Orissa in Indien, wo sich die Verfolger zum Christentum bekehren

(Neu Delhi) Am Morgen des Neujahrstages 2012 erlebte der Katholik Hippolitus Nayak, ein pensionierter Regierungsbeamter und führende Persönlichkeit der christlichen Gemeinschaft von Orissa einen außergewöhnlichen Besuch. An die Tür seinen Hauses klopfte Lakhno Pradhan, einer der Anführer der Hinduextremisten, die die Pogrome gegen die Christen von Tiangia durchführten. „Er überreichte mir Blumen und bat um Verzeihung für die Verbrechen der Hindubanden an uns Christen. Gott lockert die verhärteten Herzen von Kandhamal“, so Nayak. Kandhamal ist der Regierungsbezirk des Bundesstaates Orissa, in dem Tiangia liegt. Das Haus des Katholiken Nayak war beim Pogrom zerstört worden, der eine der schlimmsten Episoden der Christenverfolgung in der indischen Geschichte war.

Nach der Ermordung des Hindunationalistenführers Swami Lakshmanananda Saraswati am 23. August 2008 sprach man in den Kreisen der Hinduextremisten bald von einer “christlichen Verschwörung”, obwohl eine maoistische Terrorgruppe sich zum Mordanschlag bekannte. Aufgehetzte Hindumassen brachen einen schrecklichen antichristlichen Pogrom los, bei dem mehr als 100 Christen ermordet, über 300 Kirchen und 6000 Häuser von Christen geplündert und zerstört wurden. Mehr als 50.000 Christen wurden obdachlos, die meisten flüchteten aus der Gegend.

Wie Anto Akkara für KNA berichtete, haben sich mehrere der damaligen Verfolger bekehrt und besuchen heute regelmäßig die Heilige Messe in jener wiederaufgebauten katholischen Kirche, in der sie damals, brutal sechs Katholiken ermordeten, als diese sich weigerten, dem christlichen Glauben abzuschwören.

Das Phänomen wird aus ganz Kandhamal berichtet, wo Hunderte von Hindus den christlichen Glauben annehmen. Darunter auch eine ganze Reihe von Hindunationalisten, die damals die Katholiken mit Gewalt zum Hinduismus bekehren wollten.

Der Kaplan der katholischen Pfarrei von Pogingia, Prasanna Kumar Singh, berichtete, daß einer Anführer der Hindunationalisten sich schon vor einiger Zeit für die Zerstörung der Kirche entschuldigte. Die Kirche wurde wieder aufgebaut und konnte 2011 neu geweiht werden. „Er nahm sogar an der Weihnachtsliturgie teil und brachte im Offertorium die Opfergaben.“

Prabodh Kumar Pradhan, der Vikar von Raikia, der größten katholischen Pfarrei von Kandhamal, bestätigte eine starke Konversionsbewegung von Hindus zum Christentum. „Wir müssen dabei sehr vorsichtig sein, um nicht in Konflikt mit dem Gesetz zu geraten“, so der Vikar. In Orissa haben die Hindunationalisten ein Anti-Konversionsgesetz durchgesetzt, das bei einem Religionswechsel die Zustimmung des höchsten Regierungsvertreters verlangt. „Kandhamal zeigt, daß Tertullian recht hatte“, so Vikar Pradhan. Der Kirchenhistoriker Tertullian schrieb um 200 n. Chr.: „Das Blut der Märtyrer ist der Samen für neue Christen“.

„Das Zeugnis von Treue und Glauben, das die verfolgten Christen von Kandhamal geben, auch indem sie ihren Verfolgern verzeihen, hat die Herzen vieler Hindus berührt“, so Prabodh Kumar Pradhan.

Kandhamal ist dennoch weit entfernt, eine befriedete Gegend zu sein. 2011 wurden zwei Hirten, Saulo Pradhan und Minoketon (Michael) Nayak, von Hinduextremisten ermordet. „Es ist weiterhin gefährlich, in Kandhamal Christ zu werden“, sagte der Monfortanerpater K.J. Markose, selbst Taufpate eines konvertierten Hindu, der erklärte, bei seinem Glauben an Christus zu bleiben, was auch immer geschehen mag.

Text: KNA/Giuseppe Nardi
Bild: Asianews

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