Liturgie nicht Privatveranstaltung irgendeiner Gruppe, sondern Gemeinschaft mit Christus

Liebe Brüder und Schwestern!

In der Katechese am vergangenen Mittwoch habe ich begonnen, über die Liturgie als eine der bevorzugten Quellen und eine Schule des Gebetes zu sprechen. Liturgie ist, wie es der Katechismus sagt, »Beteiligung am Gebet, das Christus im Heiligen Geist an den Vater richtet. In ihr findet alles christliche Beten seine Quelle und seinen Abschluß« (KKK 1073). Das mag uns Anlaß sein, daß wir uns fragen, was für eine Rolle das liturgische Gebet in unserem eigenen persönlichen Leben spielt. Wir sind durch die Taufe, so sagt uns Paulus, gleichsam »in Christus« hineingenommen worden (vgl. Röm 6,5). Daher können wir mit ihm ein gemeinsames »Wir« bilden und zu Gott, dem Vater, »Vater« sagen. Und so geschieht es dann in der Liturgie, daß wir dort unsere Identität in Christus finden, daß er uns an sich zieht und daß wir mit ihm das Geheimnis seiner Liebe feiern und so dem lebendigen Gott begegnen. Wir entdecken in der Liturgie unsere Identität als Kinder, die auf Gott als Vater schauen. Dabei wollen wir bedenken, daß wir in der Kirche Christus als den heute Lebendigen kennenlernen. Die Kirche feiert nicht irgendwelche vergangenen Dinge, sondern in der Liturgie ist das Handeln Gottes gegenwärtig und begegnen wir der Gegenwart seines Handelns. Und Liturgie wiederum ist nicht eine Privatveranstaltung irgendeiner Gruppe, sondern sie ist die Gemeinschaft mit Christus. Sie umspannt Himmel und Erde, die Gläubigen aller Orte und aller Zeiten. Nie ist eine Gemeinde nur sie allein, die Liturgie »macht«. Die Liturgie wird uns geschenkt, sie ist gerade das Heraustreten aus dem, was wir selber machen, in die große Gemeinschaft aller Gläubigen, die große Gemeinschaft des Leibes Christi hinein, der alle Zeiten umspannt. Dies ist ihre Größe, und in sie müssen wir hineinwachsen, durch sie uns formen und führen und reinigen lassen und so dann wirklich zu Söhnen und Töchtern Gottes werden, die im lebendigen Du mit ihm stehen und von ihm her ihr Leben immer neu empfangen und verwandeln lassen.

Von Herzen grüße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher. Die Kirche, so sagte ich, wird besonders in der Liturgie immer als ganze sichtbar, wie wenig Menschen auch da sein mögen. Denn sie kommt von Gott her und durch sie tritt Gott in unser Leben herein. Möge der Herr uns lehren, in der Liturgie, besonders in der Heilige Messe, im »Wir« der Kirche zu beten, das im »Vater unser« vorausgesetzt ist. Wir sagen nicht »mein Vater«, wir sagen »unser Vater«. Nur im Wir der Kinder sind wir Kinder und im Vater vereint. Liturgie möge uns in dieses »Wir« hineinziehen und uns so zu einer großen universalen Gemeinschaft machen, zu einem Werkzeug seines Friedens. Gerne segne ich euch alle und wünsche euch schöne Pilgerschaft hier in Rom!

Bild: Sergey Gabdurakhmanov/flickr.com

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