120. Geburtstag von Jozsef Kardinal Mindszenty – Glaubenszeuge und Märtyrer des antikommunistischen Widerstandes

(Budapest) Am 29. März 2012, dem 120. Geburtstag von Kardinal Jozsef Mindszenty, des Märtyrer-Erzbischofs während der kommunistischen Herrschaft in Ungarn, erinnert die ungarische Bischofskonferenz an den 1975 verstorbenen Erzbischof von Esztergom und Primas von Ungarn, dessen Seligsprechungsverfahren im Gange ist. Für die 120 Jahrfeiern ist ein umfangreiches Programm vorgesehen, um an den unerschrockenen Kämpfer gegen die Diktatur und an die „heldenhafte Gestalt“ zu erinnern. Am 31. März wird der Primas von Ungarn und Vorsitzende der Europäischen Bischofskonferenzen, Kardinal Peter Erdö, einen Dankmesse in der Kathedrale von Esztergom zelebrieren. In Wien wird eine von der ungarischen Bischofskonferenz ausgerichtete Ausstellung über Leben und Werk von Kardinal Mindszenty gezeigt.

Namenswechsel von Pehm in Mindszenty aus Protest gegen Kriegseintritt

Kardinal Mindszenty war am 29. März 1892 als Joszef Pehm im westungarischen Csehimindszent (deutsch Allerheiligen am Böhmerberg) geboren. Sein deutscher Familiennamen Pehm vom nahen Böhmerberg verweist auf eine deutsche Abstammung. Den Namen legte er deshalb aus Protest 1941 ab und nahm den ungarischen Namen seines Geburtsortes an, als der ungarische Reichsverweser Miklos Horty an deutscher Seite in den Zweiten Weltkrieg eintrat.

1919 von Bolschewisten verhaftet – 1944 von Pius XII. zum Bischof ernannt

1915 zum Priester geweiht, übernahm Mindszenty im Chaos, das das Ende des Ersten Weltkriegs gebracht hatte, die Führung der Christlichen Partei und wurde deshalb Anfang 1919 verhaftet. Nach der bolschewistischen Machtübernahme durch Bela Kun blieb er weiter in Haft. Nach dem Ende des revolutionären Spuks wirkte er als Stadtpfarrer von Zalaegerszeg. Im dramatischen Jahr 1944 von Papst Pius XII. zum Bischof von Veszprém ernannt. Als Ostungarn bereits von der Roten Armee besetzt war und Horty einen Ausgleich mit der Sowjetunion suchte, wurde er von den NS-freundlichen Pfeilkreuzlern gestürzt. Wegen seines Widerstandes gegen eine sinnlose Fortsetzung des Krieges, wurde Bischof Mindszenty im Dezember 1944 mit Priestern und Seminaristen seiner Diözese verhaftet. Erst nachdem die Rote Armee Ungarn überrollt hatte, kam er am 20. April 1945 frei.

1944 von Pfeilkreuzlern verhaftet – 1945 Primas von Ungarn

Mindszenty wußte noch aus der Zeit der ungarischen Räterepublik, in welcher Feindschaft der Kommunismus dem Christentum gegenüberstand und sah sich durch die neuen sowjetische Besatzungsmacht bald bestätigt. Er wandte sich in einem Hirtenbrief gegen die Vertreibung der deutschen Volksgruppe aus Ungarn. Im Oktober 1945 wurde er von Papst Pius XII. zum Erzbischof von Esztergom ernannt und damit Primas von Ungarn. Als solcher war er nach dem König die zweithöchste Autorität Ungarns, da sich Ungarn bis dahin als Königreich verstand, allerdings seit 1918 der König fehlte.

