Wahl Margot Käßmanns „Krisenzeichen in der westlichen Gesellschaft“

(Moskau) Die Russisch-Orthodoxe Kirche kann in nächster Zeit die Kontakte mit der größten protestantischen Kirche Westeuropas, der Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, abbrechen. Das berichtet die russische Zeitung Kommersant am Donnerstag. Der Grund dafür ist die jüngste Wahl einer Frau zum Oberhaupt der Lutheraner, was nach Auffassung der Orthodoxen den evangelischen Prinzipien widerspricht. Experten räumen ein, daß die Abkühlung der Beziehungen seit vielen Jahren zum größten Konflikt zwischen der evangelischen Glaubensgemeinschaft und den Orthodoxen führen wird.

Die Landesbischöfin Margot Käßmann aus Hannover wurde am 28. Oktober von der Landessynode zur Vorsteherin der Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands gewählt, die nahezu 24 Millionen Protestanten (mehr als 20 lutherische und reformierte Kirchen) vereinigt. Die 51-Jährige ist zudem geschieden und hat vier Töchter.

„Für Ende November bzw. Anfang Dezember sind die Feierlichkeiten anläßlich des 50-jährigen Jubiläums des Dialogs mit der Lutherischen Kirche Deutschlands anberaumt“, sagte der Leiter des kirchlichen Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Erzbischof Ilarion von Wolokolamsk, am Mittwoch. Das Jubiläum werde aber „gleichzeitig auch das Ende des Dialogs sein.“ Die Russisch-Orthodoxe Kirche akzeptiert nicht das Frauenpriestertum. „Eine Frau als Bischöfin – das widerspricht den evangelischen Prinzipien“, erläuterte der Pressechef im kirchlichen Außenamt, Priester Georgi Sawerschinski. „Deshalb kann es keine Kirchenbeziehungen geben. Höchstwahrscheinlich werden neue Kommunikationsformen gefunden.“ Nach seinen Worten werden die Gemeinschaften weiterhin als Gesellschaftsorganisationen Kontakt halten.

Die russischen Lutheraner haben Verständnis für die Position der Russisch-Orthodoxen Kirche. So sieht der Chefsekretär der Evangelisch-Lutherischen Kirche Ingriens (Rußland), Priester Alexander Priluzki, in der Wahl Margot Käßmanns „Krisenzeichen in der westlichen Gesellschaft“.

„Unsere Beziehungen mit den Protestanten aus dem Westen sind in jüngster Zeit ebenfalls ziemlich kompliziert geworden, und zwar wegen des Liberalismus in ihrer theologischen Praxis“, bedauerte der Geschäftsführer des Verbandes der Evangelisten in Rußland, Bischof Konstantin Berdas, in einem Interview für die Kommersant. „Leider verzichtet man im Westen auf die evangelischen Prinzipien, und die Schweden sind gar zu weit gegangen und haben eine Lesbe zur Bischöfin gewählt.“

Sollte der Dialog zwischen den Kirchen eingestellt werden, dann „kommt sogar die Unterbrechung der diplomatischen Beziehungen zwischen den deutschen Christen und den russischen Orthodoxen in Frage“, sagte der Direktor des Instituts für Religion und Recht am Europa-Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften, Roman Lunkin. Ihm zufolge kann dies „zum größten in den letzten Jahren Konflikt zwischen zwei Zweigen des Christentums führen.“

(RIA Novosti)

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