Ägyptische Farce: 34 Kopten sollen für Militärmassaker an Kopten vor Militärgericht gestellt werden

(Kairo) Die ägyptische Armee, die für das Massaker vom 9. Oktober 2011 an den Kopten verantwortlich gemacht wird, urteilt über sich selbst. Alles scheint darauf hinauszulaufen, daß sich die Militärs selbst von jeder Schuld am Tod von 28 Christen freisprechen und dafür 34 Christen, die bei den Zusammenstößen verhaftet wurden, als Sündenböcke zum Tode verurteilen. Unter ihnen befindet sich auch ein 16jähriger Junge. Mehrere der angeklagten Kopten sind verletzt. Seit dem 30.Oktober befinden sie sich ohne ausreichende ärztliche Versorgung und Nahrung im Gefängnis.

Pater Rafic Greiche, der Sprecher der katholischen Kirche in Ägypten spricht von einer „absurden Situation“, daß ein Militärgericht über die Verantwortung der Militärs an der Ermordung von christlichen Zivilisten entscheiden wird. „Es ist gegen das Gesetz, daß ein Militärgericht Zivilisten den Prozeß macht“, so Pater Greiche. Angeklagt sind nämlich nicht Militärs, obwohl die Christen sie für das Massaker verantwortlich machen. Statt dessen sollen 34 Christen wegen der Zusammenstöße vor Gericht gestellt worden, bei denen 28 Christen getötet wurden.

Der katholische Priester hofft, daß das Militär nach den Parlamentswahlen vom 26. November die Macht abgibt. Der Verhaftungsskandal betrifft nicht nur 34 koptische Christen, sondern auch einige Moslems, die gemeinsam mit ihnen demonstrierten. Die Universitätsprofessorin Laila Soueif, Mutter von Abdel Fatah, einem moslemischen Menschenrechtsaktivisten, der auch verhaftet wurde, trat heute in einen Hungerstreik, mit dem sie auf das Schicksal ihres Sohnes aufmerksam machen will und dessen Freilassung fordert.

Am 9. Oktober 2011 demonstrierten Tausende Kopten friedlich vor dem Sitz des ägyptischen Staatsfernsehens und forderten Gerechtigkeit für einen Brandanschlag auf eine Kirche in Asswan in Oberägypten. Kurz nach Beginn des Sitzstreiks schossen Unbekannte in die Menge. Als habe es sich um ein vereinbartes Signal gehandelt, griff umgehend das Heer die christlichen Demonstranten an. Laut Augenzeugenberichten schossen die Soldaten und fuhren die Militärs mit ihren Panzerfahrzeugen willkürlich in die Menge. Bei diesem Massaker starben 28 Christen, mehr als 200 wurden verletzt. Das Militär weigert sich, jede Verantwortung für das brutale Vorgehen zu übernehmen.

Text: Asianews/Giuseppe Nardi
Bild: Asianews

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