Heiligenkreuz und Vetrego – bischöfliche Anmerkungen zur Frage des Ritus

(Wien/Treviso) Zwei europäische Diözesen gaben aktuell Stellungnahmen zum römischen Ritus der katholischen Kirche ab.

Treviso – Italien

Die Kurie der Diözese Treviso hatte Pfarrer Pietro Mozzato (83) die Zelebration einer Heiligen Messe im alten Ritus verweigert, die er sich im Einverständnis mit dem Pfarrgemeinderat seiner Pfarrei Vetrego, der er seit 40 Jahren als Pfarrer vorsteht, zu seinem 60. Priesterjubiläum gewünscht hatte. Die Gläubigen von Vetrego, die ihren langjährigen Pfarrer in seinem Wunsch unterstützten, an die Kurie appellierten und um die Gründe für die Ablehnung baten, erhielten bis heute keine Antwort.

Inzwischen nahm die Diözesanleitung öffentlich zur Kritik am Verbot der alten Messe Stellung. Als Antwort wird eine Stelle in der Predigt von Erzbischof Gianfranco Agostino Gardin, Bischof von Treviso, bei der Chrisammesse vom vergangenen Gründonnerstag gewertet. Der Erzbischof sagte: „Es fehlen heute nicht jene, die nicht ohne arrogante Spitze, sehr besorgt um die Treue der Kirche zu veränderbaren und zweitrangigen äußeren Formen scheinen, dabei aber auf eklatante Weise die substantiellen Anforderungen des Evangeliums aus den Augen verlieren.“ Ein Zusammenhang mit dem Fall Vetrego wird vom Vatikanisten Andrea Tornielli („will es nicht glauben“) bezweifelt, dennoch veröffentlichte er den Passus in einem Beitrag über Vetrego.

Sicher zu Vetrego äußerte sich hingegen Generalvikar Msgr. Giuseppe Rizzo, wie die Tageszeitungen La Nuova Venezia und der Corriere del Veneto (Beilage des Corriere della Sera für Venetien) am Ostersonntag berichteten. La Nuova Venezia schrieb: „Vom Generalvikar der Diözese, Msgr. Giuseppe Rizzo kam das Veto. Monsignore Rizzo ließ Don Pietro Mozzato wissen, daß die Diözese, es scheint aus pastoralen Gründen, [die Zelebration im alten Ritus] nicht gutheißt. Einer der Gründe (die legitim sind, weil es der Diözese zusteht, Richtlinien zu erteilen) scheint der Wille zu sein, so nahe als möglich beim Geist des Vatikanischen Konzils zu bleiben.“

Der Corriere del Veneto zitiert Generalvikar Rizzo wörtlich: „Man muß sich lediglich eine Frage stellen: Ist das die geeignetste Form, um die 60 Jahre Priestertum von Don Pietro zu feiern? Mit einer lateinischen Messe? Als Diözese haben wir kein Veto auferlegt. Wir haben darauf hingewiesen, daß es uns ungeeignet erscheint. Auf jeden Fall scheint mir die Polemik nur ein Vorwand und das mitten in der Osterzeit. Sollte sie anhalten, wird die Diözese nicht zögern, Stellung zu nehmen.“

Wien – Österreich

Am Ostermontag wurde in der Stiftskirche des 1133 gegründeten Zisterzienserklosters Heiligenkreuz bei Wien, mit Pater Maximilian Heim der 68. Abt des Stiftes geweiht. Das Kloster erlebt seine größte Blüte seit mehr als 300 Jahren. Eine bemerkenswerte Entwicklung angesichts der Nachwuchssorgen zahlreicher Ordenshäuser in Europa. Abt Maximilian Heim gehört zum erweiterten Schülerkreis von Papst Benedikt XVI.

In seiner Predigt nahm der Erzbischof von Wien, Christoph Kardinal Schönborn, zum Ritus Stellung. Er zitierte Papst Benedikt XVI., der darauf verwiesen habe, daß die Liturgie, der Gottesdienst, immer Vorrang haben müsse. „In jedem Kloster besteht aber auch die Gefahr, daß der Ritus die Oberhand gewinnt. Der Streit um den Ritus kann Klöster spalten. Daher muß immer bewußt bleiben, daß es um Christus, sein Wort und sein Opfer geht. Alles andere ist Hinführung zu dieser Mitte.“

Worauf Kardinal Schönborn anspielte und den neuen Abt ermahnte, ist nicht eindeutig ersichtlich. Stift Heiligenkreuz ist kein birituelles Kloster, das sowohl die ordentliche als auch die außerordentliche Form des römischen Ritus pflegt. Die Zisterzienser im Wienerwald bemühen sich, den römischen Ritus von 1970 „im Geist der Kontinuität“ zu zelebrieren. Über ihr liturgisches Selbstverständnis schreiben die Heiligenkreuzer Zisterzienser: „Anzumerken ist, dass wir hier in Heiligenkreuz das Chorgebet und die heilige Messe in lateinischer Sprache feiern. Dies entspricht dem Zweiten Vatikanischen Konzil, welches wünscht, dass das Latein erhalten bleiben soll, auch wenn die Landessprache zusätzlich erlaubt wird.“ Damit nehmen sie eine gewisse Sonderstellung ein, die sie von jeder Form von „experimenteller Liturgie“ abhebt. „Der gregorianische Choral fünf Mal am Tag in der alten Sprache der Kirche ist eine Meditationsform, mit der man Texte der Heiligen Schrift ins Herz bekommt. Ich habe das Gefühl, dass junge Leute nicht trotz, sondern wegen dieser Liturgie kommen“, so Alt-Abt Gregor Henckel-Donnersmarck in einem Gespräch mit der Tageszeitung Die Presse am 8. Januar 2011.

Galt die Warnung des Kardinals einer möglichen liturgischen Öffnung auch zur außerordentlichen Form des römischen Ritus? Oder sieht er in dem Bestreben, die ordentliche Form im „Geist der Kontinuität“ und nicht in einem „Geist des Konzils“ zu pflegen, die „Gefahr, die ein Kloster spalten“ könnte?

Giuseppe Nardi, Bild: Stift Heiligenkreuz

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