sog. Letzten Abendmahl nicht nur das jüdische Pascha-Fest. 3)Joseph Ratzinger/Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Bd. 2, Freiburg 2010, v.a. S. 126-145 Vielmehr machte Er, indem er in den Gestalten von Brot und Wein Seinen Kreuzestod vorwegnahm, auch sich selbst zum Opferlamm. Er setzte Sein Blut, das Er am Holz des Kreuzes vergoß, mit dem Blut gleich, mit dem Mose beim allerersten Pascha-Fest die Türpfosten der Israeliten hatte bestreichen lassen. Damals hatte das Opferblut das Gottesvolk vor der Versklavung durch den Pharao und vor der Rache des Würgeengels bewahrt. Nun aber sollte es die Welt aus der Knechtschaft der Sünde und aus den Banden des Todes erretten. Anders als das jüdische Pascha-Fest und die protestantische Abendmahlfeier, die das göttliche Heilshandeln durch Erinnerung an das Vergangene vergegenwärtigen, weisen das Letzte Abendmahl Christi und das katholische Meßopfer auf Zukünftiges voraus: darauf, daß Gott durch das Leiden und die Auferstehung Seines Sohnes die Würde des Menschen, die er wunderbar erschaffen hat, noch wunderbarer erneuert; daß er uns Anteil gegeben hat an Seiner himmlischen Herrlichkeit.

Vor diesem gedanklichen Hintergrund erhält auch das katholische Meßgewand seinen Sinn. Mit ihm legt sich der Priester gleichsam Christus um. Er schlüpft buchstäblich in die Rolle des Hohenpriesters nach der Ordnung des Melchisedek, der sich selbst als Opfer dargebracht hat.

Der Priester als Diener Christi

Somit zeigt das Gewand an, daß der Priester während der Messe – vor allem aber bei der Spendung der Sakramente – ausschließlich in persona Christi handelt. Das Gewand erhebt ihn nicht über andere, sondern macht ihn zum unwürdigen Werkzeug. Um dieses Handeln in persona Christi zum Ausdruck zu bringen, sieht der Alte Ritus sogar vor, daß der Priester dann, wenn er ‚persönlich wird’, etwa bei der Predigt, das Meßgewand ablegt. Früher war es bisweilen sogar üblich, daß das Gewand zu Beginn der Messe noch (in Erinnerung an das Lamm bei der Opferung oder an den Jesusknaben bei der Darbringung im Tempel) auf der Altarmensa lag und erst nach dem Introitus angelegt wurde.

Der liturgische Stil Benedikts XVI.: sich klein machen, um Christus Raum zu geben

Doch auch innerhalb des Neuen Ritus gibt es Möglichkeiten, die Rolle des Priesters als eines Dieners Christi herauszustellen. Eines der eindrucksvollsten Beispiele hierfür war die Vigil, die Benedikt XVI. zum Abschluß des Priesterjahres 2010 auf dem Petersplatz abhielt und die in der Verehrung des Allerheiligsten gipfelte. Benedikt war ganz von seinem Pluviale umschlossen. Man sah von ihm nur noch die gefalteten Hände und das auf Christus gerichtete Gesicht. Und da die Zeremoniare das Pluviale auch über die Kniebank gelegt hatten, war der Papst völlig bewegungsunfähig. Er war außerstande, über das Beten hinaus eine andere Tätigkeit zu verrichten. Christus hatte ganz von ihm Besitz ergriffen. [Siehe dazu auch die Bildergalerie]

