Grenoble: subversiver Pfarrer abgesetzt – Wien: subversiver Dechant abgesetzt, als Pfarrer belassen

Zwei verschiedene Diözesen, zwei Priesterrebellen, die gleichen Forderungen gegen die „Leitungsverantwortlichen“ der Kirche, zwei Reaktionen durch die zuständigen Diözesanbischöfe. Parallelen und Unterschiede.

Frankreich

(Grenoble) Am 14. März veröffentlichte eine Gruppe von Gläubigen der Diözese Grenoble mit dem aus dem Elsaß stammenden Pfarrer Marcel Schlewer an der Spitze einen Offenen Brief an Diözesanbischof Msgr. Guy de Kerimel, in dem sie die Glaubenslehre der Kirche in einigen Punkten bestritten.

Das Schreiben, vermeintlich an „praktischen“ Überlegungen ausgerichtet, stellt die kirchliche Lehre vom Priestertum in Frage. Die Priester sollen ihre Weihegewalt und damit ihrer Fähigkeit zur Verwaltung und Spendung der Sakramente beraubt werden. „Soll die sakramentale ‚Macht‘ allein in den Händen der Priester bleiben?“ Fragten sich daher die Autoren des Offenen Briefes. Die Sakramente der Taufe und der Krankensalbung sollte „ledigen und verheirateten Laien“ übertragen werden. Ebenso sollten Eheleute sich das Sakrament der Ehe vor Laien spenden können ohne die Anwesenheit eines Priesters. Das Ganze, damit die Priester sich mehr „ihren eigentlichen“ Aufgaben widmen könnten. Was das genau wäre, heißt es im Schreiben nicht. Denn, die Gestaltung der „wöchentlichen Versammlung“ der Gemeinde sollte einer Laienmannschaft übertragen werden, während der Priester nur mehr die Rolle eines „Moderators“ einnehmen sollte.

Und überhaupt: Warum werden noch immer „unsere Schwestern“ vom Priestertum ausgeschlossen, obwohl sie durch ihren „tiefen Glauben“ und ihr „treues Zeugnis“ der Kirche einen „ganz neuen Hauch“ brächten?

Am 7. Juni kam Bischof de Kerimel seiner Hirtenpflicht nach und setzte Pfarrer Schlewer ab. Er entband den Priester von allen seinen priesterlichen Aufgaben. In einem öffentlichen Schreiben teilte der Bischof die Entscheidung seiner Diözese mit. Darin verweist er darauf, daß ein Pfarrer und jeder Priester der Diözese vom Bischof in seinem Dienst eingesetzt ist und diesen in der ihm anvertrauten Gemeinschaft der Gläubigen im Namen des Bischofs ausübt. Ein Priester müsse daher in seiner pastoralen Tätigkeit ein Diener sein, der in Einheit und im Namen des Bischofs und der ganzen Kirche handelt.

Bischof de Kerimel warf dem abgesetzten Pfarrer vor, den Offenen Brief wie ein Druckmittel benutzt zu haben, um Veränderungen durchzusetzen. Der Bischof beklagte zudem, daß das Offene Schreiben von Pfarrer Schlewer bereits allgemein verbreitet worden war, noch ehe es ihm, dem Adressaten zugestellt wurde.

Die Einheit der Diözese sei durch den Offenen Brief „schwer geschädigt“ worden. Der Bischof kündigte an, mit der Pfarrgemeinde, auch den Laienunterzeichnern des Offenen Briefes, den direkten Kontakt zu suchen, um den entstandenen Schaden wieder zu beheben. Die Absetzung des Pfarrers sei eine „schmerzliche“, aber notwendige Entscheidung gewesen.

Österreich

(Wien) In Österreich, Erzdiözese Wien, zog Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn eine erste konkrete Konsequenz aus der Pfarrer-Initiative „Aufruf zum Ungehorsam“, deren Forderungen mit jenen von Grenoble vergleichbar sind. Er stellte den Geistlichen Rat, Pfarrer Peter Meidinger (65) vor die Alternative, sich für die Mitgliedschaft in der Rebelleninitiative oder für das Amt des Dechanten des Dekanats Piesting zu entscheiden, das Meidinger seit Jahren bekleidete. Pfarrer Meidinger entschied sich für die Ungehorsams-Initiative und trat als Dechant zurück. Bekanntgegeben wurde die Nachricht durch den notorischen Kirchenrebellen Pfarrer Udo Fischer in dessen Zeitschrift „Ja“. Der Göttweiger Benediktiner, Pater Fischer, veröffentlichte das Schreiben, mit dem Meidinger seine Entscheidung den anderen Priestern des Dekanats mitteilte.

Meidinger begründete seine Entscheidung damit, daß er den „Vorschlag“ des Kardinals für „unmoralisch“ hielt, der mit seinem „Gewissen nicht vereinbar“ gewesen sei. Am 12. Juni teilte er daher mit, daß er „für das Amt als Dechant nicht mehr zur Verfügung“ steht.

Die Entscheidung des Wiener Erzbischofs ist anzuerkennen. Die Entscheidung Meidingers läßt jedoch eine hohe Konfliktbereitschaft und trotzige Verhärtung erkennen, die Zweifel an der Wirksamkeit der Entscheidung aufkommen läßt. Sie wirft vor allem die Frage auf, was an Meidingers Rebellentum ihn als Dechant untragbar sein läßt, aber als Pfarrer weiterhin tragbar.

Meidingers Reaktion läßt zudem erkennen, wie gering die Gehorsamspflicht in diesem Kreis veranschlagt wird. Sie dürfte in etwa auf dem „heiteren Weg durch das Leben“ erfroren sein.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Accion Liturgica

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1 Kommentar

  1. Es ist traurig, aber mit dieser Entscheidung hat sich zumindest in meinen Augen der Wiener Wendehalskardinal, klar auf die Seite des häretisch- schismatischen Vereins „Pfarrerinitiative“ gestellt. Denn nicht nur ein Dechant, sondern alle Christen sind zum Gehorsam verpflichtet. Aber mit dieser Entscheidung hat seine Eminenz klar ausgedrückt das Pfarrer UNGEHORSAM sein dürfen. Aber solange sich der Vatikan den Früchten dieses Kardinals nur Blind, Taub und Stumm stellt, so darf es einen auch nicht wundern das immer mehr geistig von Gott dem Herrn und seiner Kirche abfallen, früher hätte man dazu „Verrat am Kirchenvolk“ gesagt und so schnell als möglich etwas unternommen, aber Gott der Herr zählt ja nicht mehr in der Kirche sondern nur mehr der Götze Mammon und der satanische Zeitgeist.

    Gott unser Herr, erbarme dich deiner geliebten Kinder und befreie uns von den Schlangen und Otterngezücht, die wider dich kämpfen.

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