Die Heilkraft der Liturgie. Ein Gedankenspiel

Liturgie als Therapievon Peter Stephan

Christus liebt nicht die Armut, sondern die Armen

Vor einigen Wochen befaßte sich der Artikel Liturgie muß schön sein mit der Symbolik des priesterlichen Ornats, der in seiner Kostbarkeit und seinem Schmuck die außerweltliche Herrlichkeit Gottes vergegenwärtigt und sich damit ganz bewußt von der innerweltlichen Armut der menschlichen Existenz abhebt. In ihrem Glanz ist die Liturgie Abglanz der Herrlichkeit Gottes und damit auch ein Gegenbild zum falschen Glamour dieser Welt.

Diese Symbolik findet ihre Rechtfertigung gerade in der Gestalt des menschgewordenen Gottessohnes. Zwar verließ Christus bei Seiner Menschwerdung die himmlische Herrlichkeit und trat in die Armut der Welt hinein, doch tat er dies nicht um der Armut willen – ebenso, wie Er die Sünde der Welt nicht auf sich nahm, weil er die Sünde an sich liebte. Vielmehr nahm Er Sünde und Armut auf sich, um die Sünder und die Armen zu heiligen, um ihnen die Schätze des Himmelreichs zu erschließen.

Der Priester als Arzt

In seiner Zuwendung zu den Armen und den Sündern gleicht Christus einem Arzt, der sich Keimen und Schmutz nicht aus Liebe zur Krankheit, sondern aus Fürsorge für die Kranken aussetzt. Die Metapher des ‚Christus Medicus’ hat eine lange Tradition. Schon die Väter der frühen Kirche verstanden die Sünde als eine Krankheit der Seele, weshalb sie die wundersamen Heilungen Christi nicht nur als physiologische, sondern auch als spirituelle Akte deuteten. Ignatius von Antiochien, Augustinus und Luther verglichen Christus explizit mit einem Arzt, während Theresa von Avila die Sakramente als eine geistliche Medizin definierte. Im 18. Jahrhundert wurde darüber hinaus das Bild vom ‚Heiland’ als einem Apotheker populär. 1)Vgl. Reinhard von Bendemann: Christus medicus. Neukirchener, Neukirchen-Vluyn 2009; Woty Gollwitzer-Voll, Christus Medicus – Heilung als Mysterium. Interpretationen eines alten Christusnamens und dessen Bedeutung in der Praktischen Theologie, Paderborn 2007; Jörg Hübner: Christus medicus. Ein Symbol des Erlösungsgeschehens und ein Modell ärztlichen Handelns; in: Kerygma und Dogma 31 (1985), S. 324-335 u. Johann Anselm Steiger: Medizinische Theologie: Christus medicus und theologia medicinalis bei Martin Luther und im Luthertum der Barockzeit (E-Book) 2005. Auch die Liturgie vergleicht das Wirken Christi mit dem eines Arztes. Nicht von ungefähr bitten die Gläubigen zur Kommunion: „Domine, non sum dignus ut intres sub tectum meum, sed tantum dic verbo et sanabitur anima mea (Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“). In Analogie zu Christus wurde auch der Priester, der die Sakramente spendet und die Menschen zu einer gottgefälligen Lebensweise aufruft, mit einem Arzt verglichen, etwa im Katechismus des Konzils von Trient.

Die Kirche als Heil(s)anstalt

Entwickelt man den Vergleich von pastoralem und medizinischem Wirken weiter, so entspricht die Kirche einem Hospital oder einem Sanatorium. Dessen Ärzte und Pfleger kommen mit den Erregern, dem Blut, dem Eiter und dem Auswurf der Kranken auf ähnliche Weise in Berührung wie Christus und die Priester mit dem Schmutz der Sünde. Um heilen zu können, desinfizieren die Ärzte ihre Hände und wechseln die Kleidung. Ebenso halten sie die Patienten zur Sauberkeit an. Des weiteren verwenden sie höchst teure Instrumente und aufwendige Apparate. Für den Erhalt des Lebens ist ihnen kein Preis zu hoch. Hinzu treten therapeutische Maßnahmen. Musik in den Aufenthaltsräumen soll für eine gute Grundstimmung sorgen. Bilder mit schönen Naturaufnahmen stärken bei den Genesenden den Willen, ins gesunde Leben zurückzukehren, während sie den chronisch Kranken ein Stück jener Welt zurückgeben, die für sie unerreichbar geworden ist. Den einen sind die Bilder Frohbotschaft, den anderen immerhin Trost.

