Die „kreativen Konservativen“ – die Generation von Bischöfen von Benedikt XVI.

(Washinton) „Kreative Konservative” ist ein neuer Begriff, der in den USA geprägt wurde. Er beschreibt jene neue Generation von Bischöfen, die Papst Benedikt XVI. „gefallen“: treu zum Lehramt, fähig zur Kommunikation mit der Welt. An ihrer Spitze steht der Erzbischof von Los Angeles, Msgr. Jose H. Gomez.

Die „kreativen Konservativen“ stehen zur katholischen Glaubenslehre, sie machen keine experimentellen Abstriche und Uminterpretationen, sie zeigen aber gleichzeitig eine kreative Fähigkeit die Glaubenswahrheiten heute entschlossen zu verkünden. So wünscht sich der Papst die Bischöfe: keine falsche Abschließung vor den Herausforderungen der Moderne, sondern mutige und treue Öffnung gegenüber dem zweitausendjährigen Lehramt der Kirche. Die Antwort der Kirche auf das Heute spielt sich nach Papst Benedikt XVI. zu allererst in der Kirche selbst ab. Die unvoreingenommene und uneingeschränkte Offenheit und Annahme des unverkürzten Glaubensschatzes nach innen ist Voraussetzung für eine entschlossene Verkündigung nach außen.

Treu zum Lehramt, fähig zur Verkündigung

Als Msgr. Jose H. Gomez im April 2010 zum Nachfolger des „liberalen” Kardinals Roger Mahony ernannt wurde, titelten die Tageszeitungen „Ein konservativer Bischof für Los Angeles“. Diese Charakterisierung begleitet immer wieder die Ernennungen von Papst Benedikt XVI. In Europa ist sie zum Großteil abwertend gemeint. Sie verbindet eine ganze Reihe von Nominierungen und zwar nicht nur wegen der medialen Begleitmusik, sondern durchaus in der Substanz. Eine Reihe, die vom Präfekten der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, über den Erzbischof von Mailand, Angelo Scola, den Primas von Belgien, Andre-Joseph Leonard, den Erzbischof von New York, Timothy Dolan, den Erzbischof von Philadelphia, Charles Chaput, den künftigen Patriarchen von Venedig Francesco Moraglia, den polnischen Erzbischof Stanislaw Budzik oder im deutschen Sprachraum den Bischof von Brixen, Ivo Muser, geht.

Erzbischof Gomez wurde am 26. Dezember 1951 in Monterrey in Mexiko geboren. Bereits als Jugendliche verspürte er den Ruf Gottes. H2Onews gegenüber sagte er dazu: “Am Ende der Oberstufe hörte ich den Ruf Gottes zum Priestertum, entschloß mich aber bis zum Ende der Universität zu warten. Ich denke, der entscheidende Augenblick in meiner Priesterberufung war, als ich nach der Oberschule den Entschluß faßte, täglich die Heilige Messe zu besuchen. Ich dachte, wenn ich Katholik bin, dann muß ich meinen Glauben auch ernst nehmen.“

Gomez von Chaput geprägt

Maßgeblich wurde Msgr. Gomez von Msgr. Charles Chaput geprägt. Gomez war Weihbischof von Chaput als dieser noch Erzbischof von Denver war. Der heutige Erzbischof von Philadelphia war es auch, der Gomez im Vatikan bekannt machte. Zu seinen Förderern zählt auch Justin Francis Kardinal Rigali. Msgr. Gomez selbst dürfte bald dem Kardinalskollegium angehören und damit für die spanischsprachige Welt ein wichtiger Bezugspunkt auch im Kirchensenat sein.

Viel wird davon abhängen, ob und wie sich der Erzbischof von Los Angeles im aktuellen Kampf der amerikanischen Katholiken gegen den Angriff der Regierung Obama auf die Gewissensfreiheit bewährt. Ein anderer, vom Papst als Mensch und Theologe sehr geschätzter Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn hatte bisher in Sachen Regierungsfähigkeit wenig Fortüne, die innere Zerrissenheit der österreichischen Kirche zu überwinden. Im Gegensatz zu den USA ist im deutschen Sprachraum noch die Meinung vorherrschend, im Zweifel die „Konservativen“ zu schlagen und die „Progressiven“ zu hegen.

Verteidigung der Gewissensfreiheit ist der Kampf von heute

In der Zeitschrift „First Things” kritisierte Msgr. Gomez, daß sowohl die Gerichte als auch die öffentliche Verwaltung immer häufiger das Recht auf Gewissensfreiheit zugunsten anderer Rechte oder Freiheiten mißachten. Jüngstes Beispiel war die Streichung jeglicher öffentlicher Förderung für das Flüchtlings- und Einwandererhilfswerk der amerikanischen Bischofskonferenz. Die Regierung Obama erkennt nicht mehr die Hilfeleistung an, die schwangeren Frauen in Not gewährt wird, sondern bestraft, daß das katholische Hilfswerk Frauen nicht bei der Tötung ihres ungeborenen Kindes unterstützt.

Msgr. Gomez steht an der Spitze einer amerikanischen Diözese, die am meisten für den Skandal pädophiler Kleriker bezahlte, wobei „bezahlen“ auch ganz wörtlich zu nehmen ist. Sein Vorgänger, Erzbischof Mahony zahlte 600 Millionen US-Dollar an die Opfer. Dafür mußten die Immobilien veräußert werden, was unter dem Diözesanklerus und den Gläubigen für viel Unmut sorgte. Insgesamt wurde die Haltung Mahonys scharf kritisiert. Es wurde ihm vorgehalten, eine zu lockere Brieftasche gehabt zu haben und zu schnell an vermeintliche Opfer gezahlt zu haben, ohne die Stichhaltigkeit ihrer Vorwürfe überhaupt zu prüfen. Damit sei rund um den Skandal ein lukratives Anwaltsgeschäft gefördert worden, das sich lawinenartig im Schlepptau findiger Anwälte auf andere Diözesen ausweitete und damit selbst zum Skandal wurde. Der Wechsel an der Diözesanspitze war ein deutliches Signal, das Papst Benedikt XVI. auch darauf geben wollte. Null-Toleranz im Zusammenhang mit Mißbrauchsfällen, aber kein falscher Kniefall und Ausverkauf der Kirche.

Text: Vatican Insider/Giuseppe Nardi
Bild: Wikimedia

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