Kardinal Sgreccia: Nicht Selbstmord, sondern Selbstmörder respektieren – Wenn Kant es verstanden hat, kann es jeder verstehen

(Rom) Msgr. Elio Sgreccia, der soeben von Papst Benedikt XVI. zum Kardinal erhobene ehemalige Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, fordert ein Umdenken beim Thema Selbstmord. „Wer den Selbstmord einer Person nützt, um die Legalisierung der Euthanasie zu fordern, mißbraucht die ganz persönliche Tragödie eines Menschen“, so der Kardinal. Msgr. Sgreccia, einer der führenden internationalen Fachleute für Bioethik, erklärte: „Nicht der Selbstmord ist zu respektieren, sondern die Person des Selbstmörders, alles andere ist eine ungerechte Ideologie.“

„Wann immer ich in der Zeitung lese, wie eine Minderheit den traurigen und schmerzhaften Fall eines Selbstmordes unberechtigt für politische Zwecke nützt, fällt mir nur ein Wort dazu ein: Mißbrauch. Es wird der extreme Akt einer Person mißbraucht, die im Selbstmord endet, ohne, daß diese Person noch etwas zu den dramatischen Motiven sagen kann“, so der Kardinal.

In den meisten Fällen herrsche eine dramatische Dunkelheit bei vermeintlicher Luzidität vor, welche die Tragödie eine ganz persönlich sein lasse. Im Zusammenhang mit dem Selbstmord des 95jährigen italienischen Regisseurs Mario Monicelli erklärte Italiens Staatspräsident diesen Akt als „letzte Manifestation seiner Persönlichkeit mit einem extrem Willensschub, den man respektieren“ müsse. Im Gefolge gab es ähnliche Wortmeldungen, die den Selbstmord zum „schönen Akt“ erklärten. Während andere offen die Legalisierung der Euthanasie forderten. „Wenn jemand zu respektieren ist, dann ist es Monicelli, nicht der Selbstmord. Mir scheint, daß unter jenen, die nun von Respekt reden, ihn gar nicht respektieren“, so Kardinal Sgreccia. Diese versuchten, eine persönliche Tragödie für ein ideologisches Manifest auszunützen. „Der Selbstmord ist nicht zu respektieren, zu respektieren ist Monicelli als Person. Lassen wir Gott das Urteil über seinen Schritt, den die Lehre der Kirche immer als moralisch nicht erlaubt bezeichnet hat. Wenn jemand nicht gläubig ist, dann kann er angesichts eines solchen Schrittes immer den Weg des Schweigens wählen. Auch das Schweigen ist eine tiefe Ausdrucksform des Respekts“, so der ehemalige Präsident der päpstlichen Akademie für das Leben.

Im Bestreben einer Minderheit, die Euthanasie zu legalisieren, sei eine Umdeutung von Begriffen zu beobachten. „Der Schritt, sich das Leben zu nehmen, heißt Selbst-Mord. Als solcher ist er zu kritisieren und immer zu verurteilen“, so Msgr. Sgreccia. Der Kardinal zitiert dazu Platon und Kant. Platon sagte, daß das Leben nicht in den Händen des Menschen liege und daher niemand das Recht habe, es sich zu nehmen. Kant erklärte, daß nur das erlaubt sei, was von allen gemacht werden könne. Deshalb sei Selbstmord nicht erlaubt, denn wenn ihn alle begehen würden, würde die gesamte Menschheit aussterben. „Wenn es Kant verstanden hat, dann können es also alle verstehen“, so Kardinal Sgreccia.

In Abständen würden Wortmeldungen der Kirche eine „Öffnung“ empfehlen. „Die Kirche verurteilt nicht und verweigert niemandem ein Begräbnis, außer jemand lehnt ausdrücklich ihre Barmherzigkeit ab. Ich bin der Überzeugung, daß die Kirche in Fragen des Lebens keine Kompromisse machen kann. Der Kampf zur Verteidigung des Lebens ist kein katholischer Kampf, sondern ein Kampf den sich jeder Mensch zu eigen machen kann im Namen der Vernunft. Da besteht nicht der geringste Zweifel“, so Kardinal Elio Sgreccia, einer der führenden Experten zu Fragen der Bioethik.

(Palazzo Apostolico/Giuseppe Nardi, Bild: fabriano)

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