Unwort in der Kirche?

von Aloysius Winter

Primiz
Primizsegen
Bild: Martin Huhs

Neuerdings macht ein verräterisches Unwort die Runde: jene Katholiken, die die überkommene Form des Ritus der Hl. Messe zu schätzen wissen und lieben, werden als „Altgläubige“ bezeichnet, nachdem sich der Begriff „Traditionalisten“ bereits für faktisch abständige Gruppierungen eingebürgert hatte.

Diejenigen, die heute von „Altgläubigen“ sprechen, betrachten sich selbst dabei offenbar als „Neugläubige“, sonst hätte schließlich die Bezeichnung keinen Sinn. Allerdings stellen sie sich damit in die Reihe der Schismatiker und Häretiker, die tatsächlich neue Formen des Glaubens vertreten haben, auch wenn sie das, wie Martin Luther, eigentlich nicht wollten. Nun aber ist katholisch das, „was überall, was immer, was von allen geglaubt wurde“, wie es Vinzenz von Lérins im Jahre 434 lapidar und unmißverständlich formuliert hat. Das Neue Testament, das zusammen mit dem Alten Testament aufgrund der „Inspiration“ durch den Heiligen Geist als „normierende Norm“ des Glaubens gilt, ist selbst aus der frühesten apostolischen Tradition erwachsen und wird von der fortgesetzten Überlieferung, die dem „lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut“ ist, ausgelegt, verdeutlicht und verbindlich erklärt. Das Lehramt dient dem Wort Gottes, „indem es nichts lehrt, als was überliefert ist“. „Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift bilden den einen der Kirche überlassenen heiligen Schatz des Wortes Gottes.“ (2. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung, Nr. 10). Jeder Bruch mit der Tradition ist darum als Bruch mit dem Glauben zu betrachten. In diesem Sinne kann es keinen neuen Glauben geben, der die Bezeichnung katholisch verdient. Die Konzilien der Kirche haben den überlieferten Glauben präzisiert und klarer formuliert, aber niemals einen neuen Glauben etabliert, auch nicht das zweite Vatikanische Konzil. Die Offenbarung war mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen, unbeschadet gewisser und letztlich unverbindlicher Privatoffenbarungen, deren Echtheit jedoch sorgfältig zu prüfen ist. Im Jahre 1872 hat der Linkshegelianer David Friedrich Strauß sein letztes Buch veröffentlicht mit dem Titel: „Der alte und der neue Glaube“; aber er war ehrlich genug, als Resultat seiner Religionskritik schließlich festzustellen, daß er damit den christlichen Glauben aufgegeben hatte. Davor möge uns Gott bewahren!

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Dr. theol. Lic. phil. Aloysius Winter ist em. o. Professor für Fundamentaltheologie, Religionsphilosophie und phil.-theol. Propädeutik. Zuletzt ist bei Katholisches der Beitrag Der Reichtum der klassischen Liturgie – Zur Kritik am Motu Proprio „Summorum Pontificum“ des Papstes von ihm erschienen.

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