Liturgie als Therapie

Was die Medizin innerhalb der Krankenfürsorge leistet, leistet die Kirche in der Seelsorge, wobei die Katechese der medizinischen Aufklärung, die Gewissenserforschung der Anamnese und Diagnose und die Spendung der Sakramente dem Verabreichen der Medizin entsprechen. Den Hauptanteil nimmt freilich die Liturgie ein. Sie kommt einer ganzheitlichen Therapie gleich. In ihrem Rahmen sollen die Kirchenmusik und die Bildkunst ein Vorschein der himmlischen Herrlichkeit sein und in den Gläubigen das Verlangen nach dem ewigen Leben verstärken. Die Paramente sollen sich in ihrer Reinheit und Schönheit vom Elend und Schmutz des Alltags abheben und so eine Vorstellung von der Herrlichkeit des ewigen Lebens vermitteln. Die wertvollen Altargeräte sind Instrumente des Heils. Ihre Handhabung muß äußerst sorgfältig erfolgen, besonders im Umgang mit der wirksamsten aller Arzneien, der Eucharistie. Nicht das winzigste Partikel und nicht das kleinste Tröpfchen dürfen verlorengehen.

Wenn Ärzte nicht mehr an die Heilung und Priester nicht mehr an Erlösung glauben

Doch wie wäre es um ein Krankenhaus bestellt, in dem die Ärzte an ihren Fähigkeiten, die Kranken zu heilen, zweifelten? Wenn sie ihre Aufgabe vor allem darin sähen, am Elend der Menschen emotional Anteil zu nehmen? Wenn saubere Arztkittel plötzlich als Ausdruck von Abgehobenheit oder gar Standesdünkel angesehen würden? Wenn Medizinprofessoren ihren Studenten beibrächten, die Beseitigung von Schmutz bedeute eine Verleugnung der Realitäten, könne als Mißachtung von Leid verstanden werden? Wenn schöne Musik und schöne Bilder plötzlich als leere Versprechungen, ja als manipulative Vorspiegelung einer heilen Welt erschienen? Wenn qualitativ hochwertige Instrumente als Geldverschwendung abgetan würden? Wenn die sog. „Apparatemedizin“ als inhuman kritisiert würde, weil sie angeblich nicht den Menschen, sondern die Maschine in den Mittelpunkt rücke? Wenn man mit Medikamenten achtlos umginge, weil man ihnen ohnehin keine echte Wirkung, sondern allenfalls einen Placebo-Effekt zubilligte?

Nachlässigkeit als Barmherzigkeit

Unter solchen Rahmenbedingungen erschienen Krankheit und Elend als unvermeidbare Tatsachen. Eine – zugegeben sehr negative – Bewältigungsstrategie könnte darin bestehen, das Leiden als gerechte Strafe für eine falsche Lebensführung zu deuten. Als Gegenreaktion auf diese Schuldkultur würde sich sehr wahrscheinlich ein zweiter, scheinbar positiver Ansatz etablieren. Die Ärzte würden behaupten, es stehe ihnen gar nicht zu, zu beurteilen, wann ein Mensch krank sei und wann nicht. Niemand dürfe über einen anderen Menschen eine Diagnose aussprechen, geschweige denn einem anderen Menschen hinsichtlich seiner Lebensführung Vorschriften erteilen. Wenn ein Arzt den Menschen wirklich helfen wolle, müsse er für ihre Erkrankungen Verständnis aufbringen, den Patienten Mut machen, zu ihren Krankheiten zu stehen und ihnen helfen, das Leid positiv zu sehen. Schließlich sei Kranksein sei etwas ganz Natürliches. Zur Not gäbe es ja orthopädische Hilfsmittel oder aber Schmerz- und Betäubungsmittel. Im Extremfall könne man – selbstverständlich in einem Akt der Humanität – die Leidenszeit auch durch Sterbehilfe verkürzen.

