Krankenversicherung erzielt Überschüsse mit Familien – Keine Familienförderung in der GKV, sondern Versicherungsförderung durch Familien

familie_12_4_2013(München) Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) erzielen Überschüsse mit Familien. Das zeigen Berechnungen des Familienbundes der Katholiken.

Trotz der beitragsfreien Mitversicherung von Familienangehörigen erzielen die gesetzlichen Krankenversicherungen Überschüsse an Familien. Grund ist, daß die Beitragszahlungen der Eltern ein Mehrfaches ihrer Gesundheitskosten betragen.

Ein durchschnittlich verdienender Familienvater bringt jährlich über 6.000 EUR in die Krankenversicherung ein, kostet sie aber selber nur 1.500 EUR. Eine halbtags erwerbstätige Mutter bringt der Versicherung im Schnitt jährlich 2.600 EUR, kostet sie aber nur 2.000 EUR. Die Gesundheitskosten minderjähriger Kinder liegen pro Kopf und Jahr bei 1.200 EUR bis 1.400 EUR und werden von den Überzahlungen der Eltern mühelos abgedeckt.

Eine durchschnittlich erwerbstätige Familie mit zwei Kindern (Vater Vollzeit, Mutter halbtags erwerbstätig) bringt der gesetzlichen Krankenversicherung jährlich 9.000 EUR Beiträge ein, verursacht aber nur Kosten in Höhe von 6.100 EUR. Auf diese Art bringt die Familie der Versicherung knapp 3.000 EUR mehr ein, als sie an Kosten verursacht. Hochgerechnet auf Deutschland kommt der Familienbund der Katholiken für das Jahr 2008 zu der Schätzung, daß die Familien circa 20 Milliarden EUR mehr in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlten, als sie aus ihr erhielten.

Schwere Bilanzierungsfehler bezüglich der Familienförderung

Das Bundesfamilienministerium weist allein für das Jahr 2008 einen Betrag von 14 Milliarden EUR Familienförderung durch die gesetzliche Krankenversicherung aus. Dieser Betrag kommt dadurch zustande, daß die beauftragten Experten nicht die kompletten Familien bilanzierten. Betrachtet wurden allein die Kinder. Sie verursachten 14 Milliarden EUR Kosten, brachten aber keine Beiträge. Durch das Ausblenden der Eltern wird kaschiert, daß Eltern der Krankenversicherung mehr einbringen, als sie und ihre Kinder zusammen an Kosten verursachen. Auf diese Art werden Familien zu Netto-Empfängern gerechnet, obwohl sie tatsächlich Netto-Zahler sind.

Bei stichprobenartigen Untersuchungen weiterer Leistungen der Familienförderung ist der Familienbund auf zahlreiche weitere Beispiele für kreative Bilanzierungen gestoßen. Regelmäßig werden familiäre Leistungen für Staat und Gesellschaft ausgeblendet; die Leistungen an die Familien werden dagegen in voller Höhe verbucht. Auf diese Art wird der Leistungsträger Familie zum Sozialfall kleingerechnet. An den fragwürdigen Bilanzierungen sind die renommiertesten Wirtschaftsforschungsinstitute Deutschlands beteiligt – gegen Bezahlung aus der öffentlichen Hand.

Familienbund wird Bilanzierungsregelungen aufstellen

Der Familienbund der Katholiken in Bayern hat eine eigene Arbeitsgruppe eingesetzt, die Bilanzierungsregeln für die Familienpolitik erarbeiten wird. Die Methodik wird angelehnt an die internationale Norm ISO 14 040 zur Erstellung von Ökobilanzen.

Weitere Informationen

Studie Familien und GKV (PDF)

Text: PM/LS
Bild: H. Gall

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3 Kommentare

  1. Die GKV hat aber das Problem der Alterspyramide. Immer mehr Senioren müssen von immer weniger jungen Leuten alimentiert werden, das gilt sowohl in der Renten- als auch in der Krankversicherung.

    Eine ganz besondere Schweinerei ist die Fallpauschale. Dadurch werden Leute entlassen, die bei weitem noch nicht gesund sind. Einer meiner Vettern ist drei Tage nach Entfernung seiner Gallenblase bereits entlassen worden und mußte dann zur Neubehandlung wieder ins Krankenhaus, wo er mehrere Tage auf der Intensivstation hat zubringen müssen. Jetzt liegt er wieder auf Normalstation.

    Obwohl die PKV grundsätzlich gesund ist – die immer teuerer werdende Apparatemedizin macht sich allerdings auch hier bemerkbar – ist es völlig unverständlich, daß die rot-grüne Koalition den Wechsel von GKV zur PKV erschwert hat: man muß infolge einer Gesetzesänderung drei Jahre oberhalb der Beitragspflichtgrenze verdienen, um wechseln zu können.

    Jörg Guttenberger
    Versicherungsbetriebswirt (DVA)

  2. Ah, da wird mal wieder der Kampf gegen Singles eröffnet…

    Das mit dem Mittelwert ist so eine Sache. Klar ist, dass die Gesunden die Kranken finanzieren. Wie sollte es auch anders gehen?

    Wenn es nun in einer Familie ein krebskrankes Kind gibt, so kostet das wesentlich mehr, als wenn es nur um Mumps geht. Solche Berechnungen bringen doch nur die einen gegen die anderen auf.

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