Eritrea: „Gefahr einer patriotischen Kirche nach chinesischem Modell“ – Missionare ausgewiesen

(Asmara/Rom) Im November 2007 hat Eritrea fast alle ausländischen Missionare des Landes verwiesen. Offiziell hieß es, weil ihre Aufenthaltsgenehmigung abgelaufen sei, die bisher jeweils für ein Jahr verlängert wurde. Die Maßnahme ist einmalig in der Geschichte des Staates. Die Regierung verfolge eine Linie nach dem „chinesischen Modell“, so Bruder Fiorenzo Losa, einer der Ausgewiesenen. „Sie wolle eine völlig vom Staat kontrollierte und abhängige Kirche schaffen. Dafür sei die Regierung bereit den Priester das Gehalt zu zahlen und die Kirchen zu bauen. Der Preis ist die totale Abhängigkeit“, so der Ordensangehörige der Congregatio Filiorum S. Mariae Immaculatae FSMI.

Das von Staatspräsident Isaias Afwerki gelenkte Eritrea „erträgt keine Kirche, die sich für den Schutz der Menschenrechte einsetzt“, so Bruder Fiorenzo, der in der Hauptstadt Asmara ein Haus für Waisenkinder und Jugendliche Strafentlassene leitete. „Der Staat beobachtet genau unseren Einsatz für Erziehung und Ausbildung. Für einen Staat, der alles verstaatlichen und kontrollieren will, ist eine eigenständig und frei handelnde Kirche wie ein Schlag ins Gesicht.“

P. Flavio Paoli, der demselben Orden angehört, lebt noch in Asmara und betreut nun alle Ordenseinrichtungen. „Der Staat verfolgt seine Linie mit Härte. Die Regierungsvertreter sind unangemeldet in alle unsere Häuser eingedrungen, um ein Inventar zu erstellen. Der nächste Schritt wird die Enteignung sein“, so P. Flavio, dessen Aufenthaltsgenehmigung in einigen Monaten ausläuft. „Sollten wir wirklich gezwungen werden, alles aufgeben zu müssen, stehen die Kinder und Jugendlichen wieder allein auf der Straße“, schildert der Ordenspriester die schwierige Lage. Die drei katholischen Bischöfe Eritreas und der apostolische Nuntius haben sich gemeinsam an Staatspräsidente Afwerki gewandt, ohne eine Antwort zu erhalten.

Auch Hilfsorganisationen klagen über dieselben Schwierigkeiten. „Die Regierung verhindert die Ankunft von Containern und so bleiben wir ohne Medikamente“, erklärte eine junge italienische Ärztin, die in einem Krankenhaus rund 90 km außerhalb von Asmara tätig ist, das von der christlichen Laienorganisation „Missionare der Hoffnung“ geführt wird. Die Regierung habe der Organisation bereits mitgeteilt, daß sie das Krankenhaus übernehmen werde. Die Mitarbeiter rechnen damit, daß sie bei Ablauf der Aufenthaltsgenehmigungen ebenfalls des Landes verwiesen werden.

(SIR/RP)

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