22 neue Kardinäle – Benedikt XVI. kündigt 4. Konsistorium an

(Vatikan) Papst Benedikt XVI. hat für den 18. Februar 2012 ein Konsistorium einberufen. Dabei wird er 22 kirchliche Würdenträger in den Kardinalsrang erheben, darunter befinden sich auch zwei Deutsche. Die Ernennung von Kardinälen gibt Auskunft über die Zusammensetzung eines möglichen Konklaves.
18 neue Kardinäle könnten an einem Konklave teilnehmen, vier sind bereits über 80 Jahre alt. Zehn gehören der römischen Kurie an, acht sind regierende Diözesanbischöfe. Die Zahl der derzeitigen Papstwähler beträgt damit 125, und damit fünf mehr als die von Papst Paul VI. als Richtmaß genannte Zahl. Allerdings werden in den kommenden Monaten einige der „Wahlmänner“ das 80.Lebensjahr vollenden. Das vierte Konsistorium des Pontifikats von Benedikt XVI. stärkt das Gewicht der römischen Kurie und die Italiener, die im Augenblick mit 30 „großen Wählern“ die stärkste Landesgruppe stellen. Die Europäer machen mit 67 Kardinälen fast die Hälfte der potentiellen Konklaveteilnehmer aus. Mit 44 Angehörigen stellt die römische Kurie ein Drittel. Auffallend ist das Fehlen eines residierenden afrikanischen und lateinamerikanischen Bischofs unter den Purpurträgern, obwohl der Papst erst von einer sehr erfolgreichen Pastoralreise aus Westafrika zurückkehrte und eine Reise nach Mittelamerika bevorsteht. Überhaupt fehlen eine Reihe von Erzbischöfen, deren Sitze traditionell mit dem Kardinalat verbunden sind, darunter auch der Erzbischof von Philadelphia. Doch im Vatikan gibt es keine geschriebenen Gesetze, aus denen sich ein Anspruch auf die Kardinalswürde ableiten ließe. Den jeweiligen Erhebungen liegen komplexe Entscheidungsfindungsprozesse zugrunde. Deshalb bieten weit mehr die Erhebungen ehrenhalber Einblick in das Denken und die von Papst Benedikt XVI. verfolgte und gewünschte Linie.

Santos Abril y Castello (76), Spanier, Erzpriester der päpstlichen Basilika Santa Maria Maggiore.

George Alencherry (66), Inder, Großerzbischof der mit Rom unierten syro-malabarischen Kirche.

Giuseppe Bertello (69), Italiener, Leiter des Governatorats des Vatikanstaates und ehemaliger Botschafter des Heiligen Stuhls.

Giuseppe Betori (64), Italiener, Erzbischof von Florenz und ehemaliger Generalsekretär der italienischen Bischofskonferenz.

Joao Braz de Aviz (64), Brasilianer, Leiter der römischen Ordenskongregation und ehemaliger Erzbischof von Brasilia.

Fernando Filoni (65), Italiener, Leiter der römischen Missionskongregation und ehemaliger „Innenminister“ des Heiligen Stuhls.

Domenico Calcagno (68), Italiener, Leiter der des Personalamts des Vatikans und der Güterverwaltung und ehemaliger Diözesanbischof von Savona-Noli.

Thomas Christopher Collins (64), Kanadier, Erzbischof von Toronto und ehemaliger Sonderermittler gegen die Vertuschung von sexuellen Mißbrauchsfällen in der Kirche von Irland.

Francesco Coccopalmerio (73), Italiener, Leiter des Päpstlichen Rats für die Interpretation von Gesetzestexten und damit „Justizminister“ des Heiligen Stuhls und ehemaliger Weihbischof der Erzdiözese Mailand.

Willem Jacobus Eijk (58), Holländer, Erzbischof von Utrecht und ehemaliger Diözesanbischof von Groningen.

Timothy Dolan (61), USA, Erzbischof von New York und ehemaliger Erzbischof von Los Angeles.

Dominik Duka (68), Tscheche, Untergrundpriester während der kommunistischen Herrschaft, Arbeiter bei den Skoda-Werken, Erzbischof von Prag und ehemaliger Diözesanbischof von Königgrätz.

John Tong Hon (72), Chinese, Erzbischof von Hong Kong und ehemaliger Erzbischof-Koadjutor ebendort.

Manuel Monteiro de Castro (73), Portugiese, Apostolischer Großpönitentiar und ehemaliger Sekretär der Bischofskongregation

Edwin Frederick O‘Brien (72), USA, Großmeister des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem und ehemaliger Diözesanbischof von Baltimore.

Antonio Maria Veglio (73), Italiener, Leiter des Päpstlichen Rats für die Flüchtlinge und Migranten und ehemaliger Sekretär der Ostkirchenkongregation.

Giuseppe Versaldi (68), Italiener, Leiter der Präfektur für die wirtschaftlichen Angelegenheiten und damit „Finanzminister“ des Heiligen Stuhls und ehemaliger Diözesanbischof von Alessandria.

Rainer Maria Woelki (55), Deutscher, Erzbischof von Berlin und ehemaliger Weihbischof der Erzdiözese Köln.

Der Papst wird auch vier von ihm ausgewählten, besonders verdienten Priestern und Theologen die Kardinalswürde verleihen. Die Erhebung von über 80jährigen, die nicht mehr an einem eventuellen Konklave teilnehmen können, ist unter Papst Benedikt XVI. ein besonderer Indikator für die von ihm gewünschte Linie in der Kirche.

Karl Josef Becker (83), Deutscher, Jesuit, emeritierter Professor für Dogmatik an der päpstlichen Universität Gregoriana, Forschungsschwerpunkte Zweites Vatikanischen Konzil, das Becker aus der Perspektive der Kontinuität beleuchtet, und das Verhältnis der katholischen Kirche zu den Weltreligionen.

Prosper Grech (86), Malteser, emeritierter Bibelwissenschaftler am Päpstlichen Bibelinstitut in Rom mit dem besonderen Forschungsschwerpunkt Kirchenväter.

Lucian Muresan (80), Rumäne, Untergrundpriester während der kommunistischen Herrschaft, Arbeiter in einem Steinbruch, ehemaliger Großerzbischof der griechisch-katholischen rumänischen Kirche.

Julien Ries (91), Belgier, emeritierter Professor für Kirchengeschichte und ehemaliger Leiter des Orientalistik-Instituts an der Universität Louvain-la-Neuve, Begründer der Religionsanthropologie.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: BQ

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