Der Ornat als Symbol des Königtums Christi

Doch reichte die Wirkung von Benedikts Pluviale noch weiter. Da der Heilige Vater ad altare kniete, bildete die goldene Bordüre auf dem Pluvialeschild zusammen mit dem Altarkreuz eine durchgehende senkrechte Linie, während der übrige Stoff sich optisch vollkommen mit der Ornamentik des Antependiums verband. Nun ging die Person des Pontifex erst recht im liturgischen Gesehen auf. Dieses wiederum bezog das gesamte Umfeld auf sich. Die Fassade der Basilika, deren Säulen die Altarkerzen gleichsam ins Riesenhafte potenzierten, erschien wie ein gewaltiges Retabel, in dessen Mitte das Bild des heiligen Pfarrers von Ars prangte. Der Bereich vor der Fassade wurde zum Kirchenraum, wobei die einzelnen Bezirke (Piazza Pio XII., Petersplatz und die Piazza Retta) in dieser Abfolge einem Sakralraum mit Vorhalle, Langhaus und Hochchor entsprachen. Dank dem liturgischen Ornat wurde die Herrschaft, die der im Altarsakrament gegenwärtige rex gloriae über die Stadt und den Erdkreis ausübte, sinnlich erfahrbar.

Tatsächlich steht der liturgische Ornat nicht nur für das Hohepriestertum, sondern auch für das Königtum Christi: für die himmlische Herrlichkeit, in welcher der Herr am Jüngsten Tag wiederkommen wird und in die Er uns heimführen will. Insofern trägt der Priester die Paramente auch stellvertretend für alle Gläubigen – die reichen wie die armen.

Der Ornat als Symbol der Erlösung

Grundlegend für diese zweite Symbolik des Ornats sind zwei biblische Metaphern: das paulinische Bild von der Taufe, durch die wir den alten Adam und die Werke der Finsternis ablegen, um Christus anzuziehen (vgl. Eph. 4,22; Kol. 3,9; Röm. 6,6 und 13, 12-14), sowie das von Jesaja und Baruch verwendete Bild vom neuen Jerusalem bzw. von der Braut Christi, die sich das Kleid der Trauer und der Witwenschaft ablegen darf, um sich mit den Gewändern des Heils zu schmücken (Jes 61,1-2a und 10-11; Bar 5,1-2). Diese zweite Metapher kehrt im Buch der Offenbarung wieder, wenn vom neuen Jerusalem als der „kostbar geschmückten Braut“, der sponsa ornata, die Rede ist (Offb 21,1).
Doch wie kostbar darf der Ornat der sponsa ornata sein? Müssen es Seide und Goldbrokat sein? Oder genügt das einfache Weiß, in dem die Gewänder der Heiligen erstrahlen, nachdem sie durch das Blut des Opferlammes reingewaschen wurden (Offb 4,4 u. 7.14)? Und was bedeutet Ornat überhaupt?

Die lateinische Vokabel ornatus (Schmuck, Zierde, Ausrüstung) hängt eng mit dem griechischen Wort kósmos zusammen. Kosmos bezeichnet das Weltall, aber auch die Ordnung, die Gott Seiner Schöpfung gegeben hat. Kosmos ist das Gegenteil von Chaos. Zugleich bedeutet Kosmos (wie der lateinische Begriff decor) das, was angemessen ist, was sich ziemt. Die Welt-Ordnung findet also in all dem einen angemessenen Ausdruck, was Gott zur Zierde und zum Schmuck gereicht, was Ihn auszeichnet. In diesem Sinne hat der priesterliche Ornat – wie die gesamte Liturgie – die Aufgabe, Gott und auf gebührende Weise zur Zierde zu gereichen und Seiner Ordnung angemessen Ausdruck zu verleihen.

Die Schönheit der Liturgie als Spiegel der Wahrheit und Güte Gottes

Daß der Ornat dies vor allem dann leistet, wenn er schön ist, war in der Kirche ein selbstverständliches Allgemeingut – jedenfalls bis die von modernen Kunsttheoretikern verbreitete These, Schönheit sei kitschig und unwahrhaftig und Ornament sei ein Verbrechen (Adolf Loos), auch in die theologischen Fakultäten Einzug hielt. Bis dahin galt, daß das Wahre und das Gute sich immer auch im Schönen offenbart, weshalb die via pulchritudinis (von der auch Benedikt XVI. immer wieder sprach) als eine Methode der Gotteserkenntnis anerkannt war: die Schönheit in der Welt weist den Weg zu Gott.