Die unausweichliche Folge einer solchen Berufsauffassung, die statt zu heilen bestenfalls lindert, in der Regel aber nur beschwichtigt oder verdrängt, wäre, daß die Hygiene in den Krankenhäusern nach einer Weile rapide abnähme. Die Krankheiten würden sich stark vermehren, längst ausgestorben geglaubte Seuchen würden wieder wüten. Es würde eine „sumpfig-stickige“ Atmosphäre herrschen; von „frischer Luft“ sprächen allenfalls jene, die an Beatmungsgeräte angeschlossen und den Bezug zur Realität längst verloren hätten.

Der Niedergang der Liturgie resultiert aus einer falsch verstandenen Humanität und aus der Negierung des Transzendenten

Den Krankenhäusern, in denen solchen Zustände herrschten, entspräche eine Kirche, die den Bezug zum Transzendenten weitgehend verloren hätte. Die sich nicht mehr zutraute, die Menschen zum ewigen Heil zu führen, weil ihre Priester und Theologen selbst an der Ewigkeit zweifelten; weil sie aufgrund eines falsch verstandenen Barmherzigkeitsbegriffs und einer irrigen Vorstellung von Weltoffenheit zu sehr im Hier und Heute verhaftet wäre. Eine solche Kirche würde auch jede Form einer feierlichen Liturgie ablehnen, weil sie sich einredete, dann nicht mehr bei den Menschen zu sein. Sie könnte sich nicht mehr vorstellen, daß die Pracht der Paramente, die Würde der Riten, die Erhabenheit der Musik, die Schönheit der Bilder und die Kostbarkeit der Geräte Ausdruck göttlichen Heilshandelns sind. Folglich erschiene Liturgie nur noch als die Selbstdarstellung einer entrückten klerikalen Elite, die für das Leid in der Welt nicht mehr offen sei, und sich darauf beschränke, die Einfältigem und Gutgläubigen zu manipulieren, indem sie den Glamour der Welt für den Glanz des Himmels ausgäbe.

Liturgischer Pauperismus und medizinische Nachlässigkeit – ein Armutszeugnis!

In einer solchen Kirche würde die Feierlichkeit der Liturgie auf ein Minimum reduziert. Die Gottesdienste gerieten mehr und mehr zu Soap Operas a la Emergy Room oder Schwarzwaldklinik: mit Priestern wie George Clooney als Dr. Douglas oder Bischöfen wie Klaus Wussow als Prof. Dr. Brinkmann.

Doch zumindest in der Realität hat der Telenovela-Kitsch der Glaubensferne, die heute in vielen Gemeinden und an vielen Lehrstühlen herrscht, eines voraus: die Kleider des Krankenhauspersonals sind makellos, die Apparate von bester Qualität, die Ausstattung der Krankenhäuser vorbildlich. Das Gros der Fernsehzuschauer will Ärzte sehen, die über mitfühlende Rührseligkeit hinaus Autorität besitzen; die wirklich den Anspruch und den Willen haben zu heilen. Nach solchen Priestern sehnt sich auch die Mehrheit der Gläubigen. Liturgie wird umso glaubwürdiger und authentischer, je weniger sie sich dem irdischen Elend anpaßt und je mehr sie die himmlische Herrlichkeit vergegenwärtigt. In der Liturgie hat Pauperismus ebenso wenig zu suchen wie Resignation und Schlendrian in einer Klinik.

