Es braucht eine neue Theologie des Petrusamtes, um den Fels zu schützen

Petrus Stellvertreter Christi auf Erden, Papsttum braucht neue vertiefende Theologie um es vor Angriffen zu schützen, Aufwertung des Petrusamtes statt Abwertung, nach Rücktritt Benedikts XVI. notwendigvon Giuseppe Nardi

(Rom) Sie dürfen nicht fehlen, die aktivistischen Wichtigtuer im demokratisierenden Gewand. Sie gehören gewissermaßen zum Zirkus des virtuellen Zeitalters. War es nicht der Papst, der gerade vom „virtuellen Konzil“ gesprochen hat? Zum anstehenden Konklave gibt es nun eine Internetseite namens Habebimus Papam und das gleich in mehreren Sprachen, „um Deiner Stimme im Konklave Gehör zu verschaffen“. Jedermann (und jede Frau), ob katholisch oder nicht, kann zunächst dem kommenden Pontifikat programmatische Vorgaben machen (Ökumene, Modernität, Transparenz, Tradition, Organisation) und dann seinen/ihren „Wunschpapst“ wählen. Das Ganze natürlich, um „die Sorgen der Gläubigen sichtbar“ zu machen. Die internetverliebten Promotoren des Klick-Aktionismus geben vor, dies alles nur zu tun „um die Werte der katholischen Kirche zu fördern“. Wie dies damit  geschehen soll, erhellt sich allerdings nicht, ausgenommen, man verwechselt Demokratie mit „katholischen Werten“.

Nach dem umstrittenen für den 28. Februar angekündigten Rücktritt Benedikts XVI. scheint eine neue Theologie des Papsttums von Nöten. Eine erneuerte theologische Vertiefung des petrinischen Amtes, durch die Figur, Rolle, Aufgabe und Amtsverständnis des Stellvertreters Christi auf Erden neu erstrahlen und zur Geltung gebracht werden.

Nivellierung des Petrus eine Gefahr – Kardinal Kaspers „wichtigste Kirchenreform“ spricht Bände

Das Verhältnis Petrusamt und Episkopat, nicht minder jenes zu Theologen, war in der Geschichte vielfach durch Spannungen gekennzeichnet. Wie jüngst wieder der Historiker Roberto de Mattei in seiner Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils nachgewiesen hat, drängte es damals die Episkopate ganzer Länder, angefangen bei der „rheinischen Allianz“, nicht nur den Einfluß der Römischen Kurie zurückzudrängen, sondern auch des Papsttums. Die Gefahr einer Nivellierung des Petrus stellt eine besondere Herausforderung der jüngsten Moderne dar. Der unerwartete Rücktritt Benedikts XVI. hat die Position des Menschenfischers keineswegs gestärkt. Ob er sogar Schaden genommen hat, wird sich erst in Zukunft zeigen. Aussagen von Kardinälen, wie jene von Kardinal Schönborn, daß der Rücktritt „Spielräume“ selbst bei tausendjährigen Traditionen aufzeige, und von Kardinal Kasper, daß der Rücktritt die „wichtigste Kirchenreform“ von Benedikt XVI. sei, klingen höchst bedenklich. Immerhin ist damit bereits die Meinung eines Viertels der beim kommenden Konklave wahlberechtigten Kardinäle aus dem deutschen Sprachraum genannt.

Wenn 2000 Jahre lang letztlich nur zwei Päpste unter ganz außergewöhnlichen Umständen zurückgetreten sind, keiner aber, weil er sich „zu alt“ fühlte, dann ist das per se eine Tatsache von größter Bedeutung. Sie sollte keineswegs mit solcher Leichtigkeit beiseite gelegt werden, wie dies in diesen Tagen aus ganz unterschiedlichen Gründen, teils auch sehr menschlich wohlwollenden gegenüber dem scheidenden Papst geschieht. Der Unterfertigte wird am 27. Februar am Petersplatz an der letzten Generalaudienz Benedikts XVI. teilnehmen, um seine Dankbarkeit und Verbundenheit zum Ausdruck zu bringen. Diese Anhänglichkeit ändert aber nichts an den Bedenken über die Art und Weise, wie dieses Pontifikat nun sein Ende findet.

Rücktritt wurde möglich, weil undenkbar, nicht weil theologisch ergründet

Ein Rücktritt vom Papstamt ist möglich. Wir wissen es. Er ist auch deshalb möglich, weil er bisher als letztlich undenkbar galt. Was aber nicht wirklich vorstellbar ist, findet naturgemäß keine besondere Beachtung und in der Regel noch weniger wirklich überlegte Regelungen. Man beschäftigt sich einfach nicht näher damit. Der Rücktritt Benedikts XVI. ist in dieser Form also möglich, weil er völlig überraschend, nicht etwa weil er vertieft geschieht. Der Papst hat das, was nicht nur das Heute und Jetzt betrifft, sondern 2000 Jahre Felsen, auf dem die lebendige Kirche gründet und 1,1 Milliarden Katholiken, einfach mit sich und Gott ausgemacht. Sozusagen.

