Robert Spaemann tappt in die Vergewaltigungsfalle

Abtreibungslobbyisten haben ein sehr erfolgreiches Mittel, mit dem es ihnen immer wieder gelingt, Abtreibungsgegner auf ihre Seite zu ziehen. Mißbrauchte und vergewaltigte Frauen werden bewußt instrumentalisiert und müssen herhalten für alles, was gegen Lebensschutz spricht.

Heute veröffentlicht die F.A.Z. einen Leserbrief von Professor Dr. Robert Spaemann, in dem ohne einen religiösen Bezug zur Entstehung des Lebens, der Beseelung des Menschen und zu seiner ewigen Bestimmung Abtreibungslobbyismus auf höchstem Niveau betrieben wird. Daß Robert Spaemann seine bisherigen Wortmeldungen zum Thema der vergangenen Jahre über Bord wirft, scheint ihm dabei nicht bewußt zu sein.

Spaemann negiert im wesentlichen in Gemeinschaft mit Kardinal Meisner in der wissenschaftlichen Diskussion um die Pille danach, daß nach aktueller wissenschaftlicher Datenlage eine frühabtreibende Wirkung der Postkoitalpille nicht sicher ausgeschlossen werden kann, 1)Siehe Stellungnahme der Ärztevereinigung St. Lukas e.V. wenn er schreibt: „Die bisherige Missbilligung der ‚Pille danach‘ hatte ihren Grund darin, dass diese Pille zunächst eine abtreibende Funktion hatte, was auch für die Verhinderung der Einnistung einer befruchteten Funktion galt.“

Spaemann kommt ein paar Zeilen weiter, wo die Möglichkeit der abtreibenden Wirkung als Effekt verharmlost wird, zu einer lebensfeindlichen Position, die äußerst bedenklich ist und seinem bisherigen Denken entgegenstehen: „Dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein solcher Effekt nicht in jedem Fall ausgeschlossen werden kann, bedeutet nicht, dass die Einnahme dieser Pille unter das Tötungsverbot fiele. Das wäre ja auch absurd. Wir würden dann kaum mehr irgendein Medikament nehmen dürfen, wenn wir im Beipackzettel die schrecklichen möglichen Nebenwirkungen einschließlich tödlichen Schocks nicht erfahren hätten.“

Spaemann läßt hier nicht nur Fragen offen: Wer ist hier krank? Gegen welche Krankheit richtet sich das „Medikament“? Wessen Symptome sind gemeint? Welche Symptome sollen gemindert, verhindert werden?

Sondern er verläßt die bisherige katholische Lehre. Er spricht sich dafür aus, daß Dritte über ein wehrloses und unschuldiges Leben entscheiden. Bei der Güterabwägung meint er sogar, ein Lebensrecht des Ungeborenen bestehe nur, wenn es absichtlich getötet werden soll. Wenn die Tötung des unschuldigen Lebens hingegen eine Inkaufnahme der abtreibenden Nebenwirkung ist, wäre die Tötung keine „in sich schlechte Handlung“ mehr.

Es ist wenig hilfreich, sich bei Fragen zum Lebensschutz an modernen Theologen und Philosophen zu orientieren. Zu häufig negieren sie die Lehren der Kirche.

„Weder das Leben der Mutter noch das Leben des Kindes kann einem Akt unmittelbarer Vernichtung ausgesetzt werden. Für den einen wie den anderen Teil kann es nur eine Forderung geben, nämlich alles aufzubieten, um das Leben beider zu retten, das Leben der Mutter und das Leben des Kindes.“ (Papst Pius XII. aus dem Buch Pius XII. sagt (vierte Auflage von 1958).

Bei der Diskussion um die „Pille danach“ werden nur scheinbar die Argumente auf Grundlage von vergewaltigten Frauen betrachtet. Viele Frauen mit Wunsch nach Postkoitalpille, auch ohne Sexualdelikt, befinden sich in irgendeiner Form von Not. Wenn sie nun bei Sexualdelikten erlaubt sein soll, so wird später gefragt werden, mit welchem Grund wird man diese Pille in anderen Situationen vorenthalten? Das ist die Falle, in die Kardinal Meisner und Prof. Dr. Robert Spaemann getappt sind. Und das ist leider sehr Schade!

Text: Linus Schneider

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7 Kommentare

  1. Gerade in diesen Tagen ist zu erleben, wie auch katholische Medien sich einer allzuschnellen Bewertung von Nachrichten leider nicht enthalten.
    Dabei wird oftmals das für gelingende Kommunikation grundlegende principium caritatis vergessen oder im Eifer des Gefechts einfach über den Haufen geschossen.
    Gemäß dieses Prinzips, das man auch als Anwendung der Haltung der Nächstenliebe im Bereich der Kommunikation bezeichnen kann, soll man die Aussage des Gegenübers so zu verstehen versuchen, als ob sie doch einen wahren Kern haben könnte, als ob ihr Urheber mit ihr etwas Gutes habe zum Ausdruck bringen wollen.
    Wenn der Autor Robert Spaemann heißt, ist ein solcher Vertrauensvorschuss erst recht gerechtfertigt. Oder um es in den Worten des nun leider aus dem Papstamt scheidenden Joseph Ratzingers zu sagen, der im Vorwort seins Jesus-Buches um das Maß an Sympathie bittet, „ohne das es kein Verstehen gibt“.

    Im obigen Artikel wird leider nur gefeuert, und das ohne genau hinzuschauen. Dabei wird nicht bedacht, dass auch etwa ein Thomas von Aquin eine Lehre des duplicis effectus kennt und dass diese in der Moraltheorie überaus bedeutend ist.

    Wenn Meisner und Spaemann sich zu solche einer gewichtigen Frage äußern, ist es das Gebot der Stunde, erst einmal inne zu halten und zu bedenken, ob es nicht auch Gründe geben könnte, die diese zu ihren Aussagen veranlasst haben.

    • Wie soll der Kommentar verstanden werden? Weil es Meisner und Spaemann sind, die grundsätzliche Positionen des Lebensschutzes verwässern, soll aus „Nächstenliebe im Bereich der Kommunikation“ deren neue Lehre akzeptiert werden.

      Nein, dem kann ich nicht folgen!

      • Das wären natürlich die falschen Ableitungen aus meinen Aussagen.
        Was ich sagen wollte, ist, dass man Texte erst einmal aufmerksam zu lesen hat. Das wird in unserer überaus schnellen Mediengesellschaft viel zu wenig gemacht. So wird alles auf Schlagzeilen reduziert. Solche Schlagzeilen bringen zwar Quoten, sind aber für eine angemessene Erkenntnis von Sachverhalten nie hilfreich; im besten Fall bringen sie etwas auf den Punkt, für gewöhnlich aber sind sie eine Form der Polemik, so auch im hiesigen Artikel.
        Was ich hier beitragen will, ist eine „Entschleunigung“ im Hinblick auf echte Erkenntnis.
        Leider liegt mir der Text von Spaemann nicht vor. Ich kann ihn also nicht bewerten.
        Aber ich kenne Spaemann zu gut als hochintelligenten Philosophen, der übrigens auch theologische Studien betrieben hat, und gleichzeitig als Katholiken, dem man nicht leichtfertig das sentire cum ecclesia absprechen darf, als dass ich einem solch leichtfertig hingeschriebenen Artikel, wie das hier der Fall ist, mein Vertrauen schenken könnte.

        Freilich will ich damit nicht beurteilen, ob es von Spaemann klug war, sich in einem Leserbrief zu äußern, anstatt für eine solch komplexe Frage nicht lieber einen ganzseitigen Artikel zu verfassen.

        Es geht mir nicht darum, dass man „aus Nächstenliebe“ irgendetwas akzeptiert, was wider die Wahrheit steht; sondern es geht mir um ein erkenntnistheoretisches Prinzip: man sollte der Würde des Nächsten wegen versuchen, den wahren Gehalt seiner Aussagen zu verstehen. Das schließt auch eine gewisse kritische Haltung sich selbst gegenüber mit ein, dass man nämlich nicht jeder Intuition, die einen überkommt, nicht sofort das höchste Vertrauen schenkt, sondern die Gründe noch einmal prüfen möge.

        Und das meine ich, hat der Autor des hiesigen Artikels zu wenig getan.

        Damit will ich aber – und das ist jetzt inhaltlich gemeint, während das Vorangehende eher „formal“ zu verstehen ist – keineswegs irgendwelche Abstriche am Schutz menschlichen Lebens schön reden.

        • Nein, leider hat der Autor recht. Mir liegt der Leserbrief der FAZ von heute vor. Und die Aussagen von Meisner sind bekannt, inklusive der kritischen Betrachtung derer, von denen man nicht nachsagen kann sie lassen sich durch die Massenmedien treiben.

  2. Eine Ovulationshemmung, die eventuell eine Nidationshemmung bewirkt, ist unsittlich. Das Kind hat das Recht auf volle Bejahung seiner Unversehrtheit, sobald es da ist. Beispielsweise stoppen Schwangere gesundheitsschädliche Lebensweisen sobald sie schwanger sind. Wenn Sie bis zur Schwangerschaft schwangerschaftshemmende Gesundheitsrisiken, z.B. Rauchen, eingegangen sind, war das okay. Mit Anbruch der Schwangerschaft gilt die Verantwortung für zwei. Insofern sollte man statt der Pille danach einem Vergewaltigungsopfer einen normalen Kontrazeptionshemmer verabreichen.

  3. Spaemann war im Grunde seines Herzens immer ein Opportunist, der sich so wie Ratzinger allerdings auch gerne etwas konservativ gab, man konnte damit auffallen und sich in Szene setzen.

    • „urteilt nicht, damit ihr nicht verurteilt werdet; denn mit dem Mass mit dem ihr messt, werdet auch ihr gemessen werden.“ fällt mir dazu nur ein.

      Gottes Segen und Mariens Schutz . . .

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