Benedikt XVI. über Assisi 3: „Werde alles tun, damit eine synkretistische oder relativistische Auslegung unmöglich wird“ – „Hab Vertrauen“

Am 1. Oktober 2011 fand in Rom die Tagung „Pilger der Wahrheit auf dem Weg nach Assisi“, veranstaltet von der Vereinigung Catholica Spes statt, um über Bedenken und Sorgen zu Assisi 3 zu sprechen.

“Der Heilige Vater wollte die Idee einer Pilgerschaft zur Wahrheit unterstreichen: Nicht ein Zusammensein, um gemeinsam in unterschiedlicher Weise zu beten mit der Gefahr, den übernatürlich offenbarten Glauben mit den verschiedenen menschlichen Glaubensformen und Naturreligionen zu vermischen, sondern ein gemeinsamer Weg hin zur einzigen Wahrheit.“ Mit diesen Worte erklärte Kurienkardinal Raymond Leo Burke den Sinn des interreligiösen Treffens in Assisi, zu dem Papst Benedikt XVI. für den 27. Oktober 2011 Vertreter verschiedener Religionen geladen hat.

Die gut besuchte Tagung bot Gelegenheit zu einer interessanten Diskussion darüber, wie sich katholische Gläubige der interreligiösen Begegnung für den Frieden und die Gerechtigkeit in der Welt annähern können. Die Art der Veranstaltung stößt bei nicht wenigen Katholiken auf Skepsis und ist Anlaß zur Sorge. Auch Kardinal Burke, seit 2008 Präfekt der Apostolischen Signatur betonte, daß „ein solches Treffen nicht wenige Gefahren in sich birgt, nicht zuletzt gerade auch, wie die Massenmedien darüber berichten werden. Der Heilige Vater ist sich dessen vollkommen bewußt. Die Massenmedien werden den Eindruck vermitteln, und sei es nur durch die Bilder, daß sich alle Religionen zusammengefunden hätten, um Gott um Frieden zu bitten. Ein im Glauben nicht ausreichend geformter Christ kann daraus den schwerwiegenden, völlig falschen Schluß ziehen, daß eine Religion gleichviel gelte wie eine andere und daß Jesus Christus nur einer von vielen Heilsvermittlern ist.“

Diese Sorge war ein Beweggrund gewesen, weshalb die Veranstalter die Tagung organisierten. In der Einführung machte Tagungsleiter Lorenzo Bertocchi einen interessantes Ausschnitt aus einem persönlichen Schreiben Papst Benedikts XVI. vom 4. März 2011 an den lutheranischen Pastor Professor Peter Beyerhaus bekannt. Im Namen einer langen Freundschaft, die auf die Zeit zurückgeht, als Joseph Ratzinger noch in Tübingen lehrte, schrieb Beyerhaus dem Papst im vergangenen Februar einen Brief. Darin zeigte er sich wegen der synkretistischen Gefahr verwundert und irritiert darüber, daß sein Freund, der Papst, zu einem Assisi 3 eingeladen hatte. Er bat Papst Benedikt XVI. in seinem Schreiben, ihm die Gründe und Absichten mitzuteilen. Die Antwort des Papstes erwähnte Professor Beyerhaus bereits im April in einem Interview mit der Monatsschrift Kirchliche Umschau, ohne jedoch den Inhalt zu zitieren.

Mit Zustimmung von Professor Beyerhaus wurde der Wortlaut der entsprechenden Stelle des päpstlichen Antwortschreibens auf der römischen Tagung bekanntgemacht.

„Ihre Sorge angesichts meiner Teilnahme an dem Assisi-Jubiläum verstehe ich sehr gut. Aber dieses Gedenken mußte auf jeden Fall gefeiert werden, und nach allem Überlegen erschien es mir als das Beste, wenn ich selbst dort hingehe und damit versuchen kann, die Richtung des Ganzen zu bestimmen. Jedenfalls werde ich alles tun, damit eine synkretistische oder relativistische Auslegung des Vorgangs unmöglich wird und klar bleibt, daß ich weiterhin das glaube und bekenne, was ich als Schreiben Dominus Jesus der Kirche in Erinnerung gerufen hatte.“

Den Auftakt zur Tagung bildete eine Heilige Messe im Alten Ritus, die von Msgr. Guido Pozzo, dem Sekretär der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei zelebriert wurde. Es folgten Referate von Pater Serafino Lanzetta (Franziskaner der Immakulata) über die Einzigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche in der Erklärung Dominus Iesus. Der Dogmatiker Prof. Mauro Gagliardi zeigte die päpstliche Intention zu Assisi 3 auf und stellte sie der Interpretation gegenüber, die die Massenmedien dem Ereignis geben.

Don Alessandro Olivieri Pennesi, Dozent an der Lateranuniversität, bot einen Überblick über den sogenannten „religiösen Supermarkt“ mit dem Schwerpunkt „alternative religiöse Bewegungen“. Am Nachmittag sprach im Anschluß an den erwähnten Beitrag von Kardinal Burke Kurienerzbischof Hon Tai-Fai Savio, der Sekretär der Päpstlichen Kongregationen für die Evangelisierung der Völker.

Den Abschluß bildeten der Liturgiker Prof. Nicola Bux mit dem Thema: “Wir beten an, was wir kennen (Joh 4,22). Wahrheit, Kirche und Heil”; der Dogmatiker Prof. Manfred Hauke: “‘Seminar Verbi‘ oder Teufelswerk? Die Kirchenväter über die heidnischen Religionen” und Prof. Corrado Gnerre (lehrt Religionsgeschichte und Philosophiegeschichte an der Europäischen Universität Rom): “Pilger der Wahrheit auf dem Weg nach Assisi”.

Veranstalter und Tagungsteilnehmer waren sich trotz unterschiedlicher Sichtweisen darin einig, dem Heiligen Vater dieses Vertrauen zu schenken und ihn nach Möglichkeit in seiner Absicht zu unterstützen. Die Tagung der Vereinigung Catholica Spes war selbst ein Schritt in diese Richtung. Demnächst werden alle Referate in einem Tagungsband veröffentlicht.

Text: http://www.verumperegrinantes.blogspot.com/Giuseppe Nardi
Bild: verumperegrinantes

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