Es besteht also, die jüngste Entwicklung führt es schlagartig vor Augen, Vertiefungsbedarf und dies nicht im Sinne der Jubler, die sich an der Vorstellung ergötzen, diesen Papst und das Papsttum wenn auch nur irgendwie, aber eben zumindest irgendwie in den Knien zu wissen, und auch nicht im Sinne der Zweckoptimisten, die meinen, immer alles im positiven Licht darstellen zu müssen.

Kirche kannte keine Altersgrenzen: Das wird schon seinen Grund haben

Altersgrenzen kannte die Kirche nie. Das wird schon seinen guten Grund gehabt haben. Es war unserer demokratisierenden Zeit oder besser gesagt, Papst Paul VI. vorbehalten, nach dem Konzil zunächst für Priester, dann für Bischöfe und schließlich für Kardinäle Altersgrenzen einzuführen. Dafür gibt es durchaus begründete Veranlassung. Nie aber des bloßen Alters wegen! Das ist eine weltliche Kategorie, aber keine geistliche. Die Altersgrenze macht nur dann einen Sinn, wenn das Papsttum davon ausgenommen bleibt, weil es dem Papst ein korrigierendes Instrument in die Hand gibt, das er nützen kann, aber nicht nützen muß, ohne gleich autoritär auftreten zu müssen. Das petrinische Amt muß daher geradezu kategorisch von einer Altersgrenze ausgenommen sein. Einzige Ausnahme: eine Absetzung, die allerdings nur für den Fall eines offensichtlichen Glaubensabfalls denkbar wäre und damit rein hypothetisch bleibt.

Eine Pensionierung von Priestern, Bischöfen und Päpsten, ein menschlich ihnen zu vergönnender „ruhiger Lebensabend“, so freundlich gedacht und wohlgesonnen es auch gemeint sein mag, ist aber spätestens beim Papstamt ein Widerspruch in sich. Es verdunkelt das „ganz Andere“ des katholischen Glaubens, die keine Analogie zum weltlichen Sozialsystem mit Arbeitsjahren, Pensionsanspruch und Rentenalter kennt, wo man arbeitet, weil man sich einen Lebensunterhalt verdienen muß, aber letztlich vor allem auf die herbeigesehnte berufliche Entbindung und die damit endlich zu gewinnende Freizeit hofft.

Jeder Versuch einer Angleichung der Träger von Weiheämtern an dieses weltliche Pensionsdenken von Sozialversicherungsanstalten, Sozial- und Seniorenpolitikern ist zurückzuweisen und dies keineswegs, weil man den Priestern, Bischöfen und Päpsten menschlich etwas antun wollte, sondern um ihre herausragende Unvergleichbarkeit durch das Weihesakrament sichtbar sein zu lassen und das immer, vom ersten bis zum letzten Tag.

Päpste harrten 2000 Jahre in Verfolgung, Leid, Krankheit und Tod aus – Das will etwas heißen

Alle Päpste, bis auf einige, statistisch vernachlässigbare Einzelfälle, die bestenfalls die Ausnahmen bilden, die die Regel bestätigen, harrten im Amt aus: in der Verfolgung, im Leid, in der Krankheit und im Tod. Das will doch etwas heißen. Krankheit und Sterben gehören zum Papsttum dazu. Der Welt sind sie ein Elend. Wir Menschen wollen nicht leiden und nicht sterben und suchen alle denkbaren Fluchtwege davor, ohne entfliehen zu können. Gerade auch im Annehmen von Leid, Krankheit und Tod ist der Papst seiner Herde, aber auch der ganzen Menschheit in zentralen, unentrinnbaren existentiellen Momenten des Lebens Vorbild und Halt. Der Wunsch nach Rückzug und Privatsphäre im Kranksein und im Sterben ist verständlich, auch für einen Papst. Sich dieser (bedingten) Sichtbarkeit zu entziehen, hieße aber, die gleichen Strategien  der anderen Menschen zu wählen und diese in gewisser Weise alleine zu lassen im Umgang mit Leid und Tod, an dem nicht wenige verzweifen.