Prof. Dr. Peter Stephan hat Geschichte, Kirchengeschichte und Kunstgeschichte studiert und ist apl. Professor für Kunstgeschichte an der Universität Freiburg im Breisgau. Zugleich lehrt er als Professor für Architekturtheorie an der Fachhochschule Potsdam und ist Dozent für Philosophie der Ästhetik am Institut St. Philipp Neri in Berlin.

Bild: Messa in latino

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Referenzen   [ + ]

1. Vgl. Reinhard von Bendemann: Christus medicus. Neukirchener, Neukirchen-Vluyn 2009; Woty Gollwitzer-Voll, Christus Medicus – Heilung als Mysterium. Interpretationen eines alten Christusnamens und dessen Bedeutung in der Praktischen Theologie, Paderborn 2007; Jörg Hübner: Christus medicus. Ein Symbol des Erlösungsgeschehens und ein Modell ärztlichen Handelns; in: Kerygma und Dogma 31 (1985), S. 324-335 u. Johann Anselm Steiger: Medizinische Theologie: Christus medicus und theologia medicinalis bei Martin Luther und im Luthertum der Barockzeit (E-Book) 2005

24 Kommentare

  1. Das „Geheimnis des Glaubens“ muss einen angemessenen Ausdruck finden. Und das kann nur im Reichtum, in der Überfülle der göttlichen Gaben geschehen, die er uns trotz allem schenkt. Ist nicht schon die Bibel voll der schönsten Texte? Es geht nicht darum, dass ein Heer christlicher Künstler auftritt und sich anhand des christlichen Glaubens profilieren will. Das ist in der Tat ganz falsch und artifiziell – und das ist leider häufige Realität in der „frischluftigen“ Kirche. Betonklotzkirchen, hässliche Kirchenfenster in Grautönen, blasphemische Altarkreuze und geisttötende, moralistische Poesie… Es ist zum Davonlaufen….
    Vielleicht gelingt das Schöne dann, wenn wir nur eines wollen, eines mit jeder Faser unseres Seins: Gott ins Zentrum stellen, Jesus erwarten und unsere Umkehr erbitten. Wundersamerweise sind bei Menschen, die das wollten, immer die allerschönsten Kunstwerke entstanden, von deren innerem Reichtum die Kirche heute noch zehrt. Haben nicht zum Beispiel Johannes vom Kreuz und Teresa von Avila ganz „nebenbei“ die schönste spanische Poesie geschrieben…
    Den Seinen gibt es der Herr wirklich im Schlaf, dann wenn wir leer sind und arm, macht er uns reich.
    Unser Problem ist heute doppelt: wir wollen nicht „arm“ sein vor Gott (pauper spiritu), wir wollen, dass er uns ein paar Arme zur Profilierung der eigenen Güte gibt, und wir wollen Gott ständig aus eigenem Vermögen einen Tempel bauen. Wir verstehen nicht, dass er uns als lebendige Steine benutzen will…
    Und weil wir deshalb so verarmt sind, schwadronieren wir so gerne von der Liebe zu den Armen, von der armen Kirche und der Demut hinten und vorne…
    Gott gibt in solchen Fällen seinen Armen seinen Reichtum. Während wir uns noch um moralistische Armutsplätze im ersten Rang streiten, lässt Gott anderswo etwas Neues wachsen.
    Bleibt nur, ihn zu bitten, dass wir da, wo er wirkt, dabei sein dürfen, unverdient und gerade noch mal davongekommen.

    • „die Kirchenmusik und die Bildkunst [sollen] ein Vorschein der himmlischen Herrlichkeit sein und in den Gläubigen das Verlangen nach dem ewigen Leben verstärken. Die Paramente sollen … in ihrer Reinheit und Schönheit … eine Vorstellung von der Herrlichkeit des ewigen Lebens vermitteln.“
      Das klingt überzeugend. Was aber ist, wenn die Menschen solche Ästhetik gar nicht mehr verstehen und schätzen, und sei sie noch so ehrwürdig und theologisch durchdacht? Dann wirkt der kirchliche Prunk museal langweilig oder gar lächerlich. Man identifiziert sich damit nicht mehr und sucht Erbauung anderswo. Gut, wenn der eine oder andere Priester der veränderten Mentalität mit kleinen Zugeständnissen entgegenkommt., z.B. mit neuen Liedern oder ad hoc geschriebenen Texten.

