Christenverfolgung in Frankreich und Belgien: Lebensschützer entlassen – Aggression gegen Erzbischof Leonard

(Paris/Brüssel) Fall 1: Frankreich: Der 40jährige Gymnasiallehrer für Geschichte, Geographie und Staatsbürgerkunde, Philip Isnard, wurde aus dem Schuldienst entlassen, weil er im Fach Bürgerkunde seinen 16 Jahre alten Schülern die Videoreportage No need to argue vorführte. In sieben Minuten zeigt das auf Youtube frei zugängliche Video die in Europa angewandten Abtreibungsmethoden einschließlich RU486. Der seit sechs Jahren an einem Lyzeum in Manosque in der Provence unterrichtende Lehrer wollte damit Stimmen für und gegen den Lebensschutz zu Wort kommen lassen, wie es die Lehrpläne vorsehen. Isnard, seit 1993 im Schuldienst, schnitt im Oktober 2010 wie jedes Jahr beim Bereich Familie und Familienrecht auch das Thema Abtreibung an. Er unterbreitete den Schülern eine Vielzahl unterschiedlicher Darstellungen und Meinungen. Darunter das französische Abtreibungsgesetz im Wortlaut, eine Stellungnahme von Simone Veil für die Abtreibung.

Im Film kann man deutlich ein völlig ausgeprägtes Kind erkennen, das im Mutterleib verätzt und dann ausgestoßen wird. Man sieht die Verletzungen, die dem kleinen Körper zugefügt werden, den Händchen, den Beinchen, dem Gesicht des Kindes.

Ende November wurde Isnard vorläufig vom Dienst suspendiert. Nun folgte seine Entlassung. Die Eltern zweier Schüler, die selbst Lehrer an derselben Schule sind, forderten als erste seine Entlassung. Die Lehrerkollegen Isnards sind Mitglieder der abtreibungsbefürwortenden Vereinigung Prochoix für die Verteidigung der individuellen Freiheit. Prochoix begründete diese radikale Forderung mit den „brutalen und schockierenden Bildern“, mit denen die Schüler konfrontiert worden seien.

Als Grund für die Entlassung aus dem Schuldienst wurde angegeben, daß Isnard „die Schüler gefährdet“ hat, weil er durch die Vorführung des Films „nicht die Neutralität gewahrt“ habe. Er habe damit „schwerwiegende Unruhe an der Schule ausgelöst“. Nach Isnards Suspendierung hatten nämlich alle Schüler eine Petition zu seinen Gunsten unterzeichnet.

Isnard ist auch Vorsitzender der Lebensschutzvereinigung Pro vie. „Das war manchen ein Dorn im Auge, die möchten, daß man über Abtreibung nicht redet“, so Isnard. Er sieht noch einen tieferen Grund. In Frankreich habe nur eine einzige Organisation die Erlaubnis, an Schulen über Sexualerziehung zu sprechen: der Abtreibungslobbyist Planing Familial, ein Ableger der International Planned Parenthood Federation. Isnard war wegen seiner ausgewogenen Behandlung der Abtreibung, die auch den Lebensschutz zu Wort kommen ließ, bereits früher „gewarnt“ worden, daß seine Arbeit „nicht erwünscht“ sei.

Frankreichs Unterrichtsminister Luc Chatel entzog Isnard die Lehrbefugnis. Arbeitsrechtlich ist damit noch nicht das letzte Wort gesprochen, zeigt sich Isnard zuversichtlich. „Kulturell“ werfe sein Fall „bedrückende Fragen“ auf. „Weshalb kann man an einem staatlichen Gymnasium keine Bilder über die Abtreibung zeigen? Warum ist es manchen ein solches Ärgernis, beim Namen zu nennen, was Abtreibung ist, nämlich Mord? Warum kann es sein, daß in Frankreich ein katholischer Lehrer für den staatlichen Schuldienst als ‚ungeeignet‘ betrachtet wird?“

Fall 2: Belgien: Am Dienstagabend wurde Erzbischof André-Joseph Léonard, der Primas der katholischen Kirche in Belgien, bei einer Diskussionsveranstaltung an der Katholischen Universität Louvain-La-Neuv mit vier Torten beworfen. Der anwesende Ordnungsdienst schritt nicht ein. Die erste Torte traf den Erzbischof bereits auf dem Weg zur Veranstaltung im Gesicht, die drei weiteren kurz nach Veranstaltungsbeginn. Ein Mitglied der Gruppe, die für den Tortenwurf verantwortlich ist, begründete die Attacke mit Erzbischof Leonards Haltung und Äußerungen zu den Themen Homosexualität und Abtreibung. Der Primas vertritt zu beiden Thema die katholische Lehre. Diese lehnt sowohl Homosexualität als auch Abtreibung als Verstoß gegen das Naturrecht und damit die göttliche Ordnung ab. Bereits im November vergangenen Jahres war der Erzbischof in der Brüsseler Kathedrale bei der Zelebration der Heiligen Messe mit einer Torte beworfen worden.

Kommentar: Abtreibungsbefürworter zeigen trotz der Hekatomben ermordeter ungeborener Kinder keine Bereitschaft zum Umdenken, ungerührt und gefühllos versuchen sie statt dessen jegliche Diskussion über Abtreibung aus dem öffentlichen Raum zu verbannen. Rechtfertigen muß sich nicht jemand, der öffentlich für die Ermordung anderer Menschen eintritt, sondern die Lebensschützer, die das Leben verteidigen. Sie sind auf dem Weg aus ganzen Berufsgruppen ausgeschlossen zu werden und einem faktischen Berufsverbot ausgesetzt zu sein. Für den Arztberuf und einige Berufe im Gesundheitswesen ist dies bereits weitgehend der Fall. Der Fall Isnard zeigt, daß der Lehrerstand und ähnliche Berufe zumindest einen Maulkorb umgehängt bekommen sollen. Wer sich nicht daran hält, verliert den Arbeitsplatz und riskiert seine Existenz.

Radikale Homosexuelle, die sich in der öffentlichen Diskussion gerne als Opfer präsentieren, versuchen ständig Andersdenkende mundtot zu machen, im gleichen Stil wie es die Abtreibungslobby gegenüber Lebensschützern praktiziert.

Sowohl Abtreibung als auch Homosexualität widersprechen der Vernunft, weil sie dem Naturrecht widersprechen. Die Kirche vertritt zu beiden Themen Standpunkte, die der Vernunft entsprechen und sich dem Verstand logisch erschließen. Die Kirche betont deshalb die Übereinstimmung von Vernunft und Religion.

Wenn aus ideologischen Gründen sowohl ein „Recht auf Tötung ungeborener Kinder“, ein „Recht auf Gleichstellung homosexueller Paare mit der Ehe“ und ein „Adoptionsrecht für Homosexuelle“ gefordert wird, so widersprechen diese Positionen nicht nur der christlichen Religion, sondern auch der Vernunft. Wer entsprechend die Kirche wegen ihrer Haltung zur Abtreibung und zur Homosexualität verfolgt, oder auf dem Gesetzesweg sogar christliche Positionen mit dem bürgerlichen Strafrecht bedroht, verfolgt letztlich die Vernunft und kämpft damit gegen die Natur des Menschseins.

Giuseppe Nardi, Bild: hoffnungsvoll.de

 

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