Wie sehr sich das Göttliche im Schönen offenbart, zeigt auch die Bibel. Die Geliebte, die Gott sich zur sponsa ornata erwählt hat, wird vor allem als schön beschrieben (Hld 4,1-16). Alle anderen Eigenschaften, ihre Treue, ihre Reinheit und ihre Tugendhaftigkeit, werden unter diesem Begriff subsumiert.

Kirchenreform bedeutet, Liturgie schön zu gestalten

Selbst der Begriff der Kirchenreform zielt auf die Schönheit der Braut Christi ab. Paradoxerweise wird dieser Begriff heute meist als Schlagwort mißbraucht, um die Liturgie ihrer Schönheit zu berauben. In Wahrheit zielt er jedoch darauf ab, der Kirche jene Schönheit (formositas) zurückzugeben, die sie als Braut Christi ursprünglich gehabt hat. Reformare bedeutet nicht, die Kirche neu zu erfinden, sondern sie in ihrer ursprünglichen Gestalt (forma) wiederherzustellen: so, wie Christus sie sich zur Braut erwählt hat: „ohne Flecken und Runzeln, noch mit etwas dergleichen, sondern heilig und makellos“ (Eph 5, 27). Diese Schönheit wird nirgendwo so sinnfällig wie in der Liturgie.

Die Schönheit der Liturgie äußert sich auch in der Kostbarkeit der Paramente

Biblisch ist außerdem, daß diese Schönheit mit Kostbarkeit einhergeht. In den Texten des Alten Testaments sowie im Buch der Offenbarung sind Gold, Edelsteine und erlesene Stoffe gerade gut genug, um der Ehre Gottes Ausdruck zu verleihen. Das gilt für die hohenpriesterlichen Gewänder Aarons (2 Mose 2,1-42), für die Geschmeide der Braut Gottes (Jes 61,3.10; Hld 4,9), für die Architektur des Salomonischen Tempels (1 Kön 6,1-38, v.a. V 21.28-36), für den göttlichen Thron (Offb 4,2-6) und für die Mauern des himmlischen Jerusalem (Offb 21,9-26).

Wie ist eine prachtvolle Liturgie mit der Armut Jesu vereinbar?

Doch wie sind diese Vorgaben mit jenen Passagen zu vereinbaren, die von der Armut im Stall zu Bethlehem, von Jesu Einzug in Jerusalem auf einem Esel, von der Einfachheit des Letzten Abendmahls, von der Schmach der Dornenkrone und vom Elend des Kreuzes berichten? Hat nicht der Zimmermannssohn aus Nazareth, indem er Seine Jünger zur Armut verpflichtete und das Anhäufen irdischer Schätze verbot, an die Stelle des prunkvollen Tempelkults die schlichte Feier der Agape gesetzt? Hat Er mit der Erfüllung und Überwindung des Gesetzes nicht auch die liturgischen Bestimmungen des Buches Exodus außer Kraft gesetzt und hat Gott dies nicht durch das Zerreißen des Tempelvorhangs aller Welt bekundet? Doch wenn dem so ist, wieso werden dann die alttestamentlichen Bilder der kostbar geschmückten Braut, des goldenen Himmelsthrons und des edelsteinbesetzten Jerusalem am Ende der Heiligen Schrift, im Buch der Offenbarung, wieder restituiert?

