Msgr. Paglia Vorsitzender des Päpstlichen Familienrats – Erster Kardinal der Gemeinschaft Sant‘Egidio?

(Vatikan) Heute mittag wird der Heilige Stuhl die Ernennung des Bischofs von Terni, Msgr. Vincenzo Paglia zum Präsidenten des Päpstlichen Rats für die Familie bekanntgeben, Unvorhergesehenes stets mitgedacht. Der italienische Diözesanbischof tritt damit die Nachfolge von Ennio Kardinal Antonelli (76) an.

Msgr. Paglia (67), seit 2000 Bischof der umbrischen Diözese Terni-Narni-Amelia, wird Kardinal Antonelli ablösen, der seit 2008 an der Spitze des Päpstlichen Familienrats stand. Der frühere Erzbischof von Florenz hatte im November des Vorjahres den 75. Geburtstag gefeiert und dem Papst seinen Rücktritt angeboten. Es war seit längerem bekannt, daß Kardinal Antonelli, der maßgeblich an der Vorbereitung und Durchführung des VII. Weltfamilientreffens in Mailand beteiligt war, nach diesem Großereignis aus dem Amt scheiden würde. Kardinal Antonelli gehört der Fokolar-Bewegung an.

Msgr. Vincenzo Paglia war viele Jahre Pfarrer der römischen Pfarrei Santa Maria in Trastevere und geistlicher Assistent der von Andrea Riccardi (62) gegründeten Gemeinschaft von Sant‘Egidio. Der Historiker ist derzeit Minister für internationale Zusammenarbeit und Integration in der Regierung von Mario Monti. Auch der geistliche Assistent der Gemeinschaft wird nun zum “Minister” berufen, allerdings nicht der italienischen Regierung, sondern jener der katholischen Kirche. Eine Kuriosität mag es dabei sein, daß nun die weltliche und geistliche Doppelspitze der Gemeinschaft von Sant‘Egidio, Riccardi und Paglia, in den jeweiligen Regierungen für dasselbe Sachgebiet zuständig sind. Riccardi ist auch italienischer Familienminister.

Msgr. Paglia, über dessen Berufung nach Rom als erste die Vatikanistin Franca Giansoldati berichtete, steigt damit in den möglichen Kreis der künftigen Kardinäle auf und wäre damit der erste Purpurträger aus der Gemeinschaft von Sant‘Egidio. Alle fünf Vorgänger im Amt als Vorsitzenden des 1981 geschaffenen Päpstlichen Familienrats (Rossi, Knox, Gagnon, Lopez Trujillo, Antonelli) waren Kardinäle, wenngleich, mit Ausnahme des Frankokanadiers Edouard Kardinal Gagnon, alle bereits zu Kardinälen kreiert waren, bevor sie an die Spitze des “Familienministeriums” berufen wurden.

Demnächst werden auch die Entscheidungen von Papst Benedikt XVI. über die Besetzung weiterer führender Ämter an der Römischen Kurie erwartet. Die größte Aufmerksamkeit kommt dabei der Nachfolge von Kardinal William Levada zu, der aus gesundheitlichen Gründen als Präfekt der Glaubenskongregation ausscheiden wird. Als Nachfolger ist vor allem der Bischof von Regensburg, Msgr. Gerhard Ludwig Müller (64), im Gespräch. Ebenso steht die Berufung eines neuen Bibliothekars der Heiligen Römischen Kirche an. Ein Amt, das in den 1980er Jahren der österreichische Kardinal Alfons Maria Stickler innehatte. Benedikt XVI. nahm am vergangenen 9. Juni den Rücktritt des zuletzt amtierenden Bibliothekars, Alfonso Kardinal Farina an. Die Stelle ist seither vakant. Als möglicher Nachfolger ist der französische Kurienerzbischof, der Dominikaner Jean-Louis Bruguès (68) im Gespräch, der derzeitige Sekretär der Kongregation für das katholische Bildungswesen.

Keine päpstliche Ernennung, aber ein Novum an der Römischen Kurie ist die Berufung des amerikanischen Journalisten Greg Burke (52) zum „Kommunikationsberater“ des Staatssekretariats. Die Berufung des Opus-Dei-Mitglieds Burke, der für Fox News und das Time-Magazine arbeitete, steht in direktem Zusammenhang mit lauter kircheninterner Kritik an der Amtsführung von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. Der Salesianer wird verantwortlich gemacht für eine schlechte interne Kommunikation an der Römischen Kurie und an unzulänglichem Krisenmanagement. Ihm wird ebenso vorgeworfen, daß die Kommunikation zwischen der Kirche und der Welt nicht funktioniere, konkret daß kirchliche Entscheidungen und das Bemühen von Papst Benedikt XVI. nicht angemessen der Öffentlichkeit mitgeteilt werden. Der Vatileaks-Skandal wurde von den Kritikern Kardinal Bertones umgehend zu neuen Rücktrittsforderungen genützt.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican Insider

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