      • Eben! Ich zweifle auch, ob afrikanische oder asiatische Christinnen und Christen ein bairisch-barockes Lebensgefühl (so schön es ist!) nachvollziehen können.

        • Sie haben wahrscheinlich Recht. Ich dachte eher an die Masse unserer eigenen Zeitgenossen in Deutschland. Österreich usw., die mit der traditionellen Verbal- und Formensprache der Kirche nichts anfangen können.

        • Unseren Zeitgenossen mögen wir näher sein, nahe sind wir Ihnen jedenfalls nicht. Was meinen Sie, wieviele Leute ich aufklären musste, dass hinter den roten Schuhen des Papstes kein homosexuelles Outing, sondern die Übernahme einer Tradition der römischen Kaiser steckt…

  2. Wenn der Autor hier den Erzketzer, Kirchenspalter, Akoholiker, Totschläger, Ehebrecher und Neurotiker „Luther“ zustimmend zitiert, ist dies nicht nur erschütternd für ein kernkatholisch sein wollendes Portal, sondern macht seinen ganzen Text zu einem abscheulichen Geschreibsel.

    • Unsinn! Wenn Luther sagt: „Der Herr ist der Arzt!“ ist es falsch? Wenn aber Theresia sagt: „Der Herr ist der Arzt!“ dann ist es richtig????
      Wahrheit ist nach katholischer Lehre nicht an die menschliche Person gebunden. Andernfalls könnte auch sakramentales Handeln – wenn es korrekt erfolgt – nicht auch dann gültig sein, wenn der Spender ein Häretiker ist.

      • Das ist prinzipiell richtig, verehrte zeitschnur. Nur müssen wir uns in einem zweiten Schritt fragen, haben Luther und Theresia das gleiche Auffassung vom Heilen, wenn sie vom Herrn als Arzt sprechen? Da spielt dann die Gnadenlehre mit hinein. Luther versteht demnach Gott als Arzt, der heilt, indem er die Krankheiten des Menschen auf sich nimmt, der Mensch sich also um seine krankmachende Lebensweise überhaupt nicht bekümmern muss, quasi ein Heilsautomatismus. Während Theresia Gott als einen Arzt sieht, der heilt, ohne dabei die notwendige Mitwirkung des Patienten außer acht zu lassen, eine gesunde Lebensweise zu führen. Das ist, im Bilde gesprochen, der Unterschied zwischen lutherischer und katholischer Gnadenlehre. Hier billiger Heilsoptimismus, der den Menschen nicht ernst nimmt und ihm daher auch nicht gerecht wird. Da die reale Sicht auf den Menschen, der grundsätzlich frei ist, sich gegen Gott zu entscheiden und daher Verantwortung für sein Leben und sein ewiges Heil trägt.

        • Ich stimme Ihnen vollkommen zu und habe das auch gar nicht in Frage stellen wollen! Mir ging es darum, dass – nach der Aussagenlogik – ein Satz entweder wahr ist oder falsch. Egal wer ihn spricht. Und so simpel, wie der Kollege oben argumentiert hat, geht es nun mal nicht.
          Wenn natürlich dann eine Aussage entfaltet wird, kann es wiederum abgeleitete Aussagen geben, die nicht mehr übereinstimmen. Ganz klar!

  3. @ Dunkelkatholik: Ihre Ignoranz und Arroganz ist bemerkenswert. Wenn Sie aufgrund eines historischen Zitats einen ganzen Text als Geschreibsel abqualifizieren, sind sie nicht besser als die Journalisten und muslimischen Fundis, die sich über die Regensburger Rede Benedikts XVI. erregt haben. Soll man, wenn Luther etwas Richtiges sagt, ihm trotzdem widersprechen, nur weil er eine fragwürdigen Charakter hatte? Denken Sie doch einmal nach!