1946 Kardinal – Vorkämpfer gegen die kommunistische Diktatur

1946 erhob ihn Pius XII. in den Kardinalsrang. Durch antikirchliche Maßnahmen, Abschaffung des Religionsunterrichts, Schließung katholischer Schulen, Auflösung der katholischen Jugendorganisationen und willkürliche Verhaftungen wurde Erzbischof Mindszenty zum Wortführer des „anderen“, des nicht-kommunistischen Ungarns. Nach der kommunistischen Machtübernahme wurde im Herbst 1948 zur Warnung der Sekretär des Kardinals verhaftet und das erzbischöfliche Palais einer Haussuchung unterzogen. Am 26. Dezember 1948 wurde Kardinal Mindszenty verhaftet und wochenlang gefoltert. Nach einem kommunistischen Schauprozeß wurde der ungarische Primas am 8. Februar 1949 zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Unterdessen schufen die Kommunisten ein „klosterfreies“ Ungarn, indem sie die Klöster enteigneten und mehr als 11.000 Ordensleute auf die Straße jagten.

1948 von Kommunisten verhaftet – In einem Schauprozeß zu lebenslanger Haft verurteilt

Erst durch den Ungarischen Volksaufstand gegen das Sowjetregime wurde er am 30. Oktober 1956 befreit. Vom Volk begeistert gefeiert, kehrte er nach Budapest zurück und unterstützte die neue Regierung. Als sowjetische Panzer den Aufstand blutig niederschlugen, flüchtete Kardinal Mindszenty in die amerikanische Botschaft in Budapest, von wo aus er zur Symbolfigur des antikommunistischen Widerstandes wurde, da er sich weigerte Ungarn zu verlassen. Von der kommunistischen Propaganda wurde Mindszenty zum Prototypen des feindlichen „Konterrevolutionäres“ gestempelt. Der „verbannte Kardinal“ konnte weder 1958 noch 1963 am Konklave teilnehmen, bei denen die Päpste Johannes XXIII. und Paul VI. gewählt wurden.

1956 durch Ungarischen Aufstand befreit – Flucht in amerikanische Botschaft

Mit der von Agostino Casaroli entwickelten neuen „Ostpolitik“ des Vatikans und Annäherungsversuchen an die Sowjetunion, die nach den 68er Unruhen in einer allgemeinen Linkswende als zukünftige Macht gesehen wurde, wurde Mindszentys ungebrochene Haltung zum Hindernis. Schließlich mußte er sich dem Druck des Vatikans unter Papst Paul VI. und Kardinalstaatssekretär Jean-Marie Villot und der USA unter Päsident Richard Nixon beugen und im September 1971 die amerikanische Botschaft verlassen und nach Österreich ausreisen. Einen Rücktritt als Erzbischof von Esztergom und Primas von Ungarn lehnte der Kardinal weiterhin ab. Um den „Stolperstein“ in den Beziehungen zum kommunistischen Osten endgültig auszuräumen, wurde die Kathedra des Erzbischofs von Esztergom im Dezember 1973 vom Vatikan als vakant erklärt und Mindszenty der dagegen Protest erhob, abgesetzt.

Opfer der neuen „Ostpolitik“ – Held des unbeugsamen Widerstandes

Im Gegenzug erlaubte ihm Rom 1974 seine Memoiren zu veröffentlichen, in denen er deutliche Kritik an der vatikanischen „Ostpolitik“ und der Nachgiebigkeit gegenüber dem Kommunismus übte. Am 6. Mai 1975 starb Kardinal Mindszenty in Wien und wurde auf eigenen Wunsch hin im bekannten österreichischen Marienwallfahrtsort Mariazell in der Obersteiermark begraben. Gemäß seinem Testament wurden seine sterblichen Überreste nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes und dem Abzug der sowjetischen Truppen aus Ungarn im Mai 1991 nach Ungarn überführt und in der Kathedrale von Esztergom beigesetzt. Das freie und demokratische Ungarn rehabilitierte ihn.

Auf seinem Grabstein steht geschrieben: „Das Leben hat ihn erniedrigt, der Tod hat ihn erhöht“.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Salpan.org

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