Kopten fürchten „Schutzangebote“ von Militär und Moslembrüdern
(Kairo) Der “arabische Frühling“ Ägyptens verblüht zusehends unter dem Einfluß von Militär und Islamisten. Die Kopten des Landes am Nil fürchten mit dem Nahen des orthodoxen Weihnachtsfestes (6. Januar) neue Attentate. Sowohl die Moslembrüder als auch das ägyptische Militär überschlagen sich derzeit mit Schutzerklärungen für die Christen des Landes. Die Angebote werden von den Christen mit großes Skepsis aufgenommen. Sie fürchten eine „erdrückende Umarmung“.
Das Militär führte eine Razzia gegen 17 ausländische Menschenrechtsorganisationen durch, darunter auch gegen die Caritas. Als Begründung nannte das Militär den „Verdacht“, die Mitarbeiter dieser Hilfsorganisationen seien ohne Arbeitserlaubnis in Ägypten tätig. Der Sprecher der katholischen Kirche erklärte in Anspielung auf das Schutzangebot des Militärs: „Die Militärs denken nur daran, sich selbst und ihre Macht zu schützen.“ Zehn Monate nach dem Sturz von Staatspräsident Hosni Mubarak ist Ägypten zerrissener und unsicherer denn je. Es herrscht die Befürchtung, daß das Militär vor dem ersten Jahrestag des „arabischen Frühlings“ am 27. Januar das Land in ein Chaos zu stürzen versucht.
Der koptisch-orthodoxe Bischof von Nag Hammadi, Kyrillos forderte in einem offenen Appell General Tantawi, den Vorsitzenden des Obersten Militärrates auf, die Sicherheit der Christen während der Weihnachtsfeierlichkeiten zu garantieren. Am Neujahrstag 2011 explodierte in Alexandria während der Heiligen Messe eine Autobombe, die 21 Christen tötete. Am orthodoxen Weihnachtsfest 2010 überfiel ein bewaffnetes Kommando eine Kirche in Nag Hammadi und tötete sieben Christen. In beiden Fällen hatte die Polizei die zahlreichen Warnungen und Gesuche der Christen um Schutz ignoriert.
Für den 25. Januar 2012 sind die für die politische Zukunft Ägyptens entscheidenden Präsidentschaftswahlen vorgesehen.
Text: Asianews/Giuseppe Nardi
Bild: Asianews
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