      • Wieso sind Sie erschüttert? Es geht hier nicht um die Gleichsetzung von Autoren sondern um die Gleichsetzung unsachlicher und polemischer Kritik.

  4. Der Artikel von Prof. Stephan enthält wieder sehr wertvolle und richtige Gedanken, auch der Vergleich zwischen Klinik und Kirche ist einleuchtend, jedoch habe ich mich an einem Aspekt gestört, der in dem Wort von der „Liturgie als Therapie“ zum Ausdruck kommt. Wir sind heute sehr anfällig dafür, bestimmte Dinge des Glaubens psychologisierend und unter dem Gedanken des Nützlichen oder Nutzbringenden (für den Menschen) rechtfertigen zu wollen. Liturgie hat aber ihren Selbstzweck. Wie „zeitschnur“ ganz richtig bemerkt, ist sie vor allem Ausdruck der Liebe und der Verehrung des Menschen zu Gott, der ihn durch seinen Sohn erlöst, über alle Erdenschwere hinausgehoben und eine Zukunft geschenkt hat, die das Irdische übersteigt. Wer wahraft liebt und verehrt, den drängt es, dem Geliebten nur das Schönste und Beste, einfach alles, was man hat und vermag, zu schenken. Jesus lobt daher ausdrücklich die arme Witwe, die Gott alles gab, was sie besaß. In diesem Sich-Verschenken wird der Ärmste reich, weil er sich dadurch über seine Armut erhebt. Was wir Gott schenken können, ist immer armselig gegenüber seiner Fülle, aber er nimmt es an, wandelt es in Segen; es ist ihm wohlgefällig. Daher ist es vollkommen natürlich und in jeder Religion Praxis, dass der Dienst an Gott geprägt ist von Schönheit und Erhabenheit. In diesem Sinne – aber nur sekundär und nur, wenn man reinen Herzens, d.h. ohne ein Schielen nach dem, was es mir nützen könnte, opfert – kann Liturgie als Therapie wirken, weil sie uns Arme im Reichtum der göttlichen Herrlichkeit durchatmen lässt, uns erfahren lässt, dass wir bei aller Armut mit der Würde der erlösten Kinder Gottes ausgestattet sind. So wächst der Mensch, wächst über sich hinaus und schafft Kultur, die wiederum die Schönheit Gottes widerspiegelt. Dass diese grundlegenden Prinzipien gerade den Jesuiten, die ja im Zuge der Gegenreformation führend bei der Verbreitung des barocken Glanzes waren, heute offensichtlich abgehen, verwundert.

    • Natürlich entspricht die Liturgie einer medizinischen Therapie ebenso wenig wie ein Priester einem Arzt oder die Kirche einem Krankenhaus. In diesem Artikel geht es nicht um Gleichsetzungen, sondern um Vergleiche. Und jeder Vergleich hat natürlich seine Grenzen. Der Artikel scheint einfach nur klarmachen zu wollen, wie absurd die Verhältnisse mittlerweile in unserer Kirche geworden sind. Kein Krankenhaus könnte sich erlauben, was sich die Funktionsträger in unserer Kirche herausnehmen.

      • Ich wollte das Gesagte auch in keiner Weise in Abrede stellen, werter Seinsheim, sondern nur auf einen Teilaspekt hinweisen. Ich hoffe, wir verstehen uns!

    • Ja, dieses Psycho-Geschwafel von Liturgie als „Therapie“ ist in unerträglich und aufs Schärfste abzulehnen. Unsere Hl. Mutter Kirche ist kein kuscheliger Therapeutenverein. sondern gerade das Gegenteil davon!

      • Sie haben offenbar noch immer nicht begriffen, worum es in diesem Artikel geht. Lesen Sie ihn vielleicht noch einmal ganz sorgfältig durch und denken Sie einfach nach. Kann doch nicht so schwer sein.

