Gesellschaft Papst Leo XIII. und Brasilianisch-Apostolische Kirche “schismatische Gruppen”

(Vatikan/London/Brasilia) Das Spektrum der katholischen Schismatiker und der episcopi vagantes ist groß und kunterbunt und meist unbekannt. Die Roman Catholic Society of Pope Leo XIII (SPLXIII) unter der Führung des Engländers David Bell und alle damit verbundenen Organisationen und Einrichtungen sowie die Igreja Católica Apostólica Brasileira (ICAB) gehören zu diesen Gruppen. Daß es sich um schismatische Gruppen handelt, stellte erst jüngst wieder das Staatssekretariat des Vatikans fest. Sie stehen außerhalb der katholischen Kirche, in der sie keinen Status besitzen. So macht es der Apostolische  Nuntius Giovanni D’Aniello im Auftrag des vatikanischen Staatssekretariats in einem Schreiben (Protokollnummer 1177/12) an Raymundo Kardinal Damasceno Assis, den Vorsitzenden der brasilianischen Bischofskonferenz deutlich, wie der Vatikanist Andrea Tornielli berichtet.

Laut Eigendefinition „Kardinal“ – Für den Vatikan „Herr“ Bell

Bell, der „Generalobere ,Präsident‘“ der SPLXIII, der wie ein Kardinal als „Eminenz“ unterzeichnet und sich selbst als „Erzbischof von London“ bezeichnet, wurde im Rahmen der ICAB „geweiht“ und wurde seinerseits Gründer der Roman Catholic Society of Pope Leo XIII mit Ablegern in verschiedenen Ländern. „Erzbischof“ Bell, der die Liturgie in der außerordentlichen Form des römischen Ritus zelebriert, „weihte“ seit seiner „Weihe“ mindestens 20 Bischöfe rund um den Erdball. Die Gemeinschaft ist von Abgängen, Spaltungen und gegenseitigen internen „Exkommunikationen“ gekennzeichnet.

Einer solchen Abspaltung steht der Journalist Michel Upmann vor. Der Pressesprecher der Gesellschaft Papst Leos XIII. Italien war von Bell in der toskanischen Diözese Fiesole zum Diakon „geweiht“ worden. Bell hatte bei einem 2008 entstandenen Frauenkloster im Arnotal einen Stützpunkt gefunden. Antonio Febbroni wurde damals zum Priester „geweiht“. Die Weihen fanden ohne die Zustimmung des Ortsbischofs von Fiesole statt, der im Gegenzug das Frauenkloster aufhob.

Brasilianisch-apostolische Kirche spaltete in den 30er Jahre wegen Verurteilung des Kommunismus ab

Die „Katholische und Apostolische brasilianische Kirche“ entstand bereits Ende der 30er Jahre im Widerspruch zur Verurteilung des Kommunismus durch Papst Pius XI. Sie näherte sich alt-katholischen Positionen an, lehnt das päpstliche Unfehlbarkeitsdogma ab, das vom Ersten Vatikanischen Konzil verkündet wurde und erlaubt die Priesterehe. Die Gruppe hat eigene „Bischöfe“ und zelebriert in Brasilien „kirchliche“ Hochzeiten für wiederverheiratete Geschiedene. Vorsitzender der ICAB ist Luis Fernando Castillo Mendez, der sich selbst als „Patriarch“ und „Kardinal“ bezeichnete und im Kardinalspurpur auftrat. Castillo Mendez „weihte“ 2007 Bell zum „Bischof“ und soll diesen 2009, kurz vor seinem Tod, zum „Kardinal“ ernannt haben. Mendez hatte Ende der 80er Jahre sogar Kontakt mit dem Heiligen Stuhl, schlug jedoch die ihm von Papst Johannes Paul II. entgegengestreckte Hand aus. Während die ICAB heute eine eigene „Kirche“ ohne Bezug zur katholischen Kirche ist, bemüht sich die SLPXIII um die Anerkennung durch Rom.

David Bell betont auf der Internetseite der Roman Catholic Society of Pope Leo XIII in auffälliger Art seine “Katholizität”, indem er sogar verschiedene Fotos mit dem regierenden Papst zeigt. Die Bilder waren am Ende einer Generalaudienz im Juni 2011 entstanden. Zu dieser war er mit einigen anderen Bischöfen der Gesellschaft zugelassen. Sie sollen Unwissenden den Eindruck der Einheit mit Rom vermitteln, die es in Wirklichkeit nicht gibt. Upmann, der Sprecher der Gesellschaft in Italien, betont, daß Bell und die SPLXIII. dem katholischen Lehramt „absolut treu“ sei. Die Gesellschaft stehe in „ständigem Kontakt mit der Glaubenskongregation und der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei“ und sei bereit, „sich dem Papst in Gehorsam unterzuordnen“. Derzeit ist dem jedoch noch nicht so, wie die jüngste Feststellung des vatikanischen Staatssekrariats zeigt.

