Blogs werden im Vatikan gelesen – Msgr. Tighe über Vatikan und Kommunikation

von Giuseppe Nardi

(Vatikan) Für das Vatican Meeting Blog über die neue Realität katholischer Internetblogs sind innerhalb weniger Tage mehr als 700 Anmeldungen eingegangen. Das teilte Msgr. Paul Tighe, Sekretär des Päpstlichen Rats für die sozialen Kommunikationsmittel (PCCS), Katholisches.info mit. „Das großartige Interesse an dieser Initiative ermutigt uns sehr, unsere Bemühungen mit der Gemeinschaft der Blogger ins Gespräch zu kommen, künftig noch zu verstärken.“

Da die Teilnehmerzahl auf 150 Plätze geschränkt ist, werden die angemeldeten Interessenten nach Sprachraum, geographischer Herkunft und Typologie des Blogs (wie persönlich, institutionell, journalistisch) geordnet. Nach einem Schlüssel von Größe und Bedeutung der Sprachen und der Kontinente werden die 150 Teilnehmer durch das Los bestimmt.

Neben Bloggern aus der ganzen Welt, interessieren sich zahlreiche Verantwortliche für katholische Internetseiten, Diözesanseiten und der katholischen Medienarbeit für das Meeting.

Msgr. Tighe bedauerte, daß der deutsche Sprachraum „zu wenig berücksichtigt“ worden sei. „Künftig werde dies anders sein.“ Das Meeting sei nur als eine „erste Initiative“ gedacht, um mit der „neuen Realität“ der Blogger in Kontakt zu treten. Im Gegensatz zu katholischen Radiosendern oder Zeitschriften gebe es im Blogger-Bereich noch keine Zusammenschlüsse und Strukturen als Ansprechpartner. Es sei „alles viel spontaner und dezentraler“ als bei anderen Medien, so Msgr. Tighe.

Der Vatikan „sieht die zunehmende Bedeutung“ der Blogs und „geht davon aus, daß sie für eine schnelle Kommunikation und Nachrichtenverbreitung immer wichtiger werden“. Das Meeting wolle die „Vielfalt“ dieser „neuen Kommunikationsrealität anerkennen“. Es spiele dabei „keine Rolle“, ob ein Blog „mehr akademisch ist, oder sich mehr für Kirchenpolitik interessiert, mehr für die Liturgie oder mehr für die Glaubenslehre, ob er rechts oder links, progressiv oder traditionalistisch ist“. Man wolle nicht werten, sondern „einfach einmal Blogs ein Gesicht geben, um so ins direkte Gespräch zu kommen“. Denn es sei Tatsache, daß „sich immer mehr Menschen über die verschiedenen Blogs informiert“, so Msgr. Tighe.

Der Päpstliche Rat für die sozialen Kommunikationsmittel beobachte „kontinuierlich die Entwicklung der Blogs“, so Tighe. „Zur traditionellen Pressemappe der Tages- und Wochenpresse ist der Blick ins Internet hinzugekommen.“ Es handle sich dabei nicht um eine systematische Beobachtung bestimmter Seiten, so der Sekretär des PCCS. „Uns geht es verstärkt darum, anhand der Blogs zu prüfen, ob und wie die Botschaft des Vatikans ankommt.“ Die Blogs seien durch ihre Schnelligkeit ein „wertvoller Gradmesser“ dafür, ob die Botschaft „verstanden wurde“ und „wie sie verstanden wurde“. „Blogs ermöglichen uns, die Effizienz unserer Kommunikation zu überprüfen“, so Msgr. Tighe.

Die Frage, ob Blogs im Vatikan „auch in den oberen Etagen“ gelesen würden, beantwortete Msgr. Tighe mit einem eindeutigen „Natürlich, keine Frage.“ In diesem Sinn nehme die „Bedeutung der Blogs im Vatikan als Reaktion auf die ausgesandte Botschaft erheblich zu“. Es sei eine „Tatsache“, daß die verschiedenen „Blogs im Vatikan sehr gelesen werden“. Das geschehe natürlich „dezentral auf individueller Ebene angefangen von den einzelnen Mitarbeitern bis zu den Entscheidungsträgern“. Welche Blogs gelesen würden hänge „von der Bedeutung eines Blogs und von einer Übereinstimmung in den Positionen ab“, so Msgr. Tighe.

Die Blogger hätten andere Bedürfnisse als die traditionell akkreditierten Journalisten. Der Vatikan starte deshalb Mitte/Ende Mai mit einem neuen multimedialen News-Portal, das den neuen sozialen Kommunikationsformen wie Facebook und Twitter Rechnung trage. Dort sollen alle relevanten Meldungen der vatikanischen Pressestelle, von Radio Vatikan, Osservatore Romano, Fides und Vis (Vatican Information Service) zusammengeführt werden. Das solle einen „konzentrierten und direkten Zugang für Blogger und natürlich für alle Interessierten“ ermöglichen. Der Start erfolge in italienischer und englischer Sprache, um dann Schritt für Schritt weitere Sprachen, „auch Deutsch“, hinzuzufügen.

Msgr. Tighe wollte nicht direkt zu „Übersetzungsfehlern“ und „zweideutigen“ Formulierungen in mehreren Ausgaben des neuen Jugendkatechismus Youcat Stellung nehmen. „Generell“ betonte er jedoch: „Kommunikation muß eindeutig sein.“ Der Vatikan plane deshalb für die Zukunft, „verstärkt online zu publizieren und nicht mehr primär in gedruckter Fassung“. Dies ermögliche „nicht nur eine schnelle, weltweite Kommunikation und direkte Verbreitung“, sondern auch „eine Möglichkeit zur schnellen Korrektur eventueller Fehler“, so Msgr Tighe. Grundsätzlich sei die Suche nach einer “ verständlichen, aber gleichzeitig angemessenen Sprache, eine immer neue Herausforderung“. Es sei „nicht leicht“, auf „Mitarbeiter zurückzugreifen, die mit der Sprache der Kirche und des Glaubens nicht ausreichend vertraut sind.“

Am Samstag, den 16. April wird die Teilnehmerliste des Vatican Meeting Blog auf der Internetseite des Päpstlichen Rats für die sozialen Kommunikationsmittel www.pccs.va veröffentlicht.

(Bild: Montage katholisches.info)

 

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