Schweizer Kardinal Schwery ist 80 und nicht mehr Papstwähler: „Eine gute Nachricht“

(Rom/Sitten) Am Donnerstag feierte der Schweizer Kardinal Henri Schwery seinen 80. Geburtstag. Für die katholische Kirche bedeutet dieses Ereignis, daß Kardinal Schwery nicht mehr Papstwähler in einem Konklave sein wird. „Eine gute Nachricht“, wie der spanische Kirchenhistoriker Francisco José Fernández de la Cigoña auf seinem Blog meint.

Während zahlreiche katholische Medien den Kardinal nur mit kritischen Tönen zur Römischen Kurie („Staatssekretariat ist Staat im Staat geworden“) und vor allem zur Piusbruderschaft zu Wort kommen lassen („Lefebvre war dickköpfig wie eine Mauer aus Stahlbeton“), was wohl etwas mit den Überzeugungen des Hinterbänklers im Kardinalskollegium mit „blassem theologischem Profil“, so die Schweizer Tageszeitung Der Bund, zu tun haben muß, wird die zum Teil desaströse Lage der Kirche in der Schweiz mit keinem Wort thematisiert, für die der Kardinal als Bischof mitverantwortlich zeichnet.

Henri Schwery, der „Bonvivant ohne Ambitionen“ (Der Bund) ist emeritierter Diözesanbischof. 1991 wurde er überraschend von Papst Johannes Paul II. zum Kardinal erhoben. Die Erhebung eines Bischofs von Sitten in den Kardinalsstand hatte es zuvor mit Matthäus Schiner nur einmal am Beginn der Neuzeit gegeben. Die Ernennung war von schweren inneren Zerwürfnissen unter den Schweizer Bischöfen begleitet.

Paul Paul VI. hatte Msgr. Schwery zum Bischof von Sitten ernannt, eine Diözese, auf die er 1995, im Alter von 62 Jahren überraschend aus „Gesundheitsgründen“ verzichtete. Am 1. April jenes Jahres nahm Papst Johannes Paul II. seinen „mysteriösen“ Rücktritt an, wie de la Cigoña anmerkt. Grund dafür waren Konflikte unter den Schweizer Bischöfen. Die Erhebung zum Kardinal schien Msgr. Schwery rangmäßig über alle anderen Schweizer Oberhirten zu erheben. Mit dem Rücktritt wurde die Angelegenheit gewissermaßen behoben. Msgr. Schwery war Kardinal, aber nicht mehr Schweizer Diözesanbischof, als der er 1983 bis 1988 auch Vorsitzender der Schweizer Bischofskonferenz war.

In seiner Diözese liegt auch das Priesterseminar der Piusbruderschaft, der Kardinal Schwery nie sonderlich zugetan war. Der ehemalige Sittener Oberhirte fand bisher keine freundlichen Worte zur bevorstehenden Versöhnung zwischen dem Heiligen Stuhl und der Bruderschaft. Erstaunlich ist das nicht, erhielt der Schweizer seine Kardinalswürde ja zum Dank „als Anerkennung für seine Standhaftigkeit gegenüber den Rechtskatholiken von Ecône“, wie das St. Galler Tagblatt 2010 schrieb. 2005 nahm Kardinal Schwery am Konklave teil, bei dem Papst Benedikt XVI. gewählt wurde. Es bestehen Zweifel, daß er dazu beigetragen hat.

Msgr. Schwery „gehört zu denen, die verantwortlich sind für die Agonie, in der sich der Schweizer Katholizismus befindet, weshalb es eine gute Nachricht ist, daß er nicht mehr an einer Papstwahl teilnehmen kann, denn es ist mehr als wahrscheinlich, daß seine Stimme schlecht eingesetzt wäre“, so de la Cigoña.

Mit dem Ausscheiden Kardinal Schwerys beträgt die Zahl der Papstwähler 121, bis am 21. Juli der nordamerikanische Kardinal James Francis Stafford, ehemaliger Erzbischof von Denver (1986-1996) und emeritierter Großpönitentiar (2003-2009) sein 80. Lebensjahr vollenden wird.

Bis Jahresende 2012 werden auch die Kardinäle Rosales (Manila) Murphy O’Connor (Westminster), Rubiano (Bogota), die beiden Kurienkardinäle Arinze und Martino und Kardinal Scheid (Rio de Janeiro) ihr Wahlrecht verlieren.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: La cigüeña de la torre

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2 Kommentare

  1. Dass selbst ein lehramtstreues kath. Nachrichten-Internetportal erst vor kurzem diesem Kardinal Raum gegeben hat, gegen die Piusbruderschaft zu polemisieren, zeigt, wie zerrissen selbst romtreue Katholiken untereinander sind. Einigen aus der „Generation-Johannes-Paul II.“ scheint jedes Mittel recht, wenn es gegen die Piusbruderschaft geht. Auch wenn sie sich damit indirekt gegen den regierenden Papst stellen, denn dieser will die Einigung.

    • Obwohl Außenstehender, möchte ich diesbezüglich für Kath.net sprechen: Audiatur et altera pars! Die Leserschaft kann die Dinge schon richtig einordnen.

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