Gesellschaft Leo XIII. will sich Rom unterwerfen – Für Rom gilt sie weiterhin als schismatisch

Im Schreiben von Nuntius D’Aniello vom 8. Oktober 2012 an Kardinal Damasceno heißt es, daß die Roman Catholic Society of Pope Leo XIII „eine schismatische Gruppe und als solche keinerlei Status in der katholischen Kirche besitzt“. Im Schreiben heißt es weiter, daß „die in jener Gemeinschaft ordinierten Bischöfe kein Amt in der katholischen Kirche ausüben dürfen, die diese Ordinationen nicht anerkennt“. Daher „sind alle mit jener Gesellschaft verbundenen Organisationen und Vereinigungen wie jede andere nicht-katholische Einrichtung zu behandeln“.

„Da Herr Bell sich des Schismas schuldig gemacht hat, machen auch alle, die von ihm eine ‚Weihe‘ empfangen, sich ihrerseits des Schismas schuldig mit einer Exkommunikation latae sententiae.“ Gleiches gilt, so der Nuntius im Namen des Staatssekretariats auch für die Igreja Católica Apostólica Brasileira. Das Schreiben von Msgr. D’Aniello wurde allen brasilianischen Bischöfen zur Kenntnis zugeleitet. Bereits einige Tage zuvor war eine ähnliche Mitteilung dem katholischen Bischof von Brentwood, Msgr. Thomas MacMahon zugegangen, der bei der Glaubenskongregation um Klarheit über den Status von „Herrn Bell“ angefragt hatte. Der Sekretär des Dikasteriums, Kurienerzbischof Luis Ladaria Ferrer teilte Msgr. MacMahon mit, daß es Bell „nicht erlaubt ist, in der katholischen Kirche irgendein Amt auszuüben und daß seine Weihen nicht anerkannt sind“.

Text: Vatican Insider/Giuseppe Nardi
Bild: Vatican Insider

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4 Kommentare

  1. Herrje, was es alles für falsche Propheten, Gruppen und Grüppches gibt, die alle ihr eigenes Süppchen kochen. Wie sagte es meine Urgroßmutter: „Einen großen Tiergarten hat unser Herrgott, une er läßt alle erst einmal leben.“ Warum bloß kann isch keiner einer einzigen Autorität unterwerfen, sie freiwillig akzeptieren und damit es gut sein lassen. Ist des Menschen Ego doch der größte Feind auf dem Weg zu Gott?
    Warum um alles in der Welt kann man nicht sagen: „So, wie es Rom immer gemacht hat, so wollen wir es auch heute tun!“ Oder „Alles, was der HERR uns sufgetragen hat, das wollen wie aus ganzem Herzen und ganzer Seele und mit allem unserem Vermögen tun!“ Wie einfach wäre das doch: Oder mit Papst Beneikt XVI: „Der Glaube ist einfach!“

  2. Das Problem ist der Ungehorsam der Autorität. Wenn Rom zum Glauben zurückfände, dann würden sich diese Versprengten wieder um Petrus scharen.
    Gebe es Gott …

  3. Die Weihen der Duarte-Costa-Linie sind anerkannt worden. Etwa der 1959 wieder mit der römisch-katholischen Kirche versöhnte Bischof Salomão Barbosa Ferraz (1880-1969). Er war 1924 bis 1937 römisch-katholischer Bischof von Botucatu in Brasilien. Bereits 1936 wandte er sich an Papst Pius XI. und forderte damals die Messfeier am Tische, in der Landessprache, die Handkommunion und weitere (nach Vatikanum II. eingeführte) Missbräuche der liturgischen „Bewegung“ von damals. Auch war er linkspopulistisch engagiert. Ab 1944 bis zur Exkommunikation 1945 beschuldigte er den Hl. Stuhl von der Zusammenarbeit mit „Faschisten“, ganz im Sinne der sowjetisch-kommunistischen Propagandamaschine der Komintern damals. Die Priester- und Bischofsweihen der kleineren Gruppierungen dürften nicht anerkannt worden sein, aber der Vatikan hat die Duarte-Costa-Linie anerkannt in der Vergangenheit. Duarte Costas Nachfolger blieb dem alten Pontificale nämlich treu. Also kritisch selbst recherchieren!

  4. Bischof Carlos Duarte Costa war 1924 bis 1937 Bischof der römisch-kath. Kirche. Ferraz war vor seiner Weihe 1945 ein protestantischer Pastor in Brasilien. Die schismatische Nationale Katholische Apostolische Kirche Brasiliens hat gültige Weihen (im Allgemeinen), der Vatikan will wohl nicht für England haften. Eine gleiche absurde Vorgehensweise (im Vergleich zur Versöhnung von Bischof Ferraz) war seit 1984 die vom damaligen Kard. Ratzinger Ablehnung einer Anerkennung der von Erzbischof Pierre-Martin Ngô Dinh Thuc gültig durchgeführten Priester- und Bischofsweihen. Selbstverständlich sind Weihen gültig, auch solche in den altkatholischen oder anderen (etwa altgläubigen russisch-orthodoxen) Sekten und Gruppierungen. Die katholische Sakramentenlehre ist da ganz klar. Der heutige Vatikan sieht vielleicht das Bischofsamt mehr als „Amt“ und Führungsaufgabe als als eine Weihe? Priester- und Bischofsehen oder „Ehen“ verhindern keine Weihegültigkeit!

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