Die Antwort dürfte darin liegen, daß die Heilige Schrift zwischen dem außerweltlichen und dem innerweltlichen Erscheinen Gottes genau unterscheidet. Das Alte Testament und die Offenbarung schildern die außerweltliche Herrlichkeit Gottes, aus der Christus gekommen und in die Er nach Seiner Auferstehung zurückgekehrt ist. Die Evangelien befassen sich hingegen mit der Selbstentäußerung Jesu, mit seiner innerweltlichen Existenz bis zum Tod am Kreuz. Diese Differenzierung sollte auch für das kirchliche Leben gelten. Die Liturgie, in der die Kirche Gott verherrlicht und den Triumph des Lebens über den Tod feiert, sollte den Vorgaben des Alten Testaments und dem Buch der Offenbarung folgen. Das Privatleben der Kleriker und der Gläubigen sollte sich hingegen am irdischen Leben Jesu orientieren. Hier gelten die Maßstäbe der Evangelien.

Liturgie wird auf den Kopf gestellt, wenn sie nicht die außerweltliche Herrlichkeit Gottes, sondern die innerweltliche Armut Jesu darstellt.

Problematisch ist es, wenn wir die Dinge verkehren. Wenn eine materiell saturierte Kirche wie die deutsche die Liturgie arm macht und dies von Gläubigen, die persönlich nicht bereit sind, ihren Wohlstand mit den Bedürftigen zu teilen, auch noch als moralisch richtig befunden wird. Dies erinnert stark an das Verhalten des Judas Ischariot, der Maria von Bethanien vorwarf, sie hätte das Geld für das teure Öl, mit dem sie Jesus salbte, lieber den Armen geben sollen. Bekanntlich wies Christus diesen Vorwurf mit dem Hinweis zurück, daß die Jünger die Armen alle Tage unter sich hätten, Ihn aber nur einmal (Joh 12,1-6). Ebenso ließ Er es bereitwillig zu, daß die Menge beim Einzug in Jerusalem vor Ihm die Kleider ausbreitete und Ihm mit Palmzweigen als König huldigte. Auch lehnte Er die kostbaren Gaben, welche die Weisen in Bethlehem darbrachten, nicht ab. Das Öl der Maria, die Kleider und Palmzweige der Menge und die Gaben der Könige waren Zeichen des Glaubens und der Treue in einer Welt, die für ihren Schöpfer sonst nur die Krippe und das Kreuz bereithielt.

Eine würdige und erhabene Liturgie ist Ausdruck der Liebe zu Christus und zu den Armen

Diese Treue zu Christus äußerte sich auch, wenn Geistliche unter Lebensgefahr goldene Kelche in den Priesterblock von Dachau schmuggelten, um das Meßopfer würdig zu feiern. Wenn die frühen Christen, kaum daß sie den Katakomben entstiegen waren, daran gingen, prachtvolle Basiliken zu errichten, weil sie darin jene Gewänder erblickten, mit denen die Kirche sich nach dem Ende ihrer Verfolgung für den himmlischen Bräutigam schmückte. Aufschlußreich ist in diesem Zusammenhang vor allem die Kirchweihpredigt, die der Kirchenvater Eusebius von Cäsarea 317 n. Chr. in Tyrus hielt (Kirchengeschichte 10,4). Die Feindseligkeit der Welt zeigte sich hingegen, wenn atheistische Diktatoren Kirchen in Ställe verwandelten oder selbstherrliche Duodezfürsten aus Paramenten Thronbaldachine anfertigen ließen.

Vor diesem Hintergrund erweist sich der Versuch, die Armut Christi zu ehren, indem man – ohne äußere Not – Meßkelche aus Holz und Paramente aus grober Baumwolle verfertigt, als falsche Bescheidenheit. Dasselbe gilt für Gotteshäuser, die in der Primitivität von Betscheunen erbaut werden. Mit solchen Maßnahmen verbannen wir Christus erneut in den Stall von Bethlehem und wickeln ihn erneut in zerschlissene Windeln. 4)Wie sehr die Liebe zu Christus auch der sinnlichen Vermittlung bedarf und wie sehr die rechte äußere Form den Glauben vor der Veräußerlichung bewahrt, zeigen beispielhaft die Blogseiten Motu Proprio: Summorum Pontificum und Fides et Forma. Vorbildlich sind dagegen all jene religiösen Institute päpstlichen Rechts, die sich – im Neuen wie im Alten Ritus – um eine vorbildliche Liturgie kümmern, ohne auf Kirchensteuermittel zurückzugreifen, etwa Die Geistliche Familie. Das Werk in Bregenz oder das Institut St. Philipp Neri in Berlin. Vorbildlich waren auch die Einwanderergemeinden des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten, die sich trotz – oder gerade auch wegen – ihrer materiellen Armut die prachtvollsten Ornate leisteten. Und vorbildlich war der heilige Pfarrer von Ars, der sich die kostbaren Paramente buchstäblich vom Mund absparte – und dennoch Gelegenheit fand, die Armen selbstlos zu unterstützen.

Hoffnung auf eine Kontinuität in der Papstliturgie

Kurz nach seiner Wahl hat Papst Franziskus darauf hingewiesen, daß die Kirche keine Nicht-Regierungsorganisation sei, sondern die Braut Christi. Wenig später sprach er während der Chrisam-Messe von dem kostbaren Salböl und von den wertvollen Gewändern der Hohenpriester. Hoffen wir, daß er die Bedeutung dieser Metaphern auf die Gestaltung der Liturgie von St. Peter überträgt. Damit die Papstmessen für alle Priester und Bischöfe vorbildlich bleiben. Damit die Einleitungsworte des Motu Proprio Summorum Pontificum von Benedikt XVI. ihre Gültigkeit behalten: Die Sorge der Päpste ist es bis zur heutigen Zeit stets gewesen, dass die Kirche Christi der Göttlichen Majestät einen würdigen Kult darbringt, „zum Lob und Ruhm Seines Namens“ und „zum Segen für Seine ganze heilige Kirche“.

Prof. Dr. Peter Stephan hat Geschichte, Kirchengeschichte und Kunstgeschichte studiert und ist apl. Professor für Kunstgeschichte an der Universität Freiburg im Breisgau. Zugleich lehrt er als Professor für Architekturtheorie an der Fachhochschule Potsdam und ist Dozent für Philosophie der Ästhetik am Institut St. Philipp Neri in Berlin.

Bild: Jens Falk, Die Messe aller Zeiten

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Referenzen   [ + ]

1. Martin Luther, Die Gefangenschaft der Kirche (Die reformatorische Grundschriften, Bd. 3), München 1983, S. 51; WA Bd. 6, S. 523.
2. Daniel Deckers, Der Vatikan unter Papst Franziskus. Der Karneval ist aus, in FAZ vom 24.03.2013
3. Joseph Ratzinger/Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Bd. 2, Freiburg 2010, v.a. S. 126-145
4. Wie sehr die Liebe zu Christus auch der sinnlichen Vermittlung bedarf und wie sehr die rechte äußere Form den Glauben vor der Veräußerlichung bewahrt, zeigen beispielhaft die Blogseiten Motu Proprio: Summorum Pontificum und Fides et Forma.
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cuppa
Hier ist Vieles richtig gesagt. Aber bitte nicht die Messe aller Zeiten, die von Papst Benedikt nie zelebriert wurde, in einem Atemzug nennen mit der neuen Messe, der Messe der Nachkonzilskirche. Alle Kathedralen, alle großen schönen Kirchen wurde für das hl Messopfer gebaut. Es ist bitter, es ist schmerzlich, es tut weh, dass diese hl. Messe aus ihren Domen, Kathedralen verbannt ist. Gott sei Dank hat die Messe aller Zeiten den liturgischen Nachkonzilsterror überlebt. Gott sei Dank habe ich die Möglichkeit, an dieser hl. Messe teilnehmen zu dürfen in einer sehr bescheidenen Kapelle der Piusbruderschaft. Dank ihres Gründers, dank ihrer… weiter lesen »
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