Die lange Agonie Johannes Pauls II. mag für manchen abschreckend gewirkt haben. Der polnische Papst war in unserer Zeit der „Jungen, Schönen, Effizienten“ und des industrialisierten Angriffs auf das Leben durch die Tötung ungeborener Kinder und nicht zuletzt durch Euthanasie jedoch ein leuchtendes Vorbild, den Kelch bis zum bitteren Ende dieses irdischen Daseins anzunehmen. Es ist keineswegs gesagt, daß es Benedikt XVI. ebenso ergangen wäre. Wie es Joseph Kardinal Ratzinger ergehen wird, werden wir wahrscheinlich nie erfahren. Selbst als Pius VI. von den französischen Revolutionstruppen verschleppt wurde, kam niemand auf den Gedanken, einen neuen Papst zu wählen, weil die Kirche ihres sichtbaren Hauptes beraubt war. Erst als der Papst in der Verbannung gestorben war, wurde der neue Petrus erkoren. Ein Papst, der irgendwann mit 2500 Euro Pensionsanspruch abtritt (die Summe spielt keine Rolle), ist schlichtweg eine irritierende Vorstellung, die hoffentlich ein Betriebsunfall bleibt.

Papst mit Pensionsanspruch irritierend – Vertiefte Theologie des Papsttums nötig, damit Tu es Petrus neu erklingt

Und damit zurück zur Theologie. Diese war in den vergangenen Jahrzehnten mehr darauf bedacht, sich möglichst vom Papsttum zu distanzieren. Theologen konzentrierten sich entweder in Form teilweiser Allianzbildungen mit den jeweiligen Bischöfen als unmittelbaren Dienstgebern mehr um die Aufwertung des Bischofsamtes mit implizierter Reduktion des Petrusamtes auf die Stufe eines Primus inter pares. Manche gingen noch weiter, indem sie vor allem ein allgemeines Priestertum betonten, um damit ausgesprochen oder nicht alle Weiheämter teils bis zur Unkenntlichkeit zu minimieren.

Um das Papsttum müsse man sich nicht bemühen, so eine verbreitete Stimmung, das ist der Fels. Ihn zu schleifen, das war vielmehr das Bestreben. Manche sahen und sehen, auch im Kardinalskollegium, im Fels eine Bastille. Der Fels ist aber ein schützender Fels, eine feste Burg, Hort und Zuflucht, Garant und Sicherheit. Die jüngste Entwicklung zeigt, daß es neuer theologischer Anstrengungen bedarf, um das Petrusamt vor Angriffen zu schützen und aufzuwerten, um den Wert sichtbar zu machen, der ihm zukommt.

Bild: Amici di Benedetto XVI.

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1 Kommentar

  1. Ja, es bedarf „neuer theologischer Anstrengungen bedarf, um das Petrusamt vor Angriffen zu schützen“!

    Das Petrusamt – wie auch jedes andere Hirtenamt – würde karikiert und zerstört, wenn es als willkürliche Machtposition verstanden würde, wie es heute leider oft geschieht.

    Jedes Hirtenamt in der Kirche kann nur in wahrer – nicht willkürlicher – Stellvertretung Christi ausgeübt werden und auch nur in diesem Sinne Gehorsam einfordern! Wer nicht mit der Stimme Christi spricht, dem können die Schafe nicht folgen. „Sie fliehen vielmehr vor ihm, weil sie die Stimme des Fremden nicht kennen“ (Joh. 10,5).

    Heute stellen sich im Hinblick auf das Hirtenamt vor allem folgende Fragen: Kann ein wahrer Hirt oder Gläubiger die Überlieferung der Kirche verfolgen, Irrlehren fördern oder dulden, auf den Missionsauftrag Christi (z.B. auch unter Juden) verzichten oder zum Götzendienst aufrufen (vgl. Assisi 1986 usw.?!). Hier sind die Theologie und die Kirche, aber auch diejenigen die ein Hirtenamt für sich einfordern, gefragt, klare Stellung zu beziehen!

    Dabei ist es nicht so, wie Nardi meint, dass die Kirche einen Papst absetzen könnte, sie kann und muss aber darauf hinweisen und auch Konsequenzen ziehen, wenn jemand ein Hirtenamt nicht im Sinn des Glaubens der Kirche und deshalb letztlich unrechtmäßig wahrnimmt. (Das Konzil von Konstanz oder die Bulle „Cum ex apostolatus officio“ sind Beispiele unter vielen anderen, wie die Kirche Notmaßnahmen für solche Fälle nicht ausgeschlossen hat).

    Und was Nardi vielleicht auch nicht bedenkt: Der freiwillige und ausdrückliche Amtsverzicht in bestimmten Fällen, wo man aus gewissen Gründen die Verantwortung eines Amtes nicht mehr tragen kann, kann auch sinnvoll sein (vgl. Papst Cölestin V. , den die Kirche als Heiligen verehrt und dessen freiwilligen Amtsverzicht, den bisher einzigen der Kirchengeschichte, sie sogar im Kirchengebet der überlieferten Liturgie lobend erwähnt!).

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