        • Ich habe den Artikel sehr wohl ganz gelesen. Aber es gibt einfach bestimmte Begriffe, die gehen gar nicht und vergiften einen ganzen Text. „Therapie“ gehört dazu, den finden Sie weder im Katechismus noch in irgendeiner Enzyklika. Lesen Sie, was der heiligmässige Hw. H. Erzbischof Lefebvre dazu gesagt hat. Er hat immer und immer wieder dargelegt, daß Liturgie das Gegenteil von „Therapie“ ist. Wenn ich zum „Therapeuten“ muß, dann gehe ich nicht in die Kirche, sondern in eine Arztpraxis!

        • Ihre Fantasie geht mit Ihnen durch, Dunkelkatholik. Erzbischof Lefebvre hat das nie thematisiert …

  5. Der Vergleich hinkt etwas, da sich die Medizin tatsächlich immer mehr erkennt, dass es etwas überheblich ist, wenn Menschen behaupten, heilen zu können!
    Welche Krankheiten kann denn die Medizin wirklich heilen? Ist alle menschliche Kunst nicht eher darauf beschränkt, dass man „bestenfalls lindert, in der Regel aber nur beschwichtigt oder verdrängt“.
    Heilung und Heil kann nicht der Mensch wirken, es muss von Gott geschenkt werden! Hier muss sich jeder Arzt, aber auch jeder Patient, demütig neigen! Selbst die teuerste Operation oder die modernste Medizin kommt nicht über diese Grenze hinaus…

    Ähnlich ist es auch in der Liturgie. Auch kommt das Heil nicht aus der menschlichen Aktivität, sondern aus Gottes heiligem Wirken, das fruchtbar werden kann, wenn die zum Heil und zur Heiligkeit Berufenen sich der Heiligkeit Gottes öffnen und sie in der Liturgie wie im Leben aufleuchten lassen!

    • Natürlich hinkt der Vergleich. Alle Vergleiche hinken! Auch der von den Kirchenvätern gebrauchte Vergleich Christi mit einem Arzt hinkt. Auch der vom Trienter Katechismus gebrauchte Vergleich des Priesters mit einem Arzt hinkt. Auch der von der heiligen Teresa gebrauchte Vergleich der Sakramente mit einer Arznei hinkt. Auch der Vergleich Christi mit der Sonne (der Gerechtigkeit) hinkt. Aber Vergleiche sind keine Gleichsetzung. Es geht – nochmals gesagt – um folgendes: in der Kirche haben sich Missbräuche eingeschlichen, die wir in keinem Krankenhaus dulden würden. Und das, obwohl die Kirche so viel mehr ist als ein Krankenhaus, als die Liturgie so viel mehr ist als eine gewöhnliche Therapie. Ist das nun endlich angekommen?!

      • Der Vergleich Christi mit der Sonne hinkt een keineswegs, sondern ist strahlend wahr! 🙂
        Aber der Vergleich Christi mit einem „Therapeut“ hinkt nicht nur, sondern ist ihm ein Greuel! Christus ist König, Prophet und ewiger Hohepriester.

      • Richtig. In keinem Krankenhaus würde der Patient es dulden, daß sich der Fachmann (Chirurg) in die Ecke setzt und zur Oberschwester oder Reinigungsdame sagt: machen Sie mal.

        In der Hl. Messe gilt der Fachmann nichts mehr. Jeder X-beliebige teilt Kommunion aus oder trägt die Lesung vor. Als ob das keinen Unterschied machen würde. Das allgemeine Priestertum macht’s möglich. Eine völlige Verfremdung und Trivialisierung.

        Was würde man sagen, wenn in einer Oper plötzlich ein paar Leute aus dem Publikum auf die Bühne kämen, um ein paar Arien vorzusingen? Das allgemeine Sängertum – wir sind doch alle Sänger.

        • mein Kommentar bezieht sich nicht auf Dunkelkatholik, sondern auf Seinsheim, dem ich zustimme.

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