Der Weg nach Kanada – Kardinal Marc Ouellet bald Chef der Bischofsschmiede?

(Rom) Nachdem lange Zeit der Erzbischof von Sidney, Kardinal George Pell, als künftiger Präfekt der Bischofskongregation genannt wurde, schien plötzlich die wichtige Personalfrage im Vatikan völlig offen. „Endlich ist der Wechsel entschieden: in den nächsten Wochen wird der Name des Nachfolgers von Kardinal Giovanni Battista Re an der Spitze der ‚Bischofsschmiede‘ bekanntgegeben“, schrieb Andrea Tornielli gestern in der Tageszeitung Il Giornale. Die Entscheidung des Papstes sei auf den kanadischen Kardinal Marc Ouellet, Erzbischof von Quebec gefallen.

Msgr. Ouellet (66) gehört dem Orden der Sulpizianer an. Er stammt aus dem kleinen Ort La Motte in der Nähe der Stadt Amos im französischsprachigen Bundesstaat Quebec. 1968 wurde er zum Priester geweiht, 2001 empfing er das Sakrament der Bischofsweihe. Ein Jahr lang war er Sekretär des Päpstlichen Rats für die Einheit der Christen, bevor er Ende 2002 von Papst Johannes Paul II. nach Quebec entsandt zum Primas von Kanada wurde.  Der Kardinal spricht sechs Sprachen und ist Redaktionsmitglied der theologischen Zeitschrift Communio, die 1972 von Joseph Ratzinger und Hans Urs von Bathasar gegründet wurde. Er gilt als Ratzingerianer und ist ein Kenner der römischen Kurie. Die Ernennung soll noch vor Beginn der Sommerpause bekanntgegeben werden. Damit könnte der neue vatikanische „Minister“ bereits im September sein Amt antreten.

Die Neubesetzung der Spitze der Bischofskongregation gilt als eine der wichtigsten Entscheidungen des Pontifikats von Papst Benedikt XVI., da der Präfekt maßgeblich an der Formung der künftigen katholischen Führungsebene mitwirkt. Nur bei absoluter Loyalität  und einem engen Vertrauensverhältnis wird es dem Papst ermöglicht, seine Linie durch eine entsprechende Personalpolitik umzusetzen.

Am 30. April empfing der Papst Kardinal Pell in Audienz. Bei dieser Gelegenheit teilte ihm der Papst seinen Wunsch mit, ihn an die Spitze der Bischofskongregation zu berufen. Im Anschluß an die Audienz sprach Msgr. Pell lange mit dem amtierenden Präfekten Kardinal Re. Der Heilige Stuhl hatte dem designierten Amtsinhaber bereits eine Wohnung in der Via Rusticucci in Rom zugewiesen. Doch plötzlich kam alles anders. Pell selbst hätte seinen Aufgabenbereich in Australien nur ungern verlassen. Zudem suchte eine irische Organisation von Mißbrauchsopfern gezielte Öffentlichkeit, um dem Kardinal Entscheidungsfehler in früheren Jahren vorzuwerfen. Im Vatikan sieht man dies anders, da bereits seinerzeit sogar zivilrechtlich festgestellt wurde, daß den Kardinal keine Verantwortung traf.  Msgr. Pell wird zudem von Papst Benedikt XVI. sehr geschätzt. Wegen der schwierigen Zeiten, die rund um sexuelle Mißbrauchsfälle eine mediale antikatholische Stimmung atmen, entschloß man sich schließlich auch im Vatikan zu einem Kandidatenwechsel, um den neuen Präfekten nicht bereits polemischen Angriffen auszusetzen, noch ehe er von seinem Amt Besitz ergriffen hätte.

Kardinal Ouellet wurde in Kanada von progressiver Seite als „Instrument Roms“ kritisiert, mit dem die „offene“ Kirche Quebecs „wieder auf Kurs“ gebracht werden sollte. Quebec, bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil eine der katholischen Regionen der Welt, erlebte ab der zweiten Hälfte der 60er Jahre eine radikale Entchristlichung. Msgr. Ouellet führte die eucharistische Anbetung wieder ein, die im französischen Teil Kanadas fast zur Gänze in Vergessenheit geraten war. Ebenso stellte er den Mißstand der weitverbreiteten Praxis der Generalabsolution ab und bemühte sich um die Wiederbelebung der Einzelbeichte. Er trat für die Verteidigung des Lebens, der Ehe, des katholischen Religionsunterrichts und des Kreuzes in öffentlichen Gebäuden ein.

Nach der Veröffentlichung des Motu proprio Summorum Pontificum errichtete er kanonisch eine Personalpfarrei für die außerordentliche Form des römischen Ritus, mit deren Betreuung er die Petrusbruderschaft beauftragte.
Im Dezember 2007 weihte Kardinal Ouellet seine Diözese feierlich dem unbefleckten Herzen Mariens.

(Messainlatino/GN, Bild